Der Staubsauger aus Pfäffikon
Die weithin unbekannte Highlight Communications AG expandiert und plant, die bekannte Constantin AG zu kaufen
In der deutschen Öffentlichkeit ist Bernd Eichinger ein Filmmogul. Der Mann produzierte Kinohits wie Im Namen der Rose und Schuh des Manitu, und auch seine privaten Liebschaften, etwa mit Corinna Harfouch, gaben Stoff für die bunte Presse. Immer aber schwang Respekt mit für die von ihm gelenkte Constantin Film AG, einer der vielen Ableger im Konzern des insolventen Medienunternehmers Leo Kirch.
Nun aber sieht sich Eichinger plötzlich an den Rand gedrängt. Längst ist eingeleitet, dass der Star-Produzent (Constantin-Anteil: 25 Prozent) künftig nicht mehr größter Gesellschafter ist – und vielleicht verkaufen muss. Zur starken, unbekannten Kraft der bekannten Firma steigt die Highlight Communications AG aus dem schweizerischen Pfäffikon aus, einem Ort im Umland von Zürich.
Im Mai 2002 haben die verschwiegenen Eidgenossen, die im Frühjahr 1999 wie so viele Medienfirmen am Neuen Markt in Frankfurt loslegten, von der insolventen Kirch Media bereits 23 Prozent an Constantin gekauft (inzwischen sind es 25 Prozent) . Nun diskutierte der Verwaltungsrat Dienstagabend, ob weitere 16,4 Prozent erworben werden sollen – von der Münchner EM.TV AG, die sich in der Blütezeit der Börse als deutscher Disney-Konzern geriert hat und nun unter finanzieller Enge leidet. Dabei hatte Vorstandschef und Großaktionär Werner E. Klatten, dem Kirch-Leute verdeckt beim Einstieg halfen, einst davon geschwärmt, als eine Art „Staubsauger“ bei weiteren börsennotierten Medienfirmen einzusteigen.
Jetzt sieht es ganz so aus, als würde die Highlight Communications AG diese Staubsauger-Rolle übernehmen. Denn nach einem Deal mit EM.TV hielte sie über 40 Prozent an Constantin und könnte dort die Geschicke bestimmen. Es käme dann wohl zu einem Übernahmeangebot an Maestro Eichinger sowie die freien Aktionäre (Anteil: 33 Prozent). Highlight-Gesellschafter Bernhard Burgener, der dem Verwaltungsrat vorsteht, mag auf SZ-Anfrage über Details nicht sprechen, bestätigt aber ein Interesse am EM.TV-Paket bei Constantin: „Highlight Communications AG kann sich zu den laufenden Verhandlungen mit den Gesellschaftern der Constantin Film AG nicht äußern, da diese nicht abgeschlossen sind. Highlight behält sich alle Optionen offen und wird zu gegebener Zeit über Tatsachen informieren.“
Das Statement hat jene nichts sagende Präzision, die auch lange Zeit für die Kirch-Gruppe galt, mit der Highlight Communications nach Aussage intimer Kenner auf engstem Fuß stand. Viele halten auch sie für eine dieser Satellitenfirmen des Münchner Pleite-Konglomerats, was Burgener freilich strikt abstreitet. Jedenfalls sind die Beziehungen zu Stephan Sager, dem Schweizer Statthalter Kirchs, offenbar sehr gut. Sager kaufte beispielsweise in den neunziger Jahren beim Pay-TV-Sender Premiere Filme ein – und Highlight lieferte ordentlich Material, wie ein Ex-Mitarbeiter sagt.
Kirchs Ziehsohn Sager saß sogar bis 2002 im Aufsichtsrat der Constantin – als Vertreter des Gesellschafters Kirch. Dann übernahm Highlight aus der Schweiz, und Burgener zog für Sager in das Kontrollgremium ein. Es war wohl der Anfang einer Übernahme, die alle Eichinger Pläne über den Haufen werfen dürfte. Davon betroffen ist auch der langjährige Kirch-Manager Fred Kogel, der gerade als Vorstandschef der Constantin Film AG begonnen hat. Kogel erklärt, zu den gestellten Fragen „möchte der Vorstand derzeit keine Stellung nehmen“.
Einen Schub erlebte Highlight im Mai 1999, als sie mit rund 700 Filmen und der Hilfe der ABN Amro-Bank an die Börse ging. Das spülte viele Millionen in die Kasse, womit Burgener & Co. vorsichtig haushalteten. Der Startkurs von umgerechnet 5,10 Euro hat sich lediglich auf knapp 2,20 Euro reduziert. Die Schweizer kauften die Sportrechteagentur Team in Luzern (Champions League), schlossen Abkommen mit Firmen wie Paramount Pictures und stiegen zwischenzeitlich bei der Vidair (Kamerasysteme) ein, wo der Strauß-Epigone Karl Dersch und Ex-Verkehrsminister Matthias Wissmann den Aufsichtsrat zierten.
Als der gute Geschäftsfreund Kirch pleite machte, nahm Burgener in der Bilanz sogleich eine Wertberichtigung über 45,3 Millionen Schweizer Franken vor – so viel hatten sie noch aus München für Filmlieferungen zu erwarten. Ende November 2002 wurde dieser Posten in einer Höhe von 32 Millionen Franken wieder aufgelöst – Highlight soll viele Rechte zurück bekommen oder darf den Vertrag wie geplant erfüllen. „Hier läuft“, sagt ein Eingeweihter, „ein neues Schiff vom Stapel – schön angestrichen.“
HANS-JÜRGEN JAKOBS
CHRISTOPHER KEIL
Die weithin unbekannte Highlight Communications AG expandiert und plant, die bekannte Constantin AG zu kaufen
In der deutschen Öffentlichkeit ist Bernd Eichinger ein Filmmogul. Der Mann produzierte Kinohits wie Im Namen der Rose und Schuh des Manitu, und auch seine privaten Liebschaften, etwa mit Corinna Harfouch, gaben Stoff für die bunte Presse. Immer aber schwang Respekt mit für die von ihm gelenkte Constantin Film AG, einer der vielen Ableger im Konzern des insolventen Medienunternehmers Leo Kirch.
Nun aber sieht sich Eichinger plötzlich an den Rand gedrängt. Längst ist eingeleitet, dass der Star-Produzent (Constantin-Anteil: 25 Prozent) künftig nicht mehr größter Gesellschafter ist – und vielleicht verkaufen muss. Zur starken, unbekannten Kraft der bekannten Firma steigt die Highlight Communications AG aus dem schweizerischen Pfäffikon aus, einem Ort im Umland von Zürich.
Im Mai 2002 haben die verschwiegenen Eidgenossen, die im Frühjahr 1999 wie so viele Medienfirmen am Neuen Markt in Frankfurt loslegten, von der insolventen Kirch Media bereits 23 Prozent an Constantin gekauft (inzwischen sind es 25 Prozent) . Nun diskutierte der Verwaltungsrat Dienstagabend, ob weitere 16,4 Prozent erworben werden sollen – von der Münchner EM.TV AG, die sich in der Blütezeit der Börse als deutscher Disney-Konzern geriert hat und nun unter finanzieller Enge leidet. Dabei hatte Vorstandschef und Großaktionär Werner E. Klatten, dem Kirch-Leute verdeckt beim Einstieg halfen, einst davon geschwärmt, als eine Art „Staubsauger“ bei weiteren börsennotierten Medienfirmen einzusteigen.
Jetzt sieht es ganz so aus, als würde die Highlight Communications AG diese Staubsauger-Rolle übernehmen. Denn nach einem Deal mit EM.TV hielte sie über 40 Prozent an Constantin und könnte dort die Geschicke bestimmen. Es käme dann wohl zu einem Übernahmeangebot an Maestro Eichinger sowie die freien Aktionäre (Anteil: 33 Prozent). Highlight-Gesellschafter Bernhard Burgener, der dem Verwaltungsrat vorsteht, mag auf SZ-Anfrage über Details nicht sprechen, bestätigt aber ein Interesse am EM.TV-Paket bei Constantin: „Highlight Communications AG kann sich zu den laufenden Verhandlungen mit den Gesellschaftern der Constantin Film AG nicht äußern, da diese nicht abgeschlossen sind. Highlight behält sich alle Optionen offen und wird zu gegebener Zeit über Tatsachen informieren.“
Das Statement hat jene nichts sagende Präzision, die auch lange Zeit für die Kirch-Gruppe galt, mit der Highlight Communications nach Aussage intimer Kenner auf engstem Fuß stand. Viele halten auch sie für eine dieser Satellitenfirmen des Münchner Pleite-Konglomerats, was Burgener freilich strikt abstreitet. Jedenfalls sind die Beziehungen zu Stephan Sager, dem Schweizer Statthalter Kirchs, offenbar sehr gut. Sager kaufte beispielsweise in den neunziger Jahren beim Pay-TV-Sender Premiere Filme ein – und Highlight lieferte ordentlich Material, wie ein Ex-Mitarbeiter sagt.
Kirchs Ziehsohn Sager saß sogar bis 2002 im Aufsichtsrat der Constantin – als Vertreter des Gesellschafters Kirch. Dann übernahm Highlight aus der Schweiz, und Burgener zog für Sager in das Kontrollgremium ein. Es war wohl der Anfang einer Übernahme, die alle Eichinger Pläne über den Haufen werfen dürfte. Davon betroffen ist auch der langjährige Kirch-Manager Fred Kogel, der gerade als Vorstandschef der Constantin Film AG begonnen hat. Kogel erklärt, zu den gestellten Fragen „möchte der Vorstand derzeit keine Stellung nehmen“.
Einen Schub erlebte Highlight im Mai 1999, als sie mit rund 700 Filmen und der Hilfe der ABN Amro-Bank an die Börse ging. Das spülte viele Millionen in die Kasse, womit Burgener & Co. vorsichtig haushalteten. Der Startkurs von umgerechnet 5,10 Euro hat sich lediglich auf knapp 2,20 Euro reduziert. Die Schweizer kauften die Sportrechteagentur Team in Luzern (Champions League), schlossen Abkommen mit Firmen wie Paramount Pictures und stiegen zwischenzeitlich bei der Vidair (Kamerasysteme) ein, wo der Strauß-Epigone Karl Dersch und Ex-Verkehrsminister Matthias Wissmann den Aufsichtsrat zierten.
Als der gute Geschäftsfreund Kirch pleite machte, nahm Burgener in der Bilanz sogleich eine Wertberichtigung über 45,3 Millionen Schweizer Franken vor – so viel hatten sie noch aus München für Filmlieferungen zu erwarten. Ende November 2002 wurde dieser Posten in einer Höhe von 32 Millionen Franken wieder aufgelöst – Highlight soll viele Rechte zurück bekommen oder darf den Vertrag wie geplant erfüllen. „Hier läuft“, sagt ein Eingeweihter, „ein neues Schiff vom Stapel – schön angestrichen.“
HANS-JÜRGEN JAKOBS
CHRISTOPHER KEIL