Hans Bernecker: Verhinderter Ausverkauf im DAX


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jack303:

Hans Bernecker: Verhinderter Ausverkauf im DAX

 
05.07.02 10:22
Verhinderter Ausverkauf im DAX  

Hans Bernecker: Verhinderter Ausverkauf im DAX
Mails/Nachrichten vom 05.07.2002, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
dieser Ticker ist die Ergänzung zur heutigen AB und ist ein Telefondiktat. Zu New York ist nichts zu sagen, aber in Deutschland gibt es einiges von Interesse. Dazu gehören auch einige Gerüchte, die zu kommentieren sind.

Das Thema Hedge Funds und Baisse-Spekulationen wird immer interessanter und vielleicht auch heißer. Das ist erst der Anfang und noch längst nicht das Ende.

Große Aufregung bzgl. Dt. Telekom-Baisse-Spekulationen, worüber ich gestern berichtete. Die KfW ist mit meiner Berichterstattung nicht einverstanden und bittet um das Dementi, welches ich nach Presserecht selbstverständlich gerne vorlege:

„Ihre Behauptung ist absolut haltlos und unzutreffend, da die KfW keine Aktien-Leihe-Geschäfte mit ihren T-Aktien-Beständen getätigt hat bzw. tätigt.“

Recherchiert wird von verschiedenen Seiten, nicht nur von meiner. Wie es am Ende um die Hintergründe der merkwürdigen Baisse-Spekulation bei Dt. Telekom ausgehen wird, bleibt also im Moment noch offen. Der Stand der Informationen sieht so aus:

Dt. Telekom hat 4,198 Mrd Stück Aktien ausstehen. Auf Bund/KfW entfallen 2,299 Mrd Stück. Der free float dürfte bei etwa 1,9 Mrd Stück liegen, davon rd. 85 - 89 % bei Volksaktionären, also den Zeichnern, und dies alles im Kleinstformat. Inkl. der ehemaligen Aktionäre von Voicestream stellt sich die Position der „Top Institutional Holders“ zur Zeit auf 38,8 Mio Stück, inkl. der Mutual Funds sind es weitere 10,9 %. Das sind also bescheidene Beträge in „fester Hand“. Die größte Position beträgt 22,9 Mio Stück oder 0,55 % von Brandes Investment Partners. Die größte Position unter den Mutual Funds liegt bei 2,27 Mio Stück oder 0,05 %.

Das Short-Interest lag in der Spitze bei 40,68 Mio Stück und sinkt inzwischen kontinuierlich auf 11,3 Mio Stück aktuell, was ein Auslaufen dieser Baisse-Spekulation signalisiert. Frage der Experten im Markt, die im übrigen behaupten, daß bis zu 50 % des Tagesumsatzes in dieser Aktie auf Hedge Funds entfallen würden, was ich nur weitergeben kann, ist: Das Short Interest in der genannten Höhe ist ohne einen Großen, der die Stücke-Leihe organisiert, nicht machbar. Wer also ist es?

Rein börsentechnisch gesehen: Stücke-Leihe ist rechtlich möglich und einwandfrei, was ich betone. Hier geht es nur um die börsentechnische Problematik und natürlich hinsichtlich der Auswirkungen auf den Kurs.

Telekom Nr. 2: Mobilcom. Beteiligen Sie sich nicht an spekulativen Erwägungen bzgl. einer Abfindung. Die aktienrechtliche Problematik ist so kompliziert, daß eine Aussage dazu unmöglich ist. Die Franzosen haben ein dringendes Interesse daran, die Abfindung zu umgehen. Ob dies aktienrechtlich möglich und einwandfrei ist, ist zur Stunde offen. Übrigens gilt auch hier: Ich hatte Sie frühzeitig auf einige Hintergründe bei Mobilcom aufmerksam gemacht. Das wurde vor gut einem Jahr dementiert. Das Dementi lasen Sie in der AB. Was inzwischen daraus geworden ist, wissen Sie.

Thema Nr. 3: Die Minister-Erlaubnis in Sachen Ruhrgas ist da. Sie wird offiziell heute erwartet. Über die kartellrechtliche und wettbewerbsrechtliche Konsequenz ist nicht zu diskutieren, aber: E.ON ist damit, so wie in der heutigen AB nochmals akzentuiert, ein langfristiges Investment von höchstem Interesse. Dazu gehört auch die Möglichkeit der Aufstockung des Anteils an Gazprom auf 8 - 10 %. Natürlich ist E.ON damit keine übliche Story der New Economy, aber eine äußerst interessante Perspektive. Diese Aktie gehört ebenso wie RWE in ihr Basisportfolio.

Thema Nr. 4: Merkwürdige Manipulationen bei FMC. Auch dazu habe ich in der AB mehrfach geschrieben. Die Ursache liegt auch hier bei einigen Hedge Funds mit nicht deutscher Adresse, die in diesem Papier herumgespielt haben. Ich bin aber nicht sicher, ob dieses Spiel schon zu Ende ist. Bei meiner Einschätzung bleibt es, aber die Volatilität bleibt noch enorm hoch. Sie liegt bei ca. 51 %.

Thema Nr. 5: Die Sneakers-Spekulation, siehe heutige AB, habe ich zu ergänzen: Es bleibt richtig, doppelspurig zu fahren. Gestern machten einige Fonds bei Puma Kasse, Kurs mithin - 6,5 %. Adidas dagegen + 2,1 %. Damit läuft m. E. die ganze Sneakers-Spekulation langsam heiß.

Thema Nr. 6: Ist CS Group wirklich ein Partner für Dt. Bank? Ergänzend zur heutigen AB: Die Schweizer haben in den letzten 5 Jahren die sagenhafte Summe von 16,1 Mrd Fr. allein durch Restrukturierungen und Kapitalverlust vernichtet. Das hat in Europa noch niemand geschafft. In Zürich herrscht deshalb Stille in Sachen möglicher Übernahme. Tatsächlich ist auch noch nichts entschieden, aber wenn, so ist nur ein Zusammengehen mit dem nördlichen Partner denkbar. Ich sehe noch keinen Anlaß für eine sofortige Disposition. Verfolgen Sie diese Entwicklung gleichwohl mit großem Interesse, denn: Die in der deutschen Presse genannten Gründe und Zahlen sind nicht hinreichend. Ich recherchiere weiter.

Grundsätzlich: Märkte, die ständig technisch korrigieren, sind noch nicht am Ende. Die gestrige Korrektur im DAX war erneut ein verhinderter Ausverkauf. Der VDAX pendelte gestern zwischen 32,70 und 36,80. Das ist mir nach wie vor zu wenig. Deshalb bleibe ich vorsichtig und tue noch nichts. Warten Sie also die Entwicklung der heutigen Wall Street ab. Im übrigen tröste ich mich mit dem Zitat von Edgar Salin, einem der großen Ökonomen: „Prognosen müssen nicht stimmen, sie müssen nur berichtigt werden können“.

Damit wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende.

Herzlichst

Hans A. Bernecker
 




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