AKTIE IM FOKUS: HOCHTIEF gewinnen 9 Prozent - Presse: Zerschlagung droht
10:18 22.08.08
FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach einem Pressebericht haben Übernahme- und Zerschlagungsfantasien die HOCHTIEF-Aktie (Profil) am Freitag an die MDAX-Spitze (Profil) geschoben. Gegen 10.10 Uhr gewann das Papier des Baukonzerns 9,18 Prozent auf 54,70 Euro, nachdem es bereits am Vorabend kurz vor Börsenschluss positiv auf den Bericht reagiert hatte. Der Index der mittelgroßen Werte stieg zeitgleich um 1,16 Prozent auf 8.323,54 Zähler.
Dem HOCHTIEF-Konzern droht laut "manager magazin" (Freitag) eine Zerschlagung durch seine Großaktionäre. Der Anstoß für eine Übernahme und eine Zerschlagung könnte vom größten spanischen Baukonzern ACS kommen. Das klassische europäische Baugeschäft von HOCHTIEF soll wohl an den zweiten Großaktionär Oleg Deripaska gehen. Eine Sprecherin in Essen sagte: "Wir haben keinerlei Anzeichen, dass uns ACS zerschlagen will. Solche Gerüchte kommen aber immer wieder mal hoch." Experten zeigten sich angesichts einer günstigen Bewertung der Aktie nicht überrascht von den Spekulationen und wollten insbesondere wegen der wertvollen Beteiligung an der australischen Leighton eine Zerschlagung des Konzerns nicht ausschließen.
"Die Aussagen des Unternehmens dürften die Übernahmespekulationen nicht dämpfen", meinte ein Händler. Der Pressebericht klinge plausibel, insbesondere weil HOCHTIEF als unterbewertet gelte. Zudem könnte ACS insbesondere durch die Übernahme der US-Sparte Turner und den Anteil an der australischen Tochter Leighton die eigenen Überkapazitäten auf dem spanischen Markt reduzieren.
"Die Aktie ist grundsätzlich fundamental unterbewertet, weshalb es nicht überrascht, dass solche Gerüchte immer wieder aufkommen", sagte Analyst Ralf Dibbern von M.M. Warburg. Da ACS bereits mehr als 25 Prozent an HOCHTIEF halte, wäre es für die Spanier leicht, ihre Beteiligung auf über 30 Prozent zu erhöhen und eine Übernahmeofferte zu machen. Bisher habe die hohe Verschuldung von ACS gegen einen solchen Schritt gesprochen. Doch könnte ACS wertvolle Teile des deutschen Baukonzerns verkaufen - etwa den Leighton-Anteil, dessen Wert derzeit vom Markt höher angesetzt werde als der des Gesamtkonzerns. Dibbern beließ die HOCHTIEF-Aktie auf "Kaufen" mit einem Kursziel von 82 Euro.
Es sei schwierig, die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme und Zerschlagung von HOCHTIEF abzuschätzen, schrieb Analyst Ingbert Faust von equinet. Tatsache sei jedoch, dass ACS seine Abhängigkeit vom spanischen Markt reduzieren wolle, HOCHTIEF niedrig bewertet sei und die Weitergabe von dessen Nichtbauaktivitäten an einen anderen Investor die Finanzierung einer Übernahme erleichtern würde. Der Bericht im "manager magazin" sollte zumindest vorübergehend die Bewertung der HOCHTIEF-Aktie nach vorn bringen. Faust bestätigte seine "Buy"-Empfehlung mit einem Kursziel von 78 Euro. Ohne den Konglomeratsabschlag liege der Wert der Aktie bei 81 Euro, heißt es weiter.
Etwas skeptischer äußerte sich ein anderer Börsianer. Wie die Unternehmenssprecherin betonte er, dass bei HOCHTIEF Übernahmegerüchte immer wieder auftauchten. Angeregt würden sie vor allem durch die Tatsache, dass der Leighton-Anteil mit 53 Euro je Aktie derzeit höher bewertet werde als der Gesamtkonzern. Eine Zerschlagung von HOCHTIEF könne daher nicht vollständig ausgeschlossen werden./gl/ck
Quelle: dpa-AFX