Mails/Nachrichten vom 06.03.2002, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
Gewinnmitnahmen gehören zu jedem positiven Trend. Nichts ist gesünder als dies. Das wird sich vermutlich auch heute fortsetzen, bedarf aber einiger Anmerkungen. Diese sind heute deshalb kürzer, weil in einer solchen Verschnaufpause nur wenig ganz aktueller Handlungsbedarf besteht.
Im Mittelpunkt steht in Deutschland natürlich die Deutsche Telekom. Das Zahlenwerk ist für Laien extrem schwierig zu verstehen. Soweit ich die heutige Kommentierung der Presse nachvollziehe, tut sich auch die Gilde der Finanzanalysten ebenfalls schwer. Es ist das typische Muster eines Unternehmens, daß sich verschluckt hat, kräftig wächst und damit einen 'Zahlensalat' präsentiert, der ebenso ein Einmalergebnis ist, wie daraus sehr wichtige Schlüsse für die Zukunft zu ziehen sind. Ich beschäftige mich in der nächsten AB deshalb mit den aus meiner Sicht wichtigsten Fakten. Sie bestehen aus 3 Sektoren: Dem operativen Cash flow, der das Ganze finanztechnisch trägt, den Umsatz in den nächsten 3 bis 4 Jahren incl. UMTS und Voicestream plus Stammgeschäft und drittens die Relation Schulden zum Eigenkapital. Diese erreicht übrigens über 40 % in der Konzernbilanz. Bleibt es deshalb bei der positiven Einschätzung? Ja, aber nicht als kurzfristiger Tip.
Die Wall Street zeigte gestern ein ausgewogenes Bild. Nach wie vor werden die Aktien zurückgestuft, die noch zu teuer sind und diejenigen können steigen, die preiswert sind. Das gilt auch für solche der Old Economy wie z.B. Home Depot, Amerikas Baumarktkette. Deshalb mahne ich immer wieder an: Es wird in diesem Jahr kaum eine Aktie geben, die allein mit einer Story Tendenz macht. Wenn die Zahlen nicht einigermaßen stimmen, ist nichts drin.
Kursgewinne von 10 oder auch 20 % wird es immer wieder geben, wenn solche Aktien von interessierter Seite 'angestoßen' werden. Solche Dinge mitzuspielen, überlasse ich Ihnen, Investments sind sie nicht.
Eine der großen Branchen rückt vorsichtig in eine äußerst interessante > Ausgangslage. Darüber schreibe ich in der nächsten AB. Dahinter steht eine mehr oder weniger umfangreiche Baisse mit Abschlägen zwischen 30 bis 60 %, > obwohl diese Branche permanent hochgelobt worden war, aber ich schon frühzeitig darauf aufmerksam machte, daß die Überbewertung nicht stimmt. Es handelt sich um die Großen der Pharmaindustrie. Nur der Viagra-Produzent Pfizer konnte sich dem Negativtrend entziehen. Der Grund ist klar. Es gibt also immer wieder bestimmte Branchen, die einer neuen Einschätzung unterliegen können, und darin sehe ich die für Sie besten mittelfristigen Kurschancen.
Zurück nach Deutschland: Neben Telekom sind die Henkel-Zahlen, die gestern herauskamen, ein erneuter Anlaß, sich mit dieser Aktie zu beschäftigen. Spannend wird es dazu auch, wenn der Verkauf von Reemstma durch die Hertz-Familie nun die Frage in den Mittelpunkt stellt, ob Beiersdorf den Besitzer wechseln kann. Bekanntlich ist Henkel Hauptinteressent, aber umgekehrt ist Hertz in der Lage zu bieten. Ich rege weiter Käufe in Henkel an.
Ein großes Ärgernis ist Software. Meine überaus harte Konsequenz gestern morgen war sicherlich nicht die Ursache für den Kursrutsch um 35,4 %, aber leider nötig. Solche Dinge bedürfen der rechtlichen oder sogar strafrechtlichen Überprüfung. Es kann nicht sein, daß im Vor- und Umfeld einer sehr dubiosen Öffentlichkeitsarbeit ganz offensichtlich Insiderwissen dazu verwendet worden ist, eigene Vorteile zu erlangen. Das unterstelle ich in diesem Falle einer ganzen Reihe von Akteuren. Schade, weil sich damit ein gutes Unternehmen fast aus den Markt wirft. Meine Leser haben damit einen dicken Verlust gemacht. Was tun? Eine gewisse Erholung auf 24/26 E. möchte ich unterstellen. Warten Sie dies ab, aber verkauft wird dennoch. Celanese kratzte gestern an der Marke 24 E. Auch hier lief in den letzten Wochen ein eher merkwürdiges Spiel, was man an den Tagesumsätzen ablesen konnte. Dazu gibt es nur eine Vermutung meinerseits, die in ähnlicher Richtung geht.
Leitlinie für Sie für heute: Der DAX hat gestern 0,3 % verloren, der Nemax 0,6 % und der VDAX pendelt um 22,50. Damit ist aber das Abwärtspotential auf der Weekly-Basis ausgeschöpft. Bleiben Sie also dran. Die Indikation von gestern gilt auch heute noch, bitte nachlesen.
Die aktuelle Markttechnik zeigt Ihnen erneut, wie hoch die Volatilität ist und wie eng die Schwankungsbreiten in den Kursen. Vereinfacht ausgedrückt: Ein Titel ist bei 20 E. ein Kauf, aber schon bei 26 oder 27 E. 'ausgereizt'. Optisch sind das nur 6 oder 7 E., aber gleich 30 %. Dann sollte schon wieder verkauft werden. Sie erkennen dies nur über die markttechnischen
Instrumente und/oder diejenigen, die sie vor Augen haben. Wie Sie in diesem Umfeld Ihre
Portfolio-Strategie konzipieren, wird das Hauptthema des Seminars am 12. April sein. Ich lege Ihnen nahe, sich diesen Termin zu reservieren.
Veranstaltungsort: Hotel NIKKO, Düsseldorf, Immermannstr. 41. Teilnahmegebühr: 149,00 Euro Anmeldung bitte unter bremer@bern-stein.de oder per Fax unter 0211 / 3227720.
Herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
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