Es gibt Unternehmensperlen zu günstigen Preisen
Der Markt für Übernahmen und Beteiligungen ist weiter eingebrochen / In erster Linie finden Bereinigungen statt / Von Georg Giersberg
FRANKFURT, 23. Dezember. Die niederländische Sobel-Gruppe übernimmt den größten deutschen Fleischkonzern Moksel; Polens größter Mineralölkonzern PKN Orlen erwirbt 500 deutsche Tankstellen von BP/Aral, die in diesem Frühjahr von Veba Oel an BP gegangen waren. Beide Meldungen an einem Tag im Dezember - das wirkte wie das letzte Aufbäumen eines außerordentlich schwachen Jahres für Unternehmensübernahmen und Fusionen.
Der Gesamtmarkt, der schon im Jahr 2001 dem Wert nach um 70 Prozent eingebrochen war, ist nach den Worten von Arno Burckhardt, geschäftsführender Gesellschafter der auf Übernahmen spezialisierten Unternehmensberatung M & A International, Kronberg, in diesem Jahr um weitere 50 Prozent geschrumpft. Er erwarte 1700 Mehrheitsübernahmen, an denen als Käufer oder Verkäufer ein deutscher Partner beteiligt ist. Das Gesamtvolumen dieser Übernahmen werde bei 75 Milliarden Euro liegen.
Zum Vergleich: Im Jahr 2001 kosteten die zehn größten Übernahmen schon mehr als im laufenden Jahr alle 1700. Im Jahr 2001 waren mit deutscher Beteiligung 2173 Unternehmen mehrheitlich in neue Hände übergegangen. Dafür waren 163 Milliarden Euro bezahlt worden. Von den in den Jahren des Börsenbooms gezahlten Preisen für Unternehmen ist man derzeit auf der ganzen Welt weit entfernt.
"Es gibt", sagt Burckhardt, "heute auf dem Markt für Unternehmen Perlen zu günstigen Preisen." Ob das übernommene Unternehmen eine Perle ist, stellt sich allerdings meist erst einige Zeit nach dem Kauf heraus. Die Allianz hat sich den Mehrheitserwerb der Dresdner Bank im Jahr 2001 leichter vorgestellt.
Auch die zunehmenden Verkaufsempfehlungen der TUI-Aktie werden damit begründet, daß Europas größter Reisekonzern zu teuer akquiriert hat, darunter zuletzt den französischen Reiseveranstalter Nouvelles Frontières. Und ob die Zukäufe des RWE glücklich waren, wie der Vorstand meint, oder zu teuer, wie es offenbar die Aktionäre sehen, wird sich auch erst noch zeigen.
Das RWE jedenfalls gehörte auch in diesem Jahr zu den großen Aufkäufern. Für mehr als 8 Milliarden Euro (einschließlich übernommener Schulden) hat das Energieunternehmen den englischen Mitbewerber Innogy Holdings erworben. Es ist nach der Übernahme von Thames Water ein Jahr zuvor der zweite große Erwerb in England. Das RWE baute seine internationale Stellung aber auch andernorts aus: Die Wassersparte des RWE-Konzerns hat in diesem Jahr zweimal in Spanien den Zuschlag bekommen und dort für 100 Millionen Euro Mehrheitsbeteiligungen erworben sowie die Beteiligung an der RWW Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft mbH, Mülheim, auf eine Mehrheit aufgestockt. In Polen hat das RWE durch den Kauf von 85 Prozent am Warschauer Stromversorger Stoen S.A. für knapp 400 Millionen Euro seine Position ausgebaut.
Auch der große Mitbewerber auf dem deutschen Energiemarkt, die Eon AG, gehört im Rahmen ihrer strategischen Konzentration auf Energie abermals zu den großen Käufern wie auch Verkäufern am Markt für Beteiligungen. So wurde zu Beginn des Jahres die VAW Aluminium an Norsk Hydro verkauft. VAW hat zuletzt mit rund 16 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro erzielt.
Das für VAW und andere Beteiligungen eingenommne Geld hat Eon gleich wieder ausgegeben. Eine der größten Übernahmen, nämlich die der Ruhrgas AG durch Eon, wird weiterhin vom Oberlandesgericht Düsseldorf blockiert. Eon hatte aber in Großbritannien mehr Glück. Nach Powergen vor einem Jahr hat sich Eon in diesem Jahr die europäische Division des gestrauchelten amerikanischen Energiehändlers TXU einverleibt. Gut 2 Milliarden Euro kostete der Erwerb der TXU Europe Ltd.
Insgesamt gehört der Markt der Ver- und Entsorger auch nach Meinung der als Berater bei Firmenübernahmen tätigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zu den wenigen Märkten, auf denen die Übernahmetätigkeit zugenommen hat.
Zu den angesichts der schrumpfenden Bevölkerung weniger spannenden Märkten gehört der für Lebensmittel. Dennoch gab es hier in Deutschland die zweitgrößte Übernahme des Jahres. Rechtzeitig vor dem von der EU verhängten Werbeverbot für Zigaretten hat sich die hanseatische Familie Herz (Tchibo, Eduscho) von der Reemtsma Zigarettenfabriken GmbH (Marken "West", "R1") getrennt, die zum international tätigen Konzern Imperial Tobacco (Superkings, John Players Special) gekommen sind, der dadurch zum viertgrößten Zigarettenhersteller der Welt aufgerückt ist.
Seine Stellung als Fünftgrößter am internationalen Musikmarkt konnte Bertelsmann durch die Übernahme der Zomba Music Group festigen, sich dabei aber nicht auf einen höheren Rang verbessern. Mit fast 3 Milliarden Dollar hat Bertelsmann auch einen für Beobachter recht hohen Preis zahlen müssen, der allerdings noch in den Börsenboomjahren durch ein entsprechendes Vorkaufsrecht fixiert worden war. Dafür hat sich Bertelsmann aus dem Internetgeschäft zurückgezogen. Der Internetbuchhändler BOL ist im deutschsprachigen Raum an den zur Douglas-Drogeriekette gehörenden Mitbewerber buch.de verkauft worden.
Auch die Deutsche Post sieht im Internet nicht ihre Zukunft. Sie hat ihr Internet-Shopping-Portal Evita an Lycos Europe veräußert. Die Trennung von Evita sei im Zuge der Aufgabe oder Neuordnung von Feldern im Onlinegeschäft vollzogen worden, die nicht zum Kerngeschäft des Post-Konzerns paßten, erläuterte ein Sprecher. Nach dem Handelskonzern Metro und dem Medienunternehmen Bertelsmann war die Post der dritte Großkonzern, der in diesem Jahr aus dem Internet-Geschäft mit privaten Kunden ausgestiegen ist.
Daß schnelles Wachstum vor Übernahmen durch andere nicht immer schützt, zeigt sich bei der Bäckereikette Kamps. Die in den vergangenen Jahren schnell zur nationalen wie auch internationalen Kette ausgebaute Bäckerei ging mehrheitlich an den größten Nudelhersteller der Welt, an Barilla. Italienische Eigentümer hat auch der Nähmaschinenhersteller Pfaff bekommen, der zu 95 Prozent von der Bianchi Maré in Mailand erworben worden ist.
Trotz hoher Verschuldung hat die Deutsche Telekom in Holland teuer dazugekauft. Für 50 Prozent plus eine Aktie des Mobilfunkunternehmens Ben mit seinen 1,4 Millionen Kunden gab sie fast 2 Milliarden Euro aus.
Neben der Veräußerung ganzer Gesellschaften spielt die Trennung von Unternehmensteilen, die nicht zum Kerngeschäft zählen, weiterhin eine bedeutende Rolle. Dem steht als Pendant der Zukauf von Unternehmensteilen im Kerngeschäft gegenüber. So hat die Deutsche Bahn ihre Logistikkompetenz durch den Erwerb der Stinnes AG von Eon gestärkt. Die Deutsche Bank hat sich von ihrem internationalen Wertpapierverwaltungsgeschäft getrennt. Die grenzüberschreitende Wertpapierverwaltung (Global Custody) mit einem verwahrten Bestand von 2,2 Billionen Euro sowie die inländische Wertpapierverwaltung in den Vereinigten Staaten und Großbritannien sind für einen Kaufpreis von 1,5 Milliarden Euro an den amerikanischen Anbieter State Street veräußert worden.
Siemens hat nicht weniger als sieben Gesellschaften auf einen Schlag an den amerikanischen Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR) verkauft. Diese Transaktion galt weniger wegen der 1,7 Milliarden Euro als vielmehr wegen ihrer Komplexität als ein Novum. Immerhin gingen auf einen Schlag die ehemaligen Atecs-Gesellschaften Mannesmann Plastics Machinery, Stabilus, Demag Cranes & Components und Gottwald sowie die Sparten Stromzähler, Ceramics und das Regionalgeschäft Network Systems der Netzwerksparte ICN an KKR über. Und KKR hat Anfang Dezember in Europa aber noch einmal nachgelegt und für 3,6 Milliarden Euro das französische Elektrounternehmen Legrand erworben, dessen Fusion mit Schneider gescheitert war.
Die Fälle bestätigen eine Einschätzung der KPMG, wonach das Private Equity eine zunehmende Rolle bei der Übernahme von Unternehmen spielen werde. Das sind aus Privatvermögen gespeiste Fonds, die sich an Unternehmen beteiligen, um sie mittelfristig wieder mit Gewinn verkaufen zu können.
Der Finanzinvestor Permira wird aber nicht nur auf Zeit setzen können, wenn er den bisher erfolglosen privaten Bezahlfernsehsender Premiere dereinst mit Gewinn verkaufen will. Mit Premiere ist zumindest jener Teil des gestrauchelten Kirch-Imperiums in den vergangenen Tagen abgestoßen worden, der die ganze Gruppe ins Verderben gestürzt hat. Die werbefinanzierten Fernsehsender um Pro 7 und Sat.1 gehen an den Zeitschriftenverlag Heinrich Bauer.
Daß man auch am Bau wachsen kann, zeigt Bilfinger Berger. Während die Mitbewerber über den jahrelangen Umsatzrückgang in der Baubranche klagen, hat Bilfinger Berger seine Position ausgebaut. Nach der Übernahme der Wolfferts-Gruppe und der Holzmann-Gesellschaft HSG sowie dem Industriedienstleister Reinhold & Mahla "ist jetzt aber erst mal Schluß mit großen Übernahmen", hat Vorstandsvorsitzender Herbert Bodner angekündigt.
In Teile zerlegt, verkauft und aufgelöst wurde der einst große Verpackungshersteller Schmalbach-Lubeca. Mit dem Verkauf der Getränkedosenproduktion an den amerikanischen Konzern Ball Corporation wechselte die letzte operative Einheit des einst größten deutschen Verpackungsunternehmens den Eigentümer, das zuletzt Eon und der Allianz gehörte.
Der Markt für Übernahmen und Beteiligungen ist weiter eingebrochen / In erster Linie finden Bereinigungen statt / Von Georg Giersberg
FRANKFURT, 23. Dezember. Die niederländische Sobel-Gruppe übernimmt den größten deutschen Fleischkonzern Moksel; Polens größter Mineralölkonzern PKN Orlen erwirbt 500 deutsche Tankstellen von BP/Aral, die in diesem Frühjahr von Veba Oel an BP gegangen waren. Beide Meldungen an einem Tag im Dezember - das wirkte wie das letzte Aufbäumen eines außerordentlich schwachen Jahres für Unternehmensübernahmen und Fusionen.
Der Gesamtmarkt, der schon im Jahr 2001 dem Wert nach um 70 Prozent eingebrochen war, ist nach den Worten von Arno Burckhardt, geschäftsführender Gesellschafter der auf Übernahmen spezialisierten Unternehmensberatung M & A International, Kronberg, in diesem Jahr um weitere 50 Prozent geschrumpft. Er erwarte 1700 Mehrheitsübernahmen, an denen als Käufer oder Verkäufer ein deutscher Partner beteiligt ist. Das Gesamtvolumen dieser Übernahmen werde bei 75 Milliarden Euro liegen.
Zum Vergleich: Im Jahr 2001 kosteten die zehn größten Übernahmen schon mehr als im laufenden Jahr alle 1700. Im Jahr 2001 waren mit deutscher Beteiligung 2173 Unternehmen mehrheitlich in neue Hände übergegangen. Dafür waren 163 Milliarden Euro bezahlt worden. Von den in den Jahren des Börsenbooms gezahlten Preisen für Unternehmen ist man derzeit auf der ganzen Welt weit entfernt.
"Es gibt", sagt Burckhardt, "heute auf dem Markt für Unternehmen Perlen zu günstigen Preisen." Ob das übernommene Unternehmen eine Perle ist, stellt sich allerdings meist erst einige Zeit nach dem Kauf heraus. Die Allianz hat sich den Mehrheitserwerb der Dresdner Bank im Jahr 2001 leichter vorgestellt.
Auch die zunehmenden Verkaufsempfehlungen der TUI-Aktie werden damit begründet, daß Europas größter Reisekonzern zu teuer akquiriert hat, darunter zuletzt den französischen Reiseveranstalter Nouvelles Frontières. Und ob die Zukäufe des RWE glücklich waren, wie der Vorstand meint, oder zu teuer, wie es offenbar die Aktionäre sehen, wird sich auch erst noch zeigen.
Das RWE jedenfalls gehörte auch in diesem Jahr zu den großen Aufkäufern. Für mehr als 8 Milliarden Euro (einschließlich übernommener Schulden) hat das Energieunternehmen den englischen Mitbewerber Innogy Holdings erworben. Es ist nach der Übernahme von Thames Water ein Jahr zuvor der zweite große Erwerb in England. Das RWE baute seine internationale Stellung aber auch andernorts aus: Die Wassersparte des RWE-Konzerns hat in diesem Jahr zweimal in Spanien den Zuschlag bekommen und dort für 100 Millionen Euro Mehrheitsbeteiligungen erworben sowie die Beteiligung an der RWW Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft mbH, Mülheim, auf eine Mehrheit aufgestockt. In Polen hat das RWE durch den Kauf von 85 Prozent am Warschauer Stromversorger Stoen S.A. für knapp 400 Millionen Euro seine Position ausgebaut.
Auch der große Mitbewerber auf dem deutschen Energiemarkt, die Eon AG, gehört im Rahmen ihrer strategischen Konzentration auf Energie abermals zu den großen Käufern wie auch Verkäufern am Markt für Beteiligungen. So wurde zu Beginn des Jahres die VAW Aluminium an Norsk Hydro verkauft. VAW hat zuletzt mit rund 16 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro erzielt.
Das für VAW und andere Beteiligungen eingenommne Geld hat Eon gleich wieder ausgegeben. Eine der größten Übernahmen, nämlich die der Ruhrgas AG durch Eon, wird weiterhin vom Oberlandesgericht Düsseldorf blockiert. Eon hatte aber in Großbritannien mehr Glück. Nach Powergen vor einem Jahr hat sich Eon in diesem Jahr die europäische Division des gestrauchelten amerikanischen Energiehändlers TXU einverleibt. Gut 2 Milliarden Euro kostete der Erwerb der TXU Europe Ltd.
Insgesamt gehört der Markt der Ver- und Entsorger auch nach Meinung der als Berater bei Firmenübernahmen tätigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zu den wenigen Märkten, auf denen die Übernahmetätigkeit zugenommen hat.
Zu den angesichts der schrumpfenden Bevölkerung weniger spannenden Märkten gehört der für Lebensmittel. Dennoch gab es hier in Deutschland die zweitgrößte Übernahme des Jahres. Rechtzeitig vor dem von der EU verhängten Werbeverbot für Zigaretten hat sich die hanseatische Familie Herz (Tchibo, Eduscho) von der Reemtsma Zigarettenfabriken GmbH (Marken "West", "R1") getrennt, die zum international tätigen Konzern Imperial Tobacco (Superkings, John Players Special) gekommen sind, der dadurch zum viertgrößten Zigarettenhersteller der Welt aufgerückt ist.
Seine Stellung als Fünftgrößter am internationalen Musikmarkt konnte Bertelsmann durch die Übernahme der Zomba Music Group festigen, sich dabei aber nicht auf einen höheren Rang verbessern. Mit fast 3 Milliarden Dollar hat Bertelsmann auch einen für Beobachter recht hohen Preis zahlen müssen, der allerdings noch in den Börsenboomjahren durch ein entsprechendes Vorkaufsrecht fixiert worden war. Dafür hat sich Bertelsmann aus dem Internetgeschäft zurückgezogen. Der Internetbuchhändler BOL ist im deutschsprachigen Raum an den zur Douglas-Drogeriekette gehörenden Mitbewerber buch.de verkauft worden.
Auch die Deutsche Post sieht im Internet nicht ihre Zukunft. Sie hat ihr Internet-Shopping-Portal Evita an Lycos Europe veräußert. Die Trennung von Evita sei im Zuge der Aufgabe oder Neuordnung von Feldern im Onlinegeschäft vollzogen worden, die nicht zum Kerngeschäft des Post-Konzerns paßten, erläuterte ein Sprecher. Nach dem Handelskonzern Metro und dem Medienunternehmen Bertelsmann war die Post der dritte Großkonzern, der in diesem Jahr aus dem Internet-Geschäft mit privaten Kunden ausgestiegen ist.
Daß schnelles Wachstum vor Übernahmen durch andere nicht immer schützt, zeigt sich bei der Bäckereikette Kamps. Die in den vergangenen Jahren schnell zur nationalen wie auch internationalen Kette ausgebaute Bäckerei ging mehrheitlich an den größten Nudelhersteller der Welt, an Barilla. Italienische Eigentümer hat auch der Nähmaschinenhersteller Pfaff bekommen, der zu 95 Prozent von der Bianchi Maré in Mailand erworben worden ist.
Trotz hoher Verschuldung hat die Deutsche Telekom in Holland teuer dazugekauft. Für 50 Prozent plus eine Aktie des Mobilfunkunternehmens Ben mit seinen 1,4 Millionen Kunden gab sie fast 2 Milliarden Euro aus.
Neben der Veräußerung ganzer Gesellschaften spielt die Trennung von Unternehmensteilen, die nicht zum Kerngeschäft zählen, weiterhin eine bedeutende Rolle. Dem steht als Pendant der Zukauf von Unternehmensteilen im Kerngeschäft gegenüber. So hat die Deutsche Bahn ihre Logistikkompetenz durch den Erwerb der Stinnes AG von Eon gestärkt. Die Deutsche Bank hat sich von ihrem internationalen Wertpapierverwaltungsgeschäft getrennt. Die grenzüberschreitende Wertpapierverwaltung (Global Custody) mit einem verwahrten Bestand von 2,2 Billionen Euro sowie die inländische Wertpapierverwaltung in den Vereinigten Staaten und Großbritannien sind für einen Kaufpreis von 1,5 Milliarden Euro an den amerikanischen Anbieter State Street veräußert worden.
Siemens hat nicht weniger als sieben Gesellschaften auf einen Schlag an den amerikanischen Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR) verkauft. Diese Transaktion galt weniger wegen der 1,7 Milliarden Euro als vielmehr wegen ihrer Komplexität als ein Novum. Immerhin gingen auf einen Schlag die ehemaligen Atecs-Gesellschaften Mannesmann Plastics Machinery, Stabilus, Demag Cranes & Components und Gottwald sowie die Sparten Stromzähler, Ceramics und das Regionalgeschäft Network Systems der Netzwerksparte ICN an KKR über. Und KKR hat Anfang Dezember in Europa aber noch einmal nachgelegt und für 3,6 Milliarden Euro das französische Elektrounternehmen Legrand erworben, dessen Fusion mit Schneider gescheitert war.
Die Fälle bestätigen eine Einschätzung der KPMG, wonach das Private Equity eine zunehmende Rolle bei der Übernahme von Unternehmen spielen werde. Das sind aus Privatvermögen gespeiste Fonds, die sich an Unternehmen beteiligen, um sie mittelfristig wieder mit Gewinn verkaufen zu können.
Der Finanzinvestor Permira wird aber nicht nur auf Zeit setzen können, wenn er den bisher erfolglosen privaten Bezahlfernsehsender Premiere dereinst mit Gewinn verkaufen will. Mit Premiere ist zumindest jener Teil des gestrauchelten Kirch-Imperiums in den vergangenen Tagen abgestoßen worden, der die ganze Gruppe ins Verderben gestürzt hat. Die werbefinanzierten Fernsehsender um Pro 7 und Sat.1 gehen an den Zeitschriftenverlag Heinrich Bauer.
Daß man auch am Bau wachsen kann, zeigt Bilfinger Berger. Während die Mitbewerber über den jahrelangen Umsatzrückgang in der Baubranche klagen, hat Bilfinger Berger seine Position ausgebaut. Nach der Übernahme der Wolfferts-Gruppe und der Holzmann-Gesellschaft HSG sowie dem Industriedienstleister Reinhold & Mahla "ist jetzt aber erst mal Schluß mit großen Übernahmen", hat Vorstandsvorsitzender Herbert Bodner angekündigt.
In Teile zerlegt, verkauft und aufgelöst wurde der einst große Verpackungshersteller Schmalbach-Lubeca. Mit dem Verkauf der Getränkedosenproduktion an den amerikanischen Konzern Ball Corporation wechselte die letzte operative Einheit des einst größten deutschen Verpackungsunternehmens den Eigentümer, das zuletzt Eon und der Allianz gehörte.