US-Notenbankchef sieht ermutigende Signale - Weiter gegen Abschottung: "Protektionsimus löst Probleme nicht"
Der US-Notenbankchef Alan Greenspan sprach sich erneut gegen "Protektionismus" aus.
Omaha - US-Notenbankchef Alan Greenspan rechnet angesichts der anziehenden Konjunktur schon bald mit einer spürbaren Belebung am Arbeitsmarkt der weltgrößten Volkswirtschaft.
"Wir haben zuletzt ermutigende Signale für eine Aufhellung am Arbeitsmarkt gesehen", sagte der wichtigste Notenbanker der Welt am Freitag bei einer Rede vor der Handelskammer in Omaha im Bundesstaat Nebraska. "Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich der Stellenzuwachs bald beschleunigen, wenn die Produktion weiter anzieht." Er mahnte die Politik und die Unternehmen, verstärkt auf Aus- und Weiterbildung zu setzen. Seit Monaten stehen in den USA vergleichsweise schwache Beschäftigungszahlen in Kontrast zu anderen Konjunkturdaten, die auf eine starke wirtschaftliche Erholung hindeuten. Allerdings waren im Jänner wieder mehr als 100.000 Stellen geschaffen worden.
Greenspan räumte ein, dass in den vergangenen Jahren zahlreiche Unternehmen und Arbeitsplätze aus den USA in Billiglohnländer wie China und Indien abgewandert seien. Dies sorge bei ihm für "spürbares Unbehagen", da es negative Auswirkungen auf die Arbeitsmarktlage und den durchschnittlichen Lebensstandard der US-Bürger habe. Doch die Zeichen stünden hier auf Besserung, nachdem viele Unternehmen allmählich wieder neue Mitarbeiter einstellten. Die schwache Lage am Arbeitsmarkt und die zunehmende Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland sind im Jahr der Präsidentenwahl auch politisch brisante Themen.
Der Chef der US-Notenbank (Fed) hatte bereits bei seiner Kongressanhörung in der vergangenen Woche von ersten positiven Impulsen am Arbeitsmarkt und Signalen für eine Aufhellung gesprochen. Zur Begründung verwies er auf langsamere Produktivitäts-Fortschritte der Unternehmen, die Neueinstellungen wahrscheinlich machten.
Bei seiner Rede in Omaha wandte sich Greenspan erneut vehement gegen jede Form der Abschottung vom Weltmarkt als vermeintliche Lösung des Beschäftigungsproblems. Eine derartige Politik sei eher kontraproduktiv, warnte der Fed-Chef. "Protektionismus wird wenig dazu beitragen, Jobs zu schaffen. Im Gegenteil: Wenn das Ausland Vergeltungsmaßnahmen ergreift, gehen mit Sicherheit Stellen verloren." Vielmehr komme es darauf an, die Fähigkeiten der Mitarbeiter kontinuierlich zu schulen, um deren Konkurrenzfähigkeit weltweit zu erhöhen. Er betonte, dass die USA im Vergleich zu anderen Ländern noch erhebliche Defizite bei der Weiterbildung hätten.
Neben Greenspan hatten zuletzt auch mehrere andere Fed-Vertreter von einer baldigen Belebung am Arbeitsmarkt gesprochen, den Zeitpunkt aber offen gelassen. Bis zu einer spürbaren Besserung der Beschäftigungssituation erwarten Analysten unverändert niedrige Leitzinsen in den USA. Der Schlüsselzins liegt derzeit mit 1,00 Prozent auf dem niedrigsten Niveau seit mehr als 40 Jahren. Von der Fed kamen bislang keine Signale für eine baldige Anhebung. (APA