Unter der Rubrik "Mitarbeiter erzählen" veröffentlich die HHLA im Laufe des Jubiläumsjahres 125 Interviews von Mitarbeitern.
Thema heute:
Vom Jutesack zum Container
12 / 14.04.2010
Wie Holger Strausmann, 57, Containerbrückenfahrer auf dem HHLA Container Terminal Tollerort, den Wandel des Hafenumschlags erlebt hat.
„An sehr windigen Tagen – so wie heute – wird die Arbeit schwieriger“, erklärt Holger Strausmann. „Ich muss dann aufpassen, dass sich die Container nicht drehen. Dann passe ich eben mal eine Windböe ab, so dass ich mit dem Container runterkommen kann ohne zu pendeln.“
Das Großcontainerschiff „Cosco Asia“ hat heute Mittag am HHLA Container Terminal Tollerort (CTT) festgemacht, voll beladen mit rund 10.500 Standardcontainern. Bis morgen Abend muss die Ladung gelöscht und das Schiff mit neuen Containern beladen sein. Strausmanns Job ist es, die tonnenschweren Metallkisten mit einer Greifvorrichtung namens „Spreader“ sicher vom Schiff auf den Kai und wieder zurück zu stellen. „Meine Brücke wiegt 850 Tonnen. Die Kabine befindet sich in 40 Meter Höhe, unter Höhenangst darf man da nicht leiden.“ Strausmann fährt mit dem Ausleger, der „Katze“, etwa 50 Meter vor und zurück über das Schiff. Auch nach links und rechts kann er die Brücke auf Schienen um etwa 300 Meter versetzen, so dass auch ein Containerschiff von der Größe der „Cosco Asia“ in voller Länge und Breite bearbeitet werden kann.
Der Job erfordert volle Konzentration und gutes Reaktionsvermögen. „Man hat höchstens mal zwei, drei Minuten Wartezeit zwischendurch, um über den Hafen zu blicken und seinen Gedanken nachzuhängen“, erzählt Strausmann. Aber jetzt hat er Pause und Zeit, sich an seine Kindheit zu erinnern. „Wir wohnten noch in Wilhelmsburg, mein Vater hat als Kranführer auf der Werft bei den Howaldtswerken gearbeitet. Bei Stapelläufen durfte ich mitkommen und war begeistert.“ Er selbst hat 1973 als ganz normaler „Ackermann“ angefangen: „Damals legten hier noch Stückgutfrachter an, wir mussten Jutesäcke schmeißen und Kartons packen. Heute geht nichts mehr ohne Containerbrücke. Meinen Job im Hafen wollte ich anfangs nur zwei Jahre machen, aber seit ich Brückenfahrer wurde, fasziniert es mich, mit nur zwei Joysticks und viel Fingerspitzengefühl all diese riesigen Gewichte bewegen zu können.“ Mittlerweile bildet Strausmann auch junge Kollegen in dieser Kunst aus.
http://www.hhla.de/index.php?id=1221 An der Börse ist alles möglich, auch das Gegenteil.
André Kostolany
MfG
Palaimon