Geringe Inspiration für die Börse
18. April 2002
Greenspan dämpft die große Euphorie
Selbst Alan Greenspan sieht nicht so richtig klar, wie sich die Wirtschaft weiter entwickeln wird. Wie soll es dann die Börse tun? Auf dieser Basis wird die Techeuphorie der vergangenen Tage ziemlich schnell verpuffen und einer abwartenden Haltung weichen.
Nur geringe Perspektive für den Bund-Future
Alan Greenspan dürfte mit seinem Äusserungen zunächst einmal die große Aktienmarkt-Euphorie gedämpft haben. Damit allerdings auch die Angst vor schnell steigenden Zinsen. Von daher dürfte eigentlich der Druck auf den Bund-Future etwas nachlassen. Allerdings sind die amerikanischen Anleihen am Mittwoch mit Kursverlusten aus dem Handel gegangen. Das dürfte zu einer defensiven Haltung der Marktteilnehmer in Europa führen.
Euro in Asien gut behauptet
Gut behauptet tendiert der Euro am Donnerstag im asiatisch dominierten Geschäft. Gegen 6.55 Uhr MESZ kostet ein Euro 0,8907 Dollar nach 0,8891 Dollar am Mittwochabend in New York. Zum Yen notiert der Dollar mit 130,65 Yen nach 130,73 Yen im späten New Yorker Handel.
Aktien Tokio im Verlauf knapp behauptet
Knapp behauptet lautet die Tendenz im Handelsverlauf am Donnerstag an der Tokioter Börse. Im späten Handel liegt der Nikkei-225-Index mit 0,1 Prozent im Minus bei 11.532,86. Das Sentiment habe sich in den vergangenen drei Tagen aufgehellt, was sich in der steigenden Nachfrage ausdrücke, heißt es im Handel. Gewinnmitnahmen bei Index-Schwergeichten wie Advantest und Tokyo Electron machten dem Nikkei jedoch etwas zu schaffen, heißt es. Etwas besser hält sich der breiter gefasste Topix, der zeitweise im Plus notiert.
Aktien Hongkong mittags etwas fester
Etwas fester zeigen sich die Kurse an der Börse in Hongkong am Donnerstagmittag. Zum Ende der ersten Sitzungshälfte steht der Hang-Seng-Index um 0,3 Prozent bzw 33,22 Zähler höher bei 11.532,86. Die Kommentare von US-Notenbankpräsident Alan Greenspan hätten zwar die Kurse insgesamt nicht beflügelt, jedoch den Immobilienwerten etwas Auftrieb gegeben, da eine Zinserhöhung als unwahrscheinlich angesehen werde. Der entsprechende Subindex steigt um ein Prozent auf 14.795 Punkte. Versorger entwickelten sich unterdurchschnittlich, da Investoren in andere Marktsektoren umschichteten. Auch wenn der Index die 250-Tagedurchschnittsline bei 11.554 Punkten durchbreche, komme es auf Anschlusskäufe in den den kommenden Tagen an, sagen Marktbeobachter.
Neuigkeiten und Kursbewegungen nach Börsenschluss
Nachbörslich fielen die Aktien von Apple Computer, nachdem das Unternehmen für das zweite Quartal einen sinkenden Gewinn auf Grund steigender Komponentenpreise angekündigt hatte. Die Aktie gab 36 Cents auf 25,75 Dollar nach. Die Papiere von Siebel Systems fielen 65 Cents auf 25,43 Dollar. Denn der Gewinn im ersten Quartal wird bei zwölf Cents je Aktie liegen, nachdem er im Vorjahr noch bei 15 Cents gelegen hatte. Auch die Aktien von Broadcom standen im Blickpunkt des Interesses. Das Unternehmen wies für das erste Quartal mit 0,08 Dollar einen geringer als erwarteten Verlust je Aktie aus, jedoch sorgte der fehlende Ausblick für verstärkten Druck. Analysten hatten ein Minus von 0,10 Dollar erwartet. Zudem warteten die Investoren mit Spannung auf den Conference Call von Broadcom. Während die Titel im regulären Handel noch zulegten, gaben die Papiere nachbörslich um 0,4 Prozent auf 38,76 Dollar nach. Der Nasdaq 100-Future ging kaum verändert aus dem nachbörslichen Handel.
Boeing-Bilanz drückt Dow - Veritas belastet Tech-Werte
Die mit Enttäuschung aufgenommene Quartalsbilanz des Flugzeugherstellers Boeing hat die Standardwerte an den US-Börsen am Mittwoch deutlich ins Minus gezogen. Die Technologiewerte, die zunächst in Reaktion auf die Bilanzen von Intel und Motorola freundlich tendiert hatten, rutschten nach dem schwachen Ausblick des Softwareunternehmens Veritas nach Händlerangaben ebenfalls ins Minus. Der Blue-Chip-Index Dow Jones verlor zum Schluss 0,78 Prozent auf 10.220,78 Punkte. Der Technologieindex Nasdaq gab
0,33 Prozent auf 1.810,86 Zähler nach. Der breiter gefasste S&P-500-Index büßte 0,20 Prozent auf 1.126,09 Punkte ein.
„Boeing ist schuld am Kursrückgang", sagte Peter Cardillo, Chefstratege bei Global Partners Securities. Barry Berman, Leiter Aktienhandel bei Robert W. Baird & Co. fügte hinzu: „Die Nachrichten sind unterschiedlich. Boeing hat enttäuscht, und wir hatten gestern einen Aufwärtstrend. Obowhl die meisten Bilanzen ordentlich sind, bleiben die Dinge unsicher. “Aussagen von US-Notenbankchef Alan Greenspan, die als Hinweis auf vorläufig nicht steigende Zinsen interpretiert wurden, hätten die Kurse zunächst etwas gestützt, sagten Händler. Bis ein nachhaltiges Wachstum in Sicht ist, könne die Notenbank sich wegen der geringen Inflation mit einer Zinserhöhung Zeit lassen, sagte Greenspan. „Von einer Zinserhöhung im Mai können Sie sich verabschieden", sagte Anlagestratege Barry Hyman von Ehrenkrantz King Nussbaum. Nach dem Anstieg der Kurse am Vortag seien Gewinnmitnahmen nicht ungewöhnlich, fügte er hinzu.
Der Aktienkurs von Boeing verlor gut 6,9 Prozent auf 45,37 Dollar, nachdem das Unternehmen im ersten Quartal deutlich weniger verdient hatte als im Vorjahreszeitraum und die Prognosen der Analysten verfehlte. Enttäuscht hätten außerdem die Prognosen des Pharmakonzerns Pfizer, dessen Aktienkurs rund fünf Prozent auf 37,85 Dollar einbüßte. Die Aktie war der umsatzstärkste Wert an der New York Stock Exchange. Das Unternehmen hatte mitgeteilt, höhere Kosten würden den Gewinn im zweiten Quartal niedriger als von Analysten erwartet ausfallen lassen. Bei den Technologiewerten zog der Kurs von Intel rund 3,8 Prozent auf 30,64 Dollar an. Das Unternehmen hatte am Vorabend mitgeteilt, mit einem Gewinn je Aktie von 0,15 Dollar die Erwartungen der Analysten im ersten Quartal getroffen zu haben. Die Aktien des Mobilfunkkonzerns Motorola legten rund 8,9 Prozent auf 16,33 Dollar zu. Der weltweit zweitgrößte Handy-Hersteller hatte einen geringeren Verlust als von Analysten erwartet ausgewiesen und die Prognose bekräftigt, im zweiten Halbjahr wieder Gewinne zu erzielen.
Der Kurs des Softwarekonzerns Veritas brach dagegen rund 16 Prozent auf 30,96 Dollar ein und belastete damit nach Händlerangaben den Nasdaq-Index. Das Unternehmen hatte einen schwachen Ausblick für das zweite Quartal gegeben. Händler sagten, die Anleger seien vor weiteren Bilanzen großer Technologiekonzerne zurückhaltend. Am Donnerstag werden unter anderem die Quartalsergebnisse des Softwarekonzerns Microsoft und des Netzwerkcomputer-Herstellers Sun Microsystems erwartet.
US-Anleihen schlossen am Mittwoch sehr schwach
Sehr schwach haben sich die US-Anleihen am Mittwoch in New York gezeigt. Zehnjährige Papiere mit einem Kupon von 4,875 Prozent fielen um 10/32 auf 97-9/32 und rentierten mit 5,227 Prozent nach 5,177 Prozent am Dienstag. Der Longbond mit einem Kupon von 5,375 Prozent verlor 1-1/32 auf 94-31/32, die Rendite stieg auf 5,731 Prozent nach 5,651Prozent. Im Mittelpunkt des Interesses stand die Rede von Fed-Chairman Alan Greenspan vor den Mitgliedern des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses des US-Kongresses. Greenspan hat eine Erhöhung der Leitzinsen für den Fall angekündigt, dass sich eine deutlichere Erholung der Konjunktur in den USA abzeichnen sollte. Dennoch könne sich die US-Notenbank vorerst eine abwartende Haltung erlauben, so Greenspan weiter.
Er begründete seine Vorsicht mit der Ungewissheit über die Stärke des Konjunkturaufschwungs und mit der gleichzeitig niedrigen Inflation in den USA. Die Teuerung dürfte sich noch für einige Zeit gedämpft entwickeln, so der Fed-Chairman weiter. Beobachter stuften die Aussagen von Greenspan als “sehr sanft“ ein. “Der zeitliche Ablauf von Zinserhöhungen ist weiterhin offen“, fügte Donald Fine von Fine Financial Forecasting hinzu. “Die Fed wird die Zinsen anheben, aber nicht kurzfristig“.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters.
Medienschau
18. April 2002
Unternehmensnachrichten
SAP erfüllt in etwa die Erwartungen
Mit einem Nettogewinn von 120 Millionen Euro, einem Umsatz von 1,66 Milliarden Euro und einer operativen Marge von 21 Prozent im ersten Quartal erfüllt SAP in diesen Punkten im Wesentlichen die Erwartungen der Analysten. Allerdings liegen die Lizenzerträge mit 402 Millionen weit unter den Prognosen von 458 Millionen. (Ad-hoc)
Qiagen übernimmt Xeragon für 9,2 Millionen Dollar in Aktien und bar
Qiagen übernimmt Xeragon für 9,2 Millionen Dollar in Aktien und bar. Wie die am neuen Markt notierte Gesellschaft am Donnerstag ad hoc mitteilte, zahlt Qiagen etwa 564.000 Aktien mit einem Wert von rund acht Millionen Dollar sowie zusätzlich einmalig 1,2 Millionen Dollar in bar für 100 Prozent der ausstehenden Aktien der Xeragon. Die Summe von 1,2 Millionen Dollar soll im Dezember 2003 bei Erreichung bestimmter Leistungsziele in bar oder Aktien gezahlt werden. Qiagen erwartet von dieser Transaktion einen positiven Einfluss auf den Nettogewinn je Aktie im Geschäftsjahr 2003. (vwd)
T-Systems rutscht 2001 in die roten Zahlen
T-Systems International, einer von vier Teilkonzernen der Deutschen Telekom, hat einer Studie zufolge im Geschäftsjahr 2001 ein Ergebnis vor Steuern von minus 261 Millionen Euro erzielt. Gemessen am Vorjahresgewinn von rund 2,5 Milliarden Euro ist dies ein Ergebnisabsturz von 2,76 Milliarden Euro. Diese Zahlen gehen aus einer internen Analyse der beiden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften PricewaterhouseCoopers (PwC) sowie Ernst & Young hervor. (FTD, S. 4)
Werbung