Gedanken zur Weltkonferenz in Südafrika


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FranzS:

Gedanken zur Weltkonferenz in Südafrika

 
06.09.02 08:56
Je größer die Konferenz, desto kleiner das Ergebnis. Im südafrikanischen Johannesburg, auf der Weltkonferenz für nachhaltige Entwicklung - sie soll die Ausplünderung des Globus, Hunger, Armut, Elend stoppen - aßen gewaltige Mengen von Delegierten gewaltige Mengen von Hummer, Kaviar, sonstigen feinen Sachen. Davon abgesehen lief die Konferenz ins Nichts.

Wie alle derartigen Konferenzen bisher. Die reichen Länder sträuben sich gegen jeden wirksamen Schutz unseres Planeten, voran die USA. Sie sind die größten Umweltverschmutzer. Ein Bruchteil der Weltbevölkerung bläst den meisten Dreck in die Atmosphäre. Und denkt nicht daran, sich zu ändern. Militärausgaben der USA: eine Milliarde Dollar. Pro Tag.

Vor zehn Jahren fand die Mega-Konferenz der UNO für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro statt. Bericht "Geo 2002" der UN-Umweltbehörde (UNEP): Hunger und Armut dauern fort, ebenso das gnadenlose Artensterben von Tieren und Pflanzen und die menschengemachte Klimaverschlechterung, Unwetterkatastrophen, Wachsen der Wüsten, knappes Trinkwasser, leergefischte Meere.

"Weltentwicklungsbericht 2003" der Weltbank: Die Kluft zwischen den 20 reichsten und 20 ärmsten Ländern der Erde hat sich seit 1970 verdoppelt. Es gibt aber auch Fortschritt: Zugleich mit der Armut wächst der Reichtum. "Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer" - mit unübertroffener Genauigkeit stimmt er immer noch, dieser Satz des Papstes (des letzten mutigen Sozialisten).

Verglichen mit der kriminellen Untätigkeit der Regierungen verdienen die Bemühungen Einzelner und der von ihnen geschaffenen Einrichtungen desto größere Bewunderung und Hilfe. Dass die Schuld der reichen Länder zum Himmel schreit, darf uns nicht abhalten, das Unsere zu tun; im Gegenteil, es muss uns Ansporn sein zur menschenmöglichen Hilfe.

Vor mir ein Brief von Karlheinz Böhm. Er war ein fescher Filmstar. Jetzt hilft er Tausenden von Menschen in Äthiopien, einem der allerärmsten Länder des Globus. Hilft seit über zwanzig Jahren, hat sein ganzes Leben total verändert mit dem Ziel des Helfens gegen Hunger, Armut, Elend.

Karlheinz Böhm hat eine Kehrtwendung seines Daseins geschafft. Ich habe vor ihm und allen, die auf dem gleichen Weg des Helfens sind, die größte Hochachtung. Und die größte Wut über die heuchlerische Moralität all jener Regierungen, die massenhaft Delegierte auf immer neue Weltkonferenzen schicken, aber unfähig sind zu wirklicher Hilfe.

"Menschen für Menschen" nennt Karlheinz Böhm seine Äthiopienhilfe. Aus seiner Bilanz: 728 Wasserstellen errichtet, 30 größere Bewässerungsanlagen; 58 Schulen, Berufsbildungszentren, dazu ein Kinder- und Jugendheim; 194 Getreidemühlen, 14 Veterinärstationen, 39 Millionen Baumsetzlinge. Ebenso aktiv wie er ist seine äthiopische Ehefrau Almaz.

"Es wird lange dauern", schreibt mir Karlheinz Böhm aus Addis Abeba, "bis die Politiker und Wirtschaftslenker der reichen Industrieländer begreifen..." - Er ist also Optimist. Er glaubt, dass sie eines Tages begreifen werden.



Verfasser:
Günther Nenning, 4.9.02

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