Hohe Erwartungen an den Dax
18. März 2002 Dax muss hohe Erwartungen erfüllen
Mit großen Versprechungen auf weitere Kursgewinne durch Überwindung wichtiger Marken wie die von 5.300 und 5.400 Punkten hat sich der Dax ins Wochenende verabschiedet. Der technische Analyst Wieland Staud von Staud Research sagt dem Dax noch vor Ostern weitere Hochs voraus und visiert als Kursziel 5.800 Punkte an.
Hohe Erwartungen also, die der Index erst noch einlösen muss. Das überraschende Momentum der vergangenen Woche gibt Grund zur Hoffnung. Kommt aber Störfeuer von fundamentaler Seite, wäre dies für viele Marktteilnehmer eine willkommene Begründung, um Gewinne mitzunehmen.
Bund-Future bleibt in gefährlichem Terrain
Die Gegenreaktion des Bund-Future am Freitag, der trotz weiterer positiver US-Konjunkturdaten um zwei Ticks auf 105,02 Prozent stieg, sowie die Vorgaben aus den USA sprechen dafür, dass der Rentenmarkt möglicherweise erst einmal das Schlimmste hinter sich hat. Doch hat sich der Bund-Future vergangene Woche in charttechnisch riskantes Terrain gebracht. Um der Gefahr weiterer Abstürze zu entgehen, müsse er sich umgehend auf das Niveau von 105,17 bis 105,30 Prozent erholen, meint Rudolf Meier vom Bankhaus Vontobel.
Die Sitzung des Offenmarktausschusses der amerikanischen Notenbank Fed am Dienstag wird wohl kaum weitere Beunruhigung bringen. Der Markt hat nach Ansicht von Beobachtern einen Wechsel der Tendenz der Geldpolitik auf „neutral“, was einen ersten Schritt hin zu möglichen Leitzinserhöhungen bedeutet, in den Kursen vorweggenommen.
Euro in Asien etwas leichter
Etwas leichter zeigt sich der Euro am Montag in Asien. Bis 6.44 Uhr MEZ kostet ein Euro 0,8801 Dollar nach 0,8823 Dollar am Freitagabend in New York. Zum Yen notiert der Dollar mit 129,88 Yen nach 129,13 Yen im späten New Yorker Handel am Freitag.
Der Euro hat nach Ansicht von Devisenanalysten in den nächsten Tagen gute Chancen auf Kursgewinne. Aus fundamentaler Sicht gebe es nur begrenztes Potenzial für den Dollar, meint Alexandra Bechtel von der Commerzbank. Allerdings könnte der Dollar bei einer Verschärfung der Krise im Irak von “Safe-Haven“-Bewegungen und dann möglicherweise wieder anziehenden Ölpreisen profitieren, fügt die Analystin hinzu. Ihre Range-Schätzung für die nächsten Tage lautet auf 0,8700 bis 0,8900 Dollar.
Börse Tokio vor Notenbanksitzungen schwächer
Die Börse Tokio hat zum Wochenauftakt im Vorfeld der für Dienstag anberaumten Sitzungen der US-Notenbank sowie der Bank of Japan (BOJ) schwächer geschlossen. Die beiden Ereignisse mäßigten den wachsenden Optimismus, dass eine von den USA angeführte wirtschaftliche Erholung Japan mit nach oben ziehen werde, sagten Händler. Der Nikkei-Index fiel um 1,3 Prozent auf 11.498,38 Zähler. Der breiter gefasste Topix-Index um 0,8 Prozent auf 1.088,14 Punkte. TDK-Aktien brachen im Handelsverlauf um 6,37 Prozent ein, nachdem die Papiere in den zwei vorhergehenden Sitzungen insgesamt 7,2 Prozent zugelegt hatten. „Viele der hoch bewerteten Technologiewerte waren aus technischer Perspektive in den vergangenen Tagen überkauft", sagte ein Marktteilnehmer. Zu den Kursgewinnern gehörte am Montag Nissan Motor mit plus 2,13 Prozent. Japans drittgrößter Autokonzern hatte nach Angaben vom Freitag in der ersten Verkaufswoche 25.000 Bestellungen für seinen neuen Kleinwagen March eingesammelt.
Aktien Hongkong am Mittag etwas fester
Etwas fester präsentieren sich die Aktienkurse am Montagmittag (Ortszeit) in Hongkong. Zum Ende der ersten Sitzungshälfte gewinnt der Hang-Seng-Index (HSI) 0,5 Prozent auf 11.260,22 Zähler. China Mobile legen um zwei Prozent auf 25,45 HK-Dollar zu. Das Unternehmen hat in der Mittagspause seine Zahlen für das Jahr 2001 vorgelegt. Der Nettogewinnzuwachs um 55 Prozent sei im Rahmen der Erwartungen, heißt es. Positiv sei allerdings die Zunahme der Ebitda-Marge auf 60,1 Prozent von 57,7 Prozent.
US-Nachbörse leicht im Plus
Nach Börsenschluss stand Oracle im Mittelpunkt des Computerhandels. Der Softwarehersteller erholte sich um 0,6 Prozent auf 12,68 Dollar, nachdem die Aktie in der regulären Sitzung wegen des schwachen Ausblicks um über sechs Prozent eingebrochen war. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator ging mit einem leichten Aufschlag von 0,1 Prozent auf 1.497,17 Punkte ins Wochenende.
US-Börsen nach starken Konjunkturdaten im Aufwind
Besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten haben am Freitag Hoffnungen auf eine Erholung der US-Wirtschaft gestärkt und die Kurse an den New Yorker Aktienmärkten steigen lassen. Der Dow-Jones-Index schloss 0,86 Prozent im Plus bei 10.607,23 Zählern. Der technologielastige Nasdaq Composite-Index legte um 0,76 Prozent auf 1.868,30 Zähler zu. Der breiter gefasste S&P-500-Index gewann 1,14 Prozent auf 1.166,16 Punkte. Händler sagten, der stärker als erwartet ausgefallene Anstieg des US-Verbrauchervertrauens Anfang März und das deutliche Plus der Industrieproduktion im Februar seien ein weiteres Zeichen dafür, dass die US-Wirtschaft auf Erholungskurs sei. „Die Zahlen (zur Industrieproduktion) waren etwas besser als erwartet, und das hat uns geholfen", sagte Todd Clark, Leiter Aktienhandel bei Wells Fargo Securities.
Finanzwerte profitierten Händlern zufolge von der gestiegenen Hoffnung auf eine Konjunkturerholung und sorgten mit zum Teil deutlich höheren Kursen für Gewinne des Dow-Jones-Index. Der Kurs der Aktien des Finanzkonzerns American Express stieg um rund 3,8 Prozent auf 42,15 Dollar, die Titel von J.P. Morgan Chase legten 2,6 Prozent auf 36,01 Dollar zu. Ölwerte zogen nach der Entscheidung der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), die Fördermengen nicht zu ändern, ebenfalls an. Der Aktienkurs der Exxon Mobil stieg um 0,86 Prozent auf 43,61 Dollar.
Der verhaltene Ausblick des zweitgrößten Software-Herstellers der Welt, Oracle, habe jedoch die Sorgen der Anleger über die Gewinnentwicklung bei den Technologiewerten bestätigt, sagten Händler. Der Kurs der Aktie fiel 6,25 Prozent auf 12,60 Dollar. Das Unternehmen rechnet nach eigenen Angaben mit weiterer Zurückhaltung bei den Ausgaben im Technologiesektor und sieht derzeit noch keine Anzeichen für eine konjunkturelle Erholung. Die Kurs der Aktie des Pharmakonzerns Merck gab um 5,82 Prozent auf 59,75 Dollar nach und bremste damit nach Händlerangaben einen weiteren Anstieg des Dow-Jones-Index. Das Unternehmen hatte zuvor die Bewerbung für die Zulassung eines neuen Arthritis-Medikamentes zurückgezogen. Merck wolle jedoch die Dokumente zu einem späteren Zeitpunkt für eine breitere Anwendung erneut einreichen, teilte der Konzern weiter mit.
US-Anleihen schließen sehr fest
Fest haben sich die US-Staatsanleihen am Freitag präsentiert. Zehnjährige Papiere mit einem Kupon von 4,875 Prozent stiegen um 17/32 auf 96-15/32 und rentierten mit 5,334 Prozent nach 5,388 Prozent am Vortag. Der 30-jährige Longbond mit einem Kupon von 5,375 Prozent kletterte deutlich um 1-1/32 auf 94-22/32 nach, Rendite: 5,752 Prozent nach 5,812 Prozent. Trotz der guten US-Konjunkturzahlen am Morgen verbuchten die Treasurys zum Teil kräftige Kursgewinne, was Beobachter mit einer technischen Erholung begründeten. Der Markt “war so derartig überverkauft, wir mussten einfach nach oben“, sagte Michael Ryan, Analyst bei UBS Warburg.
Weil einige große Unternehmensanleihen am Freitag gepreist wurden, hätten diese damit auch die “Kauf-Sperre“ vor allem bei der Zehnjährigen aufgehoben. Käufer von Unternehmensanleihen verkauften vor dem Pricing oft Staatspapiere, um das Zinsniveau “einzusperren“, und kauften sie danach wieder zurück, erklärte ein Analyst. Außerdem spiegele sich in den Aufschlägen das Vertrauen der Anleger in die nächsten Schritte der US-Fed wider, sagte ein Beobachter. Der voraussichtliche Wechsel der Fed-Politik von der Einschätzung “konjunkturelle Risiken“ zu einer neutralen Sicht auf der nächsten Sitzung am 19. März sei mittlerweile im Markt akzeptiert, hieß es. Die Anleihen seien entsprechend zurückgestuft worden, sagte Ryan.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters
Medienschau
18. März 2002 Unternehmensnachrichten
Insolvenzgefahr für Holzmann wächst erheblich
Die Gefahr einer Insolvenz des Holzmann-Konzerns wächst nach Zeitungsberichten vom Montag erheblich. Wie die “Financial Times Deutschland“ schreibt, sollen sich die Gläubigerbanken auch am Wochenende nicht auf ein Finanzkonzept für das Bauunternehmen haben einigen können. “Die Gespräche sind nicht abgebrochen, sie sind aber auch nicht abgeschlossen“, wird ein Holzmann-Insider zitiert. Ein neuer Gesprächstermin sei nach Angaben aus Bankenkreisen nicht vereinbart worden. Die Wahrscheinlichkeit einer Pleite sei jetzt größer als 50 Prozent. Ohne Finanzhilfe wäre Holzmann nach einem schlechten Jahresabschluss überschuldet. (FTD, S. 1)
Noch kein Durchbruch bei Kirch-Verhandlungen
Bei den Verhandlungen um die Zukunft des Medienkonzerns Kirch am Wochenende hat es nach übereinstimmenden Zeitungsberichten vom Montag noch keinen Durchbruch gegeben. Ergebnisse des Treffens mit den Gläubigerbanken, das an einem geheim gehaltenen Ort offenbar in München am Nachmittag begonnen habe und bis zum Abend dauern sollte, wurden zunächst nicht bekannt, schreibt die “Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Erwartet würden vorerst nur kleine Schritte, habe es am Sonntag in Bankenkreisen geheißen. Die Zahlungsverpflichtungen und erwarteten Einnahmen Kirchs müssten durchgerechnet werden. Einig sei sich die Bankengruppe über den Weg und das Ziel. (vwd)
Hynix und Micron einig über Verkauf von Hynix-Kernbereichen
Die südkoreanische Hynix Semiconductor Inc und ihre Gläubiger haben sich mit der Micron Technology in weiten Teilen über einen Verkauf zentraler Bereiche des Chipproduzenten an das US-Unternehmen verständigt. Wie die Gläubigerbank Hanvit Bank am Montag mitteilte, haben sich beide Seiten auf den Zahlungsbetrag, die Zahlungsweise und die Investitionen von Micron in das Non-Memory-Chip-Geschäft der Hynix geeinigt. Zeitungsberichten zufolge hat Micron 3,8 Milliarden Dollar für den Kauf des Memory-Chip-Geschäfts geboten sowie 200 Millionen Dollar für den Kauf von 15 Prozent des Non-Memory-Chip-Geschäfts. Der größte Teil der Zahlungen werde in Mircon-Aktien erfolgen, ein kleiner Teil in bar. (vwd)
Wirtschaftsnachrichten
Konservative Sozialdemokraten siegen bei Wahl in Portugal
Portugal steht vor einem Machtwechsel. Bei der Parlamentswahl am Sonntag erreichten die konservativen oppositionellen Sozialdemokraten einen leichten Vorsprung vor den seit 1995 regierenden Sozialisten. Zwar reicht der Vorsprung wahrscheinlich nicht für eine absolute Mehrheit im Parlament, zusammen mit der rechtsgerichteten Volkspartei können die Sozialdemokraten jedoch einen Regierungswechsel herbeiführen.
Portugals Wirtschaft steckt in einer Krise, die Staatsausgaben sind außer Kontrolle geraten. Mit einem Haushaltsdefizit von 2,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ist das Land wie Deutschland nur knapp einem Blauen Brief der EU-Kommission entgangen. Zur Bewältigung der Krise will Oppositionsführer Durao Barroso die Unternehmenssteuern senken. So hofft er, neue Investoren anzuziehen. (vwd/AFP)
Deutsche Börse will Delisting-Regeln lockern
Wie das “Handelsblatt“ unter Verweis auf einen Beschluss des Frankfurter Börsenrates berichtet, könne künftig ein Unternehmen ein Delisting beantragen, ohne den freien Aktionären ein Abfindungsangebot zu unterbreiten. Dieser Schritt, der noch von der hessischen Börsenaufsicht abgesegnet werden müsse, verschaffe den Emittenten größere Freiheiten, berge aber nach Ansicht von Fachleuten zugleich Risiken für Kleinanleger. (Handelsblatt, S. 21)
das Zentrum der Macht