Zeitungsbericht
Defizit der Krankenkassen höher als erwartet
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt wird heute ein Minus von mehr als 2 Milliarden Euro verkünden. Ärztefunktionäre fordern deshalb Einschnitte bei den Leistungen.
ddp BERLIN. Das Defizit der gesetzlichen Krankenkassen ist im ersten Halbjahr offenbar größer ausgefallen als erwartet. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe) lagen die Ausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung Ende Juni um 2,39 Milliarden Euro höher als die Einnahmen. Experten rechnen mit einem Anstieg der Kassenbeiträge von derzeit 14,0 Prozent auf bis zu 14,3 Prozent. Gesundheitsministerin Schmidt wird offizielle Zahlen heute mitteilen.
"Bild" zufolge verzeichneten erstmals auch die Betriebskrankenkassen ein Minus von 400 Millionen Euro. Den Ersatzkassen fehlten zur Jahresmitte 1,2 Milliarden Euro, den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) 852 Millionen Euro, schreibt das Blatt.
Der Vorsitzende des Ärzteverbandes Hartmannbund, Thomas, forderte Einschnitte bei den Krankenkassen-Leistungen. "Die Kassen sollten keine Unfallverletzungen mehr bezahlen", schlug er laut Zeitung vor. Dies spare sechs bis zehn Milliarden Euro. Thomas sprach sich außerdem dafür aus, bestimmte Leistungen aus Steuermitteln zu erstatten. "Die Kosten für Geburten und Schwangerenbetreuung sollte der Staat den Kassen abnehmen, das spart noch eine Milliarde", sagte er.
HANDELSBLATT, Montag, 02. September 2002, 07:46 Uhr