Rentenmarkt
Nachrangige Anleihen werden als Anlageklasse entdeckt
30. September 2003 Auf die deutschen Anleger kommt eine neue Anlageklasse zu. Nachrangige Anleihen versprechen in Zeiten niedriger Zinsen einen Mehrertrag gegenüber herkömmlichen Anleihen. Dieser Mehrertrag speist sich aus der speziellen Behandlung solcher Anleihen im Insolvenzfall: Sollte das emittierende Unternehmen zahlungsunfähig werden, werden nachrangige Anleihen erst nach den Bankschulden und den "normalen" Unternehmensanleihen bedient. Die Investoren bekommen diese Nachrangigkeit mit einer höheren Rendite im Vergleich zu den herkömmlichen Anleihen entschädigt.
Experten beziffern den Markt für nachrangige Anleihen in den Vereinigten Staaten auf ein Volumen von rund 230 Milliarden Dollar. In den Vereinigten Staaten werden diese hybriden Kapitalprodukte als "Preferred securities", also bevorzugte Papiere, bezeichnet, weil sie zwar im Falle der Zahlungsunfähigkeit erst nach traditionellen Unternehmensanleihen und Bankverbindlichkeiten, aber noch vor den Stammaktien bedient werden. Die Nachrangigkeit der Anleihen drückt sich auch in deren Rating aus: Sie werden in der Regel gegenüber den normalen Anleihen des gleichen Unternehmens eine Stufe niedriger bewertet.
Höhere Verzinsung
Auf dem amerikanischen Markt unterscheidet man zwischen den "25-par"-Anleihen und den "Capital securities". Die "25-par"-Anleihen, deren Gesamtvolumen sich auf rund 116 Milliarden Dollar beläuft, werden mehrheitlich von Privatanlegern gekauft und haben einen Schutz vor Kündbarkeit von seiten des Emittenten von fünf Jahren. Bei den "Capital securities" beläuft sich dieser Schutz vor Kündbarkeit auf zehn Jahre.
Neben der nachrangigen Bedienung im Insolvenzfall sind es die Kündigungsklauseln, für welche die Investoren eine höhere Verzinsung als bei den herkömmlichen Unternehmensanleihen erhalten. Diese Klauseln sind je nach Anleihe sehr unterschiedlich, einen Standard gibt es hier nicht. In der Regel kann das Unternehmen nach Ablauf einer vereinbarten Frist die Anleihen zurückkaufen. Doch der Kündigungsschutz sichert die Investoren zumindest auf den vereinbarten Zeitraum gegen das Szenario ab, daß die Unternehmen aufgrund eines starken Zinsrückgangs die Anleihen zurückkaufen und der Anleger das Wiederanlagerisiko trägt.
Das Interesse der Unternehmen an der Begebung nachrangiger Anleihen hat seit 1996 - damals belief sich das Gesamtvolumen des Marktes noch auf weniger als 40 Milliarden Dollar - ständig zugenommen. Der Grund: 1996 beschloß die amerikanische Börsenaufsicht SEC, daß diese Anleihen zum sogenannten Kernkapital gerechnet werden dürfen. "Nachrangige Anleihen sind damit ein intelligenter Weg, um Eigenkapital aufzunehmen. Die Emission von Aktien ist teurer", sagt Heiko Schulich von Principal Global Investors (PGI). Das Unternehmen ist vor kurzem auch in Deutschland mit einem Fonds gestartet, der in nachrangige Anleihen investiert. Über die Tochtergesellschaft Spectrum Asset Management verwaltet PGI insgesamt ein Vermögen von 10 Milliarden Dollar in dieser Anlageklasse.
Kein statistischer Zusammenhang
Der durchschnittliche Renditeaufschlag von nachrangigen Anleihen gegenüber herkömmlichen Unternehmensanleihen beträgt nach Angaben von Schuleit im Durchschnitt rund 200 Basispunkte. Dennoch unterscheiden sich diese Investments von Hochzinsanleihen, glaubt er: Mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre habe man nur einen äußerst geringen statistischen Zusammenhang zwischen den Kursen nachrangiger Anleihen und denen von Hochzinsanleihen beobachten können. Fast gar keinen statistischen Zusammenhang gibt es Schuleit zufolge zwischen nachrangigen Unternehmensanleihen und Aktien. Zwischen den nachrangigen Rentenpapieren und den gewöhnlichen Unternehmensanleihen sei der Zusammenhang zwar am größten, aber immer noch niedrig genug, um durch Beimischung nachrangiger Anleihen zu einem Portfolio von Unternehmensanleihen eine bessere Diversifikation zu erreichen.
"Die Kurse nachrangiger Anleihen werden von den gleichen Ereignissen beeinflußt wie normale Anleihen - aber in der Regel reagieren sie dann heftiger", sagt Frank Hagenstein von Union Investment. Problematisch für den Privatanleger seien allerdings die langen Laufzeiten sowie die teilweise recht komplexen Vertragswerke dieser Produkte. Das scheint allerdings wenig abzuschrecken: In den Vereinigten Staaten machen Privatanleger in diesen Anleihen derzeit mehr als 50 Prozent des Marktes aus. Das hängt vermutlich auch damit zusammen, daß diese Anleihen auch von sehr bekannten Unternehmen begeben werden, deren Namen den Anlegern vertraut sind und bei denen sie das Risiko einer Insolvenz als eher gering einschätzen.
Text: hbe. / Frankfurter Allgemeine Zeitung,
Nachrangige Anleihen werden als Anlageklasse entdeckt
30. September 2003 Auf die deutschen Anleger kommt eine neue Anlageklasse zu. Nachrangige Anleihen versprechen in Zeiten niedriger Zinsen einen Mehrertrag gegenüber herkömmlichen Anleihen. Dieser Mehrertrag speist sich aus der speziellen Behandlung solcher Anleihen im Insolvenzfall: Sollte das emittierende Unternehmen zahlungsunfähig werden, werden nachrangige Anleihen erst nach den Bankschulden und den "normalen" Unternehmensanleihen bedient. Die Investoren bekommen diese Nachrangigkeit mit einer höheren Rendite im Vergleich zu den herkömmlichen Anleihen entschädigt.
Experten beziffern den Markt für nachrangige Anleihen in den Vereinigten Staaten auf ein Volumen von rund 230 Milliarden Dollar. In den Vereinigten Staaten werden diese hybriden Kapitalprodukte als "Preferred securities", also bevorzugte Papiere, bezeichnet, weil sie zwar im Falle der Zahlungsunfähigkeit erst nach traditionellen Unternehmensanleihen und Bankverbindlichkeiten, aber noch vor den Stammaktien bedient werden. Die Nachrangigkeit der Anleihen drückt sich auch in deren Rating aus: Sie werden in der Regel gegenüber den normalen Anleihen des gleichen Unternehmens eine Stufe niedriger bewertet.
Höhere Verzinsung
Auf dem amerikanischen Markt unterscheidet man zwischen den "25-par"-Anleihen und den "Capital securities". Die "25-par"-Anleihen, deren Gesamtvolumen sich auf rund 116 Milliarden Dollar beläuft, werden mehrheitlich von Privatanlegern gekauft und haben einen Schutz vor Kündbarkeit von seiten des Emittenten von fünf Jahren. Bei den "Capital securities" beläuft sich dieser Schutz vor Kündbarkeit auf zehn Jahre.
Neben der nachrangigen Bedienung im Insolvenzfall sind es die Kündigungsklauseln, für welche die Investoren eine höhere Verzinsung als bei den herkömmlichen Unternehmensanleihen erhalten. Diese Klauseln sind je nach Anleihe sehr unterschiedlich, einen Standard gibt es hier nicht. In der Regel kann das Unternehmen nach Ablauf einer vereinbarten Frist die Anleihen zurückkaufen. Doch der Kündigungsschutz sichert die Investoren zumindest auf den vereinbarten Zeitraum gegen das Szenario ab, daß die Unternehmen aufgrund eines starken Zinsrückgangs die Anleihen zurückkaufen und der Anleger das Wiederanlagerisiko trägt.
Das Interesse der Unternehmen an der Begebung nachrangiger Anleihen hat seit 1996 - damals belief sich das Gesamtvolumen des Marktes noch auf weniger als 40 Milliarden Dollar - ständig zugenommen. Der Grund: 1996 beschloß die amerikanische Börsenaufsicht SEC, daß diese Anleihen zum sogenannten Kernkapital gerechnet werden dürfen. "Nachrangige Anleihen sind damit ein intelligenter Weg, um Eigenkapital aufzunehmen. Die Emission von Aktien ist teurer", sagt Heiko Schulich von Principal Global Investors (PGI). Das Unternehmen ist vor kurzem auch in Deutschland mit einem Fonds gestartet, der in nachrangige Anleihen investiert. Über die Tochtergesellschaft Spectrum Asset Management verwaltet PGI insgesamt ein Vermögen von 10 Milliarden Dollar in dieser Anlageklasse.
Kein statistischer Zusammenhang
Der durchschnittliche Renditeaufschlag von nachrangigen Anleihen gegenüber herkömmlichen Unternehmensanleihen beträgt nach Angaben von Schuleit im Durchschnitt rund 200 Basispunkte. Dennoch unterscheiden sich diese Investments von Hochzinsanleihen, glaubt er: Mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre habe man nur einen äußerst geringen statistischen Zusammenhang zwischen den Kursen nachrangiger Anleihen und denen von Hochzinsanleihen beobachten können. Fast gar keinen statistischen Zusammenhang gibt es Schuleit zufolge zwischen nachrangigen Unternehmensanleihen und Aktien. Zwischen den nachrangigen Rentenpapieren und den gewöhnlichen Unternehmensanleihen sei der Zusammenhang zwar am größten, aber immer noch niedrig genug, um durch Beimischung nachrangiger Anleihen zu einem Portfolio von Unternehmensanleihen eine bessere Diversifikation zu erreichen.
"Die Kurse nachrangiger Anleihen werden von den gleichen Ereignissen beeinflußt wie normale Anleihen - aber in der Regel reagieren sie dann heftiger", sagt Frank Hagenstein von Union Investment. Problematisch für den Privatanleger seien allerdings die langen Laufzeiten sowie die teilweise recht komplexen Vertragswerke dieser Produkte. Das scheint allerdings wenig abzuschrecken: In den Vereinigten Staaten machen Privatanleger in diesen Anleihen derzeit mehr als 50 Prozent des Marktes aus. Das hängt vermutlich auch damit zusammen, daß diese Anleihen auch von sehr bekannten Unternehmen begeben werden, deren Namen den Anlegern vertraut sind und bei denen sie das Risiko einer Insolvenz als eher gering einschätzen.
Text: hbe. / Frankfurter Allgemeine Zeitung,