Technologietitel belasten
9. Juli 2001 Leichtere Kurse für den Dax wahrscheinlich
Mit leichteren Kursen dürften die deutschen Aktien in die Woche starten. Zwar hat der Dax bereits einen Großteil der Abwärtsbewegung der Wall Street am Freitag mitgenommen, doch die amerikanischen Aktien gaben nach dem deutschen Börsenschluss weiter nach. Auch in Asien trennen sich Investoren weiterhin von Technologiewerten. Die Citibanker sehen den Dax bei 5.846 Punkten, nachdem der Index mit 5.862 Punkten den Freitag beendet hat.
Euro von G-7-Konjunktureinschätzung etwas gestützt
Der Euro hat am Montag an den Märkten des Fernen Ostens von einer optimistischeren Einschätzung der Konjunkturaussichten durch die Siebenergruppe der führenden Industrienationen (G-7) profitiert und konnte leicht zulegen. Die G-7-Finanzminister hatten sich am Samstag bei ihrem Treffen in Rom optimistisch gezeigt, dass ein Anziehen der amerikanischen Wirtschaft im vierten Quartal auch die lahmende Konjunktur in der Euro-Zone beflügeln werde. Gegen 7.20 Uhr notierte der Euro mit 0,8482 nach einer letzten Notiz am Freitag in New York von 0,8475 Dollar.
Trübe Aktienmärkte beflügelten Rentenpapiere
Analysten stellen sich auf eine freundliche Woche an den Rentenmärkten ein. Dafür würden die schwierige Situation für Aktien sowie moderate Inflationsaussichten sprechen.
Aktien Tokio im Verlauf sehr schwach
Sehr schwach tendieren die Aktien in Tokio am Montag im Verlauf. Bis gegen 7.20 Uhr fällt der Nikkei-225-Index um zwei Prozent auf 12.061 Yen. Teilnehmer sehen als Grund für die Kursverluste den negativen Handelsverlauf am Freitag an der Nasdaq. Auch die Enttäuschung darüber, dass auf dem Treffen der G7 keine besonderen Maßnahmen beschlossen wurden, mache sich bemerkbar. Bei einem geringem Handelsvolumen sei es möglich, dass Stop-Loss-Verkäufe am Nachmittag den Nikkei-225 unter die Marke von 12.000 Yen drücken könnten, heißt es.
Aktien Hongkong tendieren am Mittag sehr schwach
Mit einer sehr schwachen Tendenz präsentieren sich die Aktienkurse in Hongkong am Montagmittag (Ortszeit). Bis zur Mittagspause verliert der Hang-Seng-Index drei Prozent auf 12.611 Punkte. Vor allem die Kurse im Technologie- und Telekomsektor sind von der negativen Entwicklung an Wall Street am Freitag belastet. Verluste bei den Telekomwerten hätten dann Stop-Loss-Orders ausgelöst, was zu einem Ausverkauf auf breiter Linie geführt habe. Für den Nachmittag werde ein Test der Marke von 12.500 Punkten erwartet, heißt es.
Wall Street beendet Woche mit deutlichen Verlusten
Die New Yorker Aktienmärkte haben am Freitag deutlich schwächer geschlossen. Händlern zufolge hatten die jüngsten Gewinnwarnungen einiger großer Technologiefirmen sowie schwache US-Arbeitsmarktdaten die Hoffnungen der Anleger enttäuscht. Der Dow Jones schloss 2,17 Prozent schwächer bei 10.252,68 Zählern. Der Nasdaq Composite verlor 3,65 Prozent auf 2.004,16 Zähler.
„Jedesmal wenn wir glauben, die Zeit schlechter Nachrichten könnte endlich vorbei sein, werden wir wieder eines Besseren belehrt", sagte Larry Seibert von Barrett Associates. Im Technologiesektor sackten die Aktien des Chipherstellers Advanced Micro Devices (AMD) 27,37 Prozent auf 20,80 Dollar ab. AMD hatte am Donnerstag nachbörslich eine Gewinnwarnung für das zweite Quartal herausgegeben. Unter massiven Druck gerieten auch die Papiere des weltweit größten Herstellers von Datenspeichern EMC, die um 28,07 Prozent auf 21,60 Dollar einbrachen. Zuvor hatte EMC angekündigt, die von Analysten geschätzten Zahlen für das zweite Quartal deutlich zu verfehlen. IBM büßten fünf Prozent auf 106,50 Dollar ein. Auch die Aktien des Softwareherstellers BMC verloren 9,1 Prozent auf 20,68 Dollar. Am Donnerstag hatte BMC unter den Erwartungen liegende Ergebnis- und Umsatzzahlen für das erste Quartal gemeldet.
Bei den Standardwerten gingen die Aktien des weltgrößten Aluminiumherstellers Alcoa 2,4 Prozent schwächer mit 39,80 Dollar aus dem Handel. Das Unternehmen hatte zuvor zwar einen teilweise über den Erwartungen ausgefallenen Quartalsbericht vorgelegt. Allerdings sank der Gewinn im zweiten Quartal um rund 16 Prozent auf 315 Millionen Dollar.
US-Anleihen schließen uneinheitlich
Uneinheitlich haben die US-Anleihen am Freitag in New York geschlossen. Zehnjährige Titel mit einer Zinsausstattung von fünf Prozent stiegen um 8/32 auf 97-07/32 und rentierten mit 5,370 Prozent. Dagegen verlor der Longbond mit einem Kupon von 5-3/8 Prozent 2/32 auf 94-23/32, die Rendite lag bei 5,746 Prozent. Für Unterstützung habe am Anleihemarkt die zunehmende Besorgnis über die Entwicklung der Wachstumsmärkte gesorgt. Es werde beispielsweise bezweifelt, dass Argentinien seine Schulden pünktlich zurückzahlen kann oder die Koppelung an den Dollar beendet. Dies wiederum würde die Wirtschaft vieler lateinamerikanischer Länder treffen und vielleicht sogar zu einer weltweiten Deflation führen. Sollten solche Befürchtungen weiter um sich greifen, würden Anleihen als sicherer Hafen noch mehr gefragt.
9. Juli 2001
Unternehmensnachrichten
Fehlbewertung der Telekom-Anlagen in Milliardenhöhe
Bei der möglichen Fehlbewertung des technischen Anlagevermögens der Deutschen Telekom geht es möglicherweise um eine Summe von 15 Milliarden bis 21 Milliarden Mark. Der Bonner Staatsanwaltschaft liegen entsprechende interne Telekom-Vermerke vor. Es gehe dabei um eine Falschbewertung von Computern, Telefonkabeln und Vermittlungsstellen. Die mögliche Falschbilanzierung solle bis in die Gründungszeit der AG zurückgehen. Zudem soll ein Netz von Telefonkarten-Fälschern die Deutsche Telekom um 100 Millionen Mark geschädigt haben. (Der Spiegel, S. 90)
Kapitalerhöhung bei Infineon in Gefahr
Fondsmanager wollen in der Regel weniger als 25 Euro für die neuen Infineon-Aktien zahlen. Der Chip-Hersteller rechnet jedoch mit 27 Euro je Aktie. Infineon will die Aktien jedoch nicht um jeden Preis platzieren. (HB, S. 10)
Deutsche Bank könnte Wachovias Weißer Ritter werden
Die Deutsche Bank erwägt im Übernahmekampf um die US-Bank Wachovia als Weißer Ritter aufzutreten. Für die US-Finanzgruppe gibt es ein willkommenes Gebot der First Union Corp und ein feindliches, aber für die Wachovia-Aktionäre möglicherweise attraktiveres Angebot der SunTrust Banks. Nach Angaben aus Frankfurter Bankenkreisen hat Wachovia die Deutsche Bank gebeten einzugreifen, möglicherweise durch den Erwerb einer Sperrminorität. (Der Spiegel, S. 83)
Aventis-Aufsichtsrat berät Montag über CropScience
Der Aufsichtsrat des französisch-deutschen Pharmakonzerns Aventis wird nach Auskunft von Branchenkreisen voraussichtlich am Montag zusammenkommen, um über den Verkauf der Pflanzenschutzsparte CropScience zu beraten. Möglicherweise werde Aventis dann exklusive Verkaufsgespräche mit Bayer bestätigen, hieß es in den Kreisen. (Reuters)
Iberdrola will EnBW bei Cantabrico stoppen
Iberdrola will Anteile an dem Konkurrenten Hidroelectrica del Cantabrico erwerben, um die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) und die Electricite de France(EdF) davon abzuhalten, in Spanien Fuß zu fassen. Die spanische Finanzzeitung „Cinco Dias“ berichtet unter Berufung auf Kreise in ihrer Wochenendausgabe, dass Iberdrola eine Allianz mit Electricidade de Portugal (EDP) eingehen wolle, um EnBW und seinen Aktionär EdF aus Cantabrico zu verdrängen. (Reuters)
Comcast bietet 44,5 Milliarden Dollar für Breitband-Bereich von AT&T
Der Kabelfernseh-Konzern Comcast will für 44,5 Milliarden Dollar per Aktientausch den Breitband-Bereich von AT&T für 44,5 Milliarden Dollar übernehmen. Comcast teilte am Sonntag mit, das Angebot sei AT&T nach dem Scheitern monatelanger Fusionsverhandlungen unterbreitet worden. AT&T, der führende Kabel-TV-Betreiber des Landes, erklärte, derzeit gebe es keine Pläne zum Verkauf des Breitband-Bereichs. Das Comcast-Angebot werde aber geprüft. (Reuters)
Kartellbehörde stoppt Übernahme von Abbey durch Lloyds
Die britische Regierung wird nach einem Bericht von “The Sunday Times“ am Dienstag das Übernahmegebot der Lloyds TSB Group für den Wettbewerber Abbey National blockieren. Handels- und Industrieministerin Patricia Hewitt werde den Einspruch unter anderem mit der Befürchtung des mangelnden Wettbewerbs im Bankenservice begründen. (vwd)
National Australia Bank will mit Abbey fusionieren
National Australia Bank (NAB), Melbourne, soll nach einem Bericht der britischen Zeitung “Times“ (Wochenendausgabe) mit einem Fusionsangebot an den Übernahmekandidaten Abbey National plc, London, heran getreten sein. Die australische Bank wolle ihre Präsenz auf dem britischen Markt verstärken, heißt es darin. (vwd)
Lord Simpson: Marconi wird Partner für Fusion suchen
Marconi wird nach einem Fusionspartner Ausschau halten. Marconi-CEO Lord Simpson sagte in einem Interview mit der britischen Zeitung “Sunday Business“, Voraussetzung sei die Stabilisierung der finanziellen Situation des Konzerns. Analysten tippten auf ein Geschäft entweder mit Cisco Systems oder mit Alcatel. Simpson sagte in dem Interview weiter, er werde nach dem plötzlichen Ausscheiden seines designierten Nachfolgers John Mayo am Freitag weiterhin CEO bleiben. (vwd)
Gazprom will sich für westliche Investoren öffnen
Gazprom will sich nach den Worten seines amtierenden Vorstandsvorsitzenden Alexej Miller wesentlich stärker als bisher für internationales Kapital und Kooperationen öffenen. Miller versprach im Interview “mehr Transparenz und mehr Effizienz“, um das in der jüngsten Zeit verloren gegangene Vertrauen an den Kapitalmärkten wiederzuerlangen. Bis zu 20 Prozent des Grundkapitals sollen nach Millers Vorstellungen durch ausländische Aktionäre gezeichnet werden. Bisher seien es elf Prozent. (HB, S. 1)
Wirtschaftsnachrichten
Französische Regierung beteiligt sich an Mobilfunkausbau
Frankreichs Premierminister Lionel Jospin wird nach französischen Presseberichten in den nächsten Tagen ein Investitionsprogramm über 1,4 Milliarden Francs bekannt geben, mit dem die flächendeckende Versorgung mit Mobilfunk in Frankreich innerhalb der nächsten drei Jahre sicher gestellt werden soll. Nach Angaben von “Le Journal du Dimanche“ werden die Mobilfunkanbieter Orange SA (France Telecom), SFR (Vivendi Universal) und Bouygues Telecom SA insgesamt 400 Millionen Francs dieser Kosten tragen. Die verbleibenden eine Milliarden Francs werden von Zentralregierung und Departementverwaltungen gemeinsam aufgebracht.(vwd)
IWF sieht Anzeichen für Konjunkturerholung in USA
Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht erste Anzeichen für einen Wirtschaftsaufschwung in den USA. Es gebe Hinweise auf eine konjunkturelle “Erholung“, sagte der stellvertretende Geschäftsführende IWF-Direktor Stanley Fischer am Montag in Seoul. Die Entscheidung der US-Notenbank von Ende Juni, die Leitzinsen um einen viertel Prozentpunkt zu senken und nicht um einen halben, unterstreiche die positive Selbsteinschätzung in den USA. Fischer sprach von einem “Wendepunkt“. (vwd)