hi f-h,
habe gesehen, dass du hop-on in einem depotwettbewerb führst. bin vor ca. einem jahr auf hpon aufmerksam geworden (Artikel im Spiegel s.u.). hast du den wert "nur" aus chartgründen aufgenommen oder auch fundamentale infos? ist etwas schwer auführliche infos zu bekommen aber vor kurzem wurde ein aktierückkauf angekündigt - evtl erwartet uns hier bald einiges...
Wegwerf-Handy Hop-on
spiegel online 8.8.202
Wer springt auf?
Nichts ist dem hedonistisch orientierten Verbrauchsfetischisten lieber, als sein frisch entleertes Konsumgut zu entsorgen und durch ein volles zu ersetzen. Was für Dosen gilt, dachten sich die Entwickler von Hop-on, müsste doch auch für Handys gelten.
Wenn sich ein Unternehmen ein dümmlich grinsendes Cartoon-Känguru zum Firmenlogo wählt und zum Namen das auffordernde "Hop-on", dann bleiben nur wenige Fragen offen, wie zum Beispiel: Ist das ernst gemeint?
Ist es. Hop-on, "Spring auf", ist eine jugendlich verortete Marke, was vieles entschuldigt. Eine Marke, die offensichtlich Fun-orientiert mit Produkten daherkommt, die viel mit Kaugummi gemein haben: Peppig-poppig verpackt sorgen sie für Genuss, bei dem man den Kiefer kräftig bewegen muss, und wenn das Produkt verbraucht wird, wandert es in den Abfalleimer (idealerweise). Nur ist das Produkt Hop-on kein Kaugummi, sondern das welterste Wegwerf-Handy.
Das erregt nicht nur die Gemüter von Umweltschützern, die berechtigterweise fragen, ob wir das nun auch noch brauchen - es spaltet selbst die normalerweise auf Schulterschluss geeichte Gemeinde der vehementen Mobilitäts-Befürworter.
Die setzt sich aus Vertretern von Telekommunikationsunternehmen, Hardware-Herstellern, Unternehmensberatern und anderen Branchenexperten zusammen. Paulo Pescatore gehört dazu und ist Analyst beim Marktforschungsunternehmen International Data Corporation. Der BBC sagte er: "Ich kann mir nicht vorstellen, wie ein solcher Dienst mehr als nur einen Nischenmarkt finden sollte."
Das mag wohl sein, glauben auch die Hop-on-Entwickler, aber der sei groß genug: "Ich möchte ja nicht verrückt klingen", sagte dazu Hop-on-Gründer Peter Michaels in einem Interview, "aber ich kann so viele Hop-ons verkaufen, wie ich herstellen kann". Das, glaubt er, seien bis Weihnachten "Millionen".
Wenn es Einwegkameras gäbe, dann sicherlich auch einen Markt für Einweg-Handys. Ideal, um sie an Kinder und Jugendliche zu geben, in Autos als Notfall-Handys zu verstauen, im Urlaub einzusetzen, ohne den wertvollen Besitz des "ordentlichen" Handys einem Risiko auszusetzen. Das grüne Gewissen könne man sich ja beruhigen, indem man das Hop-on am Ende dem Recycling zuführe: Bei Rückgabe gäbe es immerhin sogar fünf Dollar Pfand zurück.
Bereits zur Cebit vorgestellt, wird Hop-on nun konkret: In Amerika erhielt das Gerät soeben die Marktzulassung. Damit ist der Weg frei, das Wegwerf-Gerät noch vor Weihnachten auf den Markt zu pushen. Nun sucht Hop-on nach Vertriebspartnern.
Die stünden vor der Aufgabe, ein Elementar-Handy für durchaus stolze 40 Dollar an den Kunden zu bringen. Der bekommt dafür ein Kartenspiel-kleines Gerät mit einem einfachen Headset, das ihm eine volle Stunde Sprechzeit bietet. Eine kostenlose Notruffunktion täuscht vor, dass bei der Konzeption auch Vernunft eine Rolle gespielt hätte.
Oder ist dem etwa wirklich so?
Hop-on ist zwar ein Wegwerfartikel, muss aber so gar nicht genutzt werden. Tatsächlich erlaubt das Einfachst-Handy, mit dem man wirklich nichts als telefonieren kann, das Aufspielen zusätzlicher Prepaid-Minuten, das Wiederaufladen der Akkus, und natürlich bekommt man für das Hop-on wirklich eine "richtige" Telefonnummer, unter der man auch angerufen werden kann. Das ist ein Konzept, das so gut wie niemandem in der Lobby der Mobilkommunikation schmeckt.
Denn Hop-on ist gegen-trendig. Es wapt nicht, GRPS ist ausgeschlossen, SMS überflüssig, wenn ein Handy kein Display aufweist, UMTS dito, der Klingelton ist monoton, und überhaupt kann Hop-on nichts, was ein Telefon nicht auch schon 1950 konnte. Nur mitnehmen kann man es, in der Hemdtasche. Immerhin, argumentiert Hop-on, könne man alle Inkompatibilitätsprobleme auf internationalen Reisen vergessen: Wozu teures - und manchmal unmögliches - Roaming, wenn man am Zielort einfach ein Hop-on kaufen könne?
Doch das alles, sagen Branchenexperten, ist zu wenig und zu teuer: Zu gering falle der Preisunterschied gegenüber herkömmlichen Prepaid-Handys aus. Außerdem wolle der Kunde heute mehr, und vor allem wolle er Prestigegeräte, keine Wegwerfartikel. Warum sonst seien die Halbkilo-Handys der frühen Jahre so schnell aus Cafés und U-Bahnen verschwunden?
Und in Europa, glauben Branchenkenner, habe Hop-on schon gar keine Chance.
Außer vielleicht in Großbritannien? Europas ungrüne Inseln haben mit dem Thema Müllentsorgung und Recycling - dort noch immer ein eher exotisches Sujet - von jeher weniger Probleme als "der Kontinent". In England liegt darum wohl auch Hop-ons erster Testmarkt außerhalb Amerikas.
Hüben wie drüben sieht Hop-on seine Chance nicht nur im Verbraucher-, sondern auch im Businessmarkt: Preis und Größe seien doch ideal für ein Werbegeschenk, als Kaufanreiz für andere Waren - werbewirksam bedruckt mit dem Firmenemblem des edlen Spenders. Verrückt oder nicht, das Thema ist noch nicht vom Tisch: Nicht auszuschließen, dass da so mancher aufspringt.
habe gesehen, dass du hop-on in einem depotwettbewerb führst. bin vor ca. einem jahr auf hpon aufmerksam geworden (Artikel im Spiegel s.u.). hast du den wert "nur" aus chartgründen aufgenommen oder auch fundamentale infos? ist etwas schwer auführliche infos zu bekommen aber vor kurzem wurde ein aktierückkauf angekündigt - evtl erwartet uns hier bald einiges...
Wegwerf-Handy Hop-on
spiegel online 8.8.202
Wer springt auf?
Nichts ist dem hedonistisch orientierten Verbrauchsfetischisten lieber, als sein frisch entleertes Konsumgut zu entsorgen und durch ein volles zu ersetzen. Was für Dosen gilt, dachten sich die Entwickler von Hop-on, müsste doch auch für Handys gelten.
Wenn sich ein Unternehmen ein dümmlich grinsendes Cartoon-Känguru zum Firmenlogo wählt und zum Namen das auffordernde "Hop-on", dann bleiben nur wenige Fragen offen, wie zum Beispiel: Ist das ernst gemeint?
Ist es. Hop-on, "Spring auf", ist eine jugendlich verortete Marke, was vieles entschuldigt. Eine Marke, die offensichtlich Fun-orientiert mit Produkten daherkommt, die viel mit Kaugummi gemein haben: Peppig-poppig verpackt sorgen sie für Genuss, bei dem man den Kiefer kräftig bewegen muss, und wenn das Produkt verbraucht wird, wandert es in den Abfalleimer (idealerweise). Nur ist das Produkt Hop-on kein Kaugummi, sondern das welterste Wegwerf-Handy.
Das erregt nicht nur die Gemüter von Umweltschützern, die berechtigterweise fragen, ob wir das nun auch noch brauchen - es spaltet selbst die normalerweise auf Schulterschluss geeichte Gemeinde der vehementen Mobilitäts-Befürworter.
Die setzt sich aus Vertretern von Telekommunikationsunternehmen, Hardware-Herstellern, Unternehmensberatern und anderen Branchenexperten zusammen. Paulo Pescatore gehört dazu und ist Analyst beim Marktforschungsunternehmen International Data Corporation. Der BBC sagte er: "Ich kann mir nicht vorstellen, wie ein solcher Dienst mehr als nur einen Nischenmarkt finden sollte."
Das mag wohl sein, glauben auch die Hop-on-Entwickler, aber der sei groß genug: "Ich möchte ja nicht verrückt klingen", sagte dazu Hop-on-Gründer Peter Michaels in einem Interview, "aber ich kann so viele Hop-ons verkaufen, wie ich herstellen kann". Das, glaubt er, seien bis Weihnachten "Millionen".
Wenn es Einwegkameras gäbe, dann sicherlich auch einen Markt für Einweg-Handys. Ideal, um sie an Kinder und Jugendliche zu geben, in Autos als Notfall-Handys zu verstauen, im Urlaub einzusetzen, ohne den wertvollen Besitz des "ordentlichen" Handys einem Risiko auszusetzen. Das grüne Gewissen könne man sich ja beruhigen, indem man das Hop-on am Ende dem Recycling zuführe: Bei Rückgabe gäbe es immerhin sogar fünf Dollar Pfand zurück.
Bereits zur Cebit vorgestellt, wird Hop-on nun konkret: In Amerika erhielt das Gerät soeben die Marktzulassung. Damit ist der Weg frei, das Wegwerf-Gerät noch vor Weihnachten auf den Markt zu pushen. Nun sucht Hop-on nach Vertriebspartnern.
Die stünden vor der Aufgabe, ein Elementar-Handy für durchaus stolze 40 Dollar an den Kunden zu bringen. Der bekommt dafür ein Kartenspiel-kleines Gerät mit einem einfachen Headset, das ihm eine volle Stunde Sprechzeit bietet. Eine kostenlose Notruffunktion täuscht vor, dass bei der Konzeption auch Vernunft eine Rolle gespielt hätte.
Oder ist dem etwa wirklich so?
Hop-on ist zwar ein Wegwerfartikel, muss aber so gar nicht genutzt werden. Tatsächlich erlaubt das Einfachst-Handy, mit dem man wirklich nichts als telefonieren kann, das Aufspielen zusätzlicher Prepaid-Minuten, das Wiederaufladen der Akkus, und natürlich bekommt man für das Hop-on wirklich eine "richtige" Telefonnummer, unter der man auch angerufen werden kann. Das ist ein Konzept, das so gut wie niemandem in der Lobby der Mobilkommunikation schmeckt.
Denn Hop-on ist gegen-trendig. Es wapt nicht, GRPS ist ausgeschlossen, SMS überflüssig, wenn ein Handy kein Display aufweist, UMTS dito, der Klingelton ist monoton, und überhaupt kann Hop-on nichts, was ein Telefon nicht auch schon 1950 konnte. Nur mitnehmen kann man es, in der Hemdtasche. Immerhin, argumentiert Hop-on, könne man alle Inkompatibilitätsprobleme auf internationalen Reisen vergessen: Wozu teures - und manchmal unmögliches - Roaming, wenn man am Zielort einfach ein Hop-on kaufen könne?
Doch das alles, sagen Branchenexperten, ist zu wenig und zu teuer: Zu gering falle der Preisunterschied gegenüber herkömmlichen Prepaid-Handys aus. Außerdem wolle der Kunde heute mehr, und vor allem wolle er Prestigegeräte, keine Wegwerfartikel. Warum sonst seien die Halbkilo-Handys der frühen Jahre so schnell aus Cafés und U-Bahnen verschwunden?
Und in Europa, glauben Branchenkenner, habe Hop-on schon gar keine Chance.
Außer vielleicht in Großbritannien? Europas ungrüne Inseln haben mit dem Thema Müllentsorgung und Recycling - dort noch immer ein eher exotisches Sujet - von jeher weniger Probleme als "der Kontinent". In England liegt darum wohl auch Hop-ons erster Testmarkt außerhalb Amerikas.
Hüben wie drüben sieht Hop-on seine Chance nicht nur im Verbraucher-, sondern auch im Businessmarkt: Preis und Größe seien doch ideal für ein Werbegeschenk, als Kaufanreiz für andere Waren - werbewirksam bedruckt mit dem Firmenemblem des edlen Spenders. Verrückt oder nicht, das Thema ist noch nicht vom Tisch: Nicht auszuschließen, dass da so mancher aufspringt.