Greenspan schwächt den Dollar


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EinsamerSam.:

Greenspan schwächt den Dollar

 
15.12.05 23:02
Euro legt zu

Greenspan schwächt den Dollar

Kurz vor seinem Abgang verursacht Fed-Chef Alan Greenspan Wirbel an den Finanzmärkten: Seine Erklärung der jüngsten Zinserhöhung wird als Kurswechsel der US-Notenbank interpretiert. Internationale Banken sagen dem Euro nun eine kräftige Aufwertung voraus.

FRANKFURT. Der US-Dollar hat am Mittwoch mit deutlichen Kursverlusten gegenüber allen wichtigen Währungen auf den am Vorabend angedeuteten Kurswechsel der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) reagiert. Belastend wirkte auch ein neues Rekorddefizit im amerikanischen Außenhandel.

Die Analysten der meisten führenden internationalen Banken spekulieren nun darauf, dass dies das Ende der seit Frühjahr andauernden Stärkephase der amerikanischen Währung einläuten dürfte. Fed-Chef Alan Greenspan hatte die Geldpolitik der US-Notenbank in einer Erklärung zur jüngsten Zinserhöhung zum ersten Mal seit drei Jahren nicht mehr als stimulierend für die Wirtschaft bezeichnet. Dies wurde an den Märkten als Signal für ein baldiges Ende des Zinserhöhungszyklus in den USA interpretiert. Daraufhin stieg der Euro zum Dollar am Mittwochmorgen erstmals seit Anfang November wieder über die Marke von 1,20 Dollar.

„Mit dem Signal der Fed, dass sich der Zinserhöhungszyklus allmählich dem Ende nähert, nimmt die Unterstützung für den Dollar ab“, sagte Jürgen Michels, Ökonom der Citigroup in London. Er prognostiziert, dass der Euro bis zum Ende des ersten Quartals 2006 auf 1,28 Dollar und bis zum Jahresende auf 1,38 Dollar steigt. Die Citigroup ist einer der wichtigsten Akteure am Devisenmarkt.

Die US-Investmentbanken Goldman Sachs und Merrill Lynch sowie die Deutsche Bank rechnen für die nächsten Monate ebenfalls mit einer deutlichen Euro-Aufwertung. Die Deutsche Bank sieht den Euro bis Ende 2006 auf 1,25 Dollar und danach weiter bis 1,40 Dollar steigen. Merrill Lynch prognostiziert ihn bereits Ende 2006 bei 1,39 Dollar, Goldman Sachs ist mit 1,30 Dollar Kursziel zum Jahresende etwas zurückhaltender. Aus dieser Gruppe pflichten allerdings nur die Analysten von Merrill Lynch der Einschätzung bei, dass sich der Zinsvorsprung der USA bald einebnen wird.

Dagegen meint Erik Nielsen, Europa-Chefvolkswirt von Goldman Sachs: „Die Fed wird die Zinsen im ersten Halbjahr 2006 bis auf fünf Prozent erhöhen. Die EZB wird schon bei 2,5 Prozent aufhören.“ Auch Thomas Mayer von der Deutschen Bank warnt vor einer Fehlinterpretation des Fed-Statements. „Man darf nicht vergessen, dass darin die Ankündigung enthalten ist, es würden wohl noch ein paar Zinsschritte nötig sein“, gibt Mayer zu bedenken. Er erwartet, dass EZB und Fed ihre Leitzinsen etwa im Gleichschritt auf fünf bzw. drei Prozent anheben.

„Das sich weiter ausweitende Leistungsbilanzdefizit in den USA wird wieder in den Vordergrund treten“, bringt Citigroup-Volkswirt Michels den gemeinsamen Nenner der Dollar-Einschätzungen auf den Punkt. An diesen Belastungsfaktor für den Dollar wurden die Finanzmärkte gestern durch ein neues Rekorddefizit im Außenhandel im November erinnert. Die Importe übertrafen die Exporte um 68,9 Mrd. Dollar oder 64 Prozent.

Das Außenhandelsdefizit der USA zieht einen hohen Bedarf an Mittelzuflüssen nach sich und führt zu einer Zunahme der Auslandsverschuldung. Eine schwächere Währung macht Dollar-Anlagen billiger und damit attraktiver. Langfristig dämpft sie die Importe, und begünstigt Exporteure. So hilft eine schwächere Währung, gleichzeitig Kapital anzuziehen und den Kapitalbedarf zu senken.

Quelle: HANDELSBLATT, Donnerstag, 15. Dezember 2005, 08:32 Uhr

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