Das Online-Reisebüro Lastminute.com zählt zu den Überlebenden der New Economy. Derzeit profitiert es von der Krise in der Tourismus-Industrie.
Hinter dem Schreibtisch von Martha Lane Fox, 29, hängen mehrere Antikriegsplakate. "Es ist ein Wahnsinn, was die Amerikaner im Irak vorhaben", sagt die Gründerin von Lastminute.com, dem erfolgreichsten Internet-Reisebüro in Europa.
Vor zwei Jahren suchte der britische Premierminister Tony Blair den engen Kontakt zur Londoner Internet-Queen und überzeugten Labour-Anhängerin, weil er sich mit einem unverbrauchten Gesicht der New Economy schmücken wollte. Nun ist die Begeisterung auf beiden Seiten abgekühlt. Fox hält Abstand zum Bush-Anhänger Blair - und der hat noch nicht mitbekommen, dass es Überlebende des Internet-Hypes gibt.
Fox und ihr Mitgründer Brent Hoberman, 33, haben es geschafft. Im November meldete ihr Unternehmen, das mit Reisen, Theatertickets und Geschenkideen in zwölf Ländern einen jährlichen Bruttoumsatz von 391 Millionen Euro abwickelt, für das Sommerquartal einen ersten, winzigen Gewinn - allerdings vor Firmenwertabschreibungen und anderen Sonderposten. Im vergangenen Quartal rutschten sie wieder richtig in die Miesen.
Die Anleger reagierten 2002 euphorisch, fast wie in den Zeiten der Internet-Blase. Mit einem Kursplus von 240 Prozent avancierte Lastminute.com zum Star an der Londoner Börse. Die Deutsche Bank und die Fondsgesellschaft Schroder erwarben jeweils zehn Prozent der Aktien. Sie setzen darauf, dass Lastminute.com ähnlich wie Amazon oder EBay zu den Internet-Unternehmen zählen, die auch nach dem Zusammenbruch der New Economy eine Zukunft haben.
Vom Einstiegskurs von 380 Pence, den das Unternehmen beim Börsengang am 14. März 2000, auf dem Höhepunkt des Internet-Hypes, erzielte, können die beiden Oxford-Absolventen Fox und Hoberman heute nur träumen. Die Nachfrage nach den Aktien des zwei Jahre alten Unternehmens überstieg damals das Angebot um das 47fache. Schon ein Jahr später schien alles vorbei: Im Frühjahr 2001 stieß das Online-Reisebüro, das noch nicht einmal ein richtiges Internet-Buchungssystem für Flüge besaß, zum so genannten 90-er Club - den Unternehmen, die über 90 Prozent ihres Werts verloren hatten.
"Wir haben einen ganzen Sack von Fehlern gemacht", sagt Fox. Beispielsweise werde sie nie mehr eine alte Technologie abschalten und darauf vertrauen, dass die neue Software schon funktioniere.
So reden Überlebende, die es irgendwie doch geschafft haben. Im Hauptquartier von Lastminute.com, mit Blick auf den Buckingham Palace, drängen sich ein paar hundert Internet-Profis auf vier Etagen in schrecklich funktionalen Großraumbüros. Im Keller erinnern ein paar Kickertische an die Arbeitswelt der New Economy von einst.
Die beiden Gründer, die Aktien im Wert von derzeit 40 Millionen Euro halten, sitzen mitten im Großraumbüro. Nur der Finanzvorstand David Howell, 53, früher in derselben Position beim Touristikunternehmen First Choice Holidays, trägt eine Krawatte.
Lastminute.com stieg 2002 bei insgesamt fünf Unternehmen ein. Internet-Konkurrenten sind für wenige Millionen Pfund zu haben. Bezahlt wird liquiditätsschonend mit eigenen Aktien, die Neuerwerbungen schließen empfindliche Lücken im Angebot.
In Deutschland allerdings kam das Unternehmen nicht so recht voran, obwohl das Wort "Lastminute" laut einer Statistik von Google hier das am meisten verwendete Suchwort ist und 900 000 Interessenten bei Last Minute.com in Deutschland registriert sind. "Die Deutschen fürchten sich immer noch vor dem Internet", sagt Hoberman. Vor allem haben sie - im Gegensatz zu den britischen Konsumenten - Angst, im Internet mit einer Kreditkarte zu zahlen.
Deshalb kauften sich die Briten mit 20 Prozent bei der LCC24 AG ein, dem Online-Vertrieb der 530 Reisebüros der Lufthansa-City-Center. Sie wollen deren Verkaufsstellen in über 200 Städten nutzen, damit die Deutschen dort ihre Last-Minute-Reisen ganz traditionell bezahlen können. Gleichzeitig hofft der einstige Germanistik-Student Hoberman, dass die Deutschen sich langsam daran gewöhnen, im Internet nach Schnäppchen Ausschau zu halten.
Auch die Lufthansa geht von einem starken Anstieg der Internet-Buchungen aus, die von zurzeit rund 5 Prozent bis 2005 auf über 15 Prozent anwachsen sollen. Vor gut einem Jahr gründete sie zusammen mit British Airways, Air France und weiteren sechs Fluglinien den Internet-Anbieter Opodo. Die Preise sind dort oft deutlich niedriger als bei Lastminute.com.
"Nur Flüge zu verkaufen ist kein gutes Geschäft", sagt Fox. Opodo mache 95 Prozent seines Umsatzes mit Flügen, bei den Briten seien es nur 30 Prozent. "Wir wollen Bungee-Springen, Flüge und Ballonfahrten verkaufen", meint Kollege Hoberman, der sein Unternehmen am liebsten als Lifestyle-Firma verkauft.
Lastminute.com will kein Billiganbieter sein und kalkuliert mit Bruttomargen von durchschnittlich 13 Prozent. Zumindest im Heimatmarkt Großbritannien geht das Konzept auf, zu den am meisten nachgefragten Angeboten gehört ein Tag im Fünf-Sterne-Hotel Nirvana Spa für 55 Pfund.
Im Gegensatz zu den großen Reisekonzernen fürchtet Kriegsgegnerin Fox, rein geschäftlich gesehen, auch einen möglichen Irak-Krieg nicht. Gegenüber 2001 sind die Sommerbuchungen bei TUI, Thomas Cook und Co. in Deutschland und Großbritannien um mindestens 20 Prozent eingebrochen.
Während das veränderte Buchungsverhalten für die Reisekonzerne ruinös ist, treibt es den Last-Minute-Anbietern immer neue Kunden zu. "Angebot und Nachfrage werden im Sommer für uns reichlich vorhanden sein", sagt Fox, der Bruttoumsatz soll sich wie im Jahr davor verdoppeln.
Außerdem hofft Lastminute.com, Reisefirmen zu Dumpingpreisen einkaufen zu können. Zurzeit haben Fox und Hoberman Teile von MyTravel, dem zweitgrößten europäischen Reisekonzern, im Visier.
"Es wird dieses Jahr noch viele Deals geben", freut sich Fox - und es klingt fast so wie in den Tagen des Hypes.
Hinter dem Schreibtisch von Martha Lane Fox, 29, hängen mehrere Antikriegsplakate. "Es ist ein Wahnsinn, was die Amerikaner im Irak vorhaben", sagt die Gründerin von Lastminute.com, dem erfolgreichsten Internet-Reisebüro in Europa.
Vor zwei Jahren suchte der britische Premierminister Tony Blair den engen Kontakt zur Londoner Internet-Queen und überzeugten Labour-Anhängerin, weil er sich mit einem unverbrauchten Gesicht der New Economy schmücken wollte. Nun ist die Begeisterung auf beiden Seiten abgekühlt. Fox hält Abstand zum Bush-Anhänger Blair - und der hat noch nicht mitbekommen, dass es Überlebende des Internet-Hypes gibt.
Fox und ihr Mitgründer Brent Hoberman, 33, haben es geschafft. Im November meldete ihr Unternehmen, das mit Reisen, Theatertickets und Geschenkideen in zwölf Ländern einen jährlichen Bruttoumsatz von 391 Millionen Euro abwickelt, für das Sommerquartal einen ersten, winzigen Gewinn - allerdings vor Firmenwertabschreibungen und anderen Sonderposten. Im vergangenen Quartal rutschten sie wieder richtig in die Miesen.
Die Anleger reagierten 2002 euphorisch, fast wie in den Zeiten der Internet-Blase. Mit einem Kursplus von 240 Prozent avancierte Lastminute.com zum Star an der Londoner Börse. Die Deutsche Bank und die Fondsgesellschaft Schroder erwarben jeweils zehn Prozent der Aktien. Sie setzen darauf, dass Lastminute.com ähnlich wie Amazon oder EBay zu den Internet-Unternehmen zählen, die auch nach dem Zusammenbruch der New Economy eine Zukunft haben.
Vom Einstiegskurs von 380 Pence, den das Unternehmen beim Börsengang am 14. März 2000, auf dem Höhepunkt des Internet-Hypes, erzielte, können die beiden Oxford-Absolventen Fox und Hoberman heute nur träumen. Die Nachfrage nach den Aktien des zwei Jahre alten Unternehmens überstieg damals das Angebot um das 47fache. Schon ein Jahr später schien alles vorbei: Im Frühjahr 2001 stieß das Online-Reisebüro, das noch nicht einmal ein richtiges Internet-Buchungssystem für Flüge besaß, zum so genannten 90-er Club - den Unternehmen, die über 90 Prozent ihres Werts verloren hatten.
"Wir haben einen ganzen Sack von Fehlern gemacht", sagt Fox. Beispielsweise werde sie nie mehr eine alte Technologie abschalten und darauf vertrauen, dass die neue Software schon funktioniere.
So reden Überlebende, die es irgendwie doch geschafft haben. Im Hauptquartier von Lastminute.com, mit Blick auf den Buckingham Palace, drängen sich ein paar hundert Internet-Profis auf vier Etagen in schrecklich funktionalen Großraumbüros. Im Keller erinnern ein paar Kickertische an die Arbeitswelt der New Economy von einst.
Die beiden Gründer, die Aktien im Wert von derzeit 40 Millionen Euro halten, sitzen mitten im Großraumbüro. Nur der Finanzvorstand David Howell, 53, früher in derselben Position beim Touristikunternehmen First Choice Holidays, trägt eine Krawatte.
Lastminute.com stieg 2002 bei insgesamt fünf Unternehmen ein. Internet-Konkurrenten sind für wenige Millionen Pfund zu haben. Bezahlt wird liquiditätsschonend mit eigenen Aktien, die Neuerwerbungen schließen empfindliche Lücken im Angebot.
In Deutschland allerdings kam das Unternehmen nicht so recht voran, obwohl das Wort "Lastminute" laut einer Statistik von Google hier das am meisten verwendete Suchwort ist und 900 000 Interessenten bei Last Minute.com in Deutschland registriert sind. "Die Deutschen fürchten sich immer noch vor dem Internet", sagt Hoberman. Vor allem haben sie - im Gegensatz zu den britischen Konsumenten - Angst, im Internet mit einer Kreditkarte zu zahlen.
Deshalb kauften sich die Briten mit 20 Prozent bei der LCC24 AG ein, dem Online-Vertrieb der 530 Reisebüros der Lufthansa-City-Center. Sie wollen deren Verkaufsstellen in über 200 Städten nutzen, damit die Deutschen dort ihre Last-Minute-Reisen ganz traditionell bezahlen können. Gleichzeitig hofft der einstige Germanistik-Student Hoberman, dass die Deutschen sich langsam daran gewöhnen, im Internet nach Schnäppchen Ausschau zu halten.
Auch die Lufthansa geht von einem starken Anstieg der Internet-Buchungen aus, die von zurzeit rund 5 Prozent bis 2005 auf über 15 Prozent anwachsen sollen. Vor gut einem Jahr gründete sie zusammen mit British Airways, Air France und weiteren sechs Fluglinien den Internet-Anbieter Opodo. Die Preise sind dort oft deutlich niedriger als bei Lastminute.com.
"Nur Flüge zu verkaufen ist kein gutes Geschäft", sagt Fox. Opodo mache 95 Prozent seines Umsatzes mit Flügen, bei den Briten seien es nur 30 Prozent. "Wir wollen Bungee-Springen, Flüge und Ballonfahrten verkaufen", meint Kollege Hoberman, der sein Unternehmen am liebsten als Lifestyle-Firma verkauft.
Lastminute.com will kein Billiganbieter sein und kalkuliert mit Bruttomargen von durchschnittlich 13 Prozent. Zumindest im Heimatmarkt Großbritannien geht das Konzept auf, zu den am meisten nachgefragten Angeboten gehört ein Tag im Fünf-Sterne-Hotel Nirvana Spa für 55 Pfund.
Im Gegensatz zu den großen Reisekonzernen fürchtet Kriegsgegnerin Fox, rein geschäftlich gesehen, auch einen möglichen Irak-Krieg nicht. Gegenüber 2001 sind die Sommerbuchungen bei TUI, Thomas Cook und Co. in Deutschland und Großbritannien um mindestens 20 Prozent eingebrochen.
Während das veränderte Buchungsverhalten für die Reisekonzerne ruinös ist, treibt es den Last-Minute-Anbietern immer neue Kunden zu. "Angebot und Nachfrage werden im Sommer für uns reichlich vorhanden sein", sagt Fox, der Bruttoumsatz soll sich wie im Jahr davor verdoppeln.
Außerdem hofft Lastminute.com, Reisefirmen zu Dumpingpreisen einkaufen zu können. Zurzeit haben Fox und Hoberman Teile von MyTravel, dem zweitgrößten europäischen Reisekonzern, im Visier.
"Es wird dieses Jahr noch viele Deals geben", freut sich Fox - und es klingt fast so wie in den Tagen des Hypes.