Ex-Minister Müller soll RAG-Chef werden


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Ex-Minister Müller soll RAG-Chef werden

 
04.04.03 08:35
Als er noch Politiker war, erlaubte sein Ministerium den Energieriesen E.ON und RAG ein umstrittenes Geschäft, nun soll er ausgerechnet Chef der RAG werden: Werner Müller, einst Wirtschaftsmann im Kabinett Schröder, hat aller Voraussicht nach einen neuen Job - und eine weitere Kontroverse am Hals.

Essen - Wie mehrere Tageszeitungen unter Berufung auf Unternehmens- und Gewerkschaftskreise melden, soll der parteilose Ex-Politiker und frühere Veba-Manager schon bei der Aufsichtsratssitzung Mitte April zum neuen Vorstandschef des Bergbaukonzerns bestimmt werden. RAG gehört zu den 25 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland.

Die Entscheidung für Müller sei intern bereits gefallen und müsse nur noch formal besiegelt werden, heißt es. Einen offiziellen Vorschlag des Aufsichtsratspräsidiums gebe es aber noch nicht. Ein RAG-Sprecher wollte sich zu den "Personalspekulationen" nicht äußern. Der bisherige RAG-Chef Karl Starzacher will seinen Posten zum 31. Mai räumen.

Breite Koalition der Großaktionäre

Der Minister soll von den Arbeitnehmervertretern im RAG-Aufsichtsrat vorgeschlagen worden sein, die auf Grund der Montanmitbestimmung ein hohes Gewicht im Unternehmen haben. Großaktionär E.ON, auf dessen Pensionsliste Müller ohnehin steht, ist mit der Personalie offenbar einverstanden, ThyssenKrupp als weiterer Anteilseigner soll keine Einwände haben. Auch der dritte Großaktionär, die RWE, hat ihren Widerstand offenbar aufgegeben.

Der RAG-Konzern ist stark von Subventionen abhängig. Für Müller spricht, dass er als Politiker ohne Parteibindung gute Kontakte für die anstehenden Verhandlungen über die weitere Subventionierung des Steinkohlenbergbaus nach 2005 mitbringt. Ein wichtiges Argument für Müller ist auch, dass er sofort verfügbar ist.


Abrupter Abgang des Vorgängers

Der bisherige RAG-Chef Starzacher hatte am Dienstag überraschend nach nur drei Jahren an der Spitze seinen Rücktritt angekündigt. Ausschlaggebend dafür seien persönliche Gründe, hieß es in einer Erklärung des Unternehmens. Doch wurde in den Medien spekuliert, dass der Manager das Vertrauen der Anteilseigner E.ON, RWE und ThyssenKrupp verloren habe.

Der Schritt Starzachers fällt in eine Phase großer Umbrüche bei dem Essener Bergbaukonzern. Erst kürzlich hatte der Konzern unter der Regie Starzachers sein Aktienpaket an der Ruhrgas AG an den Düsseldorfer E.ON-Konzern verkauft und sich im Gegenzug die Mehrheit am weltgrößten Spezialchemiekonzern Degussa gesichert. Die Spezialchemie soll künftig neben dem Bergbau das zweite große Standbein der RAG darstellen.

Unternehmen im Umbruch

Die Ruhrgas-Übernahme durch E.ON gehört zu den umstrittensten Deals der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte. Sie wurde von Verbraucherschützern heftig kritisiert und von E.ON-Konkurrenten vor Gericht angefochten. Dieser Streit ließ sich nur durch teure Ausgleichszahlungen von E.ON an die Kläger außergerichtlich beilegen. Zuvor hatte schon das Kartellamt die Übernahme untersagt. Dieses Verbot wurde durch eine umstrittene Ministererlaubnis aufgehoben, die Müllers Staatssekretär Alfred Tacke erteilte.

RAG steckt weiter in einer Umbruchsphase plant den Verkauf großer Konzernteile, um den neuen Unternehmenskurs finanzieren zu können. Bis Ende 2004 sollen Tochterfirmen mit rund 17.800 Mitarbeitern und einem Umsatzvolumen von rund 6,3 Milliarden Euro verkauft werden. Dazu gehören nach Angaben des Unternehmens der Kraftwerkskonzern Steag, die Kunststoffbereiche des Chemieunternehmens Rüttgers sowie die Bereiche Stromerzeugung/Gas von RAG Saarberg. Mit rund 87.500 Mitarbeitern erwirtschaftete das Unternehmen 2001 einen Umsatz von über 15 Milliarden Euro.  
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