Gefährliche Indizien


Thema
abonnieren
Beitrag: 1
Zugriffe: 717 / Heute: 1
daxbunny:

Gefährliche Indizien

8
08.12.05 18:44
Gefährliche Indizien

von Jochen Steffens

Mir gefällt immer weniger, was ich im Moment in den Charts sehe. Eine kritische Zeit. Aber das ist typisch vor so wichtigen Terminen wie einer Fedsitzung. Die Charts spiegeln die Unsicherheit der Märkte, der Investoren – mehr nicht. Vor solchen Ereignissen zeigen die Charts immer wieder ein ähnliches unentschlossenes Bild.

Da ich noch nicht so richtig wieder eingestiegen bin, sagt mir auch mein Gefühl Widersprüchliches.

Immer noch ist es möglich, dass die Märkte scharf drehen und nach oben ausbrechen! Dow über 11.000 Punkte wäre dafür ein deutliches Signal. Eigentlich ist das auch mein favorisiertes Szenario.

Allerdings muss ich mir darüber bewusst sein, dass dieser Eindruck noch aus der bullishen Grundstimmung heraus resultiert, die ich vor meinem Zwangsurlaub hatte. Das lässt mich ein wenig unsicher werden.

Es ist übrigens immer wieder die gleiche Erfahrung, die ich nach längeren Pausen mache. Es braucht mehrer Tage bis eine Woche, bis man wieder im Börsenfluss ist und mitschwimmen kann.

Deswegen will ich Ihnen auch nichts vormachen, sondern Sie an meinen momentanen etwas widersprüchlichen, charttechnischen Gedanken teilhaben lassen:

Der Nasdaq100 Chart

Der Nasdaq100 befindet sich an der oberen Linie seines Aufwärtskanals

Chart:

Nasdaq-Keil

Normalerweise wäre ein punktgenaues Testen der oberen Linie mit folgendem Abverkauf ein erster Hinweis darauf gewesen, dass diese Trendlinien nicht überwunden wird. In diesem Fall jedoch hat der Nasdaq100 nicht ganz diese Trendlinie erreicht, also schon vorher gedreht. Das ist in 55 von 100 Fällen ein erstes Indiz für einen Bruch nach oben. Nur eine Prognosesicherheit von 55 % reicht nicht aus, um Gewinne zu machen. Schließlich kann es auch genauso ein Zeichen der Schwäche sein, dass der obere Trend nicht erreicht wurde.

Doch es gibt ein zweites Indiz: Der Nasdaq100 zeigt eine leichte Tendenz zu einer keilförmigen Entwicklung, das heißt die untere Trendlinie ist steiler als die obere. Diese Keilformation ist deswegen leicht bearish zu werten, weil sie nur dann entsteht, wenn die Hochs die Dynamik der Tiefs nicht mehr mitmachen.

Börsenpsychologisch hat das folgende Bewandtnis: Die Bereitschaft der Anleger nach Kurseinbrüchen bei immer "höheren Kursen" einzusteigen ist nach wie vor vorhanden und bullish zu werten (So entstehen immer deutlich höhere Bewegunstiefs).

Allerdings sinkt die Bereitschaft der Anleger bei bereits stärker gestiegenen Kursen noch einzusteigen. Das ist ein deutliches Zeichen von Skepsis bei den bullish orientierten Anleger. So kommt es, dass die Linie, die durch die Bewegungshochs geht, flacher ausfällt und so entsteht diese Keilform. Diese Skepsis der bullishen Anleger ist es also, die nach oben gerichtete Keilen ein eher bearishen Gesamteindruck verpassen.

Aber, der Keil ist bei weitem nicht ausgeprägt genug, die beiden Linien laufen noch zu parallel, um eine eindeutigere Aussage zu treffen. Mit einem dynamischen neuen Hoch, wäre dieser Keil damit hinfällig.

In solchen Fällen bleibt dem verunsicherten Charttechniker nichts anderes übrig, als die anderen Indizes zu Hilfe nehmen. Der Dow ist nach dem Ausbruch aus einem Trendkanal nach oben, wieder in diesen hereingelaufen. Da die obere Trendlinie nicht eindeutig ist auch hier kein eindeutiges Bild.

Der Dax-Chart

Und der Dax? Den Dax Chart hatte ich Ihnen schon vor einiger Zeit zugesandt, hier nun, wie er sich seitdem entwickelt hat:

Daxtrend

Wir befinden uns in einem klar definierten Aufwärtstrend (wiedereinmal so wie ich ihn sehe). Eigentlich hat der Dax in diesem noch mindestens Platz bis zur oberen Linie. Soweit muss man davon ausgehen, dass er diese Trendlinie auch erreicht. So kann die aktuelle Konsolidierung natürlich ein einfacher Versuch sein, das letzte Hoch bei 5140 Punkten zu testen und jederzeit nach oben aufgelöst werden.

Sollte jedoch diese 5140 Punkte Marke nachhaltig und deutlich nach unten gebrochen werden, wird es bearisher. Ebenfalls wäre, wie im Nasdaq100, ein Hoch nicht mehr dynamisch genug. Man müsste dann mindestens mit einer längeren Konsolidierung oder sogar mit einem Trendbruch nach unten rechnen.

Fazit:

Ich werde immer vorsichtig, wenn gleich zwei meiner beobachteten Indizes an der oberen Linie ihrer Trends notieren. Denn das Chancen/Risiko Verhältnis für steigende Kurse sinkt hier von Punkt zu Punkt. Das sind Zeiten, in denen blinder Aktionismus wenig Sinn macht und der Anleger Geduld zeigen muss, wie sich der Markt weiter entwickelt.

Doch Trends sind keine starren Gebilde sondern lediglich eine Aufnahme der "vergangenen" Dynamik der Gier der Anleger. Das bedeutet, ein Trend kann jederzeit nach oben, wie nach unten ausbrechen. Gerade wenn man in eine Übertreibungsphase einschwenkt, sind solche Trendbrüche nach oben fast schon ein notwendiges Kriterium.

Es bleibt, wie oben bereits erwähnt, unentschlossen. Die Fed-Sitzung wird aller Voraussicht nach die entscheidenden Impulse geben.

Die Zeit bis dahin kann als Parameter genutzt werden. Steigen die Märkte, muss dies als Zeichen für die innere Stärke des Marktes gewertet werden.

Zu den Bärenmarken:

Erste bearishe Signale generiert der Dax unter 5140, deutlich bearisher würde es unter 5000. Unter ca. 4750 müsste man langsam die fundamentalen Hintergründe abklopfen, ob nicht ein Trendbruch bevorsteht.

Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--