Noch Luft nach oben beim Dax
12. Feb. 2002 Freundliche Vorgaben für den Dax
Trotz seiner robusten Performance am Montag könnte der Dax am Dienstag noch weiter nach oben laufen. Zumindest hat die amerikanische Leitbörse nach dem europäischen Börsenschluss weiter zugelegt, was einen positiven Grundton für den Tag legen sollte. Selbst die nachbörslich etwas leichtere Tendenz dürfte kein allzu großes Störfeuer sein.
Renten ohne Aufwärtsimpuls
Nach Einschätzung von Analysten hat der Rentenmarkt bislang keinen Aufwärtsimpuls einleiten können. Die aktuelle Lage habe sich deutlich zu Gunsten der Bären gewandelt. Es bestehe für den Bund-Future die Gefahr einer Abwärtstendenz in Richtung der Marke bei 107,17 Prozent. Ein technischer Analyst rechnet damit, dass die Unterstützungszone von Dezember/Januar gebrochen wird und der Bund-Future bis auf 106,30 Prozent fällt.
Euro in Asien behauptet
Behauptet zeigt sich der Euro am Dienstagmorgen im asiatischen Handel. Gegen 7.15 Uhr werden 0,8763 Dollar genannt nach 0,8765 Dollar am Montagabend in New York. Gegenüber dem Yen notiert der US-Dollar mit 133,46 Yen nach 133,44 Yen im späten New Yorker Geschäft am Montag. „Der Dollar leidet unter Liebesentzug", sagte Folker Hellmeyer, Devisen-Chefanalyst bei der Helaba. Es werde damit gerechnet, dass die japanischen Anleger vor dem Ende des Geschäftsjahres (zum 31. März) verstärkt Yen kaufen würden, hieß es.
Tokioter Aktien schließen sehr fest
Sehr fest hat der Aktienmarkt in Tokio am Dienstag den Handel beendet. Der Nikkei-225-Index verbesserte sich um zwei Prozent bzw 191,93 Yen auf 9.877,99. Der Topix stieg um 2,5 Prozent bzw 24,13 Zähler auf 974,10. Der Markt zeigte sich auf breiter Front mit höheren Kursen, weil sich die festen US-Börsen positiv auf die Stimmung ausgewirkt hätten, hieß es es. Allerdings werde es schwierig sein, die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten zu überwinden. Ein Analyst ergänzte, dass die Titel japanischer Banken besonders deutlich zugelegt hätten, nachdem die Financial Service Ageny am Freitag mitgeteilt hatte, dass sie die Restriktionen beim Short-Selling verschärfen wolle.
Feiertagshinweis Hongkong und Singapur
Auf Grund des Chinesischen Neujahrsfestes in Hongkong und Singapur bleiben
am Dienstag Börsen, Banken und Behörden dort geschlossen.
US-Nachbörse etwas leichter
Nachbörslich gaben die amerikanischen Technologiewerte einen Teil ihrer Kursgewinne wieder ab. Der Nasdaq-100-Index gab 0,3 Prozent auf 1.472 Punkte nach. Cisco fielen fünf Cents auf 17,65 Dollar, Intel 15 Cents auf 33,42 Dollar. Dell büßten zehn Cents auf 26,70 Dollar und IBM zwei Cents auf 107,36 Dollar ein.
Wall Street schließt fest
Die US-Aktien haben am Montag fest geschlossen. Der Dow Jones-Index kletterte um 1,4 Prozent auf 9.884,78 Punkte und der breitere S&P 500-Index um 1,4 Prozent auf 1.111,94 Zähler. Der Nasdaq Composite erhöhte sich um 1,5 Prozent auf 1.846,66 Punkte.“Der Schlüssel für die heutige Kursentwicklung war die Rally vom Freitag. Der Markt war überverkauft. Zudem ist ermutigend, dass die Olympischen Spiele offenbar ohne Störung verlaufen“, sagte Alfred Goldman von A.G. Edwards.
Andere Marktteilnehmer begründeten die erneuten Kursgewinne zudem mit dem Ausbleiben neuer Hiobsbotschaften zu Bilanzierungs-Unregelmäßigkeiten und positiven Äußerungen zur Konjunktur. Die Finanzminister und Zentralbankpräsidenten der G-7-Staaten hatten sich bei ihrem Treffen optimistisch zu den Aussichten der Weltwirtschaft geäußert. Qwest Communications rutschten um 2,5 Prozent auf 9,36 Dollar ab. Hintergrund war eine Vorladung der Securities and Exchange Commission (SEC) in Verbindung mit der Untersuchung der Insolvenz von Global Crossing. Gleichzeitig erhöhten sich die angeschlagenen Tyco International um 6,4 Prozent auf 31,80 Dollar. Das Unternehmen hatte in seinem Quartalsausblick einen starken operativen Cash-flow angekündigt. Analysten sagten, diese Mitteilung helfe, die Glaubwürdigkeit an Wall Street wieder herzustellen.
DuPont gehörten mit einem Plus von 4,3 Prozent auf 44,56 Dollar zu den größten Gewinnern im Dow Jones. Händler begründeten die Aufschläge mit der Mitteilung, das Unternehmen werde seine Textil-Sparte abspalten und möglicherweise an die Börse bringen. Auch Alcoa verbuchten mit einem Plus von 3,8 Prozent auf 35,73 Dollar deutliche Aufschläge. International Paper sprangen gar um 4,3 Prozent auf 43,81 Dollar nach oben. Die Aktien des Energiedienstleisters McDermott International schossen um 14,9 Prozent nach vorn und schlossen bei 14,20 Dollar. Das Unternehmen hatte zuvor für das vierte Quartal einen operativen Gewinn je Aktie von 0,26 Dollar je Aktie ausgewiesen, 0,04 Dollar mehr als vom Markt erwartet. Deutsche Banc, Merrill Lynch und Salomon Smith Barney stuften den Titel daraufhin hoch.
An der Spitze der Gewinner im Nasdaq 100 standen unter anderem Qualcomm. Die Titel legten um 10,2 Prozent auf 41,28 Dollar zu. Mehrere Analysehäuser hatten den Kursverfall der Vortage als Kaufgelegenheit bezeichnet. So sagte Goldman Sachs, die aufgekommene Skepsis gegenüber den Bilanzpraktiken des Mobilfunkausrüsters entbehrten jeder Grundlage. Im laufenden Quartal könne das Unternehmen die Erwartungen erfüllen, zudem stelle das Quartal den Tiefpunkt des Jahres dar. UBS Warburg und Morgan Stanley hatten sich ähnlich positiv geäußert.
US-Anleihen schließen schwächer
Schwächer haben die US-Treasurys am Montag im späten New Yorker Handel notiert. Zehnjährige Papiere mit einem Zinskupon von 4,875 Prozent gaben um 8/32 auf 99-23/32 nach, die Rendite stieg von 4,85 auf 4,91 Prozent. Der Longbond mit einem Zinsschein von 5,375 Prozent sank um 11/32 auf 99-19/32 und rentierte mit 5,40 Prozent, nach 5,35 Prozent am Freitag. Die gute Entwicklung der Aktienkurse am Montag habe die Anleihen in die Defensive und in eine enge Handelsspanne gedrängt, sagte ein Händler.
“Die derzeit gegenläufigen Strömungen - einerseits Sorgen über Unternehmensverschuldung und die Aktienkursentwicklung, und auf der anderen Seite die aufkeimende konjunkturelle Erholung - sorgen dafür, das sich die US-Treasurys weiter seitwärts bewegen“, sagte Michael Krauss von J.P. Morgan Securities. Er erwarte, dass die Rendite der zehnjähigen Anleihen so lange in der Range zwischen 4,85 und 5,00 Prozent verharrt, bis entweder die Unternehmensergebnisse oder die Konjunkturdaten ein deutlicheres Bild abgäben. Ein wichtiges Datum in dieser Woche seien die am Mittwoch anstehenden US-Einzelhandelsumsätze. Volkswirte erwarten einen leichten Rückgang durch ein Sinken der Auto-Absatzzahlen, was jedoch teilweise durch einen leichten Anstieg in allen anderen Bereichen ausgeglichen werde.
Medienschau
12. Feb. 2002
Unternehmensnachrichten
Nortel-CFO tritt wegen persönlichen Investitionen zurück
Der Chief Financial Officer (CFO) der Nortel Networks Terry Hungle ist von seiner Position zurück getreten. Der kanadische Netzausrüster teilte am Montag mit, das Unternehmen habe freiwillig die US-Börsenaufsicht über “die Umstände bestimmter persönlicher Investitionen“ verständigt, die Hungle 2001 im Rahmen des langfristigen Investitionsprogramms von Nortel vorgenommen habe. (vwd)
HypoVereinsbank bietet für Kirchs Springer-Aktien
Die HypoVereinsbank hat nach jüngsten Zeitungsberichten der hoch verschuldeten KirchGruppe ein Angebot für deren 40-prozentige Beteiligung am Axel Springer Verlag gemacht. Wie unter anderem die “Financial Times Deutschland“ (Dienstagausgabe) erfahren hat, bietet die Bank dem Medienkonzern zwischen 1,1 Milliarden und 1,4 Milliarden Euro für dessen Aktienpaket. Die Offerte soll jedoch “nur Teil eines größeren Pakets sein, das einen größeren Teil der finanziellen Probleme von Kirch lösen wird“. Kirch ist letzten Angaben zufolge mit 5,6 Milliarden Euro verschuldet. (vwd)
Deutscher Bank droht Schadenersatzverfahren
Übersetzungsprobleme aus dem Englischen könnten die Deutsche Bank AG eine Viertelmilliarde Dollar kosten: Ein US-Richter hat einen Antrag des deutschen Geldinstitutes auf Abweisung einer Gruppenklage von Bankers-Trust-Aktionären zurückgewiesen. Diese werfen dem Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf-E. Breuer nach einem Bericht des “Handelsblatt“ (Dienstagausgabe) vor, sie durch eine missverständliche Verwendung des Wortes “Übernahmeangebot“ irregeleitet zu haben. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen wird die Anklageseite im bevorstehenden Verfahren möglicherweise Schadenersatzforderungen von bis zu 250 Millionen Dollar erheben. Breuer hatte im Oktober 1998 dementiert, in “Übernahmegesprächen“ mit der US-Bank Bankers Trust zu stehen, hieß es rückblickend. Tatsächlich aber verhandelte die Deutsche Bank zu diesem Zeitpunkt bereits mit Bankers Trust. (vwd)
Siemens beharrt auf Alleingang im Handy-Geschäft
Siemens schließt mittelfristig für sine Mobilfunktochter ICM eine umfassende Partnerschaft aus. ICM-Chef Rudi Lamprecht wies Spekulationen zurück, man wolle eine starke Präsenz in den USA aufbauen und strebe eine Partnerschaft mit Motorola oder Samsung an. (FTD, S. 3)
Infineon spricht mit Hynix nicht nur über Speicherchip-Allianz
Infineon verhandelt mit Hynix offenbar nicht nur über eine Allianz im Bereich Speicherchips. Die Münchener seien auch in Gesprächen über eine Zusammenarbeit in anderen Bereichen wie Kommunikations-Chips, hieß es im Umkreis von Infineon. (Handelsblatt, S. 13)
Software AG will ab 2003 Umsatzrendite steigern
Software AG will ab 2003 seine Umsatzrendite steigern. „Spätestens 2003 wird es wieder einen Boom im Software-Geschäft geben. Ab dem kommenden Jahr streben wir deswegen ein prozentual zweistelliges Umsatzwachstum jährlich an,“ sagte der Vorstandsvorsitzende Erwin Königs der „Financial Times Deutschland“ (Dienstagsausgabe). Der Gewinn solle dabei überproportional steigen, fügte er hinzu. Voraussetzung sei, dass es nicht zu einer lang anhaltenden Rezession komme. 2002 soll die Marge nach Königs` Worten gleich bleiben. Das Ergebnis werde voraussichtlich proportional zu den Erlösen zulegen. (vwd)
Intershop verärgert Vertriebspartner
Intershop verschreckt seine Vertriebspartner durch hohe Preise und Konkurrenz im E-Business-Projekten. Der krisengeschüttelte Softwarelieferant operiert derzeit auf dünnem Eis: Durch hohe Preise und Beratungsverträge soll der Umsatz gesteigert werden. Intershop legt heute Geschäftsergebnisse vor. (FTD, S. 3)
Ehemaliges Biodata-Kerngeschäft geht an Neugründung über
Das ehemalige Kerngeschäft der Biodata wird an die neu gegründete Biodata Systems übertragen. Das unter Insolvenzverwaltung stehende Unternehmen teilte am Montag ad hoc mit, damit sei die Mitte Dezember vorgestellte Planung umgesetzt worden. Die operativen Aktivitäten der BlueCrypt-Verschlüsselungslinie werde die Dica Technologies, eine 100-prozentige Tochter der AG mit Hauptsitz in Dresden, weiterführen. Die Biodata Systems GmbH erwerbe Rechte an den Babylon- und BIGfire-Produkten. (Ad hoc)
Wirtschaftsnachrichten
EU-Frühwarnung an Deutschland und Portugal wohl vom Tisch
Deutschland und Portugal müssen voraussichtlich nicht mit einem schriftlichen Tadel der EU-Partner wegen ihrer deutlich gestiegenen staatlichen Defizite rechnen. Die zwölf Finanzminister der Eurozone einigten sich in der Nacht zum Dienstag in einem Kompromiss darauf, auf die von der Europäischen Kommission empfohlene Frühwarnung zu verzichten. Im Gegenzug hätten sich Deutschland und Portugal in einer Erklärung zu einer strikteren Haushaltsdisziplin verpflichtet, sagte der spanische Ratsvositzende Rodrigo Rato in Brüssel. (vwd)