Hans Bernecker: Durchatmen 11.12.02


Thema
abonnieren
Beitrag: 1
Zugriffe: 278 / Heute: 1
jack303:

Hans Bernecker: Durchatmen 11.12.02

 
12.12.02 07:53
Durchatmen  


Mails/Nachrichten vom 11.12.2002, Bernecker & Cie.

--------------------------------------------------
Guten Morgen, meine Damen und Herren,
es war ein allgemeines Durchatmen. Mehr ist es aber noch nicht. Plus 1,19 % im Dow Jones und plus 1,8 % im Nasdaq, jedoch 3,34 % in Frankfurt haben die Markttechnik wieder in die Stellung von Freitag/Montag gebracht. Dabei war Frankfurt gestern die stärkste Börse, jedoch eher aus Zufall.

Die Informationsbreite nimmt ab. Wesentliche Nachrichten gibt es bis Weihnachten kaum. Was Nokia gestern verkündete, war nichts Neues. Ausreichend ist darüber spekuliert worden. An der Einschätzung der Chip- bzw. Handy-Titel (Service und Ausrüster) ändert sich mithin nichts.

Die amerikanischen Konjunkturdaten sind "in-line" mit den bisherigen Erwartungen. Die Lagerbestände des Großhandels sind um 0,3 % gefallen, nachdem sie im Vormonat um 0,4 % zugelegt hatten. Die ISM-Einschätzung geht von einer leichten Verbesserung im Industrie- und Dienstleistungsbereich aus, aber neu ist auch das nicht. Positiv wirkte gestern auch die bessere Geschäftseinschätzung des Herstellers von Diskettenlaufwerken (Maxtor), was gleich zu einem Plus von 24 % geführt hat. Auch das liegt auf meiner Linie. Das erlaubt mir einen etwas generalisierenden Blick:

Ein Kernthema wird: Setzen sich die restlichen Wirtschaftsfakten dieses Jahres noch durch gegenüber den Ängsten aus der militärischen Konfliktlage im Nahost? Das ist eigentlich nicht zu beantworten. Doch der Kern steckt darin:

Wer auf den amerikanischen Konsum wartet, liegt falsch. Die Amerikaner leben von einem hohen Konsum, weil ihr Denkansatz völlig anders ist als derjenige der Europäer. Die Fakten dazu mögen Sie überraschen:

Die Amerikaner orientieren sich im Konsum an der eigenen Leistungsfähigkeit und nicht am Tarifabschluß. Jeder Amerikaner ist bereit, mehr zu arbeiten, wenn er mehr Konsum für richtig hält. Die Arbeitsleistung liegt deshalb bei 1.963 Stunden pro Jahr, gegenüber 1.493 in Deutschland. Die Verschuldungsgrenze liegt wiederum da, die der Amerikaner für sich selbst als richtig ansieht. Auch dann, wenn er zwei oder drei Jobs wahrnimmt. Das Ergebnis:

17 % des monatlichen Gesamteinkommens werden für Kredittilgungen inkl. Zinsen verwendet. Das ist etwa Europastandard. Konsequenz auf der volkswirtschaftlichen Ebene: Der Konsum bleibt hoch, ist aber nicht wesentlich steigerungsfähig. Sein Anteil am BIP liegt bei 62 %. Deshalb ist es richtig, davon auszugehen:

Auf die Investitionen kommt es an und hier wiederum nicht in der Produktion, sondern für Dienstleistungen, die bereits 60 % der Entstehungsseite des BIP ausmachen. Wenige wissen: Nur jeder 12. Amerikaner ist noch ein "Blaumann". Wußten Sie auch, daß 28 % der amerikanischen Industriekapazitäten außerhalb der US-Grenzen liegen, mithin keinen Eingang in die Handelsbilanz- und Leistungsbilanzdaten finden? Ich halte es für erwähnenswert, diese Zahlen kurz zusammenzustellen, um Ihnen den richtigen Rahmen zu geben, der in den deutschen Medien häufig unterlassen wird.

Frankfurt erhält wenig eigene Impulse. Sie beachten jedoch die relative Stärke von Dt. Telekom, der nur 0,50 E. für den Break fehlen. Gelingt dieser Hürdensprung, so ist darin ein neuer Anstoß gegeben, den ich schon spezifiziert hatte. Übrigens: Dt. Telekom prüft den Ausstieg aus dem Auskunftsgeschäft und erwartet 1 Mrd. E. Erlös. Das ist ein weiterer Baustein der Entschuldungsstrategie.

Im MDAX schauen Sie bitte etwas genauer bei folgenden Aktien hin: SGL Carbon mit gestern + 8 %, siehe letzte AB. Ferner Vossloh als eine der besten Aktien des ganzen Jahres (Jahresplus 11 %), die erneut besser als erwartete Zahlen vorlegten. Diese Dauerempfehlung meinerseits wiederhole ich. Software baut seine solide Basis weiter aus. Tagesumsatz um 40.000 Stück ist zwar nicht viel, jeder Kurs zwischen 10,80 und 11,50 E. ist aber ein Kauf. Gestern + 5 %. Techem läuft in ähnlicher Form. Auch das ist eine Spezialität, worauf ich schon hinwies. Mit - 67 % in diesem Jahr einer der großen Verlierer. Dafür ist es einer der interessantesten Konjunkturtitel.
Buderus trennt sich vom Zementgeschäft. Das ist ein Baustein für die Selbständigkeit, weil der Vorstand unbedingt verhindern möchte, daß das Paket von Bilfinger Berger in falsche Hände gerät und damit die Unabhängigkeit von Buderus tangiert werden kann.

Über die Fiat-Krise lesen Sie in den Medien alles ausführlich. Börsentechnisch ist das nicht interessant. Noch nicht! Aber: Lohnt sich ein Investment in Fiat-Bonds in Euro? Bei Restlaufzeiten von etwa 8 Jahren kassieren Sie hier gute 11 % auf Verfall. Es gibt eine ganze Reihe dieser Bonds, wobei bei den kurzen Laufzeiten (2004) sogar 12,6 % Rendite möglich sind. Das ist etwas für Renditejäger. Die Liste aller Fiat-Bonds können Sie in meinem Düsseldorfer Büro unter 0211-3227720 per FAX anfordern. Das wär's für heute, bis morgen.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 




--------------------------------------------------

Served by sonne02.bern-stein.de on 12.12.2002 07:53:34 for 80.129.71.102
WebText © 2001 by 1STEIN GmbH + + + eMail: info@bern-stein.de  
Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--