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Gewinne mit Video-Games

 
19.10.03 12:43
VIDEOSPIELE - Schöne Grüße nach Hollywood (EurAmS)


   
Mit Konsolen und Software setzt die Videospiele-Branche inzwischen mehr um, als Hollywood mit seinen Filmen. Bei welchen Aktien auch Anleger Spaß am Spiel haben
von Thomas Schmidtutz, Euro am Sonntag 42/03

Die Bosse der beiden größten US-Elektronikketten Electronic Boutique und GameStop waren begeistert: „Madden NFL 2004“ sei das „am schnellsten verkaufte Videospiel aller Zeiten“, jubelten die Einzelhändler unlängst. Kaum drei Wochen nach dem Start im August war die Football-Simulation von Electronic Arts (EA) landesweit über zwei Millionen Mal über den Ladentisch gegangen. 100 Millionen Dollar Umsatz klingelten in den Kassen des Einzelhandels. Rund 80 Millionen davon kassiert EA, schätzen Branchenkenner. Zum Vergleich: Der viel beachtete aktuelle Hollywood-Streifen „Seabiscuit“ um ein Superpferd in den 30er-Jahren brachte es an den amerikanischen Kinokassen in den ersten drei Wochen nach dem Start im Juli auf 83 Millionen Dollar.

Aber EA ist mit „NFL“ nicht nur schneller aus den Startlöchern gekommen als viele große Hollywood-Produktionen. Das Geschäft mit der Spielesoftware läuft auch noch länger als die Kinoauswertung der meisten Hollywood-Produktionen: Wenn im nächsten Sommer „Madden NFL 2005“ an den Start geht, könnte EA mit der Vorläuferversion längst richtig abgeräumt haben. Rund sieben Millionen Silberlinge mit den hünenhaften Helden um NFL-Superstar Michael Vick dürften die Kalifornier bis dahin absetzen, schätzt Heath Terry, Analyst bei CSFB. Das würde bedeuten, dass EA allein mit der aktuellen „Madden“-Version für 350 Millionen Dollar Bruttoumsatz sorgt.

An den US-Kinokassen spielten gerade sieben Filme jemals mehr ein. Was Wunder, dass Electronic Arts inzwischen mit einem Börsenwert von 15,45 Milliarden Dollar nach den Branchengiganten Microsoft, Oracle und SAP die am höchsten bewertete Software-Firma der Welt ist.

Zwar sind die direkten Wettbewerber deutlich kleiner. Aber auch sie haben längst ähnliche Riesentitel vorzuweisen. Beispiel Take2: Die New Yorker haben den Markt mit den beiden Action-Spielen „Grand Theft Auto“ (GTA) und „GTA Vice City“ aufgerollt. Seit dem Start der Reihe 1997 haben sich die Spiele um den Aufstieg von einem Gelegenheitskriminellen zum Unterwelt-Boss weltweit über zehn Millionen Mal verkauft. Das hat Take2 ganz nach oben gespült. Im laufenden Jahr dürften die Amis insgesamt über eine Milliarde Dollar umsetzen. Noch vor fünf Jahren waren es kaum 195 Millionen.

Doch derzeit boomt die Branche wie kaum eine andere. Während die Filmindustrie stagniert und Musik-Labels über üble Umsatzeinbrüche jammern, wächst das Geschäft um Spiele und Konsolen scheinbar unaufhaltsam. Allein in den vergangenen drei Jahren ging’s durchschnittlich um 20 Prozent nach oben. Inzwischen ist die Spiele-Industrie größer als Hollywood. Während an den US-Kinokassen im Vorjahr 9,4 Milliarden Dollar erlöst wurden, brachten die PlayStation (PS) 2 von Sony, Microsofts Xbox oder Nintendos GameCube und die dazugehörigen Spiele allein in den USA 13,4 Milliarden Dollar ein.

Zugegeben, der aktuelle Zyklus geht mit dem Weihnachtsgeschäft, in dem die Branche traditionell fast die Hälfte ihres Jahresumsatzes macht, dem Höhepunkt entgegen. Weil am Horizont schon die nächste Konsolen-Generation auftaucht, steht die Spiele-Industrie jedoch vor einer dicken Umsatzdelle. Zwar gehört der genaue Starttermin für die Xbox Next und die PS 3 zu den bestgehüteten Geheimnissen der Branche. Aber vor dem Weihnachtsgeschäft 2005 wird es wohl kaum klappen: „Die Entwickler-Kits für die neue Konsolen-Generation sind noch nicht bei den Herstellern“, sagt Frank Hermann, EAs Marketing-Leiter für Zentraleuropa. Zwei Jahre Vorlauf brauchen Entwickler aber, um sich auf die neue Hardware einstellen zu können.

Die Übergangsphase bedeutet schwindende Umsätze: Nachdem die Branche im laufenden Jahr weltweit 26,9 Milliarden Dollar umsetzt, dürften es 2006 nur noch 16,4 Milliarden Dollar sein, schätzt etwa der US-Marktforscher IDC. Doch danach soll es ebenso steil wieder nach oben gehen. Spätestens im Jahr 2008 werde die Branche wieder auf dem aktuellen Niveau sein, schätzt IDC-Analystin Schelley Olhava.

Der absehbare Einbruch trifft die Industrie jedoch unterschiedlich. Wenn die Marktbeobachter Recht behalten, erwischt es zunächst die Hardware-Hersteller Microsoft, Sony und Nintendo. Spätestens 2004 geht es da ans Eingemachte: „Die Kunden wollen die neue Konsolen-Generation und warten daher erst mal ab“, erwartet Paul O’Donovan, Analyst für Unterhaltungselektronik beim Marktforscher Gartner in London. Der Absatz der Software für die bestehende Konsolen-Generation wird aber 2004 noch „zweistellig wachsen“, prognostiziert Olhava.

Anleger sollten aber genau hinschauen. „Wer keinen Mega-Seller mit über einer Million verkauften Spielen im Programm hat, wird sich schwer tun“, sagt etwa Matthias Wehner, Marketing-Leiter bei Take2 Deutschland. Denn einerseits macht die Industrie ähnlich wie Buchverlage oder Musik-Labels nur mit den Top-Titeln richtig Geld. Andererseits dürfte der Handel die Anzahl der angebotenen Titel schon bald drastisch reduzieren. Weil 80 Prozent des Videospiele-Umsatzes mit 20 Prozent der Titel gemacht werden, misten große Häuser wie Wal-Mart kräftig aus. Und in Deutschland könnte es ähnlich werden.

Zudem steigen die Preise für die Spiele-Produktionen weiter. Schon heute kostet die Entwicklung von absoluten Top-Titeln wie EAs „Herr der Ringe“ locker zehn bis zwölf Millionen Dollar. „Mit der neuen Konsolen-Generation dürften die Entwicklungskosten um mindestens 30 Prozent steigen“, so Wehner. Das können sich kleinere Anbieter kaum mehr leisten.

Außerdem werden die lukrativen Filmlizenzen immer teurer. EA stellt sich darauf ein. In Los Angeles’ Stadtteil Playa Vista, direkt an der Pazifik-Küste, bauen die Kalifornier für rund 100 Millionen Dollar gerade ein riesiges neues Entwicklerstudio. Parallel zu den Dreharbeiten der großen Blockbuster sollen dort in zwei Jahren 600 Mitarbeiter die neuesten Videospiele-Adaptionen entwickeln. „Das ist ein Riesenwachstumsmarkt für uns“, so John Riccitiello, EAs zweiter Mann.

Ohnehin ist Electronic Arts am besten aufgestellt. „EA gewinnt weiter Marktanteile. Daran dürfte sich auf absehbare Zeit nichts ändern“, sagt Tony Gikas, Analyst bei US Bancorp. Piper Jaffray. Dazu kommt eine im Branchenvergleich überragende Bruttomarge von 58 Prozent und ein „hervorragendes Management“. Außerdem hat kein anderes Unternehmen so viele Blockbuster-Spiele im Programm wie EA. Allein im Vorjahr schafften es 22 Spiele über die magische Eine-Million-Marke.

Daneben ist Take2 interessant. Mit der „GTA“-Serie hat das Unternehmen das erfolgreichste PS2-Spiel aller Zeiten auf dem Markt. Jetzt kommt der Titel auch für die Xbox. Dazu kommt mit dem Actionspiel „Max Payne2“ ein weiterer potenzieller Millionen-Seller.

Schließlich sollten sich Anleger Konami anschauen. Die Japaner räumen mit dem Kartenspiel Yu-Gi-Oh! und seiner Videoversion derzeit voll ab. Dazu kommt eine Spielhallen-Kette und Arcade-Spiele. Zwar gab es im Vorjahr erstmals seit Jahren einen Verlust. Aber der basierte vor allem auf Abschreibungen auf eine Fitness-Kette und der Umstellung auf Bilanzierung nach US-Gaap. Nachdem beides verdaut ist, soll es im laufenden Geschäftsjahr wieder deutlich schwarze Zahlen geben. Goldman Sachs erwartet einen operativen Gewinn von umgerechnet 250 Millionen Dollar. EA dürfte im laufenden Geschäftsjahr gar ein Gewinnplus von 25 Prozent auf 770 Millionen Dollar verbuchen. Wenn das klappt, dürften nicht nur die großen Einzelhändler Grund zum Jubeln haben.
 
red / -red-




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Optimal:

mein persönlicher Tip dazu

 
19.10.03 21:58
Jowood 935221

nach erheblichen Problemen wieder gute Aussichten - Tophits in der Pipeline - billig
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