Frühlingsboten an der Nasdaq

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Frühlingsboten an der Nasdaq

 
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ftd.de, Fr, 22.3.2002, 7:20 www.ftd.de/nasdaq100
Frühlingsboten an der Nasdaq
Von Sven Scheffler

Der Technologiebörse trauen viele Experten einen anhaltenden Aufschwung zu. Ein Blick auf den Nasdaq 100.

 

Der Nasdaq-100-Index auf dem Prüfstand


Auch wenn der Offenmarktausschuss der US Notenbank Federal Reserve auf seiner jüngsten Sitzung am 19. März für einige Verwirrung bei den Anlegern gesorgt hat, die Zeichen sind unübersehbar: Der Optimismus ist an die Börsen zurückgekehrt. Tobias Levkovich von Salomon Smith Barney bringt es auf den Punkt: "Die Märkte haben das Schlimmste hinter sich."

Zahlreiche Indikatoren stützen die Zuversicht der Macher. So hatten in der vergangenen Woche der Index zum US-Verbrauchervertrauen und die US-Industrieproduktion die Prognosen deutlich geschlagen. Das Verbrauchervertrauen erklomm mit einem Anstieg auf 95 Punkte ein 15-Monats-Hoch.



Wachstum statt Sicherheit


Vor allem der Technologiebörse Nasdaq trauen viele Experten einen anhaltenden Aufschwung zu. Grund: Viele Anleger hätten während der Rezession in defensiven Titeln einen "sicheren Hafen" gesucht. Den verlassen sie nun, da sie wieder Wachstum im Technologiesektor erwarten. Auch Daueroptimistin Abbey Cohen von Goldman Sachs reiht sich in den Chor ein: "Die jüngsten Wirtschaftsdaten deuten nicht nur auf eine Bodenbildung der Konjunktur, sondern auch auf das Ende der lausigen Quartalszahlen hin."


Die Frühlingsboten wecken die eine Aktie mehr, die andere weniger. Um das Absturzrisiko oder das Aufwärtspotenzial der 100 wichtigsten Nasdaq-Unternehmen abzuschätzen, wurden alle Aktien des Nasdaq 100 einem Bewertungscheck unterzogen. Dabei standen vier Fragen im Mittelpunkt: Ist der aktuelle Aktienkurs durch künftige Gewinne und Wachstum gerechtfertigt? Wie substanzstark ist das Unternehmen im Vergleich zur Marktkapitalisierung? Wie schwankungsanfällig ist die Aktie? Und welche Qualität besitzt das Management?


Die erste zu überspringende Hürde stellt das dynamische Kurs-Gewinn-Verhältnis dar, im angelsächsischen Finanzjargon auch Price-Earning-Growth (PEG) genannt. Dabei wird das KGV des laufenden Geschäftsjahres durch das Gewinnwachstum des Unternehmens geteilt. Je niedriger das Ergebnis, desto günstiger ist die Aktie bewertet. Werte gleich oder kleiner als eins werden mit einem Punkt belohnt. Bereits an dieser Hürde scheitern namhafte Unternehmen. Etwa der Softwaregigant Microsoft mit einem dynamischen KGV von 2,1. Vorbildlich zeigt sich hier die junge Pharmafirma Andrx - von dem US-Magazin Forbes im letzten Jahr auf Rang vier der wachstumsstärksten Unternehmen gesetzt. Mit einem PEG von 0,4 setzt Andrx Maßstäbe. Punktabzug hingegen gibt es, wenn in 2002 ein Verlust zu erwarten ist.



Kursbuchwert-Verhältnis


In der zweiten Disziplin steht der Aktienkurs in Relation zur Unternehmenssubstanz auf dem Prüfstand. Das Kursbuchwert-Verhältnis (KBV) ergibt sich, indem die Marktkapitalisierung in Relation zum bilanzierten Buchwert gesetzt wird. Liegt das Ergebnis bei eins oder darunter, wird an der Börse nicht mehr bezahlt, als in der Bilanz ausgewiesen. Je höher diese Kennziffer, desto gewagter ist schon die aktuelle Bewertung. In der Diagnose gibt es einen Punkt für ein KBV von zwei oder weniger, Punktabzug für fünf oder mehr.


Drittes Kriterium im Vierkampf ist die Schwankungsanfälligkeit der Aktie. Einige Unternehmen neigen zu extremen Ausschlägen: So etwa der Glasfaser- und Netzwerkhersteller PMC Sierra . Bei steigendem Markt legen deren Papiere überdurchschnittlich zu, fällt er, sinken die Titel ins Bodenlose. Das Kriterium hierfür ist der so genannte Betafaktor. Eine eins bedeutet, dass sich die Aktie marktkonform bewegt. Ist der Wert kleiner, schwankt sie weniger, ist sie größer, schwankt sie mehr. Berücksichtigt werden dabei die vergangenen 250 Handelstage. Einen Punkt gibt es für ein Beta von eins oder kleiner, Punktabzug für ein Beta größer 1,4.


Schlusspunkt stellt die Qualität des Managements dar. Anders als bei den vorangegangenen Faktoren ein Kriterium, dass sich nicht mit harten Zahlen und Fakten untermauern lässt. Wesentliches Kriterium ist hier die Prognosesicherheit bei den vergangenen Quartalsergebnissen. So hatte der Mobilfunkanbieter Nextel monatelang gute Stimmung verbreitet, um dann im vergangenen Jahr eine Serie von Gewinnwarnungen abzufeuern. Pro Mitarbeiter macht der Telekommunikationsanbieter stolze 75.000 $ Miese im Jahr.



Gute Noten für Worldcom


Anders der Konkurrent Worldcom: Den Konjunktursorgen zum Trotz steigerte die Telefongesellschaft das Ergebnis des 4. Quartals um sieben Prozent - zur Überraschung der Analysten. Jeder der 59.000 Mitarbeiter bei Worldcom erwirtschaftet einen Gewinn von 31.200 $. Bei solch beeindruckender Performance ist es nicht verwunderlich, dass Worldcom die FTD-Analyse unbeschadet übersteht und in allen Diagnosefeldern gepunktet hat - als einziges der 100 Nasdaq-Unternehmen. Vor allem im Vergleich zum bilanzierten Buchwert erscheint die Aktie als besonders günstig. Das KBV beträgt gerade 0,4. Anders ausgedrückt bedeutet das, dass Anleger für ein Ein Buchwert nur 40 Cents an der Börse bezahlen müssen.


Eine hier zu Lande nahezu unbekannte Firma folgt mit drei Punkten: Das Pharma-Management-Unternehmen Express Scripts. Einzig beim KBV gab es für die Costcutter im Gesundheitswesen keinen Punkt. Kein Wunder: Express Scripts hat nur wenig Anlage- und Umlaufvermögen. Der Wert des Unternehmens steckt in den Köpfen der Mitarbeiter - und der steht nicht in der Bilanz.


Viele der Großen wie etwa Börsenstar Ebay oder Microsoft versauern im Mittelfeld: Sie sind gemessen an den Wachstumsaussichten bereits äußerst ambitioniert bewertet. Bei manchen kann dem Börsenfrühling schnell ein böses Erwachen folgen: Etwa beim Portalanbieter Yahoo . Auch der Amtsantritt von Hollywoodmacher Terry Semel hat dem Papier keinen Auftrieb gegeben. Die Frage "Do you Yahoo?" werden immer mehr Anleger verneinen.


Dennoch kann die Negativliste nicht einfach als Verkaufsliste gesehen werden. Wird der gesamte Markt von einem Frühlingsboom erfasst, steckt auch hier viel Potenzial. Das hohe PEG etwa bei Yahoo oder die ambitionierte Bewertung von Ericsson untermauern eine alte Börsenregel: Gekauft wird nicht was gut ist, sondern was in ist.



© 2002 Financial Times Deutschland , © Illustration:  FTD



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