www.ftd.de/forschung_bildung/forschung/:Geldschmerz/223272.html
Hirnforscher aus London haben untersucht, warum finanzieller Verlust so wehtut. Das Ergebnis: Ob man Geld verbrennt oder seinen Finger an der Herdplatte, ist kein allzu großer Unterschied.
Weh tut es immer, wenn man etwas verloren hat. Als besonders schmerzlich empfinden die meisten Menschen einen finanziellen Verlust. Ob das schöne Geld nun weg ist, weil man sich bei Aktienkäufen verspekuliert hat oder weil sich eine teuer erworbene Lizenz nicht amortisieren will, immer bleibt ein mieses Gefühl zurück.
Wie schlimm dieses Empfinden wirklich ist, konnten nun britische Wissenschaftler zeigen: Das Gefühl des finanziellen Verlusts ist durchaus mit dem Leid gleichzusetzen, das durch körperlichen Schmerz ausgelöst wird. Der Grund: Beide Empfindungen werden größtenteils in derselben Hirnregion erzeugt und verarbeitet.
Schon seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts erkannten Ärzte und Forscher, dass das menschliche Gehirn in kleine Kammern aufgeteilt zu sein schien: Es stellte sich heraus, dass es zum Beispiel einen Hirnteil gibt, der nur für das Verständnis von Sprache zuständig ist, direkt daneben liegt eine Region, die nur für die Produktion von Sprache verantwortlich ist. Einige klar umgrenzte Hirnbereiche sorgen dafür, dass ein Mensch fürchterliche Angst hat, wiederum andere verarbeiten spezielle Sinnesreize wie Töne, Bilder oder Bauchgrummeln.
Nur kognitive Fähigkeiten, also solche, für die man Abstraktionsvermögen braucht, schienen nicht in das Muster zu passen: Sie ließen sich keiner bestimmten Hirnkammer zuordnen. Deshalb galt lange Zeit das Dogma: Solche intelligenten Regungen - zu denen auch das schlechte Gefühl nach einem finanziellen Verlust zählt - sind neurologisch nicht zu lokalisieren.
Seit einigen Jahren wird jedoch immer klarer, dass dies nicht stimmt. So gibt es im Gehirn Regionen, die das Gefühl seelischer Belohnung vermitteln können. Unter anderem das Striatum, das immer dann aktiv wird, wenn man sich in einer bestimmten Situation erfolgreich verhalten oder Gewinne gemacht hat. Der Hirnkern feuert aber auch, wenn man schmerzhaft etwas lernen musste, zum Beispiel, dass eine Herdplatte heiß ist.
Auch beim finanziellen Verlust spielt das Striatum eine große Rolle, wie Ben Seymour vom Wellcome Trust Centre for Neuroimaging in London und Tania Singer vom Londoner Institute of Cognitive Neuroscience herausfanden.
Lösungsansatz für Spielsüchtige?
Bei ihrer Untersuchung zeigten Singer und Seymour ihren Versuchspersonen zunächst verschiedene kleine Bildchen mitsamt einem dazugehörenden Geldbetrag. Wieder und wieder. So wurden die Testlinge regelrecht konditioniert: Sie wussten zum Schluss genau, welches abstrakte Zeichen 50 Pence und welches 1 Pfund wert war. Anschließend begann die frustrierende Testphase. Die Versuchspersonen bekamen die Bildchen erneut zu Gesicht, jedoch mit unterschiedlichen Folgen: Manchmal wurde ihnen der passende oder auch ein unpassender Geldbetrag geschenkt, manchmal bekamen sie nichts, im schlimmsten Fall wurde ihnen ein beliebiger Betrag wieder von ihrem Haben abgezogen. Während dieser Phase beobachteten Singer und Seymour die Gehirnaktivität ihrer Versuchspersonen mithilfe eines Kernspintomografen.
Lief die Sache überraschend gut für die Probanden, war der vordere Teil des Striatums sehr aktiv. Verloren sie jedoch Geld oder bekamen sie weniger als erwartet, feuerte der hintere Teil des Hirnkerns, der auch bei Schmerz eine Rolle spielt. Diese Erkenntnis mag Shareholdern, Unternehmern und Börsenmaklern zwar nicht helfen, kann sie aber vielleicht beruhigen. Doch Seymour hat ein anderes Ziel: "Wenn wir verstehen, wie genau die beiden Systeme im Striatum mit finanziellen Gewinnen und Verlusten umgehen, könnten wir möglicherweise auch erfahren, warum manche Leute spielsüchtig werden."
Hirnforscher aus London haben untersucht, warum finanzieller Verlust so wehtut. Das Ergebnis: Ob man Geld verbrennt oder seinen Finger an der Herdplatte, ist kein allzu großer Unterschied.
Weh tut es immer, wenn man etwas verloren hat. Als besonders schmerzlich empfinden die meisten Menschen einen finanziellen Verlust. Ob das schöne Geld nun weg ist, weil man sich bei Aktienkäufen verspekuliert hat oder weil sich eine teuer erworbene Lizenz nicht amortisieren will, immer bleibt ein mieses Gefühl zurück.
Wie schlimm dieses Empfinden wirklich ist, konnten nun britische Wissenschaftler zeigen: Das Gefühl des finanziellen Verlusts ist durchaus mit dem Leid gleichzusetzen, das durch körperlichen Schmerz ausgelöst wird. Der Grund: Beide Empfindungen werden größtenteils in derselben Hirnregion erzeugt und verarbeitet.
Schon seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts erkannten Ärzte und Forscher, dass das menschliche Gehirn in kleine Kammern aufgeteilt zu sein schien: Es stellte sich heraus, dass es zum Beispiel einen Hirnteil gibt, der nur für das Verständnis von Sprache zuständig ist, direkt daneben liegt eine Region, die nur für die Produktion von Sprache verantwortlich ist. Einige klar umgrenzte Hirnbereiche sorgen dafür, dass ein Mensch fürchterliche Angst hat, wiederum andere verarbeiten spezielle Sinnesreize wie Töne, Bilder oder Bauchgrummeln.
Nur kognitive Fähigkeiten, also solche, für die man Abstraktionsvermögen braucht, schienen nicht in das Muster zu passen: Sie ließen sich keiner bestimmten Hirnkammer zuordnen. Deshalb galt lange Zeit das Dogma: Solche intelligenten Regungen - zu denen auch das schlechte Gefühl nach einem finanziellen Verlust zählt - sind neurologisch nicht zu lokalisieren.
Seit einigen Jahren wird jedoch immer klarer, dass dies nicht stimmt. So gibt es im Gehirn Regionen, die das Gefühl seelischer Belohnung vermitteln können. Unter anderem das Striatum, das immer dann aktiv wird, wenn man sich in einer bestimmten Situation erfolgreich verhalten oder Gewinne gemacht hat. Der Hirnkern feuert aber auch, wenn man schmerzhaft etwas lernen musste, zum Beispiel, dass eine Herdplatte heiß ist.
Auch beim finanziellen Verlust spielt das Striatum eine große Rolle, wie Ben Seymour vom Wellcome Trust Centre for Neuroimaging in London und Tania Singer vom Londoner Institute of Cognitive Neuroscience herausfanden.
Lösungsansatz für Spielsüchtige?
Bei ihrer Untersuchung zeigten Singer und Seymour ihren Versuchspersonen zunächst verschiedene kleine Bildchen mitsamt einem dazugehörenden Geldbetrag. Wieder und wieder. So wurden die Testlinge regelrecht konditioniert: Sie wussten zum Schluss genau, welches abstrakte Zeichen 50 Pence und welches 1 Pfund wert war. Anschließend begann die frustrierende Testphase. Die Versuchspersonen bekamen die Bildchen erneut zu Gesicht, jedoch mit unterschiedlichen Folgen: Manchmal wurde ihnen der passende oder auch ein unpassender Geldbetrag geschenkt, manchmal bekamen sie nichts, im schlimmsten Fall wurde ihnen ein beliebiger Betrag wieder von ihrem Haben abgezogen. Während dieser Phase beobachteten Singer und Seymour die Gehirnaktivität ihrer Versuchspersonen mithilfe eines Kernspintomografen.
Lief die Sache überraschend gut für die Probanden, war der vordere Teil des Striatums sehr aktiv. Verloren sie jedoch Geld oder bekamen sie weniger als erwartet, feuerte der hintere Teil des Hirnkerns, der auch bei Schmerz eine Rolle spielt. Diese Erkenntnis mag Shareholdern, Unternehmern und Börsenmaklern zwar nicht helfen, kann sie aber vielleicht beruhigen. Doch Seymour hat ein anderes Ziel: "Wenn wir verstehen, wie genau die beiden Systeme im Striatum mit finanziellen Gewinnen und Verlusten umgehen, könnten wir möglicherweise auch erfahren, warum manche Leute spielsüchtig werden."