DAX Schlussbericht: Blue-Chips schließen mit deutlichen Abschlägen
28.08.2002 20:23:00
Die deutschen Standardwerte haben bereits am Vormittag des Mittwoch-Handel die negative Tendenz der US-Börsen vom Vortag aufgegriffen und bis zum Handelsschluss beibehalten. Unterstützt wurde der pessimistische Trend durch die schwachen Ifo-Konjunkturdaten und die US-Märkte, die den deutschen Blue-Chips keine positiven Signale geben konnten.
Schlussstände:
DAX 30: 3.707 (-3,7%)
MDAX: 3.423 (-1,3%)
Tops des Tages: Linde, Schering, MAN, Infneon, ThyssenKrupp
Flops des Tages: Münchener Rück, TUI, Allianz, SAP, Metro
Konjunkturmeldungen des Tages:
Das bedeutende deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) gab seinen an den Finanzmärkten viel beachteten Ifo-Geschäftsklimaindex für August 2002 bekannt. In Westdeutschland sank der Index auf 88,8 Punkte, nach 89,9 im Juli und 89.3 Punkte im August 2001. Damit hat sich der Index zum dritten Mal in Folge verschlechtert und signalisiert, dass der Aufschwung zumindest vorübergehend unterbrochen sein könnte. Die über 7.000 befragten Unternehmen beurteilten vor allem die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate pessimistisch. Der entsprechende Index fiel von 102,4 Zählern im Juli auf 100,8 Zähler, insbesondere aufgrund der Verschlechterung im verarbeitenden Gewerbe. Weiterhin sank der Index für die Bewertung der aktuellen Geschäftslage auf 77,3 Punkte, nach revidiert 77,9 im Juli und 83,0 im August 2001. In Ostdeutschland ging der Geschäftsklimaindex auf 99,1 Zähler zurück, gegenüber einem Vormonatsstand von 99,6 Zählern. Im Vorjahresmonat wurde noch ein Indexwert von 101,2 Punkten gemeldet. Der Rückgang resultiert auch hier vorwiegend aus der ungünstigeren Entwicklung in der Industrie. Der Index der Geschäftserwartungen stieg auf 83,6 Zähler im Berichtsmonat, nach 85,7 im Juli und 82,7 Zähler im August 2001. Die Bewertung der Geschäftslage legte auf 115,4 Punkte zu, gegenüber 114,1 im Juli und 121,0 Punkten im August 2001.
Das Bundesjustizministerium und das Bundeswirtschaftministerium stellten einen Zehn-Punkte-Plan zur Stärkung des Verbraucher- und Anlegerschutzes vor, um das Vertrauen in die Unternehmensintegrität zu verbessern. Die Regierung reagiert damit auf die steigende Zahl von Bilanzskandalen, insbesondere in den USA. Der Plan sieht vor, dass Vorstandsmitglieder künftig für Informationen persönlich haften und zur Rückzahlung von Vergütungen, die auf gefälschten Bilanzen basieren, verpflichtet werden. Weiterhin sollen Jahresabschlüsse und Wirtschaftsprüfer strenger kontrolliert werden.
Nachrichten des Tages:
Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat die von Kleinaktionären eingereichte Klage gegen eine Kapitalerhöhung des Finanzdienstleisters MLP zurückgewiesen und auch eine Revision beim Bundesgerichtshof nicht zugelassen. Damit scheiterte die Anfechtungsklage der Anteilseigner Cosmos Vermögensverwaltung GmbH und Anneliese Hiecke auch in zweiter Instanz. Das Gericht entschied, dass die Zustimmung der Hauptversammlung gültig ist und dass seitens MLP keine Verletzung der Informationspflichten vorliege. Die beiden Großaktionäre, der Vorstandschef Bernhard Termühlen und der Aufsichtsratschef Manfred Lautenschläger, hatten Beteiligungen von vier Tochter-Gesellschaften in Aktien der Holding umgetauscht und ihre Beteiligung an der Holding damit auf etwa 47,0 Prozent erhöht. Das Gericht wies auch Vorwürfe einer überhöhten Bewertung der Tochter-Unternehmen zurück und entschied, dass die Bewertung internationalen Standards gerecht wird.
Die Bayer HealthCare Division Biologische Produkte (BP) beantragte für ihr intravenöses Immunglobulin-Präparat (IGIV) Gamunex die Marktzulassung in den USA, Kanada und Deutschland. Diese neue Reinigungsmethode - ein Caprylat/Chromatographie-Verfahren - verbessert die Produktreinheit und Lieferzuverlässigkeit. Das Arzneimittel kommt bei Immunschwäche und Knochenmarktransplantationen zum Einsatz. Die Division Biologische Produkte arbeitet auch in weiteren europäischen Ländern und in anderen Teilen der Welt an der Zulassung von Gamunex. Das Produkt wurde in sieben klinische Studien an über 350 Patienten getestet.
Wie die Tageszeitung Die Welt berichtet, soll der Rüstungskonzern Rheinmetall unmittelbar vor dem Verkauf einer Tochter stehen, die den zweifachen Jahresumsatz einbringen würde. Zudem könnten sich die Düsseldorfer bald dazu entschließen, ihre Vorzugsaktien in Stämme zu tauschen, so das Blatt. Durch diese Maßnahme dürfte der Platz im MDax gefestigt werden. Darüber hinaus werde auf dem Parkett darauf spekuliert, dass Rheinmetall bei einem Regierungswechsel zu den größten Profiteuren gehören würde.
Siemens Business Services (SBS) hat von der KSB AG einen Großauftrag für die Bereitstellung von IT-Dienstleistungen erhalten. Für 50 Mio. Euro wird SBS über mehrere Jahre hinweg Hard- und Software von KSB betreuen und betreiben. Die Siemens-IT-Tochter festigt damit ihre Position als viertgrößter Anbieter für IT-Outsourcing in Europa. KSB ist mit rund 12.800 Mitarbeitern als Hersteller von Pumpen und Armaturen für in-dustrielle Anwendungen international tätig.
Der Axel Springer Verlag hat im ersten Halbjahr des aktuellen Geschäftsjahres einen Überschuss nach Steuern und Abschreibungen von 72 Mio. Euro erwirtschaftet. Im Vorjahreszeitraum waren es lediglich 14 Mio. Euro. Das operative Konzernergebnis stieg um 8 Mio. Euro auf 42 Mio. Euro an. Der Gesamtumsatz des Axel Springer Verlages betrug im ersten Halbjahr 2002 1,368 Mrd. Euro und lag damit 60 Mio. Euro unter dem Vorjahreswert. Aufgrund der ergriffenen Kostensenkungsmaßnahmen rechnet der Vorstand für das Gesamtjahr 2002 mit einem positiven Ergebnis, sofern sich die Konjunktur nicht weiter verschlechtert. "Die Stabilisierung der Ertragslage belegt, dass die konsequent durchgesetzten Restrukturierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen erste Wirkungen zeigen. Gleichzeitig hat der Konzern durch die Weiterentwicklung des substanzstarken Kerngeschäfts und die Erschließung neuer Erlöspotenziale seine Marktposition im In- und Ausland gestärkt. Das schwierige Marktumfeld fordert dem Unternehmen allerdings auch weiterhin ein diszipliniertes Kostenmanagement ab", sagte Dr. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer Verlag AG.
Der Salzgitter-Konzern gab heute die Zahlen des ersten Halbjahres des Geschäftsjahres 2002 bekannt. Der Konzern erzielte im ersten Halbjahr 2002 einen Außenumsatz von 2,4 Mrd. Euro. Dies entspricht einer Steigerung von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Umsatz im Bereich Stahl belief sich auf 748 Mio. Euro nach 774 Mio. Euro im Vorjahr. Der Umsatz im Bereich Röhren lag bei 583 Mio. Euro nach 490 Mio. Euro im Vorjahr. Der Periodenüberschuss erreichte 49 Mio. Euro nach 71 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn vor Steuern betrug 50 Mio. Euro nach 84 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Im Konzernergebnis sind nicht-operative Ergebnisbestandteile in Höhe von rund 7 Mio. Euro enthalten, die sich als Saldo aus Erträgen vom Verkauf von Beteiligungen sowie aus Rückstellungsauflösungen und -bildungen ergeben. Trotz der unsicheren gesamtwirtschaftlichen Lage sieht die Salzgitter AG derzeit keinen Anlass, die für das Geschäftsjahr 2002 publizierte Prognose eines Konzerngewinns vor Steuern von rund 90 Mio. Euro bzw. 1,20 Euro Gewinn pro Aktie zu korrigieren.
Die britische Aufsichtsbehörde Postcomm hat der Deutschen Post eine Lizenz für die Beförderung von 40 Millionen Briefen im Jahr erteilt. Damit ist dem Bonner Unternehmen der Einstieg in den britischen Briefmarkt gelungen. Bislang sind die Deutschen auf dem britischen Paketmarkt über die Securior Omega Express vertreten. In diesem Zusammenhang wurde weiter bekannt, dass zunächst eine Testphase erfolgen soll. Diese soll der Entscheidung dienen, ob die Post in Zukunft über Töchter in Großbritannien agieren werde oder ob Zukäufe von Unternehmen für die Briefbeförderung getätigt werden. Vor dem Hintergrund der anstehenden Liberalisierung im europäischen Briefgeschäft, ist dies ein weiterer strategischer Schritt, um die internationale Marktposition auszubauen. So wurde von den Bonnern Anfang Juli in den Niederlanden mit der Wegener NV ein Gemeinschaftsunternehmen für die adressierte Briefzustellung gegründet. Ein Sprecher der Deutschen Post gab darüber hinaus bekannt, dass in den Verwaltungen der bundesweit 33 Frachtzentren 200 bis 300 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen.
Ratings des Tages:
TUI – Hold, Credit Suisse First Boston
TUI – Marketperformer, Merck Finck & Co
Degussa – Hold, Merck Finck & Co
FMC – Marketperformer, Merck Finck & Co
Siemens – Outperformer, Merck Finck & Co
Lufthansa – Outperformer, Merck Finck & Co
Deutsche Telekom – Marketperformer, Merck Finck & Co
Bayer – Underperformer, Merck Finck & Co
Münchener Rück. – Übergewichten, Independent Research
Linde – Marketperformer, LB Baden-Württemberg
Münchener Rück. – Übergewichten, Helaba Trust
TUI – Untergewichten, Helaba Trust
SAP - Widerstandsbereich schwer zu überwinden, M.M. Warburg
Siemens – Underweight, Lehman Brothers