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jack303:

FrühaufsteherAktienmärkte weiter ohne Orientierung

 
01.07.02 08:32
Frühaufsteher
Aktienmärkte weiter ohne Orientierung erwartet

1. Juli 2002


Dax auf Richtungssuche

In einer an wichtigen Unternehmensterminen armen Berichtswoche stellen sich Händler auf einen schleppenden Geschäftsgang an. Die Börse müsse nach schwachen ersten sechs Monaten erst einmal ausloten, welche Richtung sie im zweiten Halbjahr einschlagen wolle, heißt es. Die uneinheitlichen Vorgaben von der Wall Street würden dabei nicht gerade zu einer Erhellung der Ausgangslage beitragen. Doch da der dortige Markt am Freitag verglichen mit der Notiz zum hiesigen Börsenschluss noch verloren habe, sei am Montag eher mit einem verhaltenen Abgabedruck zu rechnen.

Rentenmarkt seitwärts gesehen

Das Geschehen am deutschen Rentenmarkt dürfte weiterhin wesentlich von der Entwicklung an den Aktienmärkten geprägt bleiben. Die Notierungen beim Bund-Future werden dabei als Spiegelbild zum Dax gesehen. Im weiteren Wochenverlauf komme es dann aber immer mehr auf die neuen Konjunkturdaten an, meinen Marktteilnehmer. Besonders die am Freitag erwarteten US-Arbeitsmarktzahlen könnten für Bewegung sorgen, so das Urteil. Zur Erinnerung: Am Freitag war der Bund-Future um 17 Basispunkte auf 107,44 Prozent gesunken.

Euro wieder mit Anlauf Richtung Parität

Der Euro scheint am Montagmorgen gegenüber dem Dollar einen erneuten Angriff auf die Parität starten zu wollen. Trotz des Schusses vor den Bug am Freitag in Form von Notenbankinterventionen notiert die europäische Einheitswährung gegen 7.30 Uhr bei 0,9945 Dollar nach 0,9914 Dollar am späten Freitagabend. Gegenüber dem Yen verliert der Dollar leicht auf 119,45 Yen nach 119,57 Yen. Die Bilanzskandale und die damit verbundene Sorge eines Abzugs von Anlagekapital aus den USA halte den Dollar unter Druck, heißt es. Ob der Euro allerdings schon bald die Parität wird knacken können, sei wegen der symbolischen Bedeutung dieser Marke noch unsicher. Vermutlich sei mit einem anhaltenden Kampf um dieses Kursniveau zu rechnen.

Börse in Japan uneinheitlich

Der besser als erwartet ausgefallene Tankan-Stimmungsbericht zur japanischen Wirtschaft hat am Montag an der Tokioter Börse den Aktienkursen vieler Unternehmen im Handelsverlauf Auftrieb verliehen. Technologiewerte und Papiere exportorientierter Konzerne standen hingegen Händlern zufolge wegen der Sorgen um die US-Konjunktur und des schwachen Dollar zum Yen unter Druck. Der marktbreite Topix-Index, zu dem Branchen wie Banken, Bau, Stahl und Immobilien zählen, legte im Handelsverlauf um 0,38 Prozent auf 1.028,74 Punkte zu. Der Nikkei-Index, der zahlreiche Technologie-Titel umfasst, fiel um 0,1 Prozent auf 10.610,94 Zähler.

Aktienmarkt in Hongkong geschlossen

Auf Grund des Feiertags „Gründung der Sonderverwaltungszone“ in Hongkong bleiben am Montag Börsen, Banken und Behörden geschlossen.

Xerox deutlich erholt im nachbörslichen Handel

Deutlich erholt notierten Xerox im nachbörslichen Handel in den USA am Freitag. Das Unternehmen hatte am späten Freitag die Umsätze für 1997 bis 2001 neu ausgewiesen und für 2002 eine Rückkehr in die Gewinnzone angekündigt. Der Aktienkurs kletterte darauf nachbörslich um 15,8 Prozent auf 6,95 Dollar, nachdem er im regulären Handel 25 Prozent auf sechs Dollar verloren hatten. RealNetworks verbilligten sich nach ihren Gewinnen im regulären Handelsverlauf dagegen wieder etwas. Nach einem Anstieg um 16,3 Prozent auf 4,07 Dollar gaben die Titel nachbörslich um 0,5 Prozent auf 4,05 Dollar nach. Ein Analyst sagte, die Aktien seien nach der Gewinnwarnung des Unternehmens übertrieben ausverkauft worden, und daraus habe der deutliche Kursanstieg im regulären Handel resultiert. Unverändert zum Schlusskurs von 36,73 Dollar notierten Home Depot nachbörslich. Der Einzelhandelskonzern hatte am späten Freitag angekündigt, entgegen der bisherigen Praxis auch Regierungsstellen als Kunden erreichen zu wollen. Der Gesamtmarkt zeigte sich bei einem um 0,09 Prozent auf 1.050,45 Punkten gefallenen Nasdaq 100 After Hours Indicator wenig verändert.

Wall Street erholt sich nicht weiter

Die New Yorker Aktienmärkte haben sich am Freitag trotz der Nachrichten über die Neuerstellung von Bilanzen beim Kopierer-Hersteller Xerox widerstandsfähig präsentiert und wenig verändert geschlossen. Die Anleger gingen offenbar davon aus, dass nach dem WorldCom-Schock schlechte Nachrichten über die Bilanzpraktiken weiterer Unternehmen bereits in den Kursen enthalten seien, sagten Händler.

Der Dow Jones lag zum Handelsschluss 0,33 Prozent im Minus bei 9.239,25 Punkten, die Nasdaq stieg um 0,24 Prozent auf 1.462,63 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index fiel 0,12 Prozent auf 989,41 Punkte.

Unerwartet positive Konjunkturdaten hätten den Markt gestützt, sagten Händler. Die Universität von Michigan revidierte ihren Index zur Entwicklung des US-Verbrauchervertrauens für Juni auf 92,4 Punkte von 90,8 Punkten. Analysten hatten einen unveränderten Wert erwartet, nachdem der Index im Mai bei 96,9 Punkten gelegen hatte. „Angesichts des Schlages, den wir in dieser Woche erlitten haben, geben die Konjunkturdaten ein bisschen Hoffnung", sagte Joseph Dorillo, Leiter des Handelsbereiches bei der Investmentfirma ING. „Vielleicht ist es genau das, was die Leute brauchen, etwas worauf sich sich stützen können.“

Andere Stimmen argumentierten, am Ende des Quartals hätten sich große institutionelle Anleger am Aktienmarkt engagiert. Die Anlageberater versuchten offenbar, ihre Portfolios zu bereinigen. „Es ist schwer zu sagen, was die Investoren unternehmen und wie, aber erfahrungsgemäß führt es zu großer Volatilität und zu einem positiven Übergewicht am Markt", sagte Jeff Kleintop, Chefinvestment-Stratege bei PNC Advisors.

Im frühen Geschäft hatten vor allem die Nachrichten über Xerox die Stimmung getrübt. Das Unternehmen hatte mitgeteilt, in den neu verfassten Zahlenwerken für die vergangenen fünf Jahre insgesamt zwei Milliarden Dollar Umsatz weniger auszuweisen als in den bisherigen Bilanzen. Bereits vor Monaten hatte die US-Börsenaufsicht SEC bei Xerox nicht korrekt bilanzierte Umsätze beanstandet, worauf das Unternehmen seine Umsatzberichte für die betreffenden Jahre überarbeitete.

Die Xerox-Aktie, umsatzstärkster Wert an der New York Stock Exchange, verlor zeitweise fast ein Viertel ihres Börsenwertes und notierte zum Schluss rund 13 Prozent schwächer als am Donnerstag bei 6,97 Dollar.

Das Bekanntwerden von Falschbuchungen in Milliardenhöhe beim US-Telekommunikationskonzern WorldCom vor einigen Tagen hatte an der Wall Street vorübergehend zu einem Kursrutsch geführt. Die Anpassung von Unternehmenszahlen treffe zwar immer den Nerv der Anleger, sagte Händler James Park von Brean Murray & Co mit Blick auf die Xerox-Nachrichten. Aber der Markt habe mittlerweile eine gewisse Widerstandskraft entwickelt. „Wenn man immer wieder geschlagen wird, tut es nach einer Weile nicht mehr so weh", sagte Park.

Insgesamt deutet zwar mittlwerweile vieles darauf hin, dass sich die US-Konjunktur langsam wieder berappelt. Die entscheidende Frage dürfte aber sein, mit welcher Geschwindigkeit. Sollte die zusammen mit der Gewinnentwicklung enttäuschen, könnte es an den Märkten noch einmal schwierig werden. Damit dürfte die Volatilität der vergangenen Tage weiter anhalten.

US-Anleihen schließen gut behauptet

Mit gut behaupteten Notierungen haben sich die Kurse der US-Anleihen am Freitag gezeigt. Zehnjährige Titel mit einem Kupon von 4,875 Prozent gewannen 4/32 auf 100-17/32. Die Rendite fiel von 4,822 auf 4,801 Prozent. Der 30-jährige Longbond mit einer Zinsausstattung von 5,375 Prozent legte 3/32 auf 98-16/32 zu. Die Rendite fiel von 5,523 auf 5,508 Prozent. Die Aufwärtstendenz an den Aktienmärkten habe viele Anleger zunächst zum Rückzug aus Anleihen veranlasst, erklärten Marktbeobachter. Als die Aktienmärkte gegen Ende des Handelstags ins Minus drehten, gelangten die Anleihen doch noch in positives Terrain.

Die Nachricht, dass das Capitol-Gebäude in Washington wegen eines Feuers evakuiert worden sei, half dem Anleihemarkt im späten Geschäft ebenfalls. Einen stärkeren Anstieg der Anleihekurse verhinderte vermutlich der am Berichtstag veröffentlichte Index der Universität Michigan für das Verbrauchervertrauen in den USA, der die Erwartungen der Volkswirte übertraf. Der Index ist im Juni nach endgültigen Berechnungen überraschend deutlich auf 92,7 gestiegen. Vorläufig war ein Stand von 90,8 gemeldet worden.

Eine Rolle habe auch die enttäuschende Schatzwechselauktion gespielt. Die eigentlich für Mittwoch vorgesehene Auktion war zunächst abgesagt worden, weil sich das US-Finanzministerium und das Repräsentantenhaus nicht auf eine Erhöhung der Schuldengrenze der Regierung einigen konnten. Nachdem das Repräsentantenhaus in der Nacht zum Freitag seine Zustimmung gegeben hatte, wurde die Auktion kurzfristig für Freitagmorgen anberaumt. Dabei habe sich die durch die Zeitverschiebung bedingte Abwesenheit der asiatischen Teilnehmer bemerkbar gemacht. Auch sei die knapp bemessene Zeit für die Auktion die Regierung in Form einer höheren Rendite teuer zu stehen gekommen, hieß es am Markt.

 
 Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters.
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Text: @la


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