Unter dem Eindruck eines desaströsen Chartbilds und immer weiter fallender gleitender Durchschnittslinien kennt die Grenke Aktie auch nach HV und Divi-Abschlag weiter nur die Abwärtsrichtung. Jede kleine Kurserholung wird bei Kontakt mit den fallenden SMAs sofort wieder abverkauft. Die Algos sind absolut unerbittlich. Sie lesen von steigenden Insolvenzzahlen... und übersetzen das in eine weiter steigende Risikovorsorge und mithin eine schwache Gewinnentwicklung und fallende Kurse...
Dass die Aktie seit ihrem letzten Ausflug Richtung 27 EUR bereits mehr als 60% gefallen ist und - trotz rekordhoher Risikovorsorge - bereits bei einem KGV26e < 8 und einem KGV27e < 6 notiert, interessiert die Schar der vorzugsweise über gehebelte Derivate auf immer weiter fallende Kurse setzenden Charttrader, Algos und Shortseller offensichtlich nicht die Bohne.
Dabei sollten die jüngsten Kursentwicklungen bei teilweise über mehrere Jahre extrem geshorteten Aktien wie Evotec, Teamviewer, GFT Technologies oder Canadian Solar den Shortstrategen allmählich Angst einjagen, wurden sie bei besagten Shortseller-Lieblingsaktien in dieser Woche doch teilweise lichterloh verbrannt...
Das mit Abstand krasseste Beispiel grandiosen Marktversagens war bei Canadian Solar mit einer Shortquote von zeitweise mehr als 45% des Freefloats... Die unvermeidliche Quittung kam mit einem 60% Anstieg binnen eines Monats davon +20% allein in den letzten 5 Tagen...
Der Markt hat immer Recht... die jüngsten Entwicklungen bei o.g. Aktien sollten unverbesserlichen, Fundamentaldaten ignorierenden Trendfolgern arg zu denken geben...
Wer die HV vor Ort oder im Livestream verfolgt hat, hat vom CEO gehört, dass die Q1-Zahlen keine Überraschung bringen sollten und das Unternehmen die Profitabilität ab sofort gegenüber allen anderen Unternehmenszielen priorisiert. Mittelfristig soll die EK-Rendite von aktuell völlig unbefriedigenden 5% auf mindestens 10% gesteigert werden.
Ab 2026 soll die EK-Rendite jährlich um min 1 Prozentpunkt gesteigert werden.
Die Entwicklung der letzten 4 Quartale zeigte trotz erhöhter Risikovorsorge bereits eine stetig steigende Profitabilität, die sich u.a. in einer gegenüber 2024 von 59,2% auf 55,2% signifikant verbesserten cost-income-ratio niederschlug.
Lt. HV-Rede soll das in 2025 erreichte CIR-Niveau um 55% dauerhaft gehalten oder sogar weiter verbessert werden.
Insbesondere die glasklare Aussage, für die am 13.05.2026 publizierten Q1-Zahlen keine (negativen) Überraschungen zu erwarten, hätte den Kapitalmarkt, der bei Grenkes Berichterstattung offenbar nur noch Katastrophen erwartet, beruhigen können / sollen.
Nach einer kurzzeitigen Stabilisierung am ex-Div-Tag gingen die Trendfolger bei teilweise riesigen Tagesumsätzen im Bereich der 13 € Marke offensichtlich wieder zu Business as usual über, sprich die Aktie wurde weiter abverkauft.
Vom Chartbild her ist beim heutigen Xetra-Schlusskurs 12,22 EUR nach unten die Falltür geöffnet.
Für Algos eine glasklare Ansage, immer weiter draufzuhauen. Wenn Börse dieser scheinbar unschlagbaren Trendfolgelogik sturheil folgen würde, gäbe es niemals Trendwechsel und alle Abwärtstrends endeten zuverlässig bei NULL EUR. Dass dem offensichtlich nicht so ist, zeigt ein Blick auf die Kurszettel...
Mithin ist immer irgendwo ein Punkt erreicht, wo der Markt soviel Negatives eingepreist hat, dass selbst Horror-Q1-Zahlen wie zuletzt bei Evotec am Tagesende einen 5%-Anstieg sehen...
Motto: genug ist genug!
Und wie immer an der Börse kommen Trendwechsel genau dann, wenn sich die Mehrheit der Anleger gewiss ist, dass die Aktie nur noch fallen kann... sprich wenn ein übergroßer Anteil kurzfristig agierender Marktteilnehmer short ist und ein Trendbruch maximale Schmerzen verursacht...
Langfristanlager haben hier einen glasklaren Vorteil... solange die Anlagestrategie intakt ist und das Unternehmen absehbar wieder steigende Gewinne / Free Cashflows erzielen wird, kann man Buchverluste ggf. auch jahrelang einfach aussitzen. Shortseller und Hebelprodukte hingegen sind durch Leihgebühren und Verzinsung mit erheblichen laufenden Kosten verbunden, womit langfristiges Aussitzen regelmäßig zu Verlusten führt. Der Anlagehorizont dieser Marktteilnehmer ist demnach überwiegend kurzfristiger Natur und mithin in hohem Maße spekulativ getrieben.
Wenn Grenke am 13.05. auch nur einigermaßen vernünftige Zahlen liefert, woran ich derzeit Null Zweifel habe, dürfte die Aktie allmählich reif für eine Neubewertung sein, weil sich der Aktienkurs und die den betriebswirtschaftlichen Unternehmenswert leitende Gewinnentwicklung nicht endlos auseinanderentwickeln werden. Irgendwo ist auch für den stärksten Abwärtstrend das Ende der Fahnenstange erreicht!
Ich bin recht zuversichtlich, dass wir besagten Trendwechsel bei Grenke in nicht allzu ferner Zukunft sehen werden. Allen Longies wünsche ich bis dahin Durchhaltevermögen und Zuversicht!
Allen Shorties sage ich... winter is coming ;-)