Wunder dauern länger
Hans Bernecker: Wunder dauern länger
Mails/Nachrichten vom 29.10.2002, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
stabile Märkte zeichnen sich dadurch aus, daß die Kurse langsam steigen, aber nicht euphorisch haussieren. Auf diese kleine Differenz kommt es weiterhin an. Salopp: Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger. Schauen Sie sich die Kurse an, die vor vier Wochen galten und jene, die jetzt auf dem Kurszettel stehen.
Ein Wort wird immer wichtiger: Kostensenkungsprogramm. Darüber haben kürzlich noch einige Analysten gelächelt oder die Nase gerümpft. Inzwischen ist dieses Faktum das Wichtigste in den Kommentaren der Firmen per 30.9. Ausschließlich in diesem Faktum steckt vorerst das wichtigste Erkennungsmerkmal, wohin sich die Erträge der Firmen bewegen. Dies gilt nach jeder Rezession und ist die Voraussetzung für den nächsten Aufschwung.
Der IFO-Test ist zweischneidig, weil er ein Meinungsindex ist. Aussagefähiger ist der HB-Indikator, der in den nächsten Tagen erscheint. Er wird allerdings zeigen, daß Deutschland auch im kommenden Jahr von der Talsohle nicht wegkommt. Dazu kann sich der Kanzler heute im Parlament äußern.
Die US-Zahlen zeigen ein nach wie vor anderes Bild. Das erkennen Sie aber nur, wenn Sie eine Zeitreihenanalyse bemühen, also einen Vergleich aller Monatsdaten für die vergangenen 18 - 24 Monate. Das läßt sich durchrechnen für alle Daten wie BIP, Arbeitslosenrate, Managerindex, Konsumentenvertrauen und Kapazitätsauslastung, um nur einige Begriffe zu verwenden. Um es auf den Punkt zu bringen: Es ist völlig unerheblich, ob es ein Double Dip gibt oder nicht. Die US-Wirtschaft wächst zur Zeit mit einer Jahresrate um 2,5 %. Per 2003 werden es voraussichtlich 3 % sein. Das sind gut 100 % mehr als Europa. Aber auch hier gilt, was ich eingangs erwähnt habe: 65 % aller Firmen, die per heute ihre 9-Monatszahlen genannt haben, nennen als Hauptgrund der Ertragsstabilisierung die Kostenseite. Achten Sie dennoch auf einige Tricks:
52 % (Auszählung von gestern) aller Firmen schließen mit Gewinnen oberhalb der Erwartungswerte ab, nachdem diese vorher zurückgestuft worden sind. Wird dann die Zahl genannt, ist man „positiv überrascht“. Das ist natürlich Augenwischerei. Geht es umgekehrt, passiert das, was mit CISCO gestern zu verfolgen war: Minus 7,5 % mit Zurücknahme der Gewinnerwartung.
Fazit für Sie: Schauen Sie auf die Fakten und nicht auf die Erwartungen. Das lohnt sich deshalb, weil abgestürzte Aktien ein sofortiger Kauf sind. Siehe letzthin HONEYWELL, SEARS, AMD, aber auch MOTOROLA und schließlich CIGNA. Seit gestern auch BROCADE COMM mit minus 17,2 %.
Zum Marktbild: In New York indifferent, aber Konsolidierung oberhalb des mittelfristigen Abwärtstrends. Nur das ist im Moment zu beachten.
In Frankfurt sah es besser als in New York aus. Hier wiederhole ich meine Einschätzung von gestern. Folgen Sie dem Unsinn in Sachen Finanzaktien nicht mehr. Das letzte Datum kommt von der DT. BANK am Donnerstag. Bis dahin warte ich mit einem abschließenden Urteil. Die Erholung der FRESENIUS-Titel läuft weiter. Siehe letzte AB, gestern + 9,8 % für FMC und sogar 13,5 % für die Mutter. Laufen Sie aber nicht jedem Kurs hinterher.
Die Technologie bleibt eine schöne Spielwiese. Aber: Nach Tief bei 5 E. für INFINEON und inzwischen 10,50 E. oder 100 % Kursgewinn in vier Wochen ordnen Sie diese Aktie in das Umfeld der Chipeinschätzung ein, worauf ich schon mehrfach eingegangen bin. AMD gestern knapp 6,50 $ nach einem Tief von 3,50 $ vor drei Wochen, als ich in der AB darauf eingegangen bin. Das färbt auch auf SIEMENS ab, die inzwischen 50 % gegenüber Tief zulegten, aber bei 45 E. noch nicht ausgereizt sind. Ich gebe zu, daß dies riskant ist, aber reizvoll.
Erneuter Hinweis auf alle Mobilfunkaktien in Europa. Also TIM, ORANGE, SONERA und VODAFONE als Nr. 1. Die Markttechnik sieht fantastisch aus. Ich gehe in der AB darauf ein. Hier sollte mindestens eine Anfangsposition stehen, wie mehrfach erwähnt. Die Amerikaner sind auf dem gleichen Trip: AT&T WIRELESS bereits knapp 6,90 $ nach zuvor 3,25 $ und SPRINT PCS bei 3,60 $. Siehe ebenfalls die nächste AB. Sie wissen: Die Sanierung der Mobilfunker ist die Voraussetzung für die Investitionsfähigkeit, und diese schlägt anschließend auf die Auftragsvergabe bei den Ausrüstern durch. Jetzt überlegen Sie mal selbst, wohin der Trend dann führt. Das ist natürlich kein Tagesgeschäft. Suchen Sie sich die Favoriten selbst aus.
Sie sehen: Es gibt wirkliche internationale Branchen. Vor allem transatlantisch. Ich lege größten Wert darauf, daß Sie dies auch in diesem Zusammenhang sehen.
Nachrichtlich soeben: FMC (siehe oben) steigert Umsatz und Gewinn. Für 2003 wird ein mittleres einstelliges Wachstum avisiert. Umsatz bisher + 5 % auf 1,285 Mrd E. ? AVENTIS erfüllt mit Quartalsüberschuß die Erwartungen. Reingewinn 560 Mio E. nach 462 Mio E. Weitere Details kommen heute über die Laufbänder. ? FRANCE TÉLÉCOM berichtet heute von 9 % Umsatzplus und + 15 % im operativen Gewinn.
Die Empfehlung für heute auf den Punkt gebracht: Bauen Sie sich Ihre Positionen in den Titeln aus, die ich genannt habe. Ich bitte lediglich um Fingerspitzengefühl. Laufen Sie also nicht jedem Kurs hinterher. Nach jedem festen Tag gibt es auch einen schwachen. Wichtig ist mir nur: Die Basispositionen müssen stehen.
Die Indexziele habe ich genannt. Dabei bleibt es.
Herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
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Hans Bernecker: Wunder dauern länger
Mails/Nachrichten vom 29.10.2002, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
stabile Märkte zeichnen sich dadurch aus, daß die Kurse langsam steigen, aber nicht euphorisch haussieren. Auf diese kleine Differenz kommt es weiterhin an. Salopp: Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger. Schauen Sie sich die Kurse an, die vor vier Wochen galten und jene, die jetzt auf dem Kurszettel stehen.
Ein Wort wird immer wichtiger: Kostensenkungsprogramm. Darüber haben kürzlich noch einige Analysten gelächelt oder die Nase gerümpft. Inzwischen ist dieses Faktum das Wichtigste in den Kommentaren der Firmen per 30.9. Ausschließlich in diesem Faktum steckt vorerst das wichtigste Erkennungsmerkmal, wohin sich die Erträge der Firmen bewegen. Dies gilt nach jeder Rezession und ist die Voraussetzung für den nächsten Aufschwung.
Der IFO-Test ist zweischneidig, weil er ein Meinungsindex ist. Aussagefähiger ist der HB-Indikator, der in den nächsten Tagen erscheint. Er wird allerdings zeigen, daß Deutschland auch im kommenden Jahr von der Talsohle nicht wegkommt. Dazu kann sich der Kanzler heute im Parlament äußern.
Die US-Zahlen zeigen ein nach wie vor anderes Bild. Das erkennen Sie aber nur, wenn Sie eine Zeitreihenanalyse bemühen, also einen Vergleich aller Monatsdaten für die vergangenen 18 - 24 Monate. Das läßt sich durchrechnen für alle Daten wie BIP, Arbeitslosenrate, Managerindex, Konsumentenvertrauen und Kapazitätsauslastung, um nur einige Begriffe zu verwenden. Um es auf den Punkt zu bringen: Es ist völlig unerheblich, ob es ein Double Dip gibt oder nicht. Die US-Wirtschaft wächst zur Zeit mit einer Jahresrate um 2,5 %. Per 2003 werden es voraussichtlich 3 % sein. Das sind gut 100 % mehr als Europa. Aber auch hier gilt, was ich eingangs erwähnt habe: 65 % aller Firmen, die per heute ihre 9-Monatszahlen genannt haben, nennen als Hauptgrund der Ertragsstabilisierung die Kostenseite. Achten Sie dennoch auf einige Tricks:
52 % (Auszählung von gestern) aller Firmen schließen mit Gewinnen oberhalb der Erwartungswerte ab, nachdem diese vorher zurückgestuft worden sind. Wird dann die Zahl genannt, ist man „positiv überrascht“. Das ist natürlich Augenwischerei. Geht es umgekehrt, passiert das, was mit CISCO gestern zu verfolgen war: Minus 7,5 % mit Zurücknahme der Gewinnerwartung.
Fazit für Sie: Schauen Sie auf die Fakten und nicht auf die Erwartungen. Das lohnt sich deshalb, weil abgestürzte Aktien ein sofortiger Kauf sind. Siehe letzthin HONEYWELL, SEARS, AMD, aber auch MOTOROLA und schließlich CIGNA. Seit gestern auch BROCADE COMM mit minus 17,2 %.
Zum Marktbild: In New York indifferent, aber Konsolidierung oberhalb des mittelfristigen Abwärtstrends. Nur das ist im Moment zu beachten.
In Frankfurt sah es besser als in New York aus. Hier wiederhole ich meine Einschätzung von gestern. Folgen Sie dem Unsinn in Sachen Finanzaktien nicht mehr. Das letzte Datum kommt von der DT. BANK am Donnerstag. Bis dahin warte ich mit einem abschließenden Urteil. Die Erholung der FRESENIUS-Titel läuft weiter. Siehe letzte AB, gestern + 9,8 % für FMC und sogar 13,5 % für die Mutter. Laufen Sie aber nicht jedem Kurs hinterher.
Die Technologie bleibt eine schöne Spielwiese. Aber: Nach Tief bei 5 E. für INFINEON und inzwischen 10,50 E. oder 100 % Kursgewinn in vier Wochen ordnen Sie diese Aktie in das Umfeld der Chipeinschätzung ein, worauf ich schon mehrfach eingegangen bin. AMD gestern knapp 6,50 $ nach einem Tief von 3,50 $ vor drei Wochen, als ich in der AB darauf eingegangen bin. Das färbt auch auf SIEMENS ab, die inzwischen 50 % gegenüber Tief zulegten, aber bei 45 E. noch nicht ausgereizt sind. Ich gebe zu, daß dies riskant ist, aber reizvoll.
Erneuter Hinweis auf alle Mobilfunkaktien in Europa. Also TIM, ORANGE, SONERA und VODAFONE als Nr. 1. Die Markttechnik sieht fantastisch aus. Ich gehe in der AB darauf ein. Hier sollte mindestens eine Anfangsposition stehen, wie mehrfach erwähnt. Die Amerikaner sind auf dem gleichen Trip: AT&T WIRELESS bereits knapp 6,90 $ nach zuvor 3,25 $ und SPRINT PCS bei 3,60 $. Siehe ebenfalls die nächste AB. Sie wissen: Die Sanierung der Mobilfunker ist die Voraussetzung für die Investitionsfähigkeit, und diese schlägt anschließend auf die Auftragsvergabe bei den Ausrüstern durch. Jetzt überlegen Sie mal selbst, wohin der Trend dann führt. Das ist natürlich kein Tagesgeschäft. Suchen Sie sich die Favoriten selbst aus.
Sie sehen: Es gibt wirkliche internationale Branchen. Vor allem transatlantisch. Ich lege größten Wert darauf, daß Sie dies auch in diesem Zusammenhang sehen.
Nachrichtlich soeben: FMC (siehe oben) steigert Umsatz und Gewinn. Für 2003 wird ein mittleres einstelliges Wachstum avisiert. Umsatz bisher + 5 % auf 1,285 Mrd E. ? AVENTIS erfüllt mit Quartalsüberschuß die Erwartungen. Reingewinn 560 Mio E. nach 462 Mio E. Weitere Details kommen heute über die Laufbänder. ? FRANCE TÉLÉCOM berichtet heute von 9 % Umsatzplus und + 15 % im operativen Gewinn.
Die Empfehlung für heute auf den Punkt gebracht: Bauen Sie sich Ihre Positionen in den Titeln aus, die ich genannt habe. Ich bitte lediglich um Fingerspitzengefühl. Laufen Sie also nicht jedem Kurs hinterher. Nach jedem festen Tag gibt es auch einen schwachen. Wichtig ist mir nur: Die Basispositionen müssen stehen.
Die Indexziele habe ich genannt. Dabei bleibt es.
Herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
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