Mails/Nachrichten vom 21.02.2002, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
ich gebe noch keine Entwarnung. Auch der aktuelle Nachrichtenstand ist nicht geeignet, noch in dieser Woche deutlich bessere Kurse vorauszusagen. Das markttechnische Risiko hat sich andererseits nicht wesentlich vergrößert. Also verbleiben Sie in Wartestellung.
Thema des Tages ist der heutige Aufmacher in der Financial Times. Darin steckt eine Dimension. Die Financial Times behauptet, was ich durch ein Telefonat heute morgen in Paris halb bestätigt erhalte und mindestens in der Logik nachvoll-ziehbar ist. Es paßt also zu dem, was die Engländer schreiben. Es geht um Mobilcom.
Die in den letzten Tagen diskutierte Kontroverse zwischen den beiden Großaktionären hat zwei Seiten: Die eine ist der Ausgang zwischen den zwei Aktionären, was eine finanztechnische Frage ist. Darin haben die Franzosen die besseren Karten. Meine Meinung dazu habe ich schon vor 1 1/2 Jahren in der AB geschrieben, was mir seinerzeit eine einstweilige Verfügung einbrachte. Deshalb kann ich nur sehr bedingt formulieren. Nach meinen Kenntnissen ist France Telecom rechtlich so am Zuge, daß es in der Lage ist, die anderen auszuboten.
Der zweite Aspekt ist die Folge davon, wenn der deutsche Großaktionär Probleme bereitet. Die sich daraus ergebenden Folgen wären für den deutschen Telekom-Markt gravierender. Hierfür gilt die Formulierung: Jede Kette ist so stark, wie das schwächste Glied hält. In diesem Falle fällt ein wichtiger Teil des deutschen Marktes heraus. Das dies den gesamten Markt entscheidend verändert, ist ebenso klar. Ergo:
Der Streit um Mobilcom würde am Ende der Deutschen Telekom am besten nützen, um das Thema auf einen Punkt zu bringen. Mobilcom-Aktionäre müssen also schwitzen. Ziehen Sie sich lieber zurück und warten Sie ab, was herauskommt.
Ein weiterer Teil betrifft DaimlerChrysler. Das gestern vorgelegte Zahlenwerk ist vielfach nicht nachvollziehbar, jedenfalls nicht für Normal-Aktionäre. Stören Sie sich daran nicht. Ich will Ihnen eine Zahl nennen, die ich schon vor zwei Jahren genannt habe und der niemand Rechnung trägt: Daimler kaufte Chrysler und damit einen Marktanteil von zur Zeit rd. 10 % in den USA. Der Aufwand dafür beträgt bislang rundherum 12 - 15 Mrd E. Was aber ist er wert? Rd. 200 Mrd $! Wie das? Diese Berechnung stammt aus einer sehr sorgfältigen strategischen Studie von Peugeot. Die Franzosen rechneten nach, wieviel sie investieren müßten, um 10 % Marktanteil in den USA zu erreichen. Also alle Kosten, inkl. Marketingaufwand etc. Niemand bedenkt diese Tatsache, wenn es auch Mühe bereitet, Chrysler zu sanieren. Stellen Sie bitte beide genannten Zahlen gegenüber. Sie sind im jetzigen Marktwert von Daimler zu berücksichtigen, obwohl sie niemand berücksichtigt.
Wall Street steht in der Warteposition, wie gestern beschrieben. Die Renditen steigen leicht weiter an, aber nur in sehr kleinen Schritten. Für mich ist es nach wie vor ein Seismograph für die Konjunkturtendenz. Doch dies ist jetzt nicht wichtig, wie Sie wissen. Die Korrektur auf den Gesamtanstieg ist noch nicht beendet. Die weiteren Ärgernisse um die amerikanischen Bilanzen werden sich m. E. noch ausweiten. Ein neues Schlüsselwort nenne ich schon frühzeitig, welches in den nächsten Wochen auftauchen wird: Die Bewertung der Optionen für Manager, und zwar sowohl in den Bilanzen, als auch in den Ertragsrechnungen. Hier tickt die nächste Zeitbombe mit sehr unerfreulichen Erwartungen. Der Fall Computer Ass. ist dafür eine Art Vorspiel. Ich hatte mich im letzten Jahr daraus zurückgezogen, als es zum Streit zwischen Vorstand und Aktionären kam. Rückkauf bleibt offen. Umgekehrt erfreulich: Mein jüngster Hinweis auf Eastman Kodak wurde mit einem neuen Jahrestop von über 30 $ belohnt. Schauen Sie bitte noch einmal in die AB. Umgekehrt war der Ausstieg bei Peoplesoft hoffentlich noch gerade richtig. Gestern bereits 27 $, und ich rechne mit Unterstützung erst bei 20 $.
Insgesamt: Ich ziehe meine Auffanglimits für die Technikwerte für 8 Tage zurück. Bitte alle entsprechenden Limits aus dem Markt nehmen. Eingegangene Positionen bleiben allerdings bestehen.
Heute bin ich also etwas kürzer, aber noch konkreter: Kein Handlungsbedarf und Sie achten bitte darauf, daß Ihr Liquiditätspolster ausreichend groß ist. Kunden von Stockguard erhalten entsprechende Vorschläge zur Liquiditätsbeschaffung von ihrem Berater. Ich wünsche Ihnen damit einen schönen Tag.
Herzlichst Ihr
HAB
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