Gerade in dieser Zeit - mal was zum nachdenken und


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Zwergnase:

Gerade in dieser Zeit - mal was zum nachdenken und

 
25.01.01 22:01
eine Warnung an alle (ist nicht von mir, sondern von M.M. (Finanztreff)):


Schnell reich
                     
                               Von Michael Mross

Der Traum vom schnellen Geld ist Bestandteil der                            menschlichen Gier. Und nirgendwo findet diese "Tugend"                      bessere Nahrung als an der Börse. Mit wenig Einsatz das                     große Geld machen - kaum ein Börsianer kann sich von                        dieser faszinierenden Vorstellung befreien. Jedoch - der                    Fluch des schnellen Geldes lautet: Ruin!

Diese bittere Nebenwirkung bekamen gerade Neubörsianer zu spüren.
Der Crash bei den Hightechwerten und im Neuen Markt zu Beginn des
neuen Jahrtausends führte bei vielen Unerfahrenen in die totale Pleite.
Tragische Schicksale, furchtbare Lektionen für den Einzelnen.

Mit Aussitzen war die Sache nicht zu beseitigen. Die meisten Aktien
verloren mehr als 90 Prozent gemessen an ihren Höchstständen. Und
Hoffnung gibt es auch keine: Zu viele Werte konnten die in sie gesetzten
Fantasien nicht erfüllen. Das alles wäre nicht so schlimm, wäre da nicht
eine kleine Dummheit erschreckend weit verbreitet: Die Kreditspekulation!

Auf meinen Vorträgen und bei spontanen Gesprächen auf der Straße bin

ich erstaunt darüber, wie viele Anleger auf Pump an die Börse gingen.
Ein Teufelskreis, wie bei einem Drogenabhängigen. Am Anfang mit einer
kleinen Summe am Neuen Markt investiert. Im steigenden Markt gute
Gewinne gemacht. Und dann die Vorstellung, mit ein bisschen mehr
Geld wären die Gewinne noch größer. Also - schnell den Kreditrahmen
ausgeschöpft...

Ein gewisse Zeit ging das noch gut - dann tat die ganze Angelegenheit
weh. Der Aktienmarkt sank. Über Wochen, Monate ging es runter!
Weggucken, Ignoranz verschlimmerte das Leiden. Am Ende dann das
Todesurteil: Ein Brief von der Bank. Eine Frist, innerhalb derer
glattzustellen sei. Und wenn nicht, dann Zwangsliquidation. Übrig blieb
ein riesiger Schuldenberg und der Traum vom schnellen Geld.

Nach inoffiziellen Schätzungen geht die Zahl der solchermaßen in den
Ruin getriebenen in die Tausende - allein in Deutschland. In den USA,
wo die Kreditspekulation schon aus Tradition weiter verbreitet ist, rechne
ich sogar mit mehr als 10.000 Börsianerpleiten wegen Aktienkaufs auf
Pump. Nur sind in den USA die Banken nicht so zimperlich wie bei uns.
Ist der Kreditrahmen überschritten, erfolgt Glattstellung. Der Kunde wird
erst gar nicht gefragt. Es stand ja schließlich im Kleingedruckten...

Die älteste Börsenweisheit: Spekuliere niemals auf Kredit! Trotzdem tun
es alle. Es ist genau so, wie die Gesundheitswarnung auf der
Zigarettenpackung - trotzdem qualmen Millionen.

Kreditspekulation ist wie eine Droge - man verliert den Bezug zur
Realität. In Maßen genossen kann diese Droge ganz angenehm sein.
Doch die Gefahr der Abhängigkeit ist groß. Die Konsequenzen -
dramatisch.

Ich habe einfache Anleger kennengelernt, die bei durchschnittlichem
Gehalt nun sechsstellig verschuldet sind. Die Verzweifelung ist groß!
Doch das Schicksal brach nicht unvorhersehbar über die Betroffenen
herein. Der Teufelskreis begann - wie oft in der Börsengeschichte - in
der Hausse. Im Aufwärtstrend der Börse werden riesige Summen
aufgenommen, auf Grundlage des Aktienbestands. Was viele Anleger
nicht bedachten: In Phasen steigender Börsen ist solches Vorgehen
hochexplosiv. Je höher die Kurse, desto üppiger das vermeintliche
"Spielgeld". Entsprechend groß fällt der Kreditrahmen aus.
Doch die Zeitbombe tickt. Im Crash dämmert die Stunde der Wahrheit.
Die Aktien sind kaum noch was wert und übrig bleibt der Kredit. Meist
müssen diese gebeutelten Spekulanten ausgerechnet in der
schlimmsten Phase eines Crashs verkaufen.

Mir begegneten in letzter Zeit auffällig viele Anleger, welche im Crash
"zerrissen" wurden. Die letzten hat es noch Anfang dieses Jahres
erwischt. Furchtbar für jene, im Tief zwangsverkauft zu haben, nun auf
einem Berg von Schulden zu sitzen und zuzusehen, wie die Börse wieder
steigt... Aus der Traum vom schnellen Geld.

Auf die Banken wird eine Prozesslawine zurollen. Hauptvorwurf: zu laxer
Umgang bei der Vergabe von Aktienkrediten. Ich meine: zu Unrecht.
Wahr ist, dass die Banken leichtfertig bei der Vergabe von Aktienkrediten
sind. Insbesondere bei den Discountbrokern wird den Anlegern
geschickt eine Summe vorgegaukelt, über die sie verfügen können.
Dass es sich dabei um Kredit handelt, wird auf den ersten Blick nicht so
schnell deutlich.

Dennoch: Wer auf Kredit spekuliert, muß auch selbst die Verantwortung
dafür tragen. Es ist zwar modisch, den "bösen" Banken die Schuld in die
Schuhe zu schieben - doch das ist zu einfach. Unter dem Motto: "Wenn´s
schief geht haftet die Bank." Welche Konsequenzen Kreditspekulation
hat, wird zwar bei neuen Börsianern gern verdrängt - es bleibt aber die
Pflicht jedes Einzelnen, einmal über sein Tun nachzudenken und die
Konsequenzen dafür zu tragen.

Habe auch selbst meine Erfahrungen gemacht, darum Vorsicht, denn die Euphorie kehrt schon wieder ein.


Grüße ZN

Antworten
gere1:

Dazu passend:

 
25.01.01 22:08
Dummheit schützt vor Strafe nicht

Ein Rentner verklagt seine Sparkasse. Diese, so der Mann, habe ihn nicht ausreichend vor Risikogeschäften gewarnt und trüge deshalb die Schuld, dass ihm eines seiner Optionsgeschäfte 100.000 Mark Verlust einbrachte. Recht hat er nicht bekommen...

Denn eine Bank ist nicht verpflichtet, einen Kunden über Risiken eines Geschäfts aufzuklären, solange sich der Kunde als risikobewusster und versierter Wertpapierkäufer präsentiert und die Bank nach seinen Anweisungen ein riskantes Geschäft abwickelt. Zu diesem Ergebnis kam jedenfalls das Oberlandgericht Nürnberg, das sich des Streitfalls annahm.

Was Kredite einbringen...

Seit 1988 engagierte sich der ehemalige Maurer an der Börse, erwarb bis 1994 vor allem Aktien, später auch Optionsscheine. Im April 1994 wies er die Sparkasse an, 300 japanische Tachi-S-Optionsscheine für je 168 Mark und 400 solcher Scheine für 170 Mark zu kaufen, Gesamtpreis: 119,584 Mark. Leider verloren die Papiere bald an Wert. Als er sich im Februar 1996 von ihnen trennte, besaßen diese nur noch einen Wert von 1.260 Mark. Den Verlust - immerhin 118.324 Mark - machte der Rentner daraufhin gegen die Sparkasse geltend.

Sein Argument: Der Sparkasse wäre bewusst gewesen, dass er ein Anfang 1994 bei ihr aufgenommenes Darlehen zum Ankauf von Aktien und Optionsscheinen im größeren Stil verwendet habe. Auch seien dem Bankberater seine finanziellen Verhältnisse sowie seine berufliche Herkunft bekannt gewesen. Und deshalb hätte ihn die Sparkasse über das hohe Risiko aufklären und zu risikoärmeren Anlageformen raten müssen.

Wer sich als Profi ausgibt...

Doch die Nürnberger Richter sahen das anders. Die Sparkasse hatte gegenüber dem Kläger im Zusammenhang mit dem Erwerb der Tachi-S-Optionsscheine keine Aufklärungs- oder Beratungspflicht, entschied das Gericht. Zwar habe ein Institut grundsätzlich bei der Vermittlung von Wertpapieren eine "anlegergerechte" Beratung zu leisten, die den Wissensstand des Kunden und seine Risikobereitschaft berücksichtige.

Im Falle des Rentners kommt allerdings die Ausnahme zum Tragen: Wenn ein Kunde erkläre, auf solche Beratung verzichten zu wollen oder den Eindruck erwecke, termingeschäftserfahren zu sein. Aus den Unterlagen, so das Argument der Richter, gehe allerdings hervor, dass dieser bereits seit 1976 mit Wertpapieren umgegangen sei, später auch mit Optionsscheinen.
Dass der Kläger ein verrenteter Maurer mit einem Einkommen von 2.600 Mark sei und über kein nennenswertes Vermögen verfügt, stellte für das Gericht keine Rechtfertigung für eine Klage dar.

Und die Moral von der Geschicht'...

Auch wer sich als Profi gebärdet, ist vor Selbstüberschätzung nicht gefeit. Informieren Sie sich also lieber einmal zuviel als zuwenig über die Risiken von Wertpapier-Geschäften. Denken Sie an Stop-Loss-Order. Und sollten Sie ein neues Depot eröffnen und müssen Ihre Erfahrung bzw. Ihre Termin-Geschäftsfähigkeit offenlegen, vergessen Sie nicht, dass diese Angaben für die Bank bindend sind - auch rechtlich...

auf der Frauenfinanzseite gelesen !

mfg
gere1
Antworten
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