Hans Bernecker: Versicherungen unter Beschuß


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jack303:

Hans Bernecker: Versicherungen unter Beschuß

 
03.09.02 10:54
Versicherungen unter Beschuß  

Hans Bernecker: Versicherungen unter Beschuß
Mails/Nachrichten vom 03.09.2002, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
ohne New York läuft nichts, ohne Firmen-News noch weniger, und dann schießen natürlich da und dort die Fantasien ins Kraut. Im Blickpunkt stehen die Versicherungen. Ein Analyst von Morgan Stanley (Rob Proctor) stufte gestern die gesamte europäische Versicherungsindustrie zurück und riet zur Vorsicht. Seine wesentliche Aussage: „Bei aufhellender Konjunktur kämen auch die Versicherer wieder aus der Krise. Doch sollte die Erholung ausbleiben, drohe der gesamten Branche eine radikale Neustruktur“. Das ist doch schon mal was. Reaktion der Börse: Zwischen minus 3 und minus 7 % bei den Kursen aller Titel dieses Sektors. Damit ist der Test der Juli-Tiefs nicht ausgeschlossen, m.E. nicht sehr wahrscheinlich, aber immerhin möglich. Stellen Sie sich also auf diesen Test ein, doch lesen Sie dazu die nächste AB. Ich frage mich allen Ernstes, ob der genannte Analyst die europäische Assekuranzszene wirklich kennt.

Ein Endpunkt könnte am Donnerstag erreicht werden, wenn in Zürich die renommierte ZÜRICH VERSICHERUNGEN (heute ZURICH FINANCIAL SERVICES) ihre Finanzsituation darstellt. Hier führte ein Artikel in der dortigen „Sonntags-Zeitung“ zu wilden Kombinationen am Montag. Mein Tip vorweg: Sollte es Kapitalmaßnahmen geben, also eine Kapitalerhöhung, klappt der Kurs nochmals zusammen, aber Sie klappen bitte das Orderbuch auf. Mehr dazu nicht in der nächsten AB, sondern in der kommenden Woche, aber wahrscheinlich auch schon im Freitag-Ticker.

Gestern führte ich ein sehr vertrauliches Gespräch mit einem der besten Kenner des deutschen Banking. Was er mir im Allgemeinen und in einem Fall besonders erzählte, ist teilweise in der Tat erschütternd. Ich nenne weder einen Namen noch eine Adresse. Unverkennbar ist aber: Auch die deutschen Banken (natürlich nicht alle) haben ein Riesenrad gedreht, was ich eigentlich nicht verstehen kann, wenn man ein ernsthaftes Controlling und einigermaßen sinnvolle strategische Überlegungen unterstellt. Fazit: Die Aufräumarbeiten werden noch eine ganze Zeit benötigen. Mithin sind auch die Gewinne für ein weiteres halbes Jahr schwierig zu gestalten. Aber: Das Ganze hat mit der Konjunktur nichts zu tun, sondern mit den gravierenden Fehlentscheidungen von Managern. Auf diesen Unterschied kommt es demnächst in der Bewertung der Aktien an.

Zur aktuellen Lage: Neues Tief für den Nikkei mit 9.230 ist ein 19-jähriges Tief! Das ist kaum zu glauben. Mein vorsichtiger Ansatz vor 6/7 Monaten ist damit erneut hinfällig. Eine einzige Aktie der Old Economy zeigt einen leicht anderen Ansatz, den ich Ihnen auch in der nächsten AB zeige. Alle anderen, die mehr oder minder mit Banking oder Technologie zusammenhängen, hängen komplett in der Luft. Zwei weitere große Adressen der Technologie testen in diesen Tagen das Tief von 1992. Mal sehen, ob es hält. Damit bleiben weitere Dispositionen in Tokio außerhalb der Betrachtung. Wiederum eine einzige Aktie notiert fast am Höchstpunkt oder kurz darunter, HONDA. Ein Grund zum Verkauf bzw. für Gewinnmitnahmen.

Was bringt die Wall Street heute? Ich rechne eher mit einem schwachen Start, aber einem besseren Verlauf. Das ergibt sich aus der Markttechnik des letzten Freitag bei sehr niedrigen Umsätzen und an sich guten Relationen, die ich mehrfach kommentiert habe.

Frankfurt wird vor diesem Hintergrund einen schwierigen Start haben. Die erwähnten Einschätzungen der Versicherungen sind störend. Die Labilität der Technologie ist es ebenfalls. Am Donnerstag wird sich SAP zu diesem Markt äußern, siehe gestrigen Ticker.

Im Sektor des MDAX zeigt sich etwas anderes. Solide, aber wenig spektakuläre Firmenzahlen sind bewertbar. Der Zwischenbericht von RHEINMETALL liegt auf der Ebene meiner Einschätzungen vor einigen Wochen. Der Umsatzeinbruch bei KÖNIG + BAUER ist auf die Talsohle der Auftragseingänge zurückzuführen, was HEIDELBERGER DRUCK schon vor zwei Wochen bestätigt hat. INDUS beeindruckt mit soliden Ergebnissen, was gleichfalls auf der Ebene meiner Einschätzungen liegt. Die Liste solcher Aufzählungen kann ich beliebig verlängern. Sie zeigt Ihnen:

Die künftige Börsentendenz ist mittel- und langfristig, aber kaum kurzfristig. Das wird einige am Markt stören, die gern mit kurzfristigen Anstößen Umsatz generieren wollen. Ich kann davor nur warnen. Das Zeitmuster läßt sich schon erkennen: Wenn Sie heute eine Aktie bei 13 E. kaufen, hinter denen ein brauchbares Potential steckt, so werden Sie 4 - 6 Monate warten müssen, um einen brauchbaren Gewinn von 20 oder 25 % zu erreichen.

Beteiligen Sie nicht an den Spekulationen um MOBILCOM. Der Streit der zwei Großaktionäre ist nicht zu kalkulieren. Wie die Franzosen denken, habe ich Ihnen frühzeitig erklärt. Wie sie jetzt am 13.9. handeln werden, entspricht deren Logik, die derjenigen deutscher Anwälte nicht folgt. Ich rechne mit einer Überraschung, die auch für die gesamte Einschätzung des Marktes bedeutsam wird. Ferner:

Beteiligen Sie sich auch nicht an Kombinationen um WCM. Die Paketverschiebungen innerhalb der Familie Ehlerding sind nicht wichtig. Alles Nähere in der nächsten AB, weil ich noch einige Recherchen abwarte.

Ergebnis für Sie: Heute ist nicht viel zu tun, aber sehr viel zu beobachten. Ab dem Nachmittag wird es etwas interessanter. Dazu morgen mehr.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 




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