Günter Ogger: Fatale Fonds


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Dixie:

Günter Ogger: Fatale Fonds

 
24.07.01 08:23
Günter Ogger


Fatale Fonds

Die Machtverhältnisse am Aktienmarkt sehen, vereinfacht dargestellt, so aus: 75 Prozent des investierten Kapitals werden von wenigen Profis verwaltet, der Rest liegt in den Händen von Millionen Kleinaktionären. Wer nach den Schuldigen für den "irrationalen Überschwang" (Robert Shiller) der Börsen - und auch für dessen Gegenteil - sucht, wird am ehesten bei den Investmentfonds fündig, die in Deutschland über 900 Milliarden DM Aktienkapital verwalten.

Die Manager der Fonds, und nicht die angeblich so gierigen Kleinaktionäre schickten die Kurse auf jene Höllenfahrt, an deren Ende allein in Deutschland ein Vermögensverlust von über 600 Milliarden zu Buche steht. Nach der Bundesbank hat nun auch die GFA (Gesellschaft für Fondsanalyse mbH) in Bad Homburg "den Herdenbetrieb der Fondsbranche" als Ursache für die Verwerfungen am Aktienmarkt identifiziert. Höchste Zeit, daß sich die Regierung des heiklen Themas annimmt. Wenn sie schon das Aktiensparen quasi zur Pflicht erklärt, dann muß sie auch dafür sorgen, daß der Aktienmarkt ordentlich funktioniert.

Solange den Banken über 90 Prozent aller in Deutschland zugelassenen Aktienfonds gehören, wird der Börsenschwindel nicht aufhören. Banken finanzieren Unternehmen über Kredite, Banken bringen Unternehmen an die Börse, Banken handeln mit eigenen Aktien, Banken üben Depotstimmrechte aus, Banken machen über ihre Analysten Meinungen, Banken verwalten Vermögen ihrer Kunden, Banken beraten Kunden, Banken steuern Investmentfonds - auf wessen Seite stehen sie eigentlich? So viele Interessenkonflikte bringen auch gestandene Naturen aus dem Gleichgewicht.

Wenn Deutschland schon am Universalbanken-Prinzip festhält, so sollte den Geldhäusern wenigstens die Arbeit erleichtert werden. Der Gesetzgeber wäre gut beraten, wenn er ihnen das Fondsgeschäft aus den Fingern nähme. Die Banken betreiben es logischerweise so, daß es nur ihnen selbst nützt, Folge: Die deutschen Fonds sind horrend teuer, miserabel gemanagt und kraft ihres lemmingmäßigen Verhaltens eine stete Gefahr für den Markt.

Wie teuer ein Fond wirklich ist, erfährt der Kunde meistens erst dann, wenn er seine Zertifikate verkauft. Der Ausgabeaufschlag deckt nämlich nur die Provisionen des Vertriebs, alles andere - Verwaltung, Werbung, etc. - geht in der "Wertentwicklung" unter. Niemand zwingt die Fonds, ihre "Gesamtkostenquote" offen auszuweisen. Die kann, wie Berechnungen britischer Ratingagenturen ergaben, bis zu 16 Prozent ausmachen - pro Jahr. Für das viele Geld liefern die meisten Fondsmanager enttäuschende Ergebnisse, wie die Stiftung Warentest nachgewiesen hat: 9 von 10 Aktienfonds schneiden schlechter ab als der zuständige Index. Kunststück: die Banken als Besitzer der Fonds sind weniger an der Performance ihrer Kunden interessiert als an hohen Transaktionskosten. Denn die landen in den eigenen Tresoren.

Die Fondsmanager sind deshalb nicht zu beneiden. Sie haben, ob sie wollen oder nicht, stets dafür zu sorgen, daß die Bank, ihr Arbeitgeber, ordentlich verdient. Wer im Fondsgeschäft Karriere machen will, muß sich fügen: Papiere ins Depot nehmen, die die Bank gerne loswerden möchte, den Markt in eine bestimmte Richtung drängen, und vor allem: immer feste umschichten.

Weil nahezu alle Fondsmanager im gleichen Dilemma stecken, verhalten sie sich ähnlich, nämlich irrational. Ihre Angst, Unsicherheit und Nervosität überträgt sich, kraft der Gewichte ihrer Depots, auf den ganzen Markt. Der Druck ihrer Arbeitgeber verstärkt die Volatilität - die Kurse oszillieren auch dann, wenn die Unternehmen in ruhigem Wasser fahren. Das Spiel der Fonds macht die Banken reich - und die privaten Anleger arm.

Deshalb ein Gesetzesvorschlag zur Güte: Trennt die Banken von den Fonds! Geldinstitute dürfen künftig weder direkt noch indirekt Anteile an Investmentgesellschaften halten. Bestehende Kapitalverflechtungen sind binnen 3 Jahren aufzulösen. Verstöße werden mit Freiheitsstrafen belegt. Auf diese Weise bekäme man schnell wieder einen funktionierenden Kapitalmarkt, und das Vertrauen der Anleger kehrte zurück.

Bankenfremde Fonds-Eigentümer verdienen nicht an Transaktionen, sondern am Anleger. Sie brauchen nicht auf Kredit- oder Emissions-Kunden Rücksicht zu nehmen, sondern können sich voll auf den einzigen legitimen Geschäftszweck der Fonds konzentrieren: die Wertentwicklung.

Günter Ogger

20.06.2001
Antworten
cap blaubär:

blaubärgrüsse an alle Brandstifterfeuerwehrleute o.T.

 
24.07.01 08:35
Antworten
maxperforma.:

durchaus plausibel die Überlegungen von Ogger o.T.

 
24.07.01 10:06
Antworten
ztlanger:

Ich will Leerverkäufe am NM!

 
24.07.01 11:05
Meiner Meinung nach sind die Investmentfonds UND die Kleinanleger Schuld an den Spekulationsblasen!

Woher bekommen denn die Fonds ihr Geld??

Wenn es stimmt, dass die Fonds am High mindestens 10x mehr Geld pro Monat bekommen haben als jetzt, ist es kein Wunder, wenn die Fonds mit Schuld am Wahnsinn der Spekulationsblasen sind. Nur was sollen sie machen wenn sie immer dann Geld bekommen wenn die Kurse stark steigen und fast keines mehr wenn sie fallen?

Auch in Österreich gibt es jede Menge Vollbanken, die kräftig im Fondsgeschäft und Aktienhandel mitmischen. Ein klarer Interessenskonflikt ist programmiert. Nicht zuletzt verkauft jede Bank am liebsten nur ihre eigenen Fonds.

Wieso dürfen in Deutschland und Österreich nur institutionelle Anleger (Banken!) Aktien leer verkaufen? Meiner Meinung nach würde etwas mehr Umsatz duch Shortverkäufe speziell dem Neuen Markt helfen!

Wieso soll ein zum Beispiel in Österreich gemanagter Auslandsfond gut sein. Die Fondmanager sitzen doch fast so weit vom Geschehen weg wie ich und bekommen ihre Informationen bestenfalls aus zweiter Hand. Das dürfte der Grund sein warum sie sich sogar schwer tun den jeweiligen Index zu schlagen.
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vega2000:

Ogger, Ogger, Ogger

 
24.07.01 15:25
Also ich möchte die Meinung von Ogger nicht unwidersprochen stehen lassen.

Herr Ogger ist nämlich ein Geschäftsmann durch und durch. Seine Bücher sind alle ähnlich in Aufmachung und Stil: Ein reisserischer Titel und als Inhalt immer auf der Suche nach einem Schuldigen, -in der Zeit als alle kräftig mit Aktien verdient haben, sind ich solche Bücher nicht auf den Bestsellerlisten aufgetaucht.
Ich glaube kaum, das irgend jemand von uns zum Aktienkauf gezwungen wurde !

Viel Glück
V2000
Antworten
bmeier:

Ogger!

 
24.07.01 15:31
Ogger ist ein Populist und springt auf jeden Zug auf, mit dem man Geld verdienen kann!
Antworten
maxperforma.:

das bedeutet aber nicht, dass die

 
24.07.01 15:43
obigen Thesen ohne Wahrheitsgehalt sind!!!!
Antworten
Seth Gecko:

Wo Ogger Recht hat, hat er Recht!

 
24.07.01 17:32
Was ich besonders erschreckend finde: Es gibt angeblich mehr Fonds als Aktien!!!
Antworten
biotechie:

Das finde ich gar nicht so schlimm...

 
24.07.01 17:54
...denn es gibt ja auch mehr Aktionäre als notierte Unternehmen.  
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