Jo-Jo-Spiel
Hans Bernecker: Jo-Jo-Spiel
Mails/Nachrichten vom 30.09.2002, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
das Jo-Jo-Spiel geht weiter. Die hauchdünne Basis, die sich am Donnerstag noch gezeigt hatte, erwies sich als illusorisch. Schon in der zweiten Stunde brach alles weg. In den bekannten technischen Indikatoren ist dies sehr deutlich sichtbar. Dabei nahm das Umsatzvolumen eher ab als zu, und das scheint mir ein Beweis für den anhaltenden Käuferstreik zu sein. Es wird interessant zu beachten sein, wie die redemptions bei den Fonds aussehen. Also die Rückgabe der Zertifikate. Die Woche beginnt damit mit folgenden Perspektiven:
1. Hält im Dow Jones die Basis 7.600 nicht, geht das Risiko bis 6.500/6.800 im Laufe der nächsten zwei bis drei Wochen. Das überträgt sich auf den DAX in Richtung der von mir angegebenen Korridore.
2. Das wird voraussichtlich die letzte Phase der Baisse werden. Die Begründung dafür versuche ich in der nächsten AB darzustellen. Ich hatte dafür die kommenden 20 Börsentage avisiert, also bis etwa zur letzten Oktoberwoche. Das ist ein erstes Zeitraster, das Sie bitte nicht auf den letzten Tag genau nehmen.
3. Die amerikanischen Konjunkturdaten sind ebenso wenig besorgniserregend wie sie kein Anlaß sind, die Bewertungsfrage in den Mittelpunkt zu stellen. Diesbezügliches wird zur Zeit herumgereicht. Denn: Das Wachstum der Gewinne nimmt ab, aber nicht die Gewinne selbst. Das ist ein dicker Unterschied. Auf der aktuellen Basis der Schätzungen für 2003 liegt das KGV für den Dow Jones bereits bei 16. Für den S&P 500 bei 17,3 und nur für den Nasdaq 100 bei 37. Die letztere Zahl ist ohnehin eine Luftgröße. Indes:
4. Es gehört zur Schlußphase einer Baisse, daß sinnlos abgeschossen wird. PHILIP MORRIS reduzierte die Gewinnschätzungen minimal und wurde daraufhin beinahe um 20 % geköpft. Natürlich ist das Unsinn, aber typisch für einen Verkäufermarkt. KGV nunmehr 6 und deshalb ein Kauf oder ein Noch-Verkauf? Diese Frage werde ich in der AB beantworten müssen, warte also noch zwei bis drei Tage. Andererseits ist klar:
5. Die Technologieaktien sind weiterhin die Achillesferse. Fast täglich schreibe ich darüber. GENERAL ELECTRIC hat 25 $ unterboten und nur noch 1 $ Luft. MICROSOFT fehlen noch 4 $ zur gleichen kritischen Grenze. Beide zusammen repräsentieren über 1 Billion $ Börsenwert. Bitte letzte AB nachlesen. Bei CISCO läuft das Spiel ohnehin in kleinen Schritten und bei INTEL ähnlich. Demnächst ist DELL dran, wie ich annehme. Ich bin sicher: Ohne einen Boden für diese Titel, der sich auch rechnet, ist das Ende der Baisse nicht zu definieren. Sie reißen aber leider auch alle anderen mit.
6. Der deutschen Börse ist eingefallen, den Neuen Markt zu beseitigen. So einfach ist das. Bisher gibt es auch keine Begründung für die Behandlung der entsprechenden Optionsscheine. Unter Funktionären macht man das so. Ich ziehe daher alle Nemax-Zertifikate, die ich empfohlen hatte, trotz massivem Verlust zurück. Hier gibt es keine rechtliche Beurteilungsmöglichkeit, was ich als ungeheuer empfinde. Anderseits: Mit der Beseitigung des Neuen Marktes bin ich im Prinzip einverstanden.
7. Die Quittung nach der deutschen Bundestagswahl liegt vor. Soweit sie die Börse berührt, ist sie relativ eindeutig. Ich überlasse es jedem selbst, darüber nachzudenken, was vor der Wahl verbindlich zugesagt und anschließend ebenso verbindlich zurückgenommen worden ist. Auch das ist eine gewisse Einmaligkeit. Hilfreich ist dies für die Börse zweifellos nicht, obgleich ich die Negativeinschätzung nicht überziehe. Wichtigste Aussage ist: Damit ist Wachstum mit Sicherheit nicht zu erreichen.
8. Kann sich die Technologie überhaupt noch einmal erholen? Diese Frage wird mir immer wieder gestellt. Der Zusammenbruch von Aufträgen und Umsätzen und mithin Gewinne ist in der Tat einmalig. Das gilt für alle Sektoren von TMT. Schaut man sich die Charts dazu an, wird man ebenfalls nicht froh gestimmt. Ich zeige Ihnen diese Situation in der nächsten AB dennoch, um Ihnen begreiflich zu machen, was eigentlich passiert ist und andererseits auch noch zwingend passieren wird. Auffallend ist gleichwohl:
9. Unterscheiden Sie zwischen Technologie einerseits und klassischen Industrien andererseits. Letztere nennt man auch zyklische Branchen, die ein deutlich besseres Bild zeigen, aber dennoch nicht frei von Schwäche sind. Hier werden die Basis und das Ende der Baisse schneller und deutlicher sichtbarer sein als in den Technologietiteln. Deshalb gilt Ihr Augenmerk in den nächsten vier Wochen vor allem diesen Branchen.
10. Die europäischen Versicherungen haben das Schlimmste hinter sich. Zur Zeit laufen nur noch die Nachwehen. Dafür ist heute der wichtigste Termin, nämlich Ende des 3. Quartals, und ich rechne damit, daß alle Verkäufe von Aktien, soweit sie notwendig waren, abgewickelt sind. Das müßte sich in den kommenden zwei bis vier Tagen schon zeigen.
11. Zurück zur Hochtechnologie, hier Deutschland: Weiterhin Finger weg, und ich werde die möglichen/denkbaren Kaufkurse wahrscheinlich noch etwas zurücknehmen müssen. Zu SAP hatte ich Ihnen die Gefahrenpunkte in der letzten AB schon genannt, die sich teilweise am Freitag mit Kursen von 46,80 E. schon bestätigt haben.
Gehen Sie mit dieser Leitlinie bitte konstruktiv in die nächsten Tage. Auch dann, wenn die aktuellen Kurse noch etwas leichter ausfallen. Entweder es entsteht in den kommenden vier Wochen eine brauchbare Basis, oder vor Frühjahr keine mehr. Ich schneide das ganz bewußt auf diesen Punkt zu. Beachten Sie also den Verlauf der nächsten drei bis vier Wochen sehr genau. So ganz falsch war es nicht, als ich Ihnen vor vier Wochen noch nahe legte, „über die Bücher“ zu gehen und danach zu forschen, in welchen Positionen noch Liquiditätsreserven stecken, die Sie demnächst dringend benötigen werden. Insofern gehe ich zuversichtlich in den neuen Monat.
Herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
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Hans Bernecker: Jo-Jo-Spiel
Mails/Nachrichten vom 30.09.2002, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
das Jo-Jo-Spiel geht weiter. Die hauchdünne Basis, die sich am Donnerstag noch gezeigt hatte, erwies sich als illusorisch. Schon in der zweiten Stunde brach alles weg. In den bekannten technischen Indikatoren ist dies sehr deutlich sichtbar. Dabei nahm das Umsatzvolumen eher ab als zu, und das scheint mir ein Beweis für den anhaltenden Käuferstreik zu sein. Es wird interessant zu beachten sein, wie die redemptions bei den Fonds aussehen. Also die Rückgabe der Zertifikate. Die Woche beginnt damit mit folgenden Perspektiven:
1. Hält im Dow Jones die Basis 7.600 nicht, geht das Risiko bis 6.500/6.800 im Laufe der nächsten zwei bis drei Wochen. Das überträgt sich auf den DAX in Richtung der von mir angegebenen Korridore.
2. Das wird voraussichtlich die letzte Phase der Baisse werden. Die Begründung dafür versuche ich in der nächsten AB darzustellen. Ich hatte dafür die kommenden 20 Börsentage avisiert, also bis etwa zur letzten Oktoberwoche. Das ist ein erstes Zeitraster, das Sie bitte nicht auf den letzten Tag genau nehmen.
3. Die amerikanischen Konjunkturdaten sind ebenso wenig besorgniserregend wie sie kein Anlaß sind, die Bewertungsfrage in den Mittelpunkt zu stellen. Diesbezügliches wird zur Zeit herumgereicht. Denn: Das Wachstum der Gewinne nimmt ab, aber nicht die Gewinne selbst. Das ist ein dicker Unterschied. Auf der aktuellen Basis der Schätzungen für 2003 liegt das KGV für den Dow Jones bereits bei 16. Für den S&P 500 bei 17,3 und nur für den Nasdaq 100 bei 37. Die letztere Zahl ist ohnehin eine Luftgröße. Indes:
4. Es gehört zur Schlußphase einer Baisse, daß sinnlos abgeschossen wird. PHILIP MORRIS reduzierte die Gewinnschätzungen minimal und wurde daraufhin beinahe um 20 % geköpft. Natürlich ist das Unsinn, aber typisch für einen Verkäufermarkt. KGV nunmehr 6 und deshalb ein Kauf oder ein Noch-Verkauf? Diese Frage werde ich in der AB beantworten müssen, warte also noch zwei bis drei Tage. Andererseits ist klar:
5. Die Technologieaktien sind weiterhin die Achillesferse. Fast täglich schreibe ich darüber. GENERAL ELECTRIC hat 25 $ unterboten und nur noch 1 $ Luft. MICROSOFT fehlen noch 4 $ zur gleichen kritischen Grenze. Beide zusammen repräsentieren über 1 Billion $ Börsenwert. Bitte letzte AB nachlesen. Bei CISCO läuft das Spiel ohnehin in kleinen Schritten und bei INTEL ähnlich. Demnächst ist DELL dran, wie ich annehme. Ich bin sicher: Ohne einen Boden für diese Titel, der sich auch rechnet, ist das Ende der Baisse nicht zu definieren. Sie reißen aber leider auch alle anderen mit.
6. Der deutschen Börse ist eingefallen, den Neuen Markt zu beseitigen. So einfach ist das. Bisher gibt es auch keine Begründung für die Behandlung der entsprechenden Optionsscheine. Unter Funktionären macht man das so. Ich ziehe daher alle Nemax-Zertifikate, die ich empfohlen hatte, trotz massivem Verlust zurück. Hier gibt es keine rechtliche Beurteilungsmöglichkeit, was ich als ungeheuer empfinde. Anderseits: Mit der Beseitigung des Neuen Marktes bin ich im Prinzip einverstanden.
7. Die Quittung nach der deutschen Bundestagswahl liegt vor. Soweit sie die Börse berührt, ist sie relativ eindeutig. Ich überlasse es jedem selbst, darüber nachzudenken, was vor der Wahl verbindlich zugesagt und anschließend ebenso verbindlich zurückgenommen worden ist. Auch das ist eine gewisse Einmaligkeit. Hilfreich ist dies für die Börse zweifellos nicht, obgleich ich die Negativeinschätzung nicht überziehe. Wichtigste Aussage ist: Damit ist Wachstum mit Sicherheit nicht zu erreichen.
8. Kann sich die Technologie überhaupt noch einmal erholen? Diese Frage wird mir immer wieder gestellt. Der Zusammenbruch von Aufträgen und Umsätzen und mithin Gewinne ist in der Tat einmalig. Das gilt für alle Sektoren von TMT. Schaut man sich die Charts dazu an, wird man ebenfalls nicht froh gestimmt. Ich zeige Ihnen diese Situation in der nächsten AB dennoch, um Ihnen begreiflich zu machen, was eigentlich passiert ist und andererseits auch noch zwingend passieren wird. Auffallend ist gleichwohl:
9. Unterscheiden Sie zwischen Technologie einerseits und klassischen Industrien andererseits. Letztere nennt man auch zyklische Branchen, die ein deutlich besseres Bild zeigen, aber dennoch nicht frei von Schwäche sind. Hier werden die Basis und das Ende der Baisse schneller und deutlicher sichtbarer sein als in den Technologietiteln. Deshalb gilt Ihr Augenmerk in den nächsten vier Wochen vor allem diesen Branchen.
10. Die europäischen Versicherungen haben das Schlimmste hinter sich. Zur Zeit laufen nur noch die Nachwehen. Dafür ist heute der wichtigste Termin, nämlich Ende des 3. Quartals, und ich rechne damit, daß alle Verkäufe von Aktien, soweit sie notwendig waren, abgewickelt sind. Das müßte sich in den kommenden zwei bis vier Tagen schon zeigen.
11. Zurück zur Hochtechnologie, hier Deutschland: Weiterhin Finger weg, und ich werde die möglichen/denkbaren Kaufkurse wahrscheinlich noch etwas zurücknehmen müssen. Zu SAP hatte ich Ihnen die Gefahrenpunkte in der letzten AB schon genannt, die sich teilweise am Freitag mit Kursen von 46,80 E. schon bestätigt haben.
Gehen Sie mit dieser Leitlinie bitte konstruktiv in die nächsten Tage. Auch dann, wenn die aktuellen Kurse noch etwas leichter ausfallen. Entweder es entsteht in den kommenden vier Wochen eine brauchbare Basis, oder vor Frühjahr keine mehr. Ich schneide das ganz bewußt auf diesen Punkt zu. Beachten Sie also den Verlauf der nächsten drei bis vier Wochen sehr genau. So ganz falsch war es nicht, als ich Ihnen vor vier Wochen noch nahe legte, „über die Bücher“ zu gehen und danach zu forschen, in welchen Positionen noch Liquiditätsreserven stecken, die Sie demnächst dringend benötigen werden. Insofern gehe ich zuversichtlich in den neuen Monat.
Herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
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