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News - 22.01.05 13:02
Börsenausblick: Europas Berichtssaison fesselt die Märkte
Obwohl die Berichtssaison kommende Woche auf Hochtouren läuft, erwarten Anlageexperten kaum Veränderungen bei den Aktienindizes. Für den Dollar sind Devisenstrategen optimistisch.
Die Anleger haben in dieser Woche eine Reihe wichtiger Daten zu verdauen, vor allem von Unternehmens-, aber auch von Konjunkturseite. Nach gemischten Zahlen aus den USA in der Vorwoche kommt nun die Berichtssaison in Europa in Schwung. Die meisten Aktienstrategen haben sich angesichts der zu erwartenden Informationsfülle für einen neutralen Ausblick entschieden: Die Märkte werden seitwärts verlaufen, heißt es fast übereinstimmend. Bei Euro-Renten erwarten die Experten ein Ende der Rally, der Dollar dürfte weiter zulegen.
In der Vorwoche ging es bei den wichtigen Aktienindizes überwiegend abwärts. Der verlor 0,4 Prozent auf 4213,70 Punkte, der 0,25 Prozent und der 1,56 Prozent. Der verlor 2,57 Prozent.
Rekordjagd am Rentenmarkt beendet
Die Rekordjagd am europäischen Rentenmarkt, die den Bund-Future bis auf 120,31 Punkte trieb, gilt vorerst als beendet. "Wir halten es für wahrscheinlich, dass wir nun bis Ende Januar in eine Art Seitwärtsbewegung übergehen werden", schreibt die HypoVereinsbank in ihrem Freitagspapier. Pessimistischer sind die Experten von HSBC Trinkaus & Burkhardt , die mit etwas schwächeren Notierungen beim Bund-Future rechnen.
"Die Entwicklung bei den Währungen wird wieder wichtiger", sagte Daniel Pfändler, Rentenstratege von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Er rechnet damit, dass der Euro weiter nachgibt und dies die Anleihekurse in nächster Zeit belastet. Vor allem kurzfristige Rentenpapiere, in die Euro-Käufer häufig investieren, könnte dies unter Druck setzen.
Dollar auf Konsolidierungskurs
Der Dollar könnte seine Konsolidierung gegenüber dem Euro weiter fortsetzen, meint auch die HVB. Dafür werde schon die Spekulation bezüglich des nächsten Treffens der sieben größten Industrienationen sorgen. Allein die Erwartung, die Teilnehmer könnten sich auf ein Statement einigen, das auf die Entlastung des Euro abzielt und die asiatischen Staaten, insbesondere China, zur Aufwertung ermahnt, werde wohl den Euro weiter schwächen.
Am US-Aktienmarkt sind die großen Chemiekonzerne mit Quartalszahlen an der Reihe. Ein starkes Preisumfeld und die große Nachfrage aus China dürften laut Merrill Lynch für ein positives Ergebnis bei DuPont und Dow Chemical sorgen.
Microsoft setzt Marken
Zu den herausragenden Terminen im Technologiebereich gehören am Donnerstag die Quartalszahlen von Microsoft . Brent Thill von Prudential Equity Group geht davon aus, dass der weltgrößte Softwarekonzern erneut ein starkes Ergebnis melden wird, sowohl im Privat- als auch Unternehmenskundenbereich.
SAP und STMicroelectronics am Mittwoch sowie Nokia, Siemens und Philips am Donnerstag sind im reich gefüllten europäischen Quartalsberichterstattungskalender die wichtigsten Termine. Im Dax beginnt bereits am Montag Infineon die Saison mit Zahlen zum abgelaufenen Quartal.
Fokus auf Nokias Prognose
Bei Nokia rechnen die Analysten im Durchschnitt mit einem im Vergleich zum Vorquartal unveränderten Gewinn pro Aktie von 0,19 Euro. Gegenüber dem Vorjahresquartal ist das allerdings ein Einbruch im fast ein Viertel. Interessanter für die Aktie wird allerdings voraussichtlich die Prognose des Managements sein: "Wir erwarten, dass Nokia einen vorsichtigen Ausblick für das erste Quartal 2005 abgibt", schreibt Analyst Nicolas von Stackelberg von Sal. Oppenheim. Der bisherige Analystenkonsens für den Gewinn im laufenden Vierteljahr liegt bei 0,15 Euro je Aktie.
Bei Siemens übergibt der langjährige Chef Heinrich von Pierer auf der Hauptversammlung in München die Führung an Klaus Kleinfeld. Am Morgen vor Börsenöffnung veröffentlicht der Elektrokonzern die Zahlen zum abgelaufenen Quartal und gibt einen Ausblick auf das laufende Jahr. Für das abgelaufene Quartal liegen die Analystenschätzungen für den Nettogewinn um 900 Mio. Euro. Anleger erwarten außerdem Aussagen des neuen Chefs zur Zukunft der Handysparte.
Konjunktursignale aus den USA
Die für die Märkte wichtigsten Konjunkturdaten kommen aus den USA. Besonders beachtet wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das vierte Quartal am Freitag. Laut Marktanalyst Steffen Neumann von der Landesbank Rheinland-Pfalz ist hier weniger die eigentliche BIP-Zahl entscheidend, sondern die für die Zinserwartungen wichtige Inflationskomponente: "Mit der Veröffentlichung der ersten BIP-Schätzung für die USA im vierten Quartal werden nämlich auch der BIP-Deflator und die Arbeitskosten veröffentlicht." Die BIP-Konsensschätzung liegt bei 3,5 Prozent, die Prognose für den Deflator bei 2,1 Prozent nach 1,4 Prozent im Vorquartal.
Neben Unternehmenszahlen und Konjunkturdaten sehen Analysten ein weiteres Thema auf die Märkte zukommen: die weltpolitische Lage. Am Sonntag stehen die Wahlen im Irak und das Treffen des Ölkartells Opec an. Auch der Konflikt mit dem Iran könnte laut Bankgesellschaft Berlin ein Thema werden: "Sollte in dieser politisch brisanten Diskussion die militärische Option stärker in den Vordergrund treten, dürften die negativen Auswirkungen auf die Aktienkurse deutlich zunehmen."
Quelle: Financial Times Deutschland
Gruss Nostra2