Hoffen auf den Ifo-Index


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Hoffen auf den Ifo-Index

 
26.01.02 00:34
Die deutschen Aktienmärkte sind mit leichten Verlusten aus dem Handel gegangen. Auch eine freundliche Wall Street konnte den Dax nicht aus seiner Lethargie reißen. Der Euro stand massiv unter Druck.

Frankfurt am Main - Der Dax schloss am Freitag rund 0,3 Prozent tiefer bei 5156 Punkten. Am Neuen Markt sank der Auswahlindex Nemax 50 um 0,5 Prozent auf 1175 Zähler. Dagegen stieg der MDax der 70 mittleren Werte leicht um 0,2 Prozent auf 4405 Stellen.
   
In den USA kletterten die Börsen nach einer schwachen Eröffnung ins Plus. Zum Handelsschluss in Deutschland notierte der Dow Jones bei 9864 Punkten, ein Plus von 0,7 Prozent. Die Nasdaq kletterte um 0,3 Prozent auf 1947 Zähler. Damit knüpfte die Wall Street an die freundliche Börsenstimmung vom Vortag an. US-Notenbankpräsident Alan Greenspan hatte mit optimistischen Prognosen zur Konjunktur den Aktienmärkten einen Kursschub verliehen. Zudem prasselten auf die Anleger keine schlechten Nachrichten herab, auch weil die Berichtssaison sich langsam ihrem Ende nähert.

Den Indizes in Frankfurt fehlten jedoch nach Händlereinschätzung Impulse. Die weitgehend erwarteten Quartalsergebnisse des schwedischen Mobilfunkausrüsters Ericsson hätten kaum Schwung verliehen, sagten Börsianer. Angesichts der geringen Volumina sprachen manche von "Zufallskursen". Viele Anleger hätten kurz vor dem Wochenende zudem kaum mehr handeln wollen, hieß es.

Ein kräftiger Kursanstieg sei auch in der kommenden Woche nicht zu erwarten, sagte Deka-Fondsmanager Gerd Schubert. "Der Markt scheint zwischen 5000 und 5200 Punkten gefangen zu sein, und die Zahl der Pessimisten steigt", sagte Schubert mit Blick auf den Dax. Andere Marktteilnehmer sagten, der am Montag erwartete Ifo-Geschäftsklimaindex könnte die deutschen Börsen stimulieren. "Die Chancen für eine kleine Kursrallye stehen nicht schlecht", sagte Fondsmanager Jason Forde von Maintrust.

Ericsson hatte zuvor mitgeteilt, im abgelaufenen Quartal den Konzernverlust zwar vermindert zu haben, für 2002 allerdings mit einem Umsatzrückgang zu rechnen. In Stockholm büßten Ericsson rund vier Prozent ein. Das habe die deutschen Technologiewerte zeitweise belastet, sagten Aktienhändler. Letztendlich schlossen sie aber uneinheitlich. Während Infineon  und Epcos  jeweils rund ein Prozent nachgaben, verteuerten sich Siemens  und SAP  um bis zu ein Prozent.

Größter Kursverlierer im Dax waren die Anteilsscheine des Einzelhandelskonzerns Metro , die sich um 3,5 Prozent auf 39,00 Euro verbilligten. Zuvor hatte die Commerzbank ihre Empfehlung für Metro auf "Reduzieren" von "Halten" zurückgenommen.

Mehr als zwei Prozent schwächer schlossen die Papiere der Münchener Rück , der Deutschen Bank  und der Lufthansa .

Auf der Seite der Kursgewinner präsentierten sich hingegen die Titel der Deutschen Post , die um 0,9 Prozent auf 15,25 Euro zulegten. Am Freitag hatte das Bundesfinanzministerium die teilweise Befreiung der Post von der Umsatzsteuer als rechtmäßig bezeichnet. Sie bleibe daher bis zum Ende des Post-Monopols 2007 bestehen.

Im MDax kletterte der Titel des Pharmaunternehmens Altana  um 2,1 Prozent auf 57,35 Euro. Das Bad Homburger Unternehmen, das häufig als Dax-Aufsteigerkandidat gehandelt wird, hatte für den 22. Mai den Gang an die Wall Street angekündigt.

Neuer Markt: Nachrichtenarmer Handelstag

Im Vergleich zum Schlusskurs am vergangenen Freitag hat der Nemax 50 in dieser Woche trotz guter Quartalsberichte führender Technologieunternehmen und einem verhalten optimistischen Konjunktur-Ausblick des US-Notenbank-Chefs Alan Greenspan für das Jahr 2002 lediglich acht Zähler hinzugewonnen. Händler sprachen von einem "unspektakulären" Tag mit geringen Umsätzen und wenig Meldungen.

Das Marktgeschehen stand auch im Gegensatz zum Nemax-Stimmungsindikator, den die Deutsche Börse in Zusammenarbeit mit Cognitrend wöchentlich erstellt. Demnach rechnen 58 Prozent der befragten institutionellen Anleger inzwischen mit einem Aufwärtstrend, während 16 Prozent von rückläufigen Kursen ausgehen. Bei privaten Anlegern erwarten sogar 62 Prozent eine positive Entwicklung. 21 Prozent rechnen mit einem schwächeren Trend. Insgesamt gewinnen die Optimisten allmählich die Oberhand - ihre Zahl hat sich im Vergleich zur Vorwoche um neun Prozent vergrößert. Die Zahl der Pessimisten nahm um acht Prozent ab.

Schwächste und meistgehandelte Aktie im Nemax 50 waren Broadvision , die 7,3 Prozent auf 3,08 Euro nachgaben. Der Anbieter von Software für den Internet-Handel hatte am Vorabend nach Handelsschluss seine Geschäftszahlen vorgelegt. Der Umsatz sank auf 48,0 Millionen Dollar, während der Konzern-Verlust im vierten Quartal auf Grund von hohen Restrukturierungskosten bei 55,6 Millionen Dollar lag.

Verluste verbuchten auch Energiekontor. Die Aktien des Windenergie-Spezialisten fielen um 16,8 Prozent auf neun Euro. Das Unternehmen hatte am Vortag bestätigt drei Windparks auf Grund einer unzufrieden stellenden Rendite von den Investoren zurückkaufen zu müssen. In den Abwärtssog gerieten auch Umweltkontor, deren Aktienkurs um 1,8 Prozent auf 8,10 Euro sank.

Auf der Verliererliste des Nemax 50 standen vor allem Titel die am Vortag deutliche Gewinne verbucht hatten. IDS Scheer  gaben 4,8 Prozent auf 8,18 Euro nach. Am Vortag waren die Aktien des IT-Dienstleisters nach Bekanntgabe eines Großauftrages von der Bundeswehr um den gleichen Prozent-Wert gestiegen. Highlight Communications  gaben 2,6 Prozent auf 4,58 Euro nach, nachdem die Aktien am Vortag um 38 Prozent gestiegen waren. Das Unternehmen hatte am Donnerstag die Vermarktungsrechte für die Champions League ab 2003 gewonnen.

An der Spitze des Nemax 50 standen Ixos . Die Aktien stiegen um 13,8 Prozent auf 6,26 Euro zu und setzten damit den Aufwärtstrend seit Wochenbeginn fort. Das Softwarehaus hatte am Montag überraschend gute Quartalszahlen veröffentlicht.

Deutlich fester schlossen auch die Aktien von Medigene . Der US-Partner Atrix Laboratories erhielt zuvor von der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA grünes Licht für die Marktzulassung des Prostatakrebs-Medikamentes Eligard. Medigene besitzt die exklusiven europäischen Vermarktungsrechte für Leuprogel/Eligard. Der Aktienkurs des biopharmazeutischen Unternehmen gewann daraufhin 5,7 Prozent auf 24,41 Euro.

Kurs des Euro gefallen

Optimistische Aussagen von US-Notenbankchef Alan Greenspan zur Konjunkturentwicklung in den USA drückten den Euro am Freitag auf den tiefsten Stand seit sechs Monaten. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8663 (Donnerstag: 0,8767) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1543 (1,1406) Euro. Bis zum Handelsschluss in Frankfurt fiel der Euro auf 0,8646 Dollar.

Devisenexperten sagten, der Euro-Kurs reagiere auf die Rede von Greenspan sowie auf die sich abzeichnende hohe Januar-Inflation im Euroland. Weitere Kursverluste seien wahrscheinlich und selbst ein neues Allzeittief von unter 0,8225 Dollar sei nicht völlig auszuschließen. "Die nächste Woche wird noch zu einer sehr schweren Woche für den Euro", sagte der Devisenexperte Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus & Burkhardt in Düsseldorf.

Greenspan hatte sich am Donnerstag optimistisch über die Konjunkturaussichten geäußert. Er sprach von Anzeichen für eine Abschwächung der hemmenden Konjunktureffekte und für eine langsame Stärkung der Wirtschaftstätigkeit. "Die optimistischen Töne von Greenspan haben einen Schwung in den Dollar ausgelöst", sagte der HSBC-Experte Schilbe. Hinzu komme die allgemein "kritische Einschätzung" der Inflationsrate in Deutschland und in der Eurozone. Die am Freitag veröffentlichten ersten Hochrechnungen vorläufiger Inflationszahlen aus Italien hätten diesen pessimistischen Blick verstärkt.
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