Zu einer regelrechten Volksseuche hat sich mittlerweile in Deutschland der Hang zur privaten Börsenspekulation entwickelt. Auf Stammtischen und Kaffeekränzchen werden längst nicht mehr die klassischen Themen behandelt ( "Ausländer raus!", "Benzinpreise runter!", "Was tun gegen Cellulitis?" ), sondern nur noch Aktientips und Wirtschaftsnachrichten ausgetauscht. Da diese Entwicklung jedoch immer mehr Opfer fordert und bereits zur Bildung von Selbsthilfegruppen ( "T-Online-Anonymous" ) geführt hat, zeichnet sich bereits ein neuer Trend am Horizont ab: Firmen-Fusionen. So haben z.B. in der niedersächsischen Kleinstadt Pappenhagen bereits zwei Drittel aller Kleinbetriebe fusioniert. Den Anfang hatten vor vier Wochen der Fahrradhändler Ulf Uhlenbrock und der Imbisstand von Ulrike "Bei Uli" Dietzenbach gemacht. Begründung: nur auf diese Weise könne man noch mit fernöstlichen Billiganbietern von Fahrradklingeln und Hotdogs konkurrieren. Doch während sich diese Fusion als äusserst erfolgreich erwies ( bereits in den ersten Tagen stieg der Umsatz von Hot Dogs durch vorbeikommende Radfahrer um 3,5 Prozent ), kam es bereits zu den ersten Flops. Die grossmäulig als "Mega-Fusion" angekündigte Verbindung der Stadtbibliothek mit der Recyling-Firma Hollerbach platzte bereits nach drei Tagen, nachdem Juniorchef Klaus Hollerbach umgehend sämtliche Bücher aus der Stadtbibliothek abtransportiert und zu Altpapier verarbeitet hatte.
Die niedersächsische Verbraucherzentrale warnt jetzt vor vorschnellen und unüberlegten Firmenfusionen. Nicht alles, was auf den ersten Blick zusammenpasse, könne auch langfristig den Herausforderungen der globalisierten Märkte gerecht werden. Des halb solle man sich bei Fusionen zunächst einmal auf den privaten Bereich beschränken, und den dort entstandenen Nachholbedarf, z.B. im ehelichen Schlafzimmer, befriedigen. Dies sei immer noch die wirksamste Abwehrmassnahme gegen das Eindringen billiger ( und williger ) Erotik-Exporte aus dem nahen wie fernen Osten.