Kriegsbeil über den Märkten
Mails/Nachrichten vom 09.09.2002, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
Märkte, über denen ein Kriegsbeil hängt, erlauben keine objektive Wertung. Weder positiv noch negativ. Die Psychologie beherrscht die Stimmung, und deshalb gehe ich in diese Woche mit größter Zurückhaltung, aber scharfem Blick. Den 11.09. nehme ich nicht ernst. Ernst zu nehmen ist aber, wie sich die Markthaltung in dieser Woche entwickeln wird. Zeigt sie Widerstandsfähigkeit, gleichgültig in welcher Form, ist das ein weiterer guter Baustein für die Stabilisierung der Märkte insgesamt, die ich unverändert bis in den Oktober hinein terminiere. Achten Sie vor allem darauf:
Die Indizes geben nur die Marktstimmung wieder. Die relative Stärke jeder Aktie zeigt aber, wie im einzelnen sich jeder Titel verhält. Das ergibt wesentliche Unterschiede. Es fällt zudem auf: Während Dow Jones und S+P 500 ein sehr ähnliches Bild zeigen, liegt der Nasdaq nur ganz wenig über dem bisherigen Tief. Er wäre der erste, der nach unten durchfallen könnte.
Dabei ist die Markttechnik in Wall Street keineswegs schlecht. Alle relevanten Relationen lagen im Wochenverlauf im positiven Bereich. Manchmal etwas mehr, manchmal etwas weniger. Nur die Zahl der neuen Tiefs im Nasdaq ist noch immer umfangreich. Dieser Sektor ist ohnehin die Achillesferse des gesamten Marktes.
Die „optimistische“ Einschätzung von INTEL nehme ich nochmals zum Anlaß, auf diese Frage zurückzukommen. INTEL reduziert seine Umsatzprognose um etwa 200 Mio $ für das Quartal und liegt damit über den Erwartungen, die negativer waren. Daraufhin 1,11 $ fester. Hat das Bestand? Ich zweifle daran sehr, wie ich Ihnen schon vorgerechnet habe.
Lohnt sich eine Ölspekulation? Für relativ kurze Sicht ja, worauf ich schon in der AB hinwies. Die Ölservicetitel sind in einer solchen Lage immer für schnelle 15 - 20 % gut. Dann muß Kasse gemacht werden. Denn jede politische Äußerung schlägt schnell auf den Ölpreis durch und entsprechend auf die Ölwerte. Von echter fundamentaler Begründung kann keine Rede sein.
Interessanter erscheint mir der gleiche Denkansatz für die Goldtitel. Auch hier geht es zunächst um 20 - 25 %, was schon beträchtlich sein kann. Rufen Sie sich bitte heute die entsprechenden Charts auf. Ich mahne jedoch an: Das ist vorerst ein Trading und nicht mehr.
Generallinie in Kürze: Ich bin nicht bereit, im Vorfeld der erwähnten Ängste eine definitive Empfehlung zu geben. Das wäre unseriös.
Zu den Konjunkturdaten: Permanent mahne ich an, nicht auf die Wochenzahlen zu achten. In Sachen Arbeitsmarkt hat sich dies erneut als richtig erwiesen. Auffallend ist aber, wie unmittelbar der Dollar auf solche Nachrichten schon reagiert und mithin nach wie vor eine enge Korrelation zwischen den amerikanischen Indizes und dem Dollar besteht. Daran erkennen Sie Stärke und Schwäche der amerikanischen Tendenz.
Zur Zinspolitik: Faktisch ist es völlig gleichgültig, ob die EZB oder die FED die Zinsen um 25 Basispunkte reduziert oder dies vorhat. Mehr als ein psychologischer Effekt ist es nicht. Dazu bedarf es schon mehr, speziell in Europa. Die Märkte würden vielleicht darauf einen Tag reagieren, mehr nicht.
Frankfurt hängt in der Klemme der Volatilität. Der scharf zurückgefallene VDAX um 8 % am Freitag ist ein Signal abnehmender Angst. Es hat also erneut funktioniert, darauf zu achten. So wie diese Volatilität abnimmt, nimmt auch die Angst ab und mithin die „Angstverkäufe“, gleich welcher Art. Achten Sie deshalb täglich auf diesen Temperaturmesser.
Die Vorbereitungen für den 30.09. haben begonnen. Die Gewinnschätzungen werden allseitig zurückgenommen, aber sehr differenziert. Vorgänge wie bei ALTANA mit 18 % Minus am Donnerstag sind typisch. Das sind immerhin 25 % gegenüber der Spitze gewesen. Bei 40 E. wird diese Aktie wieder ein Kauf. Es war also richtig, die Spekulation auf die Aufnahme in den DAX zu Gewinnmitnahmen zu nutzen. Rückschlag bei BEIERSDORF auf 87 E. geht in die gleiche Richtung. Ich nehme daher die möglichen Stützungskurse für BEIERSDORF auf 76 bis 78 E. zurück. Das gilt als Ergänzung zur letzten AB. Dahinter stehen interne Vorgänge im Hamburger Aktionärskreis. Das Gegenstück läuft bei FRESENIUS und FMC, wie bereits kommentiert. Bleiben Sie in allen drei Fällen zunächst draußen und warten Sie ab.
Die Erholung der Versicherungstitel halte ich für sicher, aber zeitlich für schwierig. Mehrere Analystenteams großer Adressen arbeiten nach meiner Kenntnis an umfangreichen Analysen, die wohl in zwei bis drei Wochen vorliegen werden. Deshalb habe ich keine Eile mit neuen Investments.
Zürich macht es vor. Die Sanierung von ZFS ist ein wichtiger Eckpunkt für die gesamte europäische Versicherungswirtschaft, die alle das gleiche getan haben: In Aktien spekuliert und dies keineswegs im Blue chip-Bereich, sondern in Technologieaktien, was für einen Versicherer nun sicher nicht vertretbar ist.
Thema DT. TELEKOM: Der wichtigste Punkt in den amerikanischen Gesprächen betrifft die Frage der unternehmerischen Verantwortung bei einer fusionierten US-Tochter. Dazu gibt es in Bonn verschiedene Versionen, die in der Konsequenz einen großen Einfluß auf die Zurechnung von Schulden in der Konzernbilanz haben. Das wird demnächst ein hochwichtiges Thema. Entscheidend ist also die Bilanzwirksamkeit dieser Fusion und nicht die Ertragsseite von VOICESTREAM.
Gehen Sie in diese Woche mit kritischem Blick für die Zahlen und Fakten und lassen Sie die Psychologie bitte beiseite. Eines darf ich Ihnen aber schon ankündigen: S. 1 der nächsten AB sollten Sie drei Mal lesen. Dann wissen Sie, wo wir stehen.
Herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
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Mails/Nachrichten vom 09.09.2002, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
Märkte, über denen ein Kriegsbeil hängt, erlauben keine objektive Wertung. Weder positiv noch negativ. Die Psychologie beherrscht die Stimmung, und deshalb gehe ich in diese Woche mit größter Zurückhaltung, aber scharfem Blick. Den 11.09. nehme ich nicht ernst. Ernst zu nehmen ist aber, wie sich die Markthaltung in dieser Woche entwickeln wird. Zeigt sie Widerstandsfähigkeit, gleichgültig in welcher Form, ist das ein weiterer guter Baustein für die Stabilisierung der Märkte insgesamt, die ich unverändert bis in den Oktober hinein terminiere. Achten Sie vor allem darauf:
Die Indizes geben nur die Marktstimmung wieder. Die relative Stärke jeder Aktie zeigt aber, wie im einzelnen sich jeder Titel verhält. Das ergibt wesentliche Unterschiede. Es fällt zudem auf: Während Dow Jones und S+P 500 ein sehr ähnliches Bild zeigen, liegt der Nasdaq nur ganz wenig über dem bisherigen Tief. Er wäre der erste, der nach unten durchfallen könnte.
Dabei ist die Markttechnik in Wall Street keineswegs schlecht. Alle relevanten Relationen lagen im Wochenverlauf im positiven Bereich. Manchmal etwas mehr, manchmal etwas weniger. Nur die Zahl der neuen Tiefs im Nasdaq ist noch immer umfangreich. Dieser Sektor ist ohnehin die Achillesferse des gesamten Marktes.
Die „optimistische“ Einschätzung von INTEL nehme ich nochmals zum Anlaß, auf diese Frage zurückzukommen. INTEL reduziert seine Umsatzprognose um etwa 200 Mio $ für das Quartal und liegt damit über den Erwartungen, die negativer waren. Daraufhin 1,11 $ fester. Hat das Bestand? Ich zweifle daran sehr, wie ich Ihnen schon vorgerechnet habe.
Lohnt sich eine Ölspekulation? Für relativ kurze Sicht ja, worauf ich schon in der AB hinwies. Die Ölservicetitel sind in einer solchen Lage immer für schnelle 15 - 20 % gut. Dann muß Kasse gemacht werden. Denn jede politische Äußerung schlägt schnell auf den Ölpreis durch und entsprechend auf die Ölwerte. Von echter fundamentaler Begründung kann keine Rede sein.
Interessanter erscheint mir der gleiche Denkansatz für die Goldtitel. Auch hier geht es zunächst um 20 - 25 %, was schon beträchtlich sein kann. Rufen Sie sich bitte heute die entsprechenden Charts auf. Ich mahne jedoch an: Das ist vorerst ein Trading und nicht mehr.
Generallinie in Kürze: Ich bin nicht bereit, im Vorfeld der erwähnten Ängste eine definitive Empfehlung zu geben. Das wäre unseriös.
Zu den Konjunkturdaten: Permanent mahne ich an, nicht auf die Wochenzahlen zu achten. In Sachen Arbeitsmarkt hat sich dies erneut als richtig erwiesen. Auffallend ist aber, wie unmittelbar der Dollar auf solche Nachrichten schon reagiert und mithin nach wie vor eine enge Korrelation zwischen den amerikanischen Indizes und dem Dollar besteht. Daran erkennen Sie Stärke und Schwäche der amerikanischen Tendenz.
Zur Zinspolitik: Faktisch ist es völlig gleichgültig, ob die EZB oder die FED die Zinsen um 25 Basispunkte reduziert oder dies vorhat. Mehr als ein psychologischer Effekt ist es nicht. Dazu bedarf es schon mehr, speziell in Europa. Die Märkte würden vielleicht darauf einen Tag reagieren, mehr nicht.
Frankfurt hängt in der Klemme der Volatilität. Der scharf zurückgefallene VDAX um 8 % am Freitag ist ein Signal abnehmender Angst. Es hat also erneut funktioniert, darauf zu achten. So wie diese Volatilität abnimmt, nimmt auch die Angst ab und mithin die „Angstverkäufe“, gleich welcher Art. Achten Sie deshalb täglich auf diesen Temperaturmesser.
Die Vorbereitungen für den 30.09. haben begonnen. Die Gewinnschätzungen werden allseitig zurückgenommen, aber sehr differenziert. Vorgänge wie bei ALTANA mit 18 % Minus am Donnerstag sind typisch. Das sind immerhin 25 % gegenüber der Spitze gewesen. Bei 40 E. wird diese Aktie wieder ein Kauf. Es war also richtig, die Spekulation auf die Aufnahme in den DAX zu Gewinnmitnahmen zu nutzen. Rückschlag bei BEIERSDORF auf 87 E. geht in die gleiche Richtung. Ich nehme daher die möglichen Stützungskurse für BEIERSDORF auf 76 bis 78 E. zurück. Das gilt als Ergänzung zur letzten AB. Dahinter stehen interne Vorgänge im Hamburger Aktionärskreis. Das Gegenstück läuft bei FRESENIUS und FMC, wie bereits kommentiert. Bleiben Sie in allen drei Fällen zunächst draußen und warten Sie ab.
Die Erholung der Versicherungstitel halte ich für sicher, aber zeitlich für schwierig. Mehrere Analystenteams großer Adressen arbeiten nach meiner Kenntnis an umfangreichen Analysen, die wohl in zwei bis drei Wochen vorliegen werden. Deshalb habe ich keine Eile mit neuen Investments.
Zürich macht es vor. Die Sanierung von ZFS ist ein wichtiger Eckpunkt für die gesamte europäische Versicherungswirtschaft, die alle das gleiche getan haben: In Aktien spekuliert und dies keineswegs im Blue chip-Bereich, sondern in Technologieaktien, was für einen Versicherer nun sicher nicht vertretbar ist.
Thema DT. TELEKOM: Der wichtigste Punkt in den amerikanischen Gesprächen betrifft die Frage der unternehmerischen Verantwortung bei einer fusionierten US-Tochter. Dazu gibt es in Bonn verschiedene Versionen, die in der Konsequenz einen großen Einfluß auf die Zurechnung von Schulden in der Konzernbilanz haben. Das wird demnächst ein hochwichtiges Thema. Entscheidend ist also die Bilanzwirksamkeit dieser Fusion und nicht die Ertragsseite von VOICESTREAM.
Gehen Sie in diese Woche mit kritischem Blick für die Zahlen und Fakten und lassen Sie die Psychologie bitte beiseite. Eines darf ich Ihnen aber schon ankündigen: S. 1 der nächsten AB sollten Sie drei Mal lesen. Dann wissen Sie, wo wir stehen.
Herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
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