Finanzskandal in Tonga
Hofnarr stiehlt sich mit Millionen davon
Das kleine Insel-Königreich Tonga, bekannt wegen seines Gitarre spielenden Königs Taufa'ahau Tupou IV., leidet unter dem schwersten Untreueskandal seiner Geschichte. Der Hofnarr hat sich mit 86 Millionen Pa'anga-Dollar davongemacht - 70 Prozent des Staatshaushalts.
DPA
König Taufa'hau Tupou IV von Tonga: Die Tage des fröhlichen Musikantendaseins sind wohl gezählt
Nuku'alofa - Die Affäre ist ein harter Schlag für Regierungschef Prinz 'Ulukalala Lavaka'ata: Gleich zwei hochrangige Minister seines Kabinetts mussten abtreten, weil die 98.000 Tongaer das Verschwinden der Staatsersparnisse gar nicht komisch finden. Immerhin entsprechen die 86 Millionen Pa'anga 30,7 Millionen US-Dollar. Der Parlamentarier Taeisina Fuko, Chef eines Untersuchungsausschusses, ruft nach weiteren Rücktritten.
Aber von vorne: Der Skandal bahnte sich in den achtziger Jahren an, als Tonga begann, Pässe an Ausländer zu veräußern. Eigentlich waren die Papiere für reiche Hongkong-Chinesen gedacht, die sich vor der Übernahme ihrer Stadt durch die Kommunisten ängstigten. Zu den Käufern gehörte aber auch das philippinische Diktatoren-Pärchen Ferdinand und Imelda Marcos. Zwischen 1983 und 1991 kamen so die besagten 30,7 Millionen Dollar zusammen. Wohin nur mit dem Geld?
König Taufa'ahau Tupou IV. fällte die Entscheidung, die Summe ins Ausland zu bringen. Seine offizielle Begründung: Die Regierung würde damit ja ohnehin nur Straßen bauen. Nicht gerade eine dringliche Investition in einem Staat, der aus 170 kleinen Inseln besteht.
Also landeten die Staatsersparnisse bei der Bank of Amerika, Zweigstelle San Francisco. Allerdings auf einem Girokonto ohne Verzinsung. Ein in North Carolina geborener Amerikaner namens Jesse Bogdonoff witterte eine Chance, sich als Anlageberater zu betätigen. Bogdonoff war zu diesem Zeitpunkt Angestellter der Bank. Nebenberuflich führte er eine Firma namens "Wellness Technology", die mit "magischen Magneten" handelte. Laut Eigenwerbung konnten sie Rückenschmerzen kurieren. Außerdem war Bogdonoff Mitglied der reichsten buddhistischen Laien-Organisation Japans - der Soka Gakkai.
South Pacific Tourism / GMS
Trügerische Insel-Idylle: Mit der Harmonie unter den 98.000 Tongaern ist es endgültig vorbei
Von diesen Qualifikationen offenbar überzeugt, ernannte der König den US-Bürger 1998 zum Finanzberater. Fast gleichzeitig wurde Bogdonoff auf eigenen Vorschlag zum offiziellen und einzigen Hofnarren gekürt. In einem Schreiben aus dem Jahr 2000 beschreibt er, warum er sich für den weltweit einmaligen Job bewarb. "Ich dachte, wissen Sie, ich bin ja am 1. April geboren. Und ich konnte daraus bisher nie Kapital schlagen. Deshalb sollte ich Hofnarr werden. Ich bin ein geborener Narr."
Der Hofnarr-Finanzberater überzeugte den König in der Folge, die Erlöse aus dem Pass-Verkauf bei der Firma "Millennium Asset Management" zu investieren, wie Las Vegas angesiedelt im US-Bundesstaat Nevada. Gegründet wurde sie am 25. März 1999. Als ihr Präsident wurde ein gewisser H.V Hiatt in die Geschäftsregister eingetragen. Gleichzeitig amtierte Hiatt als Generalsekretär, Kassenwart, Vertreter, und Vermögensmanager. Zuletzt gab Berater Bogdonoff an, durch seine Investment-Entscheidung seien bereits elf Millionen Dollar Renditen erwirtschaftet worden.
GMS
Wegschilder auf Tonga: Bis nach Nevada ist es ein weiter Weg
In diesem Herbst aber fiel den Tongaern auf: Die Firma "Millennium" ist aufgelöst worden. Bogdonoff ist verschwunden. Und mit ihm das Geld.
Das politische System in dem Inselstaat dürfte noch Monate, wenn nicht Jahre brauchen, um sich von der Hofnarren-Affäre zu erholen. Die prodemokratischen Kräfte blasen zum Angriff auf König, Korruption und das monarchistische System.
Freilich: Dass die Parlamentarier das Geld und den reichen Narren aufspüren, ist unwahrscheinlich. Untersuchungsausschuss-Chef Fuko zieht jedenfalls ein resignatives Fazit, bevor seine Arbeit recht begonnen hat: "Es scheint so, als wäre das Geld weg. Und wieder einmal lacht die ganze Welt über uns."
Von Matthias Streitz
Hofnarr stiehlt sich mit Millionen davon
Das kleine Insel-Königreich Tonga, bekannt wegen seines Gitarre spielenden Königs Taufa'ahau Tupou IV., leidet unter dem schwersten Untreueskandal seiner Geschichte. Der Hofnarr hat sich mit 86 Millionen Pa'anga-Dollar davongemacht - 70 Prozent des Staatshaushalts.
DPA
König Taufa'hau Tupou IV von Tonga: Die Tage des fröhlichen Musikantendaseins sind wohl gezählt
Nuku'alofa - Die Affäre ist ein harter Schlag für Regierungschef Prinz 'Ulukalala Lavaka'ata: Gleich zwei hochrangige Minister seines Kabinetts mussten abtreten, weil die 98.000 Tongaer das Verschwinden der Staatsersparnisse gar nicht komisch finden. Immerhin entsprechen die 86 Millionen Pa'anga 30,7 Millionen US-Dollar. Der Parlamentarier Taeisina Fuko, Chef eines Untersuchungsausschusses, ruft nach weiteren Rücktritten.
Aber von vorne: Der Skandal bahnte sich in den achtziger Jahren an, als Tonga begann, Pässe an Ausländer zu veräußern. Eigentlich waren die Papiere für reiche Hongkong-Chinesen gedacht, die sich vor der Übernahme ihrer Stadt durch die Kommunisten ängstigten. Zu den Käufern gehörte aber auch das philippinische Diktatoren-Pärchen Ferdinand und Imelda Marcos. Zwischen 1983 und 1991 kamen so die besagten 30,7 Millionen Dollar zusammen. Wohin nur mit dem Geld?
König Taufa'ahau Tupou IV. fällte die Entscheidung, die Summe ins Ausland zu bringen. Seine offizielle Begründung: Die Regierung würde damit ja ohnehin nur Straßen bauen. Nicht gerade eine dringliche Investition in einem Staat, der aus 170 kleinen Inseln besteht.
Also landeten die Staatsersparnisse bei der Bank of Amerika, Zweigstelle San Francisco. Allerdings auf einem Girokonto ohne Verzinsung. Ein in North Carolina geborener Amerikaner namens Jesse Bogdonoff witterte eine Chance, sich als Anlageberater zu betätigen. Bogdonoff war zu diesem Zeitpunkt Angestellter der Bank. Nebenberuflich führte er eine Firma namens "Wellness Technology", die mit "magischen Magneten" handelte. Laut Eigenwerbung konnten sie Rückenschmerzen kurieren. Außerdem war Bogdonoff Mitglied der reichsten buddhistischen Laien-Organisation Japans - der Soka Gakkai.
South Pacific Tourism / GMS
Trügerische Insel-Idylle: Mit der Harmonie unter den 98.000 Tongaern ist es endgültig vorbei
Von diesen Qualifikationen offenbar überzeugt, ernannte der König den US-Bürger 1998 zum Finanzberater. Fast gleichzeitig wurde Bogdonoff auf eigenen Vorschlag zum offiziellen und einzigen Hofnarren gekürt. In einem Schreiben aus dem Jahr 2000 beschreibt er, warum er sich für den weltweit einmaligen Job bewarb. "Ich dachte, wissen Sie, ich bin ja am 1. April geboren. Und ich konnte daraus bisher nie Kapital schlagen. Deshalb sollte ich Hofnarr werden. Ich bin ein geborener Narr."
Der Hofnarr-Finanzberater überzeugte den König in der Folge, die Erlöse aus dem Pass-Verkauf bei der Firma "Millennium Asset Management" zu investieren, wie Las Vegas angesiedelt im US-Bundesstaat Nevada. Gegründet wurde sie am 25. März 1999. Als ihr Präsident wurde ein gewisser H.V Hiatt in die Geschäftsregister eingetragen. Gleichzeitig amtierte Hiatt als Generalsekretär, Kassenwart, Vertreter, und Vermögensmanager. Zuletzt gab Berater Bogdonoff an, durch seine Investment-Entscheidung seien bereits elf Millionen Dollar Renditen erwirtschaftet worden.
GMS
Wegschilder auf Tonga: Bis nach Nevada ist es ein weiter Weg
In diesem Herbst aber fiel den Tongaern auf: Die Firma "Millennium" ist aufgelöst worden. Bogdonoff ist verschwunden. Und mit ihm das Geld.
Das politische System in dem Inselstaat dürfte noch Monate, wenn nicht Jahre brauchen, um sich von der Hofnarren-Affäre zu erholen. Die prodemokratischen Kräfte blasen zum Angriff auf König, Korruption und das monarchistische System.
Freilich: Dass die Parlamentarier das Geld und den reichen Narren aufspüren, ist unwahrscheinlich. Untersuchungsausschuss-Chef Fuko zieht jedenfalls ein resignatives Fazit, bevor seine Arbeit recht begonnen hat: "Es scheint so, als wäre das Geld weg. Und wieder einmal lacht die ganze Welt über uns."
Von Matthias Streitz