Hans Bernecker: Meinungsverkäufe...


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jack303:

Hans Bernecker: Meinungsverkäufe...

 
26.04.02 12:07
Mails/Nachrichten vom 26.04.2002, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
die zwei schlimmsten Wochen des Börsenjahres 2002 gehen zu Ende. Was jetzt noch kommt, enthält wesentlich weniger Dramatik, denn: Der Zahlenkranz der amerikanischen Konjunktur bleibt in Ordnung und auch in Deutschland ist der leichte Knick im IFO-Index ebenfalls die Folge des mehrfach beschriebenen Basis-Effektes. Ich wundere mich doch sehr, wie wenig kritisch die Fachpresse mit solchen, eigentlich selbstverständlichen Begriffen umgeht. Es wird ein Klima erzeugt, das den Realitäten einfach nicht entspricht. Das konnten Sie gestern beiderseits des Atlantiks nachvollziehen:

„Meinungsverkäufe“, aber ohne triftigen Grund. Folge: Kursrückgänge zwischen 1,5 und 6 % quer durch den Garten. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, wo es besondere Gründe gibt. Aktuellster Fall für mich:

Dynegy wurde gestern um mehr als 20 % zurückgenommen, weil Gasverträge von der SEC untersucht werden. Gleichzeitig nahm Dynegy die Ergebnisschätzung leicht zurück. Natürlich wurde sofort in Richtung Enron gedacht und kritiklos verkauft. Ich werde gleichwohl diese Empfehlung überprüfen müssen. An der Energiespekulation ändert sich damit aber nichts. Fortsetzung folgt in der nächsten AB.

Der zweitwichtigste Faktor ist der Dollar. Lesen Sie bitte noch einmal nach, was ich Ihnen dazu in der AB vor vier Wochen schrieb. Die heutige Kommentierung der Dollarschwäche ist vor- aber nicht hintergründig. Werden 90 Cents überschritten, liegt der nächste Euro-Kurs bei 94/95 Cents. Wie gesagt, die entsprechende AB Seite 1 nachlesen.

Wall Street konkret: Mit dem gestrigen Rutsch leicht unter 10 000 im Dow Jones kann ich gut leben. Im übrigen ergibt sich eine sehr klare Parallele zum DAX. Rufen Sie deshalb beide Indizes im BernSTEIN-Programm auf. Ich hatte schon darauf hingewiesen: Der nächste Dreh nach oben kommt entweder in der ersten oder zweiten Mai-Woche. Die Situation ist sehr ähnlich derjenigen von Ende Februar/Anfang März. Deshalb: An Verkäufe ist nicht zu denken, neue Käufe stelle ich noch für eine Woche zurück.

Zu den wichtigsten Trendwerten: Die Zahlen von Eastman Kodak haben leicht enttäuscht. Dafür bleibt es aber für die Jahresschätzung bei unverändert 2,50 - 2,60 $ je Aktie und ich warte noch 2 - 3 Tage für eine neue Kaufempfehlung. Gleiches gilt für Disney auf der Kursbasis um rd. 24 $. Bitte schauen Sie sich in der heutigen AB den Chart von Ford an. Das klingt langweilig, aber wie man als Weltmarkt-Zweiter auf die Beine kommt, zeigt gerade DaimlerChrysler. Nächste Aktie dieser Art ist Ford. Denn bei Daimler läuft es, wie ich es Ihnen avisiert hatte. Die Zahlen lesen Sie heute in der Zeitung. Die absolut wichtigste ist die, die gestern ebenfalls genannt wurde: Die Stückkosten bei Chrysler sinken. Also erhöhen sich die Stückerlöse und das ist der Schlüssel für die Chrysler-Zukunft. Schauen Sie auf diese Zahl und nicht auf den Absatz allein, denn in ihr zeigt sich der Gewinn. Urban Hill hatte mir das schon vor 4 Wochen avisiert, siehe AB.

In Frankfurt lief gestern das gleiche wie in New York: Raus, raus, aber am Ende wußte keiner, warum. Mit 5 % erwischte es die Dt. Telekom, die daraufhin sogar knapp unter 16 E. rutschte. Das wiederum deckt sich nun mit der Markttechnik des DAX, wie eingangs erwähnt. Wenn 26 von 30 DAX-Aktien im Durchschnitt 3 % verlieren, ist das das Ende der Konsolidierung und nicht der Anfang. Damit bin ich sehr zufrieden.

Die Technik-Aktien bleiben gleichwohl die Achillesferse. Schauen Sie sich einmal die Jahresbilanz an: Epcos - 20,2 % seit Neujahr. Infineon - 8,3 %, SAP - 0,2 % und Siemens - 11,8 %. Mit den Oldies hätten Sie dagegen gutes Geld verdient: Degussa + 20 %, Daimler und VW + 7 bzw. 5 %, Preussag + 12 %, ebenfalls Lufthansa und Linde mit + 18,6 %. Sogar mit Thyssen wären es noch + 4 % geworden. Die Chemie legte + 5 bis + 7 % zu. Es bleibt also richtig, dort investiert zu sein, wo Geld verdient wird, statt lockeren Sprüchen nachzulaufen, wie sie insbesondere von Infineon fast wöchentlich verbreitet werden. Mein Eindruck: Es bleibt auch für den Rest des Jahres nicht viel anders. Siehe auch die amerikanischen Trends bei Tabak, Gesundheit, Rüstung, Öl etc., die eine sehr saubere Konjunkturtendenz zeigen, während die High Techs Schlagzeilen machen, aber Verluste produzieren. Ich empfehle Ihnen erneut, einen Blick auf das Gold zu werfen. Siehe S. 8 in der heutigen AB. Dazu zwei Gedankenstützen: Ein steigender Goldpreis hat auch indirekt etwas mit einem leichteren Dollar zu tun. Dazu gibt es eine erweiterte Lücke zwischen Angebot und Nachfrage, und damit sind Goldminen weiterhin ein Thema.

Zum Ende dieser Woche bin ich also etwas kurz in den Einzelnachrichten, empfehle Ihnen aber, die genannten Trends über das Wochenende hin zu überdenken. Schauen Sie sich insbesondere die Zwischenbilanzen in den „klassischen“ Marktsegmenten an. Damit wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende. Der Leitspruch lautet: Die Einbildung tröstet die Menschen über das, was sie nicht sein können. Und der Humor tröstet sie über das, was sie wirklich sind. Bis zur nächsten Woche

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 




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