Konsortialbanken verzeichnen in der Vorvermarktung positive Signale – Deutsche Fonds zeigen Zurückhaltung
Großes Interesse an Premiere-Emission
Kurz vor dem Börsengang (IPO) des Bezahlsenders Premiere zeigen Fondsinvestoren starkes Interesse an der ersten großen Aktienemission in diesem Jahr. Wie aus Bankenkreisen zu hören ist, sind nach knapp einer Woche der Vorvermarktung, die bis zum kommenden Montag geht, sehr positive Signale außerhalb Deutschlands empfangen worden.
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DÜSSELDORF. Die Banken könnten die Anfragen kaum befriedigen. Offenbar wollten ausländische Fonds ihre Position bei der Zuteilung bereits jetzt stärken, um auch zum Zug zu kommen. Deutsche Fonds beurteilen die Emission dagegen zurückhaltend, wie eine Handelsblatt-Umfrage ergab.
Banker berichteten, auch der Preisdruck sei weniger stark als bei vergangenen Emissionen. So hatte das Biotechnologieunternehmen Paion beim ersten Börsengang in diesem Jahr den Ausgabepreis stark senken müssen. Vor allem von deutschen Fonds fehlte die erhoffte Nachfrage. In den ersten drei Tagen seit der ersten Börsennotiz hat der Kurs der Paion-Aktie aber um knapp 25 Prozent zugelegt.
Ein gelungener Börsengang könnte der IPO-Konjunktur in Deutschland Schwung verleihen. 2004 war ein mageres Jahr für Börsengänge, und im laufenden Jahr hat nur das Technologieunternehmen Paion den schwierigen Gang an die Börse gewagt. Premiere-Vorstandschef Georg Kofler will mit dem Börsengang zwischen 600 Mill. und einer Mrd. Euro bis zur Erstnotiz am 9. März einsammeln. Wie viele Anteile zum Verkauf stehen, ist aber noch nicht bekannt.
Für den Gesamtwert von Premiere haben Banken bisher unterschiedliche Spannen genannt. Credit Suisse First Boston, die die Emission mit der Hypo-Vereinsbank (HVB) und Morgan Stanley begleitet, geht davon aus, dass Premiere zwischen 2,5 und 3,1 Mrd. Euro wert ist. Die HVB veranschlagt den Wert auf 2,2 bis 2,6 Mrd. Euro. Die Bewertung ist deutschen Fonds zu hoch.
Wenn die Bewertung deutlich über zwei Mrd. Euro liegt, „rate ich vom Kauf der Aktie ab“, erklärt Marcus Stigler, Medienexperte der Fondsgesellschaft Deka Investment. Er geht nicht davon aus, dass Premiere nach 2007 stärker wachsen werde als Pay-TV-Anbieter in anderen europäischen Ländern. Nur bis zu diesem Zeitpunkt könne der Sender auf Erfolge aus der Marketing-Strategie setzen und vom Kurswechsel nach der Kirch-Pleite profitieren. Nach dieser erwarteten Wachstumsphase müsse sich die Premiere-Aktie ab 2007 am durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des europäischen Medienmarkts messen lassen. Ein KGV zwischen elf und zwölf sei wünschenswert. „Die bisher genannten Spannen sind zu hoch, um diese Bewertung zu erreichen“, sagt Stigler.
Auch Stephan Eger von Dit hat Zweifel an der Wachstumsstory. Premiere begründet sein Potenzial in Deutschland mit dem bisherigen Marktanteil von nur acht Prozent, während der Pay-TV-Anteil in Großbritannien bei fast 50 Prozent liege. Britische Sender wie BSkyB seien aber in einem anderen Umfeld gestartet: „Anfang der Neunziger gab es in Großbritannien nur ein relativ geringes Alternativangebot.“
Eger erscheint zudem der Zeitpunkt des Börsengangs zu früh. „Bisher hat Premiere nur zwei gute Quartale zu bieten,“ sagt der Fondsmanager. Auch würden im nächsten Winter die Bundesliga-Rechte neu verhandelt, die Eger zufolge einen „entscheidenden Wettbewerbsfaktor“ darstellen. Vor dem Risiko, Sportrechte zu verlieren, warnt auch Alexander Schuck, Analyst bei der Signal-Iduna Asset Management: „Falls das Abonnenten-Wachstum nicht erreicht wird oder die Kosten für die Senderechte steigen, ergibt sich ein hohes Profitabilitätsrisiko.“
Nach Ansicht von Rolf Drees von Union Investment hängt alles davon ab, „ob es gelingt, die Abonnentenzahlen nach oben zu bringen“. Entscheidend für die Beurteilung ist zudem, wie viele Aktien die Alteigentümer abgeben. „Es ist wichtig, dass sich die Altaktionäre zu dem Unternehmen bekennen. Das wäre ein Vertrauensbeweis zu den Wachstumsaussichten“, sagt Henning Gebhardt von der DWS. Für Premiere spreche das Management und der bekannte Name, sagt Thomas Körfgen von SEB Invest.
Quelle: HANDELSBLATT, Mittwoch, 16. Februar 2005, 08:39 Uhr
...be invested
Der Einsame Samariter
Großes Interesse an Premiere-Emission
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DÜSSELDORF. Die Banken könnten die Anfragen kaum befriedigen. Offenbar wollten ausländische Fonds ihre Position bei der Zuteilung bereits jetzt stärken, um auch zum Zug zu kommen. Deutsche Fonds beurteilen die Emission dagegen zurückhaltend, wie eine Handelsblatt-Umfrage ergab.
Banker berichteten, auch der Preisdruck sei weniger stark als bei vergangenen Emissionen. So hatte das Biotechnologieunternehmen Paion beim ersten Börsengang in diesem Jahr den Ausgabepreis stark senken müssen. Vor allem von deutschen Fonds fehlte die erhoffte Nachfrage. In den ersten drei Tagen seit der ersten Börsennotiz hat der Kurs der Paion-Aktie aber um knapp 25 Prozent zugelegt.
Ein gelungener Börsengang könnte der IPO-Konjunktur in Deutschland Schwung verleihen. 2004 war ein mageres Jahr für Börsengänge, und im laufenden Jahr hat nur das Technologieunternehmen Paion den schwierigen Gang an die Börse gewagt. Premiere-Vorstandschef Georg Kofler will mit dem Börsengang zwischen 600 Mill. und einer Mrd. Euro bis zur Erstnotiz am 9. März einsammeln. Wie viele Anteile zum Verkauf stehen, ist aber noch nicht bekannt.
Für den Gesamtwert von Premiere haben Banken bisher unterschiedliche Spannen genannt. Credit Suisse First Boston, die die Emission mit der Hypo-Vereinsbank (HVB) und Morgan Stanley begleitet, geht davon aus, dass Premiere zwischen 2,5 und 3,1 Mrd. Euro wert ist. Die HVB veranschlagt den Wert auf 2,2 bis 2,6 Mrd. Euro. Die Bewertung ist deutschen Fonds zu hoch.
Wenn die Bewertung deutlich über zwei Mrd. Euro liegt, „rate ich vom Kauf der Aktie ab“, erklärt Marcus Stigler, Medienexperte der Fondsgesellschaft Deka Investment. Er geht nicht davon aus, dass Premiere nach 2007 stärker wachsen werde als Pay-TV-Anbieter in anderen europäischen Ländern. Nur bis zu diesem Zeitpunkt könne der Sender auf Erfolge aus der Marketing-Strategie setzen und vom Kurswechsel nach der Kirch-Pleite profitieren. Nach dieser erwarteten Wachstumsphase müsse sich die Premiere-Aktie ab 2007 am durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des europäischen Medienmarkts messen lassen. Ein KGV zwischen elf und zwölf sei wünschenswert. „Die bisher genannten Spannen sind zu hoch, um diese Bewertung zu erreichen“, sagt Stigler.
Auch Stephan Eger von Dit hat Zweifel an der Wachstumsstory. Premiere begründet sein Potenzial in Deutschland mit dem bisherigen Marktanteil von nur acht Prozent, während der Pay-TV-Anteil in Großbritannien bei fast 50 Prozent liege. Britische Sender wie BSkyB seien aber in einem anderen Umfeld gestartet: „Anfang der Neunziger gab es in Großbritannien nur ein relativ geringes Alternativangebot.“
Eger erscheint zudem der Zeitpunkt des Börsengangs zu früh. „Bisher hat Premiere nur zwei gute Quartale zu bieten,“ sagt der Fondsmanager. Auch würden im nächsten Winter die Bundesliga-Rechte neu verhandelt, die Eger zufolge einen „entscheidenden Wettbewerbsfaktor“ darstellen. Vor dem Risiko, Sportrechte zu verlieren, warnt auch Alexander Schuck, Analyst bei der Signal-Iduna Asset Management: „Falls das Abonnenten-Wachstum nicht erreicht wird oder die Kosten für die Senderechte steigen, ergibt sich ein hohes Profitabilitätsrisiko.“
Nach Ansicht von Rolf Drees von Union Investment hängt alles davon ab, „ob es gelingt, die Abonnentenzahlen nach oben zu bringen“. Entscheidend für die Beurteilung ist zudem, wie viele Aktien die Alteigentümer abgeben. „Es ist wichtig, dass sich die Altaktionäre zu dem Unternehmen bekennen. Das wäre ein Vertrauensbeweis zu den Wachstumsaussichten“, sagt Henning Gebhardt von der DWS. Für Premiere spreche das Management und der bekannte Name, sagt Thomas Körfgen von SEB Invest.
Quelle: HANDELSBLATT, Mittwoch, 16. Februar 2005, 08:39 Uhr
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Der Einsame Samariter