Früher gerne von der Konkurrenz von oben herab als Billigheimer und Aldi der Touristik bezeichnet, hat sich Verhuven – neben seinem Flugpauschalreiseveranstalter und den 210 Reisebüros – inzwischen in die Premiumsegmente vorgearbeitet. Als der Alltours-Chef vor zwei Jahren ankündigte, er werde bei den Hotels in den Vier- und Fünf-Sterne-Bereich vordringen, spottete die Branche, die besten Strandlagen seien längst vergeben.
Sie unterschätzte den Workaholic, der sich jedes Jahr selbst mit einem langen Urlaub verwöhnt. Im Winter 2006/07 werden bereits 70 Prozent der Alltours-Gäste in den Spitzen-Kategorien schlafen. „Die Zukunft von Alltours“, so heißt es lapidar, „liegt im Vier- bis Fünf-Sterne-Bereich.“ Dahinter steckt, so der Chef, „sehr viel Detailarbeit im Service“. Zum Beispiel: Zum Standard in der Spitzenklasse gehören moderne Wellness- und Fitness-Bereiche. Den Gästen helfen dabei speziell ausgebildete Alltours-Personaltrainer. Qualität im Hotelportfolio auszubauen heißt für Verhuven beispielsweise aber auch, Langschläfern unter den Gästen an der Poolbar ein spätes Frühstück anzubieten.
Billigflieger wollte Verhuven im vorigen Jahr noch verbieten
Die Kleinigkeit verrät die Detailvernarrtheit des Unternehmers: Es gibt nichts, worum er sich nicht kümmert. Bei aller Fürsorge für seine Mitarbeiter hat das auch negative Konsequenzen: In der Führungsriege lässt Fluktuation erkennen, dass Verhuven sicher kein einfacher Chef ist. Und wohl auch ein Konservativer. Auf modische Branchentrends mag er sich längst nicht immer einlassen. Reisebuchung via Internet – für den Reisebüro-Inhaber eine Randerscheinung. Baustein-Tourismus mit individuellen Reisebestandteilen taucht bei ihm als Begriff nicht auf. Aber er nennt es „Flexibilität der Pauschalreise“ und setzt auf das „Nur Hotel“-Angebot, das jetzt erstmals in der Wintersaison angeboten wird.
Billigflieger wollte Verhuven, der seine Gäste im Wesentlichen mit Air Berlin, Condor, Hapagfly und LTU in die Ferien schickt, im vorigen Jahr gar noch verbieten. Auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin löste er Kopfschütteln mit seiner Forderung nach staatlich festgelegten Mindestpreisen für Flugtickets aus. Inzwischen schlägt er den Low-Costern ein Schnippchen: Ein Spezialistenteam ist mit hochkomplexer Software darauf getrimmt, günstige Airline-Sonderangebote für freie Sitze im Urlaubsjet ganz schnell vom Markt zu fischen und für die eigenen Kunden zu sichern. Dass das geht, wollen die Fluggesellschaften nicht bestätigen. Und wie es geht – das bleibt Verhuvens Geheimnis. Er verrät nur: Die Masse macht es, und mit jedem gesparten Euro wird Alltours selbst immer günstiger.
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