vwd Gespräch/ComROAD: Schnabel-Rauswurf ist Chance für Neuanfang
München (vwd) - Die fristlose Kündigung des Vorstandsvorsitzenden der
ComROAD AG, Bodo Schnabel, ist nach den Worten des Aufsichtsratsvorsitzenden
Andreas Löhr eine "vorsorgliche Maßnahme, um Schaden abzuwenden und die
Chancen für einen Neuanfang zu wahren". Die Entlassung habe am Ende eines
Abwägungsprozesses mit den Sonderprüfern und begleitenden Anwälten
gestanden, sagte Löhr am Freitag im Gespräch mit vwd. Zuletzt hatten sich
die Hinweise auf einen unkorrekten Ausweis von Umsätzen für das
Geschäftsjahr 2001 verdichtet. Vorerst werde der zweite Vorstand Hartmut
Schwamm das Unternehmen allein führen.
Zur Suche nach einem Ersatz für Schnabel hielt sich der
Aufsichtsratsvorsitzende bedeckt. Auf die Frage, ob ComROAD angesichts der
aufgetretenen Unstimmigkeiten überlebensfähig sei, sagte Löhr: "Ich bin
Optimist. Die Gesellschaft hat einen Neuanfang verdient." Aufschluss
erwartet sich Löhr von der nunmehr auch auf die Jahre 1998 bis 2000
ausgedehnte Sonderprüfung der Unternehmens-Abschlüsse. Diese werde "in
einigen wenigen Wochen" abgeschlossen sein.
"Die graben den ganzen Garten jetzt um, notfalls noch viel tiefer". Ein
früheres Erkennen der Unstimmigkeiten sei auch dem Aufsichtsrat nicht
möglich gewesen, sagte Löhr. Der Anbieter von Telematikdienstleistungen und
-geräten ComROAD war in den vergangenen Wochen in die Schlagzeilen geraten,
als die Wirtschaftsprüfergesellschaft KPMG ihr Mandat niedergelegt hatte.
Einige der von ComROAD aufgeführten ausländischen Partner hatten offenbar
nicht in dem Maße Umsätze generiert, wie das zuvor angekündigt war. Die
Sonderprüfung soll untersuchen, ob das Unternehmen zu hohe Erlöse
abgerechnet hat bzw ob die vermeintlichen Partner tatsächlich mit ComROAD
zusammenarbeiten. +++Rolf Neumann
vwd/8.3.2002/rne/mim