Die Declineraten sind keine Überraschung, natürlich ist das bei Reserven berücksichtigt. Fracking läuft anders als konventionelle Förderung. Es ist dezentraler. Ein Feld geht zu Neige und 1 neues wird angegangen. Und von diesen neuen gibt es sehr sehr viele. Niemand zielte darauf ab, viele Jahre hohe Förderung bei EINEM Feld zu erreichen. Beim Ölfracking (Kosten 49$ pro Barrel) ist das nicht anders. Die Investitionen sind kurzlebiger, dafür gibt es die Cashflows sehr schnell, die Armotisierungsdauer ist extrem viel kürzer. Im Gegenzug muss nunmal stetig investiert werden. Ölfracking ist hochprofitabel. Gasfracking ist derzeit nicht profitabel, teilweise gerade noch so, es liegt an der Schwelle. In den letzten Wochen ist der Henry Hub auf 4,2$ gestiegen, das bringt viele Projekte wieder in den grünen Bereich. Langfristig braucht es natürlich höhere Preise. Es geht ja nicht darum: 3,5$ oder >10(Europa)/>18(Asien). Wenn der Preis sich auf nur 6$ erhöhen würde, wäre ja für die Produzenten alles im grünen Bereich. 6$ wären immernoch mehr als 40% niedriger als in Europa.
Dazu ein 2. Aspekt: Gas ist bei Ölfracking oft Nebenprodukt. Und Ölfracking ist, wie gesagt, sehr profitabel und wird sogar derzeit effizienter (new well production per rig). 55% der new wells sind Öl+Gas. Ausschließlich Gas und ausschließlich Öl kommen zusammen gerade mal auf 45%. Öl+Gas Fracking boomt. Die Erdgasproduktion wird ganz von alleine dadurch hochgehalten, weil die Produzenten an das Öl wollen.
Der 3. Aspekt:
LNG Exportterminals werden Gasangebot aus dem US Markt nehmen (um es nach Asien zu exportieren). Dabei entstehen zwar zusätzliche Kosten, aber bei einem Preis in Asien von fast 20$ ist das trotzdem sehr profitabel. Gleichzeitig rüsten Logistiker LKWs auf Erdgasantrieb um. Sogar eine GTL (Gas zu gewöhnlich nutzbarem Diesel)Anlage wird gebaut. Das heißt: die US Nachfrage nach Gas wird zunehmen. Das Ressourcenglück wird stärker als bisher ausgenutzt und ersetzt Öl teilweise bzw. führt zu Exporten. Das bringt die Preise langfristig wieder hoch, aber eben auch nicht ansatzweise auf europäische oder asiatische Niveaus. Wie das langfristig aussehen könnte, sieht man hier:
www.finanzen.net/rohstoffe/...s-Preis-Natural-Gas/ForwardCurve
Fazit: Gas wird in den USA nicht ewig so günstig bleiben wie derzeit, aber es wird für sehr lange Zeit massiv günstiger sein als in Europa und Asien.
Die Effizienzgewinne beim Ölfracking erhöhen auch die Wkeit, dass andere Staaten Öl+Gas (kombiniert mit Ziel=Öl) Fracking in großem Maßstab angehen. Argentinien und Mexiko, beide mit hohen Vorkommen, haben z.b. schon beschlossen US Konzerne ins Land zu lassen um eben genau das anzugehen.
Gleichzeitig steigt aber auch die Gasnachfrage sehr schnell. Gazprom wird schon weiterhin gute Preise verlangen können.