Hans Bernecker: Sehr, sehr knapp!
Mails/Nachrichten vom 30.04.2002, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
es wird erneut sehr, sehr knapp, aber noch ist nichts Entscheidendes auf der negativen Seite entschieden. Die Markttechnik hat sich allerdings verschlechtert, doch auch dies wieder nur relativ. Die Technologieaktien bleiben im Fegefeuer. Deren immer noch hohe Bewertung ist die Achillesferse des gesamten Marktes.
Die Markttechnik signalisiert eine technische Erholung, die bedeutend ausfallen dürfte. Das gilt unverändert, wie gestern schon begründet. Wahrscheinlicher ist die nächste Woche, aber auch Ende der Woche ist dies schon greifbar nahe. Das hat zur Folge:
Alle Technologieaktien werden in einer solchen Rally deutlich gewinnen. Kann man darauf spekulieren, also jetzt investieren, um anschließend Kasse zu machen? Wer viel Geld hat und noch mehr Mut, kann dies tun. Eine Erholung, wie sie sich ankündigt, begünstigt alle Werte in sehr ähnlicher Form. Dann springt ein Papier sehr schnell von 5 auf 7 $ oder von 10 auf 15 $. In Prozent ist das eine Menge Geld. Dann ist aber bereits wieder Schluß. Folge: Die nächste Rally ist eher ein Exit als ein neues Investment. Am Ende der Rally müssen alle Technologieaktien überprüft werden, ob sie trotz erheblicher Verluste gegenüber den früheren Kaufkursen zu veräußern sind. Darum kommen Sie nicht herum. Den Beweis lesen Sie in der nächsten AB.
Die solide bewerteten Aktien zeigen einen absolut mit der Konjunktur identischen Aufwärtstrend. Er begann am 25. September und verläuft geradlinig bis heute. Das ist „Old Economy“, über die so viel geredet wurde. Ich zeige dies im I-Share-Tracking-Stock. Darunter habe ich den Tracking-Stock der Technologieaktien montiert. Schauen Sie sich diesen Vergleich an und Sie wissen, was wirklich läuft: Der Börsenaufschwung, der sich an der Konjunktur orientiert, läuft längst. Derjenige, der sich an der Technologie orientiert, liegt schief. Das wird sich kurzfristig nicht ändern.
Ich hoffe sehr, daß Sie wenigstens einen kleineren Teil Ihres Portfolios in soliden Werten halten. Diese springen nicht von Tag zu Tag um 10 oder 20 %, haben aber einen deutlichen Aufwärtstrend. Ich rege an, daß Sie sich mit dieser Frage noch einmal sorgfältig beschäftigen. In den letzten Briefen habe ich eine ganze Reihe ergänzender Hinweise dazu gegeben. Ausgerechnet die Automobilzulieferer sind inzwischen die Spitzengewinner geworden, z. B. MAGNA INTERNATIONAL, BORG WARNER, aber auch DANA und DELPHI bzw. LEAR u. a.
Die Rüstungsspekulation erhält einen neuen Akzent. Die amerikanischen Investmenthäuser entdecken BOEING neu. Das dürfte einen neuen Schub auslösen. BOEING ist in meiner Rüstungsliste bis jetzt noch der schwächste Titel. Während alle anderen schon Topniveau erreicht haben, hinkt BOEING wegen der Zivil-Luftfahrt noch etwas hinterher. Meine letzten Käufe lagen um 40 $, aktuell ca. 44 $, und ich halte ein Kursziel von 50 - 52 $ für realistisch. Sie wissen: BOEING kauft man dann, wenn die Zahlen noch schlecht sind und verkauft, wenn sie glänzend sind.
Geht WORLDCOM pleite? Diese Frage geistert durch New York. Wundern würde es mich nicht. Ich habe das ganze Spiel damals nicht mitgemacht und sah deshalb eigentlich nicht gut aus. Der Grund war: Der Macher Ebbers war mir nicht seriös genug. Schlimmer aber ist: Mindestens 30 Banken haben die gewagte Expansion von WORLDCOM zum Weltmarktführer kritiklos mitfinanziert. Das ist ein Fall ähnlich wie ENRON. Bei 15/18 $ und nach über 60 % Kursrückgang hatte ich einen Einstieg erwogen. Gott sei Dank bin ich im letzten Herbst trotz Verlust noch ausgestiegen. Aktuell um 2,50 $. Finger weg. Aber: Würde WORLDCOM unter Chapter 11 gehen, so beginnt automatisch die Bereinigung des Telekommarktes in den USA. Dann werden Investments in AT&T oder SPRINT ein hochaktuelles Thema. Bitte aufpassen.
In Frankfurt fehlt die Linie. Morgen ist Feiertag. Aus New York kommt kein neuer Anstoß, aber Sie werden es bemerkt haben: Bei deutlich geringeren Umsätzen gegenüber dem Vortag sieht es eher nach einer Stabilisierung als nach einer weiteren Schwäche aus. Der schlechteste Tag war übrigens der letzte Donnerstag mit über 106 Mio Aktien, nach zuvor durchschnittlich 65 Mio Aktien, und im Kurswert waren es 4,6 Mrd E. gegenüber vorher durchschnittlich 2,5 - 2,7 Mrd E. Gestern waren es schon deutlich weniger, so daß ich dabei bleibe:
Der DAX zeigt einen Ansatz zu einer markanten Rally in den kommenden zwei bis drei Wochen. Ende offen. Ergo: Verkaufen Sie nicht, aber eine direkte Kaufempfehlung wage ich heute auch nicht zu geben. Kein Papier im DAX gibt einen ganz unmittelbaren Anstoß dazu.
Die erfreuliche Ausnahme heißt AVENTIS. Während ich alle großen Pharmatitel Amerikas zurückgezogen habe, meldet AVENTIS heute morgen: + 12,5 % im Umsatz und + 42 % im Gewinn nach Steuern. Ziel in diesem Jahr 11 - 12 % Zuwachs im Umsatz und Ergebnissteigerung je Aktie um 25 - 30 %. Damit bleibt AVENTIS neben NOVARTIS und ROCHE auf der Kaufliste (siehe auch Brief Nr. 12/02).
Meine Dollarprognose bestätigt sich weiter. Nun schon über 90 Cents mit der nächsten Marke bei 92 Cents und anschließend 95/96 Cents. In Nr. 13 hatte ich Ihnen die dahinterstehenden Überlegungen skizziert. Sie dürften wohl nicht falsch gewesen sein. Mir fällt auf, daß sich bis jetzt kein Euro-Fan dazu gemeldet hat.
Der Goldpreis steigt gleichfalls weiter. Achten Sie hier aber auf den Rhythmus, den ich Ihnen ebenfalls beschrieben habe. Das Ganze läuft in einem sehr sauberen Rhythmus, was Sie nur in einem Chart erkennen können. Das Ziel bis zum 3. Quartal reicht zunächst bis 340 $ je Unze. Die drei Alternativen hatte ich Ihnen in der AB genannt. ANGLOGOLD ist immer noch ein aktuelles Thema. Bei ASA ist die steuerrechtliche Seite allerdings unklar, weil es sich um einen geschlossenen Investmentfonds handelt.
Die Leitlinie für heute: Das Kaufsignal für die technische Wende ersehen Sie aus den Charts in BernSTEIN, und zwar auf den Punkt genau. Mal sehen, ob ich Recht gehabt habe. Das werden wir in der nächsten Woche diskutieren. Wenn es aber so ist, so wäre dies ein weiterer schlagender Beweis dafür, wie Sie die Börse zur Zeit allein mit technischen Instrumenten in den Griff kriegen.
Herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
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