Es geht nicht um egal oder nicht. Ja, es wird Konsequenzen geben, aber das System ist alternativlos und wird überleben...
Immobilienpreise stürzten in den USA in den Keller weil sehr viele Menschen pleite gingen = egal?
Immobilienpreise sind zuvor auch stark angestiegen. Es wurde real kein Vermögen vernichtet. Vergleichbar ist wenn der Dax von 4000 auf 8000 ansteigt und dann wieder auf 4000 fällt. Ja, es gibt Verlierer und Gewinner in dieser Entwicklung. Wenn jemand dauerhaft investiert war ist es für ihn neutral. Natürlich ist für den "Verlierer" schlimm was mit ihm passiert...
Deswegen werden sehr viele Leute Obdachlos = egal?
Es liegt am fehlenden Sozailsystem in den USA. Da ist keine Entwicklung von heute, sondern war in den USA schon immer so. Deshlab ist die USA im Positiven wie im Negativen immer mit den stärkten "Ausschlägen" konfrontiert. Wir in D nehmen über unser Sozailsystem geringere und schwächere Aufschwünge in Kauf um mildere Krisen zu haben. Das ist eine prinzipielle Systementscheidung. Natürlich ist es für alle schlimm, die es trifft, aber davon profitieren auch viele Menschen in den USA beim Aufschwüngen.
tausende Milliarden an Steuergeldern wurden in das kranke Bankensystem gepumpt = egal?
Nein, aber es gibt systemrelavante Bereiche in einer Wirtschaft. Banken, Versicherungen, Flugverkehr incl. Flughäfen, Versorger, Telekommunikation, Post, Bahn etc. Diese Bereiche kann der Staat entweder als hoheitliche Aufgaben in Staatsunternehmen wahrnehmen oder privatisieren. Bei der Privatisierung besteht immer das Risiko der Sozialisierung der Verluste, weil diese Bereiche gerettet werden müssen. Leider haben staatliche Monopolunternehmen gerade für den Verbraucher erhebliche, andererseits müssen sie vom Verbraucher bei Privatisierung etvl. gerettet werden. Wenn man mal die Versorger (aufgrund Oligopolstrukturen beiseite lässt) würde ich behaupten, dass die Rettungen für uns billiger waren als Staatsunternehmen. Wenn man addieren würde welche Summen alle Verbraucher und Unternehmen in den Bereichen Flugverkehr, Telekommunikation, Post etc. auf die Jahre seit der Privatisierung eingepart haben, da würde man wahrscheinlich auf sehr viele Abermilliaren Euro kommen. Trotzdem müssen die Banken staatlich reguliert werden und so etwas darf nicht mehr passieren. Also, auch nicht egal...
wegen dem Billionen schweren Geldsegen für die Banken stehen sehr viele Staaten vor einen finanziellen Problem (bis über beide Ohren verschuldet) = egal?
Ist das wirklich erst seit heute so? Die Krise hat das Problem in den Focus der Öffentlichkeit gebracht und gerade da liegt eine große Chance, dass wirklich umgedacht werden muss (durch öffentlichen Druck). Die Verschuldung der Staaten ist ein jeharzehnte andauerndes Problem. Vielleicht wäre das "weiter so" (andauernde und stetige Verschuldung, aber mit Summen, die nicht so schlimm erscheinen) noch viel schlimmer geworden?
Internationale Konzeren gehen Pleite = egal?
Nein, aber dass in einer Krise Unternehmen (große wie kleine) pleite gehen das ist einfach so. Aber nur zur Information. Wenn ein Unternehmen in 6 Monaten (nur wegen) Krise pleite geht, dass war es kein funktionierendes Unternehmen und es wäre über "kurz oder lang" sowiese pleite gegangen, siehe GM etc.
Sehr viele Menschen werden auf Kurzarbeit geschickt (kostet dem Steuerzahler wieder viele Milliarden) = egal?
Nein, aber es ist ein Instrument um eine Krise zu überbrücken. Kurzarbeit kosten Unternehmen, Arbeitnehmer und den Staat etwas. Wenn eine Krise zeitlich begrenzt bleibt, dann ist es äußerst sinnvoll. Wenn nicht, dann war es sinnlos und teuer...
Arbeitslosenzahlen schießen in den Himmel (und werden von Statistikern noch ordentlich gedrückt) = egal?
Auch das war schon immer so, dass Arbeistlosenstatistiken "geschönt" wurden, also zumindest kenne ich es zurück bis Kohl. Und noch schließen sie nicht in den Himmel... Wir hatten bereits 5 Mio (geschönte) Arbeitslose und es wäre kein Zusammenbruch unseres Systems, wenn wir kurzzeitig wieder an diese Marke kommen würden. Egal nein, aber auch kein "Beinbruch", wenn es nicht immer stetig "bergauf" geht...
Durch die Verschrottungsprämie wurden einfach nur zukünfitge Aufträge vernichtet = egal?
Nein, ich bin immer sehr skeptisch mit konsumorientierten Konjunkturprogrammen und halte diese für prinzipiell falsch. Natürlich kann ich die Idee eine wichtige Industrie "über die Krise" zu bringen nachvollziehen. Die Hoffnung ist, dass in einem kommenden Aufschwung die Auslandsnachfrage insb. aud sen Schwellenländern die Einbruch in der Inlandsfrage "auffängt". Ein riskantes Spiel, wenn der Aufschwung 2010 nicht kommt, dass wird es sehr schlimm für die Autoindustrie. Wenn er kommt, dann war es ok, es zu machen. Wie gesagt, ich bin da eher skeptisch. Dieser Weg ist sehr riskant und ich hoffe für alle Angestellten der Autoindustrie, dass es funktionieren wird...
Bis jetzt gingen in den USA 60 klein bis mittelständische Banken pleite = egal?
Nein, aber auch für Banken müssen Prinzipien gelten. Wenn diese nicht systemrelevant sind, müssen sie auch pleite gehen dürfen. Wenn Einlagen abgesichert sind und bestehende Darlehensverträge durch anere Banken übernommen werden (und so war es bisher in den USA) schadet es zunächst mal keinem Verbraucher. Bei variablen Kreditlinien für Unternehmen etc. kenne ich mich nicht gut genau bei diesen Banken aus, um beurteilen zu können, ob da relevante Problem für Unternehmen entstanden sind.
Einen schönen Samstag....