
09. August 2004
Herbe Verluste an der Wall Street, ein schwacher Arbeitsmarkt, ein anhaltend hoher Ölpreis und relativ schwache Konsumnachfrag in Europa sind als Vorgaben für den deutschen Aktienmarkt ungünstig. Der Dax sollte die Unterstützung bei 3.705 halten können, um nicht weiter abzurutschen.
Anleihemarkt profitiert von enttäuschendem Arbeitsmarkt in Amerika
Die enttäuschenden Zahlen am amerikanischen Arbeitsmarkt haben die Situation am Rentenmärkt etwas geändert. Denn manche Marktteilnehmer rechnen nun mit eher nur zögerlichen Zinserhöhungen, zumindest in Amerika. Das könnte den Rentenmärkt weiterhin etwas Rückenwind geben, obwohl die Zinsen in langfristiger Perspektive extrem tief sind.
Euro wenig verändert - Druck auf Dollar erwartet
Der Eurokurs bewegt sich am Montag an den Devisenmärkten des Fernen Ostens in engen Grenzen. Händler erwarten allerdings einen weiteren Kursanstieg des Euro gegenüber dem Dollar. Die amerikanische Währung werde wegen Sorgen über die amerikanische Wirtschaft nach den enttäuschenden Arbeitsmarktdaten sowie Spekulationen über eine Verlangsamung der erwarteten Zinserhöhungen in Amerika gedrückt, hieß es. Das amerikanische Arbeitsministerium hatte am Freitag einen Zuwachs der Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft im Juli um 32.000 mitgeteilt. Analysten hatten im Schnitt mit einem weitaus kräftigeren Plus von 228.000 Stellen gerechnet. Nach dieser Nachricht hatte der Euro am Freitag auf 1,2280 Dollar und damit den höchsten Stand seit drei Wochen zugelegt. Am Montag liegt er im frühen Handel bei 1,2277 Dollar im Vergleich zum Freitagsschluß in New York kaum verändert. Der Dollar zeigt sich mit 110,27 Yen gegenüber der letzten New Yorker Notierung von 110,50 Yen wenig verändert. Die amerikanische Notenbank Fed wird am Dienstag nach Einschätzung von Analysten auch nach den enttäuschenden Arbeitsmarktdaten den Geldmarkt-Schlüsselzins um einen viertel Prozentpunkt auf 1,50 Prozent erhöhen. Im weiteren Verlauf des Jahres könnten die Zinsschritte aber nicht so häufig wie zuvor erwartet kommen, hieß es.
Aktien Tokio tendieren im Verlauf leichter
Leichter zeigt sich der Tokioter Aktienmarkt am Montag im Verlauf der zweiten Sitzungshälfte. Der Nikkei-225 sinkt bis 6.04 Uhr MESZ um 0,9 Prozent oder 102 auf 10.870 Punkte, der Topix verringert sich um 0,8 Prozent oder 9 Punkte auf 1.098. Händler rechnen damit, daß sich der Handel im weiteren Sitzungsverlauf auf diesem niedrigen Niveau stabilisiert, nachdem zunächst Kursverluste an Wall Street infolge schwach ausgefallener US-Arbeitsmarktdaten den Markt belastet hätten. Inzwischen stützten Aktivitäten von Schnäppchenjägern den Nikkei, heißt es. Die in dieser Woche anstehende Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed sorge allerdings auch für etwas Zurückhaltung. Größere Positionen wolle derzeit niemand eingehen.
Aktien Hongkong mittags gut behauptet
Gut behauptet zeigt sich der Aktienmarkt in Hongkong am Montag zum Ende der 1. Handelshälfte und erholt sich damit von seinen Verlusten aus dem frühen Geschäft. Der HSI gewinnt 0,2 Prozent oder 23 Punkte auf 12.501. Gestützt werde der Markt von guten Unternehmensergebnissen und der gesund erscheinenden Hongkonger Wirtschaft, heißt es von Händlern. Die Umsätze seien vergleichsweise gering. Unter den Blue Chips steigen Hutchison um 1,3 Prozent auf 57 Hong Kong Dollar mit verbesserten Aussichten für das UMTS-Geschäft. Henderson Land erhöhen sich um 1,4 Prozent auf 35,60 Hong Kong Dollar wegen der guten Resonanz auf das Grande-Promenade-Projekt. Im Minus notieren hingegen PCCW, die 0,9 Prozent auf 5,25 Hong Kong Dollar verlieren.
Kursbewegungen und Neuigkeiten nach Börsenschluß
Die Kurse an der Nasdaq präsentierten sich am Donnerstag nachbörslich etwas freundlicher. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator gewann 0,59 Prozent auf 1.323,07 Punkte.
Pfizer haben am Freitag im nachbörslichen Geschäft leicht nachgegeben. Gegen das Unternehmen seien mehrere Klagen eingereicht worden, die unter anderem das Cholesterin-Medikament “Lipitor“ und das Antidepressivum “Zoloft“ betreffen, hieß es im Markt. Pfizer verloren 0,6 Prozent auf glatt 31,00 Dollar. Merck notierten nachbörslich bei hohen Umsätzen ebenfalls in Verbindung mit Rechtsstreitigkeiten bis 17.44 Uhr unverändert bei 43,60 Dollar.
Maxim Integrated Products erhöhten sich um 1,4 Prozent auf 44,85 Dollar. Als Grund nannten Händler die gut aufgenommenen Zahlen zum 4. Quartal. Das Unternehmen hatte für diesen Zeitraum einen Gewinn je Aktie von 0,36 Dollar vorgelegt nach 0,24 Dollar im Vorjahr. Während der regulären Sitzung hatten die Titel zuvor um rund 5 Prozent nachgegeben.
Wall Street schließt nach enttäuschenden Konjunkturdaten schwach
Die unerwartet schwach ausgefallenen Arbeitsmarktdaten in Amerika haben am Freitag zu einem schwachen Schlußstand an Wall Street geführt. Die “desaströsen“ Zahlen hätten den Märkten einen “Tiefschlag“ versetzt, hieß es. Offensichtlich sei die Schwäche des Arbeitsmarkts im Juni keine Eintagsfliege gewesen. Der Bericht werfe nun Fragen über die Verbraucherausgaben auf. Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel des Bruttoinlandprodukts Amerikas aus. “Was passiert nun mit der Konjunktur im zweiten Halbjahr“, fragte ein Beobachter.
Der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte (DJIA) sank um 1,5 Prozent oder 148 Punkte auf 9.815. Der S&P-500-Index verlor 1,6 Prozent oder 17 auf 1.064 Zähler. Der Nasdaq-Composite-Index büßte 2,5 Prozent oder 45 auf 1.777 Punkte ein.
Das amerikanische Arbeitsministerium berichtete, die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft sei im Vergleich zum Vormonat um lediglich 32.000 gestiegen. Volkswirte hatten einen Stellenzuwachs um 250.000 erwartet. Zudem wurde das zunächst gemeldete Beschäftigungsplus für Juni deutlich nach unten korrigiert. Beobachter tun sich schwer mit einer Erklärung für die enttäuschenden Zahlen. Möglicherweise hätten sich Unternehmen angesichts der Rekordpreise für Öl mit Einstellungen weit stärker zurückgehalten als angenommen, heißt es. Die Notierungen an den Rentenmärkten sprangen an, während der Dollar deutlich nachgab.
“Ein schlechter Monatsbericht vom Arbeitsmarkt kann der Markt wegstecken, zwei schlechte Berichte in Folge sind nur schwer zu erklären“, sagte Steve Stanley, Chefstratege RBS Greenwich Capital. Angesichts einer Vielzahl von Unsicherheitsfaktoren - neben dem Arbeitsmarkt auch der hohe Ölpreis, die Gefahr von Terrorattacken und nicht zuletzt die amerikanische Präsidentenwahl - räumten Investoren ihre Positionen oder hielten ihr Pulver trocken. Die Nachrichten vom Arbeitsmarkt dürften die Märkte noch eine ganze Weile begleiten, meinte der Stratege mit Blick auf die kommenden Monate.
Unternehmensnachrichten traten angesichts dieser Entwicklung eindeutig in den Hintergrund. McDonald's sanken 2,0 Prozent auf 26,34 Dollar. Das Unternehmen will im laufenden Jahr weniger Restaurants eröffnen als ursprünglich geplant. Statt der anberaumten 550 Gaststätten sollen nun 500 neue Geschäfte eröffnen, hieß es in dem Quartalsbericht des Unternehmens, der der emerikanischen Börsenaufsicht SEC am Freitag eingereicht wurde. Auch die Zahl der erwarteten Neueröffnungen bei den “Satelliten-Restaurants“ sei auf 250 von vorher 300 gesenkt worden. Die Aktie von Pixar Animation Studios stieg um 2,7 Prozent auf 67,78 Dollar, die Erfinder des Kino-Erfolgs “Findet Nemo“ haben im 2. Quartal bei einem Umsatzplus von 36 Prozent den Gewinn nahezu verdoppelt.
Amerikanische Anleihen im späten New Yorker Geschäft sehr fest
Die amerikanischen Anleihen haben am Freitag nach unter den Erwartungen ausgefallenen Arbeitsmarktdaten im späten New Yorker Handel sehr fest tendiert. Die zehnjährige Titel mit einem Kupon von 4,750 Prozent stiegen um 1-14/32 auf 104-6/32. Die Rendite fiel von 4,402 auf 4,22 Prozent. Die mit 5,375 Prozent verzinste 30-jährige Treasury legte um 1-24/32 auf 104-29/32 zu und rentierte mit 5,037 Prozent. Am Donnerstag hatte die Rendite noch 5,154 Prozent betragen.
Die Situation am amerikanischen Arbeitsmarkt hat sich im Juli gemessen an den Erwartungen äußerst schlecht entwickelt. Wie das amerikanische Arbeitsministerium berichtete, stieg die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft gegenüber dem Vormonat um lediglich 32.000. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten hingegen einen Stellenzuwachs um 250.000 erwartet. Zudem wurde das zunächst gemeldete Beschäftigungsplus des Vormonats deutlich nach unten korrigiert. Für Juni wird nunmehr ein Zuwachs von revidiert 78.000 ausgewiesen, nachdem zunächst ein Anstieg um 112.000 genannt worden war.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters.