Der wochenlange Streit um die US-Präsidentschaft ist entschieden. Der 43. Präsident der USA heißt George W. Bush. Die Börsen atmen auf und können sich nun wieder ihrem Tagesgeschäft widmen. Nachdem die zunächst erhoffte Bush-Rallye kurzerhand ausblieb, die Nasdaq wieder unter der 3000-Punkte-Marke umherdümpelt, schien auch den Akteuren am deutschen Wachstumssegment die Kauflust vergangen zu sein. Der Neue-Markt-Top 30, unser Kursbarometer für die 30 wichtigsten Aktien des Neuen Marktes, verlor bis zum Handelsende 40 Zähler. Schlußstand: 1.253 Punkte. Der breiter gefaßte Nemax 50 Index büßte 152 Zähler oder 4,4 Prozent auf 3.277 Punkte ein.
Im Blickpunkt
Der Berliner Prozeßfinanzierer Foris erwartet im laufenden Geschäftsjahr einen Verlust von 6,5 Millionen Mark. Noch offene Verfahren sowie hohe Kosten für Personal, Werbeaktionen und den Aufbau neuer Geschäftsfelder würden das Ergebnis belasten, erklärte die Gesellschaft ( mehr dazu hier ). Das Papier brach 15,7 Prozent auf 7,25 Euro ein.
Die Herabstufung von Intershop auf "Market Perform" durch die Deutsche Bank ließ den Kurs 9,3 Prozent auf 40 Euro fallen. Nach Meinung der Analysten weise die Aktie im Vergleich zu den amerikanischen Wettbewerbern, bei denen der faire Wert bei etwa 30 Euro liege, einen ungerechtfertigten Aufschlag auf ( mehr dazu hier ).
Konkurrent Broadvision ließ ebenso - wie vermutlich auch seine Anteilseigner - den Kopf hängen und schloß mit 24,70 Euro - ein Minus von 8,5 Prozent.
Der Online-Buchhändler Buch.de profitierte auch noch am Donnerstag von der am Vortag erwachten Euphorie um E-Commerce-Unternehmen (Stichwort: Wegfall des Rabattgesetzes). Buch.de legte 53 Prozent auf 2,60 Euro zu. Händler machten einen oder mehrere große Käufer für die Explosion verantwortlich. Konkurrent Mediantis kletterte 14,1 Prozent auf 3,65 Euro.
Im kommenden Geschäftsjahr 2001 will Nexus einen Gewinn von 1 Million Mark erzielen. Der Umsatz soll auf 57 Millionen Mark klettern. In den ersten neun Monaten 2000 hatte die Gesellschaft 40,4 Millionen Mark umgesetzt und einen Verlust von 8,7 Millionen Mark eingefahren. Der optimistische Blick nach vorn bescherte dem Softwareanbieter einen Aufschlag von 1,1 Prozent auf 3,55 Euro.
Einen Auftrag mit einem Volumen von 11 Millionen Mark konnte Systematics von der Aachener und Münchener Versicherungsgruppe an Land ziehen ( mehr dazu hier ). Ungeachtet dessen verlor die Aktie 4,7 Prozent auf 24,30 Euro.
Letsbuyit versuchte nach der Kursexplosion am Vortag (+ 188 Prozent) zunächst seine Rallye fortzusetzen. Auslöser war auch hier die bevorstehende Abschaffung des Rabattgesetzes. Je näher jedoch das Ende der Börsensitzung rückte, desto stärker wurde der Wert von Gewinnmitnahmen in Mitleidenschaft gezogen. Zuletzt waren die Anteile des Internethändlers für 1,57 Euro (-17,4 Prozent) zu haben.
Eine Vertriebspartnerschaft zwischen Curasan und Rösch trieb Curasan 1,7 Prozent auf 17,50 Euro in die Höhe, während Rösch 0,9 Prozent auf 54 Euro zulegte. Curasan soll das nadelfreie Rösch-Injektionssystem Injex für die Lokalanästhesie in Deutschland und Österreich anbieten.
EM.TV muß sich nicht nur mit tief enttäuschten Aktionären sondern nun auch mit der Staatsanwaltschaft umherplagen, die infolge diverser Anzeigen gegen den Vorstand Ermittlungen aufgenommen hat. Das Merchandisingunternehmen rutschte 5,9 Prozent auf 6,26 Euro ab.
Mit dem Abschluß eines vierten Werbevertrages innerhalb weniger Tage bringt Matchnet seine Anhänger offensichtlich zum Toben. Die Internet-Einkaufsseite BuyBidWin.com wird für ihre Popularisierung 450.000 US-Dollar zahlen, was den Strom zusätzlicher Werbeeinnahmen damit auf 2,85 Millionen Dollar steigen läßt. Matchnet erreichte 2,55 Euro - ein Plus von 15,9 Prozent.