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EZB auf gutem Weg in Richtung Liquiditätsentzug
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Europäische Zentralbank (EZB) ist auf gutem Weg bei ihrem geplanten Entzug der hohen Überschussliquidität im Euroraum. Zwar hat die Notenbank den europäischen Banken am Mittwoch zum zweiten Mal für eine außergewöhnlich lange Zeit von einem Jahr einen hohen Betrag von rund 75 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Die Summe liegt aber deutlich unter derjenigen des ersten Jahrestenders vom Juni. Seinerzeit hatte die EZB liquide Mittel von rund 442 Milliarden Euro zu einem sehr günstigen Zins von nur einem Prozent in den Markt gepumpt.
Auch die Nachfrage der Banken nahm beim jüngsten Refinanzierungsgeschäft spürbar ab. So beteiligten sich im September nur noch knapp 600 Banken an dem Geschäft, während im Juni noch rund 1.100 Banken Interesse zeigten. "Das Ergebnis des zweiten Jahrestenders ist sehr schön und zeigt, dass die EZB bei dem geplanten Liquiditätsentzug auf Kurs ist", kommentierte Commerzbank-Experte Michael Schubert die Ergebnisse.
EZB HAT ZIELE ERREICHT - 'EASY EXIT' MÖGLICH
Laut Schubert hat die europäische Notenbank mit den beiden Jahrestendern ihre Ziele erreicht. "Einerseits hat die EZB den Geschäftsbanken reichlich Liquidität zur Verfügung gestellt und damit deren Planungssicherheit erhöht." Auf der anderen Seite zeige das deutlich geringere Volumen des zweiten Geschäfts, dass die künftige Zinspolitik der EZB durch die derzeit hohe Liquidität im Markt nicht beeinflusst werde. "Die EZB kann die hohe Liquidität insbesondere dadurch abziehen, indem sie bestehende Refinanzierungsgeschäft auslaufen lässt und nicht mehr verlängert", sagte Schubert. Ab der zweiten Jahreshälfte 2010 werde die Notenbank dann vermutlich beginnen, die Leitzinsen zu erhöhen.
Infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise hatte die EZB - wie auch andere große Notenbanken - nicht nur die Zinsen kräftig gesenkt, sondern die Banken zudem mit reichlich Liquidität in Milliardenhöhe ausgestattet. Seit langem fragen sich Experten, wie und vor allem wann die Notenbank diese Überschussliquidität wieder abziehen wird. Der jüngste Jahrestender dürfte einem sogenannten "easy exit" begünstigen, bei dem außerplanmäßige Refinanzierungsgeschäfte einfach nicht verlängert werden. Zahlreiche EZB-Vertreter wie Notenbankpräsident Jean-Claude Trichet hatten ein derartiges Vorgehen bereits angedeutet./bf/js
30.09.2009
Quelle: www.börse.de