Mit gemischten Vorgaben gehen Dax & Co. in den Mittwoch. Die Wall Street hat uneinheitlich geschlossen, wobei der Dow Jones in den letzten Minuten nach der wie erwartet ausgefallenen Zinsentscheidung in Amerika ins Plus gedreht ist, während der marktbreite S&P 500 ganz leicht unter Wasser blieb. Auch die Technologiebörse Nasdaq hat mit kleinen Gewinnen geschlossen. Der Schlußspurt des Dow Jones könnte die Kurse ebenso stützen wie der leicht gefallene Ölpreis und die Prognose der amerikanischen Notenbank, nach der die langfristigen Inflationserwartungen „gut begrenzt” blieben; die sollte die Angst vor stärker als erwartet steigenden Zinsen mildern.
Impulse von außen könnte der deutsche Aktienmarkt am Nachmittag erhalten, wenn aus Amerika der ISM-Index für das nicht-verarbeitende Gewebe einläuft.
Rentenmarkt dürfte sich weiter robust zeigen
Der deutsche Rentenmarkt geht mit recht günstigen Vorgaben aus Amerika, wo die Anleihekurse etwas gestiegen sind, in den Mittwoch und könnte am Tag nach der wie erwartet ausgefallen Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank sein Rekordhoch angreifen. Der für den deutschen Markt wegweisende Terminkontrakt Bund-Future verbesserte sich am Dienstag um 22 Basispunkte auf 120,95 Prozent ab.
Händler sprachen von einem Geschäft in einer engen Spanne. Nach oben biete weiterhin die Marke bei 120,98 Prozent einen kräftigen Widerstand. Nach unten sei der „Bund” bei 120,50 Prozent unterstützt. Der Markt harre weiterhin einer Entscheidung, die sich aber erst ergebe, wenn diese Marken herausgenommen würden, so technische Analysten. Nach Angaben der DZ Bank ist der Bund-Future aber überkauft.
Euro auf Zehnwochentief zum Yen
Spekulationen über eine Aufwertung der chinesischen Währung haben den Euro am Dienstag im fernöstlichen Devisenhandel auf ein Zehnwochentief zum japanischen Yen fallen lassen. Zum Dollar notiert die Gemeinschaftswährung im europäischen Handel indes etwas fester bei 1,2859 Dollar. Die amerikanische Währung wird weiter durch die Erwartung einer weiteren Erhöhung der Leitzinsen gestützt, über die Amerikas Notenbank (Fed) im späteren Verlauf des Tages entscheidet. Höhere Zinsen machen Dollar-Anlagen attraktiver. Für einen Euro wurden in Fernost zeitweise 134,92 Yen bezahlt nach 135,12 Yen im späten New Yorker Handel; aktuell kostet er 135,25 Yen. Sollte China wie an den Märkten spekuliert noch in dieser Woche die enge Bindung seiner Währung an den Dollar lockern, wird erwartet, daß auch andere asiatische Währungen an Wert gewinnen. Sie gelten derzeit als unterbewertet.
Kein Handel in Tokio
Die Tokioter Börse ist wegen eines Feiertags geschlossen.
Börse Hongkong etwas fester
Die Kurse an der Börse Hongkong zeigen sich am Mittwochmittag (Ortszeit) etwas fester. Der Hang-Seng-Index (HSI) gewinnt bis zum Ende der ersten Sitzungshälfte 0,4 Prozent oder 52 Punkte auf 13.946. Der Index schaffe es nicht, die Marke bei 14.000 Punkten zu überwinden, meint ein Teilnehmer. Er macht bereits Gewinnmitnahmen aus. Ohnehin fehle es dem Markt an Dynamik, sagen andere Akteure. ”Die meisten Leute gehen davon aus, daß der Markt auf kurze Sicht überkauft ist”, so ein Händler. Erst wenn sich europäische Fonds engagierten, dann könnte der HSI über 14.000 Punkte steigen.
Neuigkeiten und Kursbewegungen nach Börsenschluß
Etwas tiefer zeigten sich die amerikanischen Aktien am Dienstag nach Schluß des offiziellen Handels. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator sank nachbörslich um 0,11 Prozent auf 1.426,08 Punkte.
Die Aktien von Electronic Arts (EA) haben sich im nachbörslichen Handel am Dienstag deutlich leichter gezeigt. Die Titel gaben bis 18.29 Uhr (Ortszeit) auf der Handelsplattform nasdaq.com um 11,3 Prozent auf 46,94 Dollar nach, nachdem der Spielehersteller mit dem Ausblick auf das erste Quartal und das Fiskaljahr 2005 die Märkte enttäuscht hatte. EA rechnet im ersten Geschäftsabschnitt mit einem Verlust je Aktie von 0,22 Dollar bis 0,28 Dollar bei einem Umsatz von 300 bis 340 Millionen Dollar. An der Wall Street waren die Analysten bislang von einem Gewinn je Anteilsschein von 0,04 Dollar bei einem Umsatz von rund 450 Millionen Dollar ausgegangen. Für das Gesamtjahr rechnet EA mit einem Ergebnis je Aktie zwischen 1,55 Dollar und 1,70 Dollar bei einem Umsatz von 3,4 bis 3,5 Milliarden Dollar. Die Konsensschätzungen belaufen sich auf 1,71 Dollar je Aktie oder 3,81 Milliarden Dollar. Metlife zogen bis 18.45 Uhr um 5,6 Prozent auf 41 Dollar an, nachdem das Unternehmen die Analystenprognosen für das erste Quartal deutlich übertraf und auch den Ausblick für das Gesamtjahr anhob. Maxim Integrated Products stiegen bis 18.22 Uhr um 1,7 Prozent auf 37.50 Dollar, obwohl das Unternehmen mit dem Gewinn je Aktie leicht hinter den Schätzungen der Experten zurückgeblieben war.
Dow Jones rettet sich in letzten fünf Minuten ins Plus
Die amerikanischen Börsen haben nach dem Zinsentscheid der Federal Reserve uneinheitlich geschlossen. Der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte drehte in den letzten fünf Minuten von minus 0,4 Prozent ins Plus stieg um 0,1 Prozent oder 5 Punkte auf 10.257. Der S&P-500-Index verlor hingegen 0,1 Prozent oder eins Zähler auf 1.161. Der Nasdaq-Composite gewann dagegen 0,23 Prozent oder vier Punkte auf 1.933.
Erst in den letzten Handelsminuten drehte der Dow wieder ins Plus, nachdem die Fed mitgeteilt hatte, daß sie in ihrem Statement die Aussage weggelassen hatte, dass die langfristigen Inflationsaussichten weiter unter Kontrolle seien. Diese Aussage wurde erst kurz vor Handelsende nachgereicht und sorgte für einiges Shortcovering an den Märkten, so Händler. Zuvor hatte die Fed wie von den meisten Ökonomen prognostiziert den Leitzinssatz um 25 Basispunkte angehoben und auch in ihren Aussagen den Markterwartungen entsprochen.
Die Fed spreche weiterhin von einem „maßvollen Tempo” bei den Leitzinserhöhungen und einer „akkomodierenden” Geldpolitik, hieß es. Diese Aussagen seien am wichtigsten gewesen, so Beobachter. Völlig unwichtig seien dagegen die Konjunkturdaten des Tages für den Handel gewesen. Die Auftragseingänge der Industrie für März seien zwar erfreulich, aber ohne größere Auswirkungen geblieben.
Bei den Einzelwerten standen Tyco unter Druck, nachdem das Unternehmen enttäuschende Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht und auch den Ausblick für das Gesamtjahr 2005 nach unten korrigiert hatte. Die Aktie verlor 6,7 Prozent auf 28,65 Dollar. Die Titel von Boeing wurden dagegen gesucht. Der Flugzeughersteller wird mit Lockheed Martin bei der Produktion neuer Raketensysteme für die amerikanische Regierung kooperieren. Die beiden Unternehmen haben dazu das paritätische Joint Venture (JV) United Launch Alliance gegründet. Das jährliche Einsparpotenzial wird von den Gesellschaften auf 100 Millionen bis 150 Millionen Dollar beziffert. Boeing gewannen 0,8 Prozent auf 59,87 Dollar.
Mit einem Minus von 0,4 Prozent auf 36,10 Dollar zeigten sich dagegen General Electric. Das Unternehmen hatte von der Börsenaufsichtsbehörde SEC eine Vorladung bekommen. Hintergrund ist eine Untersuchung der SEC zu Produkten der Sparte Insurance Solutions, die Versicherungen zur Risikostreuung dienen, teilte GE am Vortag nach Börsenschluß mit. General Motors stiegen dagegen um 2,3 Prozent auf 27,77 Dollar und Ford Motor legten um 2,7 Prozent auf 9,47 Dollar zu. Beide Automobilhersteller hatten zwar rückläufige Absätze im April vermeldet, die Anleger jedoch dennoch nicht enttäuscht, hieß es aus dem Handel.
Amerikanische Anleihen etwas fester
Die amerikanischen Staatsanleihen haben sich nach dem Zinsentscheid der Fed etwas fester gezeigt. Zehnjährige Titel mit einem Kupon von 4,000 Prozent stiegen um 4/32 auf 98-19/32 und rentierten mit 4,17 Prozent nach 4,19. Der mit 5,375 Prozent verzinste 30-jährige Treasury zeigte sich mit einem Plus von 12/32 auf 113-14/32. Seine Rendite stand bei 4,49 Prozent nach 4,51. Lange Zeit lagen die Anleihen im Minus und vor allem die Kurzläufer gerieten unter Druck. Für den Dreh ins Plus in den letzten fünf Handelsminuten sorgte ein Kuriosum. Die Fed hatte in ihrem Statement die Aussage weggelassen, daß die langfristigen Inflationsaussichten weiter unter Kontrolle seien, und erst kurz vor Handelsende nachgereicht.
Diese Aussage sei grundsätzlich positiv für den Anleihemarkt gewesen, erklärte Gerald Lucas von der Bank of America. Zuvor hieß es noch von Jim Caron von Merrill Lynch, daß es etwas gedauert habe, bis der Markt die ganzen Fed-Aussagen verdaut und sich für eine Richtung habe entscheiden können. Die wichtigste Aussage für den Rentenmarkt sei es aber schließlich gewesen, dass die Notenbank die Zinsen auch weiterhin erhöhen wird. Dies sollte mittelfristig zu einer sich weiter abflachenden Zinsstrukturkurve führen, so Caron. Die Konjunkturdaten des Tages blieben ohne Auswirkungen auf den Rentenmarkt.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters.
Der Dax
2 Tageschart, Candlestick-5-Minuten
