FRÜHAUFSTEHER:Der tägliche Ausblick auf die Börse


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FRÜHAUFSTEHER:Der tägliche Ausblick auf die Börse

 
31.01.03 07:51

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Die Kriegssorgen dominieren wieder
 
31. Januar 2003 An der Börse wird jeden Tag eine neue „Sau durchs Dorf getrieben“. Deutete sich am Donnerstag zunächst so etwas wie eine Entspannung an, so rückten an der Wall Street wieder die Kriegsängste, die Sorgen um die Konjunkturentwicklung und im Zusammenhang mit dem Rekordverlust von AOL Time Warner die Erinnerung an mögliche „schwarze Löcher“ in den Unternehmensbilanzen in den Mittelpunkt des Interesses. Die Vorgaben dürften auch die Märkte in Europa beeindrucken.

Rentenmarkt in Wartestellung

Die Börsen scheinen sich vorerst nicht zu beruhigen. Davon profitieren die Rentenmärkte immer wieder. Am Freitag dürften die Anleihen auf Grund der Vorgaben aus den USA wieder einmal etwas zulegen.

Euro über 1,08 Dollar

Der Dollar zeigt sich am Freitag weiter relati stark. Am Morgen liegt er bei 1,0816 Dollar nach Kursen im späten New Yorker Handel von 1,0818 Dollar. Am Donnerstag war er kurzzeitig bis auf ein Tief von 1,0733 Dollar abgerutscht. Der Dollar liegt gegen den Yen bei 118.98 nach einem Stand in New York von 119,02 Yen. Händler betonten, dass die Sorgen um einen Krieg in Irak weiterhin die US-Währung belasteten. Wenn es keine klaren Beweise dafür gebe, dass Iraks Präsident Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen verstecke, werde die Welt einen US-geführten Militärschlag gegen das Land nicht unterstützen, sagte der Händler einer europäischen Bank. „Die USA könnten Irak trotzdem angreifen, aber das wird sich schlecht auf den Dollar auswirken.“

Tokioter Börse dreht vor Handelsende leicht ins Plus

Der Aktienmarkt in Tokio hat am Freitag in der letzten Handelsstunde knapp ins Plus gedreht, nachdem er zuvor überwiegend schwächer tendiert hatte. Händler begründeten die pessimistische Stimmung mit der zunehmenden Sorge um einen Krieg in Irak und mit der anhaltenden Unsicherheit über die weltweite Konjunkturentwicklung. Im späten Handel notierte der 225 Werte umfassende Nikkei Index um 0,17 Prozent im Plus bei 8348 Zählern, während der breiter gefasste Topix Index 0,26 Prozent auf 823 Punkte abgab. Besondere Verluste verzeichneten die Aktien von exportorientierten Unternehmen.

Chinesisches Neujahrsfest in Hongkong

Auf Grund des Chinesischen Neujahrsfests bleiben am Freitag Börsen,  Banken und Behörden in Hongkong geschlossen.

Nachbörsliche Entwicklungen am US-Aktienmarkt

Im nachbörslichen Geschäft zeigten sich die US-Aktienkurse noch leichter als im regulären Handel. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator fiel vier auf 983 Punkte.

Nachbörslich haben sich die Aktien von Walt Disney am Donnerstag sehr fest gezeigt. Auf der Handelsplattform Island.com kletterten die Titel nach Vorlage von Zahlen bis 2.00 Uhr MEZ um 3,4 Prozent auf 16,90 Dollar. Im regulären Geschäft waren die Papiere noch um 4,2 Prozent auf 16,35 Dollar gesunken. Die Themenparks des Konzerns wiesen prozentual zweistellig wachsende Besucherzahlen auf, hatte CFO Thomas Staggs nach Börsenschluss erklärt. Allerdings werde die Entwicklung des zweiten Quartals von einem möglichen Irak-Krieg entscheidend beeinflusst, hieß es weiter.

Im ersten Quartal stieg der Umsatz in den Themenparks von Walt Disney unterdessen um acht Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar und insgesamt um sechs Prozent auf 7,5 Milliarden Dollar - bei einem um 20 Prozent verbesserten operativen Gewinn von 225 Millionen Dollar. Der Nettogewinn des Konzerns lag bei 256 Millionen Dollar oder 0,13 Dollar je Aktie. Analysten hatten mit einem Gewinn von 0,15 Dollar pro Titel gerechnet. Allerdings erklärte der Konzern, dass ohne die außerordentliche Abschreibung auf den Anteil an UAL ein Gewinn von 0,17 Dollar je Aktie zu verbuchen gewesen wäre. Walt Disney behielt das Ziel bei, im laufenden Fiskaljahr den Gewinn je Aktie um 25 bis 35 Prozent zu steigern.

Einen leichten nachbörslichen Zugewinn verbuchten Commerce One, nachdem das Unternehmen für das vierte Quartal einen Verlust von 9,57 Dollar je Aktie ausgewiesen hat. Commerce One hat sich für die Entwicklung der nächsten Quartale zuversichtlich geäußert. Der Titel verbesserte sich auf der Handelsplattform Island ECN um 1,2 Prozent auf 2,61 Dollar.

Coca Cola zeigten sich nachbörslich bei Island ECN bis 1.56 Uhr MEZ leicht im Plus, nachdem das Unternehmen die Streichung von 1.000 Arbeitsplätzen angekündigt hatte. Die Sparten Coca-Cola North America, Coca-Cola Fountain und Minute Maid in Nordamerika sollen im Zuge einer Restrukturierung zusammengelegt werden, hieß es. Die Aktie gewann bis gegen 1.56 Uhr MEZ 0,1 Prozent auf 39,25 Dollar nach einem Minus von 3,3 Prozent auf 39,20 Dollar im regulären Geschäft.

Wall Street von trüber AOL-Prognose und Kriegsängsten gedrückt

Die schwache Prognose des weltgrößten Medienkonzerns AOL Time Warner hat die Stimmung der Anleger an den New Yorker Aktienmärkten am Donnerstag getrübt und die Kurse deutlich ins Minus gedrückt. Anhaltende Kriegsängste und Sorgen um die Konjunkturentwicklung in den USA belasteten das Geschäft zusätzlich, sagten Händler. Der Dow-Jones-Index verlor zum Handelsschluss rund zwei Prozent auf 7.945 Punkte, der technologielastige Nasdaq-Index fiel um 2,7 Prozent auf 1.322 Zähler, und der breiter gefasste S&P-500-Index gab 2,3 Prozent auf rund 845 Punkte nach.

"Die negativen Nachrichten sind für die Zurückhaltung der Anleger bei der (AOL)-Aktie verantwortlich. Das hat auch den breiten Markt belastet", sagte John Simon, Analyst für Stockindex-Futures bei TradeSignals.com. Bryan Piskorowski, Marktkommentator bei Prudential Securities, fügte hinzu: „Die Bilanzen sind uneinheitlich und die Konjunkturdaten auch. Addiert man dazu noch die weltpolitische Situation, weiß man, warum der Markt abwartet.“ UNO-Waffeninspektor Hans Blix hatte am Donnerstag gesagt, er sehe keine Anzeichen dafür, dass Irak seit Vorlage des Berichts vor dem Sicherheitsrat besser mit den Inspektoren zusammenarbeiten würde. Das US-Präsidialamt hatte mitgeteilt, die letzte diplomatische Offensive der USA gegenüber Irak werde „Wochen und nicht Monate“ dauern.

Die Titel von AOL Time Warner fielen um mehr als 14 Prozent auf zwölf Dollar und waren der umsatzstärkste Wert an der New York Stock Exchange. Der Konzern hatte am Vorabend mit rund 100 Milliarden Dollar den größten Jahresverlust der US-Unternehmensgeschichte ausgewiesen. Zudem hatte Konzern-Vize-Chairman und CNN-Gründer Ted Turner seinen Rückzug aus der Unternehmensführung angekündigt. Analysten werteten dies als Zeichen für anhaltende Schwierigkeiten bei dem Medienkonzern. Für das Jahr 2003 erwartet AOL Time Warner ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich.

Die Titel des drittgrößten US-Computerherstellers Gateway verloren rund 6,5 Prozent auf 2,73 Dollar. Das Unternehmen hatte für das vierte Quartal einen Verlust ausgewiesen und damit in acht von neun Quartalen rote Zahlen vorgelegt. Diese Nachrichten belasteten nach Händlerangaben auch die Aktien anderer Computerhersteller. Die Titel von Hewlett-Packard büßten rund 5,7 Prozent auf 18,20 Dollar ein, die Papiere von Dell Computer rutschten rund 4,5 Prozent auf 24,18 Dollar ab. Die Aktien des US-Flugzeugherstellers Boeing schlossen mit plus 0,16 Prozent wenig verändert auf 30,66 Dollar. Der weltgrößte Flugzeugbauer hatte im Schlussquartal 2002 den Gewinn kräftig gesteigert, nachdem das Ergebnis im Vorjahreszeitraum von hohen Sonderbelastungen gedrückt worden war.

US-Anleihen schließen dank sehr schwacher Wall Street freundlich

Die US-Anleihen zeigten sich am Donnerstag im New Yorker Handel mit freundlicher Tendenz. Angesichts der zunehmenden Kursverluste an Wall Street seien die Treasurys beflügelt worden, hieß es im Handel. Anfänglich hatten die Anleihen noch im Minus notiert. “Nach den nicht ganz so schlechten Konjunkturdaten setzten zunächst Gewinnmitnahmen ein“, kommentierte ein Teilnehmer. Später sei der Handel dann eher von Shorteindeckungen geprägt worden. So gewannen zehnjährige Titel mit einem Kupon von vier Prozent 12/32 auf 100-7/32 und rentierten mit 3,97 Prozent nach 4,029 Prozent am Mittwoch.  Der 30-jährige Longbond mit einer Zinsausstattung von 5,375 Prozent verbesserte sich um 22/32 auf 107-24/32 und bot eine Rendite von 4,86 Prozent nach 4,918 Prozent.

Die Investoren hätten die Daten zum US-Bruttoinlandsprodukt anfangs als Anlass für Verkäufe genutzt, denn es habe größtenteils innerhalb der Erwartungen gelegen, sagte ein Marktteilnehmer. Die US-Wirtschaft hat im letzten Quartal des vergangenen Jahres einen deutlichen Rückgang des Wirtschaftswachstums verzeichnet. Nach Angaben des Handelsministeriums im Rahmen einer ersten Schätzung erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt zwischen Oktober und Dezember 2002 lediglich um annualisiert 0,7 Prozent. Die Ausgaben der Unternehmen verzeichneten aber einen etwas überraschenden Anstieg um 1,5 (drittes Quartal: minus 0,8) Prozent. Dies war die erste Zunahme bei den Investitionen nach acht Quartalen rückläufiger Entwicklung.

Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters.

Medienschau
 
31. Januar 2003 Unternehmensnachrichten

Honda steigert Gewinn im dritten Quartal um 40 Prozent

Honda Motor hat seinen Gewinn im dritten Quartal des Geschäftsjahres um 40 Prozent auf umgerechnet 968 Millionen Dollar oder 118,6 Yen je Aktie gesteigert. Das ist ein Rekord für dieses Quartal. Das Unternehmen profitierte vor allem von starken Umsätzen in Europa und den USA. (Bloomberg)

Walt Disney im abgelaufenen Quartal mit Gewinn

Der US-Medien- und Unterhaltungskonzern Walt Disney hat im abgelaufenen ersten Geschäftsquartal einen Gewinnrückgang verbucht. Das Ergebnis lag allerdings über den durchschnittlichen Erwartungen von Analysten. In den drei Monaten bis Ende Dezember sei der Reingewinn auf 256 Millionen nach 438 Millionen Dollar vor einem Jahr gesunken, teilte das im kalifornischen Burbank ansässige Unternehmen am Donnerstag nach US-Börsenschluss mit. Dieser entspreche einem Gewinn je Anteilschein von 13 (21) Cent. Ohne Berücksichtigung von Sonderbelastungen, wie aus Verlusten aus dem Flugzeugleasing, habe der Gewinn je Aktie 17 Cent betragen. Den Umsatz steigerte Disney im ersten Quartal um sechs Prozent auf 7,5 Milliarden Dollar. Von Thomson First Call befragte Analysten hatten im Schnitt einen Gewinn je Aktie von 15 Cent und einen Umsatz von 7,49 Milliarden Dollar vorausgesagt. (Reuters)

Commerce One weitet Quartalsverlust aus

Das US-Softwareunternehmen und SAP-Partner Commerce One hat im vierten Quartal seinen Verlust deutlich ausgeweitet. Der Netto-Fehlbetrag habe im Schlussquartal 2002 bei 279,5 (Vorjahr 168,3) Millionen Dollar oder 9,57 (5,90) Dollar je Aktie gelegen, teilte Commerce One am Donnerstag nach US-Börsenschluss mit. Der Umsatz brach auf 19,5 Millionen Dollar von 56 Millionen Dollar im Vergleichsquartal des Vorjahres ein. Um die Kosten in den Griff zu bekommen werde Commerce One die Belegschaft bis zum Ende des laufenden Quartals auf 300 Mitarbeiter reduzieren. (Reuters)

Adobe bekräftigt Geschäftsprognosen für laufendes Quartal

Der US-Softwarehersteller Adobe Systems hat am Donnerstag seine Umsatz- und Gewinnerwartungen für das erste Quartal bekräftigt. Das Unternehmen sei auf gutem Weg, seine Ziele für das erste Geschäftsquartal zu erreichen, teilte Adobe am Donnerstag nach US-Börsenschluss mit. Der Hersteller von Dokumenten- und Fotobearbeitungsprogrammen erwartet für die drei Monate bis Ende Februar einen Umsatz von 275 bis 290 Millionen Dollar bei einem Gewinn je Aktie auf Proforma-Basis von 21 bis 23 Cent. Im Vorjahreszeitraum hatte der Gewinn 22 Cent je Aktie und der Umsatz 267,9 Millionen Dollar betragen. (Reuters)

Wirtschaftsnachrichten

Koizumi will mit allen Mitteln gegen Deflation kämpfen

Der japanische Premierminister Koizumi will mit der Zentralbank zusammenarbeiten, um die nun schon vier Jahre andauernde Periode fallender Preise zu beenden. (Bloomberg)

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MARKTAUSBLICK: Tanz auf dem Drahtseil

 
31.01.03 07:56
Trotz der deutlichen Kurserholung sind die Bären noch nicht vertrieben. An der Wall Street erwarten Händler mittelfristig neue Tiefstände. Ein Dow Jones unter 7200 Punkten sei denkbar. Viele US-Titel seien zu hoch bewertet.

Frankfurt – Es sah nach einem Ausverkauf aus, doch zunächst hat sich der Dax  wieder gefangen. Am Mittwoch war der Deutsche Aktienindex zeitweise um vier Prozent gefallen und bis auf 2563 Zähler gestürzt - nur 44 Punkte über dem Sechsjahrestief vom Oktober vergangenen Jahres.

Doch mit der Erholung in den USA startete auch der Deutsche Aktienindex eine rasante Aufholjagd. Die Schwankungsbreite am Mittwoch betrug zeitweise mehr als sechs Prozent - und auch am Donnerstag hält sich der Index bis zum Mittag im Plus. Positive Nachrichten von SAP, BMW und Schering stützten den Dax.

Doch die Erholung steht auf tönernen Füßen. "Die europäischen Märkte sind so verunsichert, dass sie jeden Schritt der US-Börsen nachvollziehen", sagte ein Händler. Schon eine leichte Kurserholung im Dow kann im Dax eine Rallye starten - doch diese Gewinne können binnen Minuten wieder in sich zusammenfallen.

Händler: Nicht nur Bush-Rede gibt Verkaufssignal

In seinem Bericht zur Lage der Nation hatte US-Präsident George W. Bush keinen Zweifel daran gelassen, dass die USA die Konfrontation mit dem Irak notfalls auch im Alleingang militärisch beenden würden. Am 5. Februar will die USA dem Weltsicherheitsrat Beweise für illegale Waffenprogramme des Irak vorlegen. Die konjunkturelle Entwicklung der USA bezeichnete der Präsident selbst als "unbefriedigend".

Bushs Rede dürfte nur vordergründig als weiteres Verkaufssignal an den Aktienmärkten gewertet werden, sagte Aktienstratege Giuseppe Amato von Lang & Schwarz im Gespräch mit manager-magazin.de. "Wir befinden uns in einem Bärenmarkt. Und jedes kleine negative Argument wiegt in der derzeit angespannten Situation doppelt schwer." Umgekehrt könne es allerdings auch genauso schnell wieder nach oben gehen.

Aus seiner Sicht verzerrt der drohende Irak-Krieg die Diskussion um die Talfahrt an den Börsen. Die Probleme seien eher grundsätzlicher Art. So sieht Amato die Titel des im weiter gefassten S&P 500 angesichts der unsicheren konjunkturellen Entwicklung in den Vereinigten Staaten als viel zu hoch bewertet.

"Eigentlich müssten wir im S&P Kurs-Gewinn-Verhältnisse zwischen acht und zwölf haben", sagte Amato. Doch derzeit lägen die KGVs immer noch auf einem Niveau, bei dem man eher von einem Bullenmarkt sprechen würde, meinte der Stratege.

Den Optimismus, den die US-Regierung an ihr milliardenschweres Programm zur Ankurbelung der Konjunktur knüpft, teilt Amato nicht. Die Hoffnungen daran seien überzogen, zumal sich das Programm auf rund zehn Jahre erstrecke und das gigantische Etatdefizit erhöhen werde.

US-Verschuldung dramatisch - Euro weiter fest

Die geplanten Steuersenkungen würden vornehmlich den reichen Amerikanern zu Gute kommen. Auch von der geplanten Abschaffung der Dividendenbesteuerung profitiere nicht die breite Masse der Anleger. Allein dieser Vorschlag kostet nach Einschätzung von Volkswirten rund 300 Milliarden Dollar. Die Hälfte der Einsparungen ginge an Leute, die im Jahr mehr als 350.000 Dollar verdienen.

"Die dramatische Verschuldung in den USA wird sich mit dem Konjunkturprogramm Bushs erhöhen", warnte Amato. Das Leistungsbilanzdefizit von fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes sei besorgniserregend hoch. Der Dollar verliere zusehends an Wert, die ausländischen Investoren würden in Zukunft verstärkt ihr Geld aus Amerika abziehen, glaubt der Stratege. Amato hält es indes nicht für ausgeschlossen, dass der Euro im Verhältnis zum Dollar bald auf 1,30 bis 1,40 ansteigen könnte.

"Noch zu viele Cheerleader für Aktien"

Vor diesem Hintergrund könne er den aus seiner Sicht in vielen US-TV-Kanälen verbreiteten Optimismus nicht teilen. "Wir sehen in den USA viel zu viele Cheerleader für die Aktie", sagte Amato. Auch wenn die Märkte mit Kriegsbeginn im Irak kurzfristig um zehn bis 20 Prozent steigen könnten, rechnet er mittelfristig mit weiter fallenden Kursen. "Die Wall Street hat noch mehr Abwärtspotential, und wir werden mit nach unten gehen", sagte Amato.

So hält der Aktienstratege es durchaus für möglich, dass der S&P 500 unter 780 Zähler fällt. Der Dow Jones könnte unter die Marke von 7200 Punkten rutschten, was vom gegenwärtigen Niveau aus noch mal ein satter Abschlag von zehn Prozent wäre. "Der Bärenmarkt ist nicht tot. Wir werden die Tiefs noch einmal unterschreiten".

DaimlerChrysler: Gerüchte um erhöhte Dividende

Unter erheblichen Druck waren am Mittwoch zunächst Finanz- und Technologiewerte geraten. Eine Kehrtwende legten vor allem die Versicherungstitel hin: Allianz  und Münchener Rück  drehten deutlich ins Plus. Jede Erholung am Markt ist bei den Versicherern, die große Aktienportfolios halten, besonders deutlich zu spüren.

Wie die Versicherungstitel konnten auch Automobilwerte zuletzt wieder deutlich zulegen. Die Aktie von DaimlerChrysler  hatte am Mittwoch zeitweilig bei 25,65 Euro notiert: Gerüchte, der Konzern werde die Dividende auf zwei Euro verdoppeln, sorgten jedoch für einen Turnaround, der sich auch am Donnerstag fortsetzte.

Ebenso wie die Allianz  testet die Aktie von DaimlerChrysler trotz der leichten Erholung allerdings ihre tiefsten Notierungen seit mehr als zehn Jahren. Seit Frühjahr 1998 verlor das DaimlerChrysler-Papier rund 75 Prozent an Wert. Viele Investoren haben die Papiere von DaimlerChrysler und Allianz leer verkauft: Steigen die Kurse jetzt an, müssen die Shortseller ihre offenen Positionen schließen. Auf diese Weise sorgen sie für einen weiteren Kursanstieg.

www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,232766,00.html
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