Am 27.6.2001 eröffnete der Aufsichtsratsvorsitzende Herr Dr. Matthias Heise kurz nach 10 Uhr die 3. ordentliche Hauptversammlung der Intertainment AG in der Zenith-Halle in München. Er begrüßte die Aktionäre und Gäste sowie die Vertreter der Presse. Für GSC Research war Dietmar Stanka vor Ort und erstellte diesen Bericht.
Aufsichtsrat und Vorstand waren vollzählig anwesend. Nach der Bekanntgabe der gesetzlichen Vorschriften und des Ablaufs der Veranstaltung übergab Herr Dr. Heise das Wort an den Vorstandsvorsitzenden Herrn Rüdiger Baeres.
Bericht des Vorstands
Die Intertainment AG hat eine schwierige Phase hinter sich, so Herr Baeres in seinen einleitenden Worten. Die Schwierigkeiten mit dem Filmlieferanten Franchise Pictures waren der Grund dafür, dass im November 2000 eine Gewinnwarnung herausgegeben wurde und dass im ersten Quartal 2001 nur geringe Umsatzerlöse erzielt wurden.
Die Zukunftsaussichten sind jedoch besser, als allgemein dargestellt, und einige Geschäftszahlen wurden deutlich verbessert. So stieg der Umsatz um 206 Prozent auf 171,1 Mio. DM, das EBIT wuchs um 6 Prozent auf 31,6 Mio. DM. Dass die Steigerung des EBIT niedrig ausgefallen ist, muss u.a. auf Rückstellungen und Sonderabschreibungen im Zusammenhang mit Franchise Pictures zurückgeführt werden.
Die Strategie, sich von einem auf den deutschen Fernsehmarkt konzentrierten Unternehmen zu einer europaweit in allen Filmvertriebswegen aktiven Gruppe weiter zu entwickeln, bezeichnete der Vorstand als richtig. Dass für die Vermarktung von Kino, Video und Pay-TV Warner Brothers und 20th Century Fox als Partner geholt wurden, sei ebenfalls ein richtiger Schritt gewesen. Lizenzen für den Bereich Free-TV werden dagegen ohne Partner europaweit vermarktet.
Die über die Partner generierten Umsätze betrugen 62,3 Mio. DM, das sind 36 Prozent des Umsatzes, und über den Verkauf von Lizenzen im TV-Bereich setzte Intertainment 81,5 Mio. DM um sowie 19 Mio. DM über All-Right-Deals. Im Jahr 2000 wurden Lizenzpakete an den spanischen Vermarkter Manga Films, an Harmony Gold (Italien), an Redbus (Großbritannien) und an den französischen Sender TF 1 verkauft.
Neben den Lizenzierungsvereinbarungen soll die Filmbibliothek erweitert werden. Dazu wurde mit dem Hollywood-Produzenten Arnold Kopelson ein fünfjähriger Exklusivvertrag abgeschlossen, der mindestens 500 Mio. US-$ umfasst. Es sollen in diesen fünf Jahren 10 Filme mit einem Budget von je 50 Mio. US-$ produziert werden. Die letzten 10 Filme von Kopelson haben weltweit im ersten Verwertungsschritt (Kino) über 2 Mrd. US-$ eingespielt.
Die im Sommer 2000 durchgeführte Kapitalerhöhung, die eine breitere Basis für die Zusammenarbeit mit Kopelson ermöglichen soll, wurde mit einer 1,5fachen Überzeichnung abgeschlossen.
Die deutliche Verschlechterung der Geschäftsentwicklung führte dazu, dass im 1. Quartal ein Umsatz von nur 9,5 Mio. DM erzielt wurde, und das EBIT wies ein Minus von 900.000 DM aus.
Da es, so die Erfahrungen von Intertainment, immer schwieriger wird, kleine Filme erfolgreich zu vermarkten, hat man den Vertrag mit Franchise abgeschlossen. Dieser sah vor, dass in den kommenden 5 Jahren 60 Filme abgenommen werden. Die Vertragskonditionen waren gut, für die Filme mussten nur 47 Prozent des Produktionsbudget entrichtet werden, und die Rechte mussten 25 Jahre ausgewertet werden. Andere renommierte Unternehmen wie Village Roadshow (Australien) und Toha-Towa und Gage (Japan) erwarben die Rechte für das jeweilige Land bei Franchise.
Der Film „Keine halben Sachen“ mit Bruce Willis war der erste erfolgreiche Deal mit Franchise. „Battlefield Earth“ und „Art of War“ sind Science Fiction-Filme, bei denen es schwierig ist, das tatsächliche Budget zu erkennen. Misstrauisch wurde man bei Intertainment, als der Film „Get Carter“ mit Sylvester Stallone im Herbst 2000 vorgeführt wurde. Das projektierte Budget von 83,6 Mio. US-$ konnte nicht erkannt werden, und so forderte man das Final Cost Budget an, also die Abschlussrechnung.
Franchise verzögerte die Auslieferung der Unterlagen, ebenso die des Films „Get Carter“ und anderer Produktionen, was zu der Umsatz- und Gewinnwarnung führte. Über eine dritte Seite bekam man dann über viele Umwege die tatsächlichen Budgets, die gezeigt haben, dass Franchise de facto organisierte Kriminalität betrieben hat. So wurden für die bereits abgenommenen Filme 20 Mio. US-$ bezahlt, hätte man alle Filme abgenommen, dann wären es sogar 75 Mio. US-$ gewesen.
Am Beispiel von „Get Carter“ erläuterte Herr Baeres das betrügerische Vorgehen von Franchise in Zusammenarbeit mit der mitfinanzierenden Imperial Bank und der Versicherungsgesellschaft, die einen so genannten Completion Bond bestätigt, dies ist eine Fertigstellungsversicherung, die z.B. eine Überschreitung des Budgets decken würde. Franchise, Bank und Versicherung arbeiteten nun mit mehreren Budgets.
Der Chef von Franchise, Elie Samaha, gab gegenüber der juristischen Fachzeitung „Daily Journal“ zu, mit diversen Budgets agiert zu haben. So wurde das höchste Budget Intertainment vorgelegt, dann gab es ein niedriges für die Bank, ein noch niedrigeres bekam der Regisseur, und das niedrigste erhielten Schauspieler und Filmcrew.
Im Februar wurde auch gegen die Imperial Bank Klage eingereicht, aber mittlerweile aus prozesstaktischen Gründen wieder zurückgezogen. Gegebenenfalls kann diese aber wieder eingereicht werden. Im Gegenzug hat auch Franchise eine Klage gegen Intertainment eingereicht. Dies war auch der Grund, warum man bei der Deutsche Börse AG eine einmonatige Verlängerungsfrist bis zur Vorlage der Bilanz beantragt hatte. Die Werthaltigkeit der besagten Klage wurde durch ein Rechtsgutachten geprüft und wurde für gegenstandslos gehalten, weshalb diesbezüglich auch keine Rücklagen gebildet wurden.
Für den Fall, dass Sublizenznehmer die Intertainment in Regress nehmen sollten, wurden Rückstellungen in Höhe von 12 Mio. DM gebildet und Prozessrückstellungen von 1 Mio. DM für den Streit mit Franchise, insgesamt wurden Rückstellungen für Prozesskosten in Höhe von 2,5 Mio. DM gebildet.
Ende der vergangenen Woche wurde in einer Pressemitteilung seitens Franchise mitgeteilt, die Intertainment habe die erforderlichen Zahlungen für die Filme „Angel Eyes“, Get Carter“, „The Pledge“, „3000 Miles to Graceland“ und „Viva Las Nowhere“ nicht geleistet. Deshalb seien die Rechte an Franchise zurückgefallen und Warner Bros. werde die Filme jetzt verwerten. Warner hat allerdings in einem Schreiben erklärt, sie werde die Filme verwerten, aber man wisse nicht, ob im Auftrag von Intertainment oder von Franchise.
Intertainment ist der Überzeugung, dass sie die Rechte an den Filmen hält, es sei denn, man komme ich Rahmen eines Vergleichs zu einem anderen Ergebnis. Herr Baeres erläuterte diesbezüglich zwei Szenarieren. Im ersten erhalte man die Filme zu den tatsächlichen Budgets, und Franchise zahle den zuviel bezahlten Betrag in Höhe von 20 Mio. US-$ zurück. Dann käme es im laufenden Geschäftsjahr zu einer Umsatzsteigerung von 80 Prozent und einem Umsatz von 315 Mio. DM. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit läge dann bei rund 60 Mio. DM.
Die zweite Möglichkeit wäre, dass die Filme zu den tatsächlichen Budgets bezogen werden können, dass die zuviel bezahlten 20 Mio. US-$ allerdings nicht zurückerstattet werden. Dann läge das Ergebnis wie bei Szenario 1 und das Ergebnis bei etwa 20 Mio. DM. Sollte es weder zu einer gerichtlichen Entscheidung noch zu einer außergerichtlichen Einigung kommen, könnten sich Umsätze und Gewinne ins nächste Jahr verschieben.
Wenn, so die Aussage des Vorstands, die Strategie des Unternehmens eine Schwäche hatte, dann die zu einseitige Ausrichtung auf Franchise. Man werde die noch zustehenden Filme auswerten und dann die Geschäftsverbindungen beenden. Es seien ohnehin relativ viel schlechte Filme, ja sogar Flops, dabei gewesen. Deswegen stelle der Vertrag mit Kopelson einen Meilenstein für die Entwicklung von Intertainment dar.
Arnold Kopelson gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten Filmproduzenten Hollywoods. Er produzierte mit seiner eigenen Firma Filme wie „Platoon“, „Auf der Flucht“, „Sieben“ und „Im Auftrag des Teufels“. In der jüngeren Vergangenheit arbeitete er ausschließlich für 20th Century Fox. Somit wird Intertainment ein weltweit aktives Unternehmen, was sehr wichtig sei, da sowohl die Sender der Kirch-Gruppe als auch die RTL-Group so gut wie keine Filme mehr von konzernfremden Anbietern einkaufen. Eine ähnliche Konzentration sei auch auf dem europäischen Markt zu beobachten.
Zudem werde man bei Kopelson über alle wichtigen Bereiche der Filmentstehung mit entscheiden. Damit steht man jetzt an der Spitze der Produktions- und Vermarktungspyramide. Bei der Filmproduktion werden lediglich beschränkte Risiken eingegangen und Filme erst dann produziert, wenn Partner und Distributoren einen Großteil der entstehenden Kosten vorfinanziert haben.
Mit Paramount konnte im Zuge der Zusammenarbeit mit Kopelson im Januar ein „First-Look-Deal“ abgeschlossen werden, der sich dadurch für zwei Jahre die nordamerikanischen Erstauswahl-Rechte sicherte. Da die Zahl der Filme mit dem Kopelson-Deal gesunken ist, wird man die frei gewordenen Kapazitäten nutzen, um mehr als die vereinbarte Mindestzahl von 10 Filmen in fünf Jahren zu produzieren. Herr Baeres ging davon aus, dass man mit 2 bis 4 Filmen in 2003 und für die Zeit danach mit 4 bis 6 Produktionen pro Jahr rechnen kann.
Auch mit anderen Filmproduzenten werden Gespräche geführt, und dies könnte zu Abschlüssen führen, da die Preise für Filme in Hollywood wieder deutlich gefallen sind und damit auf einem realistischen Niveau angelangt sind.
Zusammen mit dem 20 Mann starken Team von Kopelson entwickelt die sieben Mitarbeiter umfassende Tochter Intertainment Inc. zur Zeit mehrere Projekte. Da bis vor einem Monat ein Streik der amerikanischen Drehbuchautoren im Bereich des Möglichen lag und da immer noch die Gefahr besteht, dass die amerikanischen Schauspieler streiken, wurde bislang auf einen Produktionsbeginn verzichtet. Sobald die Fronten geklärt sind, werde man starten.
Die Kapitalerhöhung des letzten Jahres, so Herr Baeres weiter, wurde mit dem Kopelson-Deal erklärt, bei der heutigen Hauptversammlung bat er um Zustimmung, das genehmigte Kapital um weitere 4,3 Mio. DM aufzustocken und zudem das Recht zur Ausgabe von Wandel- und/oder Optionsschuldverschreibungen einzuräumen, bei deren Wandlung Stammaktien bis zu einem Grundkapital in Höhe von rund 6 Mio. EUR ausgegeben werden dürfen.
Dies soll geschehen, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, ob für größere Filmprojekte oder auch für Akquisitionen. Aus diesem Grund wird auch der Vorschlag gemacht, bis zum 23.12.2002 bis zu 10 Prozent der Aktien von Intertainment erwerben zu können. Das zum Beschluss vorliegende Aktienoptionsprogramm soll die Motivation erhöhen und die Mitarbeiter ans Unternehmen binden.
Nach diesen Ausführungen sprach Herr Baeres ein für ihn sehr großes Ärgernis an. Er hatte im Rahmen einer privaten Bürgschaft, auf die er nicht näher einging, einen Teil seiner Aktien von Intertainment bei J.P. Morgan hinterlegt. Diese Bank hat dann, nachdem er aufgefordert wurde, die Bürgschaft nachzubessern und weitere Aktien zu hinterlegen und nachdem dies nicht geschehen ist, die bereits hinterlegten Aktien vor den Augen der Öffentlichkeit verkauft, um damit Druck auszuüben.
Damit wurde das Gerücht gestreut, dass sich Herr Baeres von Intertainment „verabschieden“ möchte. Er machte allerdings J.P. Morgan das Angebot, die Aktien selbst auszulösen, trotzdem hat die Bank insgesamt 471.000 Aktien verkauft.
Deshalb bekräftigte Herr Baeres seine Zugehörigkeit zu Intertainment und den Glauben an eine erfolgreiche Zukunft des Unternehmens. Auch zum Thema Internet äußerte er sich positiv, mittel- und langfristig werde sich dieses Medium zu einem enorm wichtigen Filmvertriebskanal entwickeln. Davon soll die 1999 erworbene 24 prozentige Beteiligung SightSound Technologies profitieren. Diese Firma besitzt in den USA vier wichtige Patente im Bereich des Downloads von Filmen über das Internet.
Zwar wird nicht davon ausgegangen, dass SightSound schnell hohe Umsätze und Gewinne erzielen wird, da die Positionen in diesem Markt aber bereits jetzt vergeben werden, hat die Firma das Potenzial, zu einem wesentlichen Umsatz- und Gewinnträger von Intertainment heranzureifen.
Bei den Merchandising-Aktivitäten wird vom Vorstand ebenfalls eine positive Entwicklung erwartet. Seit zwei Jahren werden von Intertainment die Vermarktungsrechte von „Rudolph das Rentier mit der roten Nase“ gehalten, die beliebteste Weihnachtsfigur in den USA. Rudolph brachte im Geschäftsjahr 2000 einen Umsatz von 7 Mio. DM durch rund 90 Rudolph-Produkte und das Video, das in Deutschland, Österreich und der Schweiz mehrere Wochen auf Platz 1 der Video-Verkaufscharts war.
Durch hohe Aufwendungen in den Bereichen Promotion, Produktentwicklung und Markteinführung verbuchte man allerdings einen Verlust in Höhe von 842.000 DM. Für das Geschäftsjahr 2001 rechnet man mit einem Gewinn, der 2002 durch einen neuen Zeichentrickfilm deutlich ansteigen soll.
Rudolph ist weiterhin ein häufig in den Medien auftauchender Imageträger. Er ist das Symbol der Aktion „Kids for Kids“, die Intertainment zusammen mit dem Kinderhilfswerk der UN ins Leben gerufen hat. Seit 1999 konnten insgesamt 1,5 Mio. DM gesammelt werden.
Auch im personellen Bereich wurden die Weichen neu gestellt. Stephen Brown wurde zum Vorstand Business Development ernannt, und er ist der verantwortliche Mann vor Ort in Hollywood, der für die Filmproduktionen verantwortlich zeichnet und die Aufgabe hat, neue Partnerschaften zu knüpfen. Vorher war er President of Production bei Kopelson und dort verantwortlich für zahlreiche erfolgreiche Filme.
Die neu zu wählenden Aufsichtsratsmitglieder Dr. Ernst Pechtl und Dr. Wilhelm Bahner sind nach den Worten von Herr Baeres Management-Experten, die gut in das Team passen und mit ihrer Erfahrung viel zum Gelingen des Unternehmens beitragen können.
Zum Schluss seiner Rede betonte Herr Baeres noch einmal, dass die Schwierigkeiten des Unternehmens einzig und allein aus der Richtung von Franchise und deren betrügerischem Geschäftsverhalten gekommen sind. Man sei nahe daran, die Probleme ein für alle mal zu lösen, und man befinde sich auf dem Weg zu einem wieder ertragreichen Unternehmen.
Allgemeine Diskussion
Herr Matthias Schmitt als Sprecher der Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre (SdK) war der Meinung, dass die Aktionäre der Intertainment in den letzten 12 Monaten im falschen Film gesessen sind. Er kritisierte die Verkäufe der Aktien über J.P. Morgan, und er wollte wissen, warum er erst eineinhalb Monate später von dem Verkauf erfahren hat und warum nicht mehr Sicherheiten hinterlegt wurden.
Hierauf erwiderte Herr Baeres, ihm sei von Seiten J.P. Morgan´s Klage angedroht worden, wenn er mehr als den Verkauf erklärt hätte, außerdem habe er ja die Aktien selbst zurückkaufen wollen, was die Bank nicht akzeptiert habe.
Des Weiteren machte Herr Schmitt Herrn Baeres mit verantwortlich für den Kursverlust, und er bezeichnete den Rechtsstreit mit Franchise als weiteren Faktor für den Kurseinbruch. Er fragte nach Alternativen bei den Lieferanten (Kopelson), und er wollte wissen, wie groß die Gefahr ist, dass man von Sublizenznehmern in Regress genommen wird (Antwort: gering auch wegen der Rückstellungsbildung).
Dann meinte Herr Schmitt, wegen der vier Patente von SightSound schüre man viel Fantasie. Zudem führe SightSound einen Prozess gegen CDNow. In diesem Zusammenhang wollte er weiter wissen, wann und wie man denn mit dieser Beteiligung Geld verdienen will. Herr Baeres erklärte dazu, SightSound sei keine Plattform wie Napster, sondern es gehe hier um die zukünftige Durchsetzung der Patente, die an Platten- und Filmstudios vertrieben werden sollen, damit diese Downloads anbieten können.
Kritisch betrachtete der SdK-Sprecher die Höhe der Abschreibungen, und er nannte auch Zahlen von Mitbewerbern. Herr Baeres antwortete darauf, dass Filme, die nicht ins Kino kommen, mit 80 Prozent, und Kinofilme mit 65 Prozent im Durchschnitt abgeschrieben werden. Dies erfolge alles im Rahmen einer verlustfreien Verwertung.
Auf die Kritik an dem Aktienrückkaufprogramm entgegnete Herr Baeres, dass das Geld für Akquisitionen oder auch für eine eventuelle Einführung an ausländischen Börsen gebraucht werden könnte, es sei in jedem Fall ein Vorratsbeschluss. Auch das Optionsprogramm erfuhr Kritik, worauf Herr Baeres erwiderte, Vorstand und Mitarbeiter arbeiteten bis an die Grenze der Belastbarkeit, und dies sei keine Belohnung, sondern eine Motivation, um die Mitarbeiter im Unternehmen zu halten.
Zum Schluss kritisierte Herr Schmitt die Aussage von Herrn Baeres, die Intertainment sei in den Abwärtssog des Neuen Markts gekommen. Hier, so Herr Schmitt, habe man Ursache mit Wirkung verwechselt, denn es sei vielmehr so, dass der Nemax fiel, weil Unternehmen wie Intertainment dazu gehören. Er wünschte dennoch viel Glück, dass der Prozess gegen Franchise bald erfolgreich zu Ende gebracht wird.
Als nächster Sprecher lobte Herr Matthias Leiphold von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) das gute Geschäftsjahr 2000, und er meinte, nur die Aktie habe aufgrund des Rechtsstreits nicht profitieren können. Er sprach die Horrormeldung des Aktienverkaufs an und den horrenden Kurseinbruch in Höhe von 85 Prozent, und er fragte nach, wann die ersten Früchte aus dem Deal mit Kopelson geerntet werden können (Antwort: 2002).
Herr Leiphold meinte auch, es sei ein Fehler gewesen, sich mit dem Franchise-Vertrag in eine zu starke Abhängigkeit zu begeben. Dann wollte er noch wissen, warum der hohe Kassenbestand nicht zur Tilgung von Verbindlichkeiten verwendet wird. Das Geld ist zwar in der AG vorhanden, die Verbindlichkeiten aber bei den Töchtern, und die sollen sich eigenständig finanzieren, so die Antwort von Herrn Baeres. Zum Schluss seiner Ausführungen bezeichnete Herr Leiphold Intertainment als ein Unternehmen mit Zukunft und den Rechtsstreit mit Franchise als richtig, wenn auch teuer.
Ein Vertreter einer Bank, dessen Name leider nicht genannt wurde, stellte im Auftrag eines Depotinhabers eine sehr wichtige Frage. Er wollte wissen, ob der Betrug von Franchise aufgefallen wäre, wenn die Imperial Bank nicht mit deutschen Banken zusammengearbeitet hätte. Herr Baeres antwortete darauf, dass der Betrug dadurch wirklich frühzeitig aufgedeckt werden konnte, und er sei über diese Informationen sehr dankbar.
Als letzter Redner dieser HV lobte Dr. Appel Herrn Baeres. Er sieht positiv in die Zukunft und hat nichts zu kritisieren. Allerdings wollte er wissen, ob die genauen Hintergründe für die Niederlegung der Aufsichtsratmandatschaft von Herrn Schürmann bekannt sind. Darauf wurde geantwortet, die sei nicht der Fall. Herr Schürmann lebe in den USA, und es seien persönliche Gründe gewesen.
Einen Kritikpunkt hatte Herr Dr. Appel dann doch. Unter TOP 7 wird der Kassakurs als Maßstab genannt, dieser werde aber nicht mehr festgestellt. Herr Baeres räumte diesen Fehler ein und erklärte, dies sei bereits mit der Börse abgestimmt, dass der Nachmittagskurs im Xetra zu Grunde gelegt wird und dass man bei der nächsten HV eine formale Änderung durchführen wird.
Eine Prognose zu den Gewinnaussichten zu geben, seit unter den gegebenen Umständen zu früh, so Herr Baeres auf eine weitere Frage von Dr. Appel.
Abstimmungen
Bei einer Präsenz von 7.840.392 Aktien (66,79 Prozent) von 11.739.013 Aktien insgesamt wurden sämtliche Tagesordnungspunkte mit großer Mehrheit genehmigt. Im Einzelnen waren dies erhielt die Beschlussfassung über die Verwendung des Bilanzgewinns (Vortrag auf neue Rechnung) unter TOP 2, die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4) und die Wahl des Abschlussprüfers (TOP 5).
Ferner stand die Ergänzungswahl zum Aufsichtsrat an (TOP 6) sowie die Beschlussfassung über die Schaffung des bedingten Kapitals II und des Aktienoptionsrechts (TOP 7), die Beschlussfassung zum Erwerb eigener Aktien (TOP 9) und die Erhöhung des Grundkapitals (TOP 10).
Schließlich wurde noch unter TOP 10 die Ausgabe von Wandel- und/oder Optionsschuldverschreibungen beschlossen sowie die Sitzverlegung nach Ismaning unter TOP 11 und Änderungen zur Erleichterung der Stimmrechtsausübung (TOP 12).
Fazit und eigene Meinung
Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre, dann wäre das mit Franchise nicht passiert, aber hat nicht alles seine zwei Seiten? Der Verfasser denkt, dass man beim Vorstand von Intertainment unsanft wachgerüttelt worden ist, und dass man aus den gemachten Fehlern gelernt hat.
Gut ist auch, dass man das Internet nicht vernachlässigt und mit einer relativ kleinen Beteiligung ein interessantes Geschäftsfeld betreibt. Der für das Filmgeschäft nicht alltägliche Exklusivvertrag mit Kopelson verspricht eine positive Geschäftsentwicklung, auch der Merchandisingdeal mit dem rotnäsigen Rudolph ist eine stete Einnahmequelle.
Wenn nun (schon wieder wenn!) der Prozess gegen Franchise gewonnen wird oder wenn man sich doch noch sinnvoller Weise außergerichtlich einigt, dann ist der Weg nach oben für Intertainment wieder offen. Vorstand und Mitarbeiter sind engagiert und machen einen guten Job. Die Gründung einer amerikanischen Niederlassung und die Einstellung von Stephen Brown ist zukunftsweisend und gut eingefädelt. Damit kann sichergestellt werden, dass man in Hollywood nicht mehr über den Tisch gezogen wird.
Kontaktadresse
Intertainment AG
Osterfeldstraße 84
85737 Ismaning
Internet: www.intertainment.de
Investor Relations
Marietta Birner
Tel.: 089 / 21699 - 0
Fax: 089 / 21699 - 11
Email: mbirner@intertainment.de
Aufsichtsrat und Vorstand waren vollzählig anwesend. Nach der Bekanntgabe der gesetzlichen Vorschriften und des Ablaufs der Veranstaltung übergab Herr Dr. Heise das Wort an den Vorstandsvorsitzenden Herrn Rüdiger Baeres.
Bericht des Vorstands
Die Intertainment AG hat eine schwierige Phase hinter sich, so Herr Baeres in seinen einleitenden Worten. Die Schwierigkeiten mit dem Filmlieferanten Franchise Pictures waren der Grund dafür, dass im November 2000 eine Gewinnwarnung herausgegeben wurde und dass im ersten Quartal 2001 nur geringe Umsatzerlöse erzielt wurden.
Die Zukunftsaussichten sind jedoch besser, als allgemein dargestellt, und einige Geschäftszahlen wurden deutlich verbessert. So stieg der Umsatz um 206 Prozent auf 171,1 Mio. DM, das EBIT wuchs um 6 Prozent auf 31,6 Mio. DM. Dass die Steigerung des EBIT niedrig ausgefallen ist, muss u.a. auf Rückstellungen und Sonderabschreibungen im Zusammenhang mit Franchise Pictures zurückgeführt werden.
Die Strategie, sich von einem auf den deutschen Fernsehmarkt konzentrierten Unternehmen zu einer europaweit in allen Filmvertriebswegen aktiven Gruppe weiter zu entwickeln, bezeichnete der Vorstand als richtig. Dass für die Vermarktung von Kino, Video und Pay-TV Warner Brothers und 20th Century Fox als Partner geholt wurden, sei ebenfalls ein richtiger Schritt gewesen. Lizenzen für den Bereich Free-TV werden dagegen ohne Partner europaweit vermarktet.
Die über die Partner generierten Umsätze betrugen 62,3 Mio. DM, das sind 36 Prozent des Umsatzes, und über den Verkauf von Lizenzen im TV-Bereich setzte Intertainment 81,5 Mio. DM um sowie 19 Mio. DM über All-Right-Deals. Im Jahr 2000 wurden Lizenzpakete an den spanischen Vermarkter Manga Films, an Harmony Gold (Italien), an Redbus (Großbritannien) und an den französischen Sender TF 1 verkauft.
Neben den Lizenzierungsvereinbarungen soll die Filmbibliothek erweitert werden. Dazu wurde mit dem Hollywood-Produzenten Arnold Kopelson ein fünfjähriger Exklusivvertrag abgeschlossen, der mindestens 500 Mio. US-$ umfasst. Es sollen in diesen fünf Jahren 10 Filme mit einem Budget von je 50 Mio. US-$ produziert werden. Die letzten 10 Filme von Kopelson haben weltweit im ersten Verwertungsschritt (Kino) über 2 Mrd. US-$ eingespielt.
Die im Sommer 2000 durchgeführte Kapitalerhöhung, die eine breitere Basis für die Zusammenarbeit mit Kopelson ermöglichen soll, wurde mit einer 1,5fachen Überzeichnung abgeschlossen.
Die deutliche Verschlechterung der Geschäftsentwicklung führte dazu, dass im 1. Quartal ein Umsatz von nur 9,5 Mio. DM erzielt wurde, und das EBIT wies ein Minus von 900.000 DM aus.
Da es, so die Erfahrungen von Intertainment, immer schwieriger wird, kleine Filme erfolgreich zu vermarkten, hat man den Vertrag mit Franchise abgeschlossen. Dieser sah vor, dass in den kommenden 5 Jahren 60 Filme abgenommen werden. Die Vertragskonditionen waren gut, für die Filme mussten nur 47 Prozent des Produktionsbudget entrichtet werden, und die Rechte mussten 25 Jahre ausgewertet werden. Andere renommierte Unternehmen wie Village Roadshow (Australien) und Toha-Towa und Gage (Japan) erwarben die Rechte für das jeweilige Land bei Franchise.
Der Film „Keine halben Sachen“ mit Bruce Willis war der erste erfolgreiche Deal mit Franchise. „Battlefield Earth“ und „Art of War“ sind Science Fiction-Filme, bei denen es schwierig ist, das tatsächliche Budget zu erkennen. Misstrauisch wurde man bei Intertainment, als der Film „Get Carter“ mit Sylvester Stallone im Herbst 2000 vorgeführt wurde. Das projektierte Budget von 83,6 Mio. US-$ konnte nicht erkannt werden, und so forderte man das Final Cost Budget an, also die Abschlussrechnung.
Franchise verzögerte die Auslieferung der Unterlagen, ebenso die des Films „Get Carter“ und anderer Produktionen, was zu der Umsatz- und Gewinnwarnung führte. Über eine dritte Seite bekam man dann über viele Umwege die tatsächlichen Budgets, die gezeigt haben, dass Franchise de facto organisierte Kriminalität betrieben hat. So wurden für die bereits abgenommenen Filme 20 Mio. US-$ bezahlt, hätte man alle Filme abgenommen, dann wären es sogar 75 Mio. US-$ gewesen.
Am Beispiel von „Get Carter“ erläuterte Herr Baeres das betrügerische Vorgehen von Franchise in Zusammenarbeit mit der mitfinanzierenden Imperial Bank und der Versicherungsgesellschaft, die einen so genannten Completion Bond bestätigt, dies ist eine Fertigstellungsversicherung, die z.B. eine Überschreitung des Budgets decken würde. Franchise, Bank und Versicherung arbeiteten nun mit mehreren Budgets.
Der Chef von Franchise, Elie Samaha, gab gegenüber der juristischen Fachzeitung „Daily Journal“ zu, mit diversen Budgets agiert zu haben. So wurde das höchste Budget Intertainment vorgelegt, dann gab es ein niedriges für die Bank, ein noch niedrigeres bekam der Regisseur, und das niedrigste erhielten Schauspieler und Filmcrew.
Im Februar wurde auch gegen die Imperial Bank Klage eingereicht, aber mittlerweile aus prozesstaktischen Gründen wieder zurückgezogen. Gegebenenfalls kann diese aber wieder eingereicht werden. Im Gegenzug hat auch Franchise eine Klage gegen Intertainment eingereicht. Dies war auch der Grund, warum man bei der Deutsche Börse AG eine einmonatige Verlängerungsfrist bis zur Vorlage der Bilanz beantragt hatte. Die Werthaltigkeit der besagten Klage wurde durch ein Rechtsgutachten geprüft und wurde für gegenstandslos gehalten, weshalb diesbezüglich auch keine Rücklagen gebildet wurden.
Für den Fall, dass Sublizenznehmer die Intertainment in Regress nehmen sollten, wurden Rückstellungen in Höhe von 12 Mio. DM gebildet und Prozessrückstellungen von 1 Mio. DM für den Streit mit Franchise, insgesamt wurden Rückstellungen für Prozesskosten in Höhe von 2,5 Mio. DM gebildet.
Ende der vergangenen Woche wurde in einer Pressemitteilung seitens Franchise mitgeteilt, die Intertainment habe die erforderlichen Zahlungen für die Filme „Angel Eyes“, Get Carter“, „The Pledge“, „3000 Miles to Graceland“ und „Viva Las Nowhere“ nicht geleistet. Deshalb seien die Rechte an Franchise zurückgefallen und Warner Bros. werde die Filme jetzt verwerten. Warner hat allerdings in einem Schreiben erklärt, sie werde die Filme verwerten, aber man wisse nicht, ob im Auftrag von Intertainment oder von Franchise.
Intertainment ist der Überzeugung, dass sie die Rechte an den Filmen hält, es sei denn, man komme ich Rahmen eines Vergleichs zu einem anderen Ergebnis. Herr Baeres erläuterte diesbezüglich zwei Szenarieren. Im ersten erhalte man die Filme zu den tatsächlichen Budgets, und Franchise zahle den zuviel bezahlten Betrag in Höhe von 20 Mio. US-$ zurück. Dann käme es im laufenden Geschäftsjahr zu einer Umsatzsteigerung von 80 Prozent und einem Umsatz von 315 Mio. DM. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit läge dann bei rund 60 Mio. DM.
Die zweite Möglichkeit wäre, dass die Filme zu den tatsächlichen Budgets bezogen werden können, dass die zuviel bezahlten 20 Mio. US-$ allerdings nicht zurückerstattet werden. Dann läge das Ergebnis wie bei Szenario 1 und das Ergebnis bei etwa 20 Mio. DM. Sollte es weder zu einer gerichtlichen Entscheidung noch zu einer außergerichtlichen Einigung kommen, könnten sich Umsätze und Gewinne ins nächste Jahr verschieben.
Wenn, so die Aussage des Vorstands, die Strategie des Unternehmens eine Schwäche hatte, dann die zu einseitige Ausrichtung auf Franchise. Man werde die noch zustehenden Filme auswerten und dann die Geschäftsverbindungen beenden. Es seien ohnehin relativ viel schlechte Filme, ja sogar Flops, dabei gewesen. Deswegen stelle der Vertrag mit Kopelson einen Meilenstein für die Entwicklung von Intertainment dar.
Arnold Kopelson gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten Filmproduzenten Hollywoods. Er produzierte mit seiner eigenen Firma Filme wie „Platoon“, „Auf der Flucht“, „Sieben“ und „Im Auftrag des Teufels“. In der jüngeren Vergangenheit arbeitete er ausschließlich für 20th Century Fox. Somit wird Intertainment ein weltweit aktives Unternehmen, was sehr wichtig sei, da sowohl die Sender der Kirch-Gruppe als auch die RTL-Group so gut wie keine Filme mehr von konzernfremden Anbietern einkaufen. Eine ähnliche Konzentration sei auch auf dem europäischen Markt zu beobachten.
Zudem werde man bei Kopelson über alle wichtigen Bereiche der Filmentstehung mit entscheiden. Damit steht man jetzt an der Spitze der Produktions- und Vermarktungspyramide. Bei der Filmproduktion werden lediglich beschränkte Risiken eingegangen und Filme erst dann produziert, wenn Partner und Distributoren einen Großteil der entstehenden Kosten vorfinanziert haben.
Mit Paramount konnte im Zuge der Zusammenarbeit mit Kopelson im Januar ein „First-Look-Deal“ abgeschlossen werden, der sich dadurch für zwei Jahre die nordamerikanischen Erstauswahl-Rechte sicherte. Da die Zahl der Filme mit dem Kopelson-Deal gesunken ist, wird man die frei gewordenen Kapazitäten nutzen, um mehr als die vereinbarte Mindestzahl von 10 Filmen in fünf Jahren zu produzieren. Herr Baeres ging davon aus, dass man mit 2 bis 4 Filmen in 2003 und für die Zeit danach mit 4 bis 6 Produktionen pro Jahr rechnen kann.
Auch mit anderen Filmproduzenten werden Gespräche geführt, und dies könnte zu Abschlüssen führen, da die Preise für Filme in Hollywood wieder deutlich gefallen sind und damit auf einem realistischen Niveau angelangt sind.
Zusammen mit dem 20 Mann starken Team von Kopelson entwickelt die sieben Mitarbeiter umfassende Tochter Intertainment Inc. zur Zeit mehrere Projekte. Da bis vor einem Monat ein Streik der amerikanischen Drehbuchautoren im Bereich des Möglichen lag und da immer noch die Gefahr besteht, dass die amerikanischen Schauspieler streiken, wurde bislang auf einen Produktionsbeginn verzichtet. Sobald die Fronten geklärt sind, werde man starten.
Die Kapitalerhöhung des letzten Jahres, so Herr Baeres weiter, wurde mit dem Kopelson-Deal erklärt, bei der heutigen Hauptversammlung bat er um Zustimmung, das genehmigte Kapital um weitere 4,3 Mio. DM aufzustocken und zudem das Recht zur Ausgabe von Wandel- und/oder Optionsschuldverschreibungen einzuräumen, bei deren Wandlung Stammaktien bis zu einem Grundkapital in Höhe von rund 6 Mio. EUR ausgegeben werden dürfen.
Dies soll geschehen, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, ob für größere Filmprojekte oder auch für Akquisitionen. Aus diesem Grund wird auch der Vorschlag gemacht, bis zum 23.12.2002 bis zu 10 Prozent der Aktien von Intertainment erwerben zu können. Das zum Beschluss vorliegende Aktienoptionsprogramm soll die Motivation erhöhen und die Mitarbeiter ans Unternehmen binden.
Nach diesen Ausführungen sprach Herr Baeres ein für ihn sehr großes Ärgernis an. Er hatte im Rahmen einer privaten Bürgschaft, auf die er nicht näher einging, einen Teil seiner Aktien von Intertainment bei J.P. Morgan hinterlegt. Diese Bank hat dann, nachdem er aufgefordert wurde, die Bürgschaft nachzubessern und weitere Aktien zu hinterlegen und nachdem dies nicht geschehen ist, die bereits hinterlegten Aktien vor den Augen der Öffentlichkeit verkauft, um damit Druck auszuüben.
Damit wurde das Gerücht gestreut, dass sich Herr Baeres von Intertainment „verabschieden“ möchte. Er machte allerdings J.P. Morgan das Angebot, die Aktien selbst auszulösen, trotzdem hat die Bank insgesamt 471.000 Aktien verkauft.
Deshalb bekräftigte Herr Baeres seine Zugehörigkeit zu Intertainment und den Glauben an eine erfolgreiche Zukunft des Unternehmens. Auch zum Thema Internet äußerte er sich positiv, mittel- und langfristig werde sich dieses Medium zu einem enorm wichtigen Filmvertriebskanal entwickeln. Davon soll die 1999 erworbene 24 prozentige Beteiligung SightSound Technologies profitieren. Diese Firma besitzt in den USA vier wichtige Patente im Bereich des Downloads von Filmen über das Internet.
Zwar wird nicht davon ausgegangen, dass SightSound schnell hohe Umsätze und Gewinne erzielen wird, da die Positionen in diesem Markt aber bereits jetzt vergeben werden, hat die Firma das Potenzial, zu einem wesentlichen Umsatz- und Gewinnträger von Intertainment heranzureifen.
Bei den Merchandising-Aktivitäten wird vom Vorstand ebenfalls eine positive Entwicklung erwartet. Seit zwei Jahren werden von Intertainment die Vermarktungsrechte von „Rudolph das Rentier mit der roten Nase“ gehalten, die beliebteste Weihnachtsfigur in den USA. Rudolph brachte im Geschäftsjahr 2000 einen Umsatz von 7 Mio. DM durch rund 90 Rudolph-Produkte und das Video, das in Deutschland, Österreich und der Schweiz mehrere Wochen auf Platz 1 der Video-Verkaufscharts war.
Durch hohe Aufwendungen in den Bereichen Promotion, Produktentwicklung und Markteinführung verbuchte man allerdings einen Verlust in Höhe von 842.000 DM. Für das Geschäftsjahr 2001 rechnet man mit einem Gewinn, der 2002 durch einen neuen Zeichentrickfilm deutlich ansteigen soll.
Rudolph ist weiterhin ein häufig in den Medien auftauchender Imageträger. Er ist das Symbol der Aktion „Kids for Kids“, die Intertainment zusammen mit dem Kinderhilfswerk der UN ins Leben gerufen hat. Seit 1999 konnten insgesamt 1,5 Mio. DM gesammelt werden.
Auch im personellen Bereich wurden die Weichen neu gestellt. Stephen Brown wurde zum Vorstand Business Development ernannt, und er ist der verantwortliche Mann vor Ort in Hollywood, der für die Filmproduktionen verantwortlich zeichnet und die Aufgabe hat, neue Partnerschaften zu knüpfen. Vorher war er President of Production bei Kopelson und dort verantwortlich für zahlreiche erfolgreiche Filme.
Die neu zu wählenden Aufsichtsratsmitglieder Dr. Ernst Pechtl und Dr. Wilhelm Bahner sind nach den Worten von Herr Baeres Management-Experten, die gut in das Team passen und mit ihrer Erfahrung viel zum Gelingen des Unternehmens beitragen können.
Zum Schluss seiner Rede betonte Herr Baeres noch einmal, dass die Schwierigkeiten des Unternehmens einzig und allein aus der Richtung von Franchise und deren betrügerischem Geschäftsverhalten gekommen sind. Man sei nahe daran, die Probleme ein für alle mal zu lösen, und man befinde sich auf dem Weg zu einem wieder ertragreichen Unternehmen.
Allgemeine Diskussion
Herr Matthias Schmitt als Sprecher der Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre (SdK) war der Meinung, dass die Aktionäre der Intertainment in den letzten 12 Monaten im falschen Film gesessen sind. Er kritisierte die Verkäufe der Aktien über J.P. Morgan, und er wollte wissen, warum er erst eineinhalb Monate später von dem Verkauf erfahren hat und warum nicht mehr Sicherheiten hinterlegt wurden.
Hierauf erwiderte Herr Baeres, ihm sei von Seiten J.P. Morgan´s Klage angedroht worden, wenn er mehr als den Verkauf erklärt hätte, außerdem habe er ja die Aktien selbst zurückkaufen wollen, was die Bank nicht akzeptiert habe.
Des Weiteren machte Herr Schmitt Herrn Baeres mit verantwortlich für den Kursverlust, und er bezeichnete den Rechtsstreit mit Franchise als weiteren Faktor für den Kurseinbruch. Er fragte nach Alternativen bei den Lieferanten (Kopelson), und er wollte wissen, wie groß die Gefahr ist, dass man von Sublizenznehmern in Regress genommen wird (Antwort: gering auch wegen der Rückstellungsbildung).
Dann meinte Herr Schmitt, wegen der vier Patente von SightSound schüre man viel Fantasie. Zudem führe SightSound einen Prozess gegen CDNow. In diesem Zusammenhang wollte er weiter wissen, wann und wie man denn mit dieser Beteiligung Geld verdienen will. Herr Baeres erklärte dazu, SightSound sei keine Plattform wie Napster, sondern es gehe hier um die zukünftige Durchsetzung der Patente, die an Platten- und Filmstudios vertrieben werden sollen, damit diese Downloads anbieten können.
Kritisch betrachtete der SdK-Sprecher die Höhe der Abschreibungen, und er nannte auch Zahlen von Mitbewerbern. Herr Baeres antwortete darauf, dass Filme, die nicht ins Kino kommen, mit 80 Prozent, und Kinofilme mit 65 Prozent im Durchschnitt abgeschrieben werden. Dies erfolge alles im Rahmen einer verlustfreien Verwertung.
Auf die Kritik an dem Aktienrückkaufprogramm entgegnete Herr Baeres, dass das Geld für Akquisitionen oder auch für eine eventuelle Einführung an ausländischen Börsen gebraucht werden könnte, es sei in jedem Fall ein Vorratsbeschluss. Auch das Optionsprogramm erfuhr Kritik, worauf Herr Baeres erwiderte, Vorstand und Mitarbeiter arbeiteten bis an die Grenze der Belastbarkeit, und dies sei keine Belohnung, sondern eine Motivation, um die Mitarbeiter im Unternehmen zu halten.
Zum Schluss kritisierte Herr Schmitt die Aussage von Herrn Baeres, die Intertainment sei in den Abwärtssog des Neuen Markts gekommen. Hier, so Herr Schmitt, habe man Ursache mit Wirkung verwechselt, denn es sei vielmehr so, dass der Nemax fiel, weil Unternehmen wie Intertainment dazu gehören. Er wünschte dennoch viel Glück, dass der Prozess gegen Franchise bald erfolgreich zu Ende gebracht wird.
Als nächster Sprecher lobte Herr Matthias Leiphold von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) das gute Geschäftsjahr 2000, und er meinte, nur die Aktie habe aufgrund des Rechtsstreits nicht profitieren können. Er sprach die Horrormeldung des Aktienverkaufs an und den horrenden Kurseinbruch in Höhe von 85 Prozent, und er fragte nach, wann die ersten Früchte aus dem Deal mit Kopelson geerntet werden können (Antwort: 2002).
Herr Leiphold meinte auch, es sei ein Fehler gewesen, sich mit dem Franchise-Vertrag in eine zu starke Abhängigkeit zu begeben. Dann wollte er noch wissen, warum der hohe Kassenbestand nicht zur Tilgung von Verbindlichkeiten verwendet wird. Das Geld ist zwar in der AG vorhanden, die Verbindlichkeiten aber bei den Töchtern, und die sollen sich eigenständig finanzieren, so die Antwort von Herrn Baeres. Zum Schluss seiner Ausführungen bezeichnete Herr Leiphold Intertainment als ein Unternehmen mit Zukunft und den Rechtsstreit mit Franchise als richtig, wenn auch teuer.
Ein Vertreter einer Bank, dessen Name leider nicht genannt wurde, stellte im Auftrag eines Depotinhabers eine sehr wichtige Frage. Er wollte wissen, ob der Betrug von Franchise aufgefallen wäre, wenn die Imperial Bank nicht mit deutschen Banken zusammengearbeitet hätte. Herr Baeres antwortete darauf, dass der Betrug dadurch wirklich frühzeitig aufgedeckt werden konnte, und er sei über diese Informationen sehr dankbar.
Als letzter Redner dieser HV lobte Dr. Appel Herrn Baeres. Er sieht positiv in die Zukunft und hat nichts zu kritisieren. Allerdings wollte er wissen, ob die genauen Hintergründe für die Niederlegung der Aufsichtsratmandatschaft von Herrn Schürmann bekannt sind. Darauf wurde geantwortet, die sei nicht der Fall. Herr Schürmann lebe in den USA, und es seien persönliche Gründe gewesen.
Einen Kritikpunkt hatte Herr Dr. Appel dann doch. Unter TOP 7 wird der Kassakurs als Maßstab genannt, dieser werde aber nicht mehr festgestellt. Herr Baeres räumte diesen Fehler ein und erklärte, dies sei bereits mit der Börse abgestimmt, dass der Nachmittagskurs im Xetra zu Grunde gelegt wird und dass man bei der nächsten HV eine formale Änderung durchführen wird.
Eine Prognose zu den Gewinnaussichten zu geben, seit unter den gegebenen Umständen zu früh, so Herr Baeres auf eine weitere Frage von Dr. Appel.
Abstimmungen
Bei einer Präsenz von 7.840.392 Aktien (66,79 Prozent) von 11.739.013 Aktien insgesamt wurden sämtliche Tagesordnungspunkte mit großer Mehrheit genehmigt. Im Einzelnen waren dies erhielt die Beschlussfassung über die Verwendung des Bilanzgewinns (Vortrag auf neue Rechnung) unter TOP 2, die Entlastung von Vorstand (TOP 3) und Aufsichtsrat (TOP 4) und die Wahl des Abschlussprüfers (TOP 5).
Ferner stand die Ergänzungswahl zum Aufsichtsrat an (TOP 6) sowie die Beschlussfassung über die Schaffung des bedingten Kapitals II und des Aktienoptionsrechts (TOP 7), die Beschlussfassung zum Erwerb eigener Aktien (TOP 9) und die Erhöhung des Grundkapitals (TOP 10).
Schließlich wurde noch unter TOP 10 die Ausgabe von Wandel- und/oder Optionsschuldverschreibungen beschlossen sowie die Sitzverlegung nach Ismaning unter TOP 11 und Änderungen zur Erleichterung der Stimmrechtsausübung (TOP 12).
Fazit und eigene Meinung
Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre, dann wäre das mit Franchise nicht passiert, aber hat nicht alles seine zwei Seiten? Der Verfasser denkt, dass man beim Vorstand von Intertainment unsanft wachgerüttelt worden ist, und dass man aus den gemachten Fehlern gelernt hat.
Gut ist auch, dass man das Internet nicht vernachlässigt und mit einer relativ kleinen Beteiligung ein interessantes Geschäftsfeld betreibt. Der für das Filmgeschäft nicht alltägliche Exklusivvertrag mit Kopelson verspricht eine positive Geschäftsentwicklung, auch der Merchandisingdeal mit dem rotnäsigen Rudolph ist eine stete Einnahmequelle.
Wenn nun (schon wieder wenn!) der Prozess gegen Franchise gewonnen wird oder wenn man sich doch noch sinnvoller Weise außergerichtlich einigt, dann ist der Weg nach oben für Intertainment wieder offen. Vorstand und Mitarbeiter sind engagiert und machen einen guten Job. Die Gründung einer amerikanischen Niederlassung und die Einstellung von Stephen Brown ist zukunftsweisend und gut eingefädelt. Damit kann sichergestellt werden, dass man in Hollywood nicht mehr über den Tisch gezogen wird.
Kontaktadresse
Intertainment AG
Osterfeldstraße 84
85737 Ismaning
Internet: www.intertainment.de
Investor Relations
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Tel.: 089 / 21699 - 0
Fax: 089 / 21699 - 11
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